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Die Studiensekretärin des Unispitals Basel, Frau Gerber, teilte mir mit, dass ich für zwei Monate in die Kinderorthopädie des UKBB eingeteilt sei, welche sich allerdings 20 Minuten mit der Straßenbahn vom Stadtzentrum Basel entfernt in Bruderholz befinde. Meine Begeisterung hielt sich anfangs in Grenzen, doch alle Skepsis wurde schließlich hinweggefegt.
Lindernd kam als Umstand hinzu, dass ich 900 SFr/Monat verdienen sollte und direkt auf dem Krankenhausgelände in der sogenannten Personalwohnsiedlung (PWS) für 360 Sfr pro Monat ein sehr anständiges möbliertes Zimmer mit Bad bekam. Das ist für Schweizer Verhältnisse ein sehr humaner Preis. Bettwäsche und ein kleines Handtuch wurden gestellt, die Küche war auf dem Gang, ein Schwimmbad im Keller. In der PWS wohnten auch die meisten anderen "ausländischen" Unterassistenten, so dass man beinahe zwangsläufig Anschluss fand.
Um die Einreiseformalitäten kümmerte sich das Studiensekreteriat, etwaige entstehende Kosten von unter 100 SFr wurden vom ersten Lohn abgezogen. Man sollte sich gleich am ersten Tag, an dem zunächst alles Bürokratische geregelt wird, einen Personal-Ausweis holen. Mit dem kann man in der im Vergleich zu deutschen Krankenhäusern großartigen Kantine auch abends für etwa 5 Sfr pro Gericht essen und bei Bedarf für ca. 30 Sfr pro Monat auf dem Krankenhausparkplatz parken.
| Die Kinderorthopädie der UKBB |
Insgesamt ist die Kinderorthopädie als Zweigstelle des UKBB eine nur kleine Abteilung, die jedoch ihre Patienten etwas verstreut über das gesamte Spital versorgt. Dadurch besteht aber auch eine sehr familiäre Atmosphäre, und bis auf den Chef duzen sich eigentlich alle inklusive Unterassistent. Unterassistenz-Beginn ist immer zum 1. eines Monats.
| Die Arbeit in der Kinderorthopädie |
Der normale Tag begann mit der um 7:00. Dann folgte die Morgenvisite, die der Unterassistent in der Regel aber nur bei Anwesenheit des Chefs mitmachen musste. Ansonsten fand die Visite durch die einzelnen Teams mit ihren Oberärzten statt: Tumor/Becken, Wirbelsäule/Ellbogen, Hüfte/Knie, Neuroorthopädie.
Als einziger UA war ich meistens mit der Aktualisierung der Stationsliste beschäftigt und durfte dann eigentlich jeden Tag in den OP, was in der Kinderorthopädie eben nicht nur aus Hüften-Halten besteht, sondern sehr abwechslungsreich und spannend ist. Die 9-Stunden-WS-OPs machen allerdings nur einmal Spaß.
Wer sich nicht zu blöd anstellt, darf auch selbst mal ran.
Nach dem OP hatte ich noch maximal fünf Aufnahmen zu bewältigen, bei denen ich mehr über Orthopädie gelernt habe als in meinem ganzen Studium. Die Krankheiten reichten von Gelenktuberkulose bis zur 70°-Skoliose. Bei Zeitmangel nahm mir auch mal ein Assistenzarzt die Aufnahmen ab.
Jeden Tag hat ein Team OP-Tag. Am Tag davor kommen die entsprechenden Aufnahmen und der Team-Assistent geht diese dann mit dem UA durch. Das Tumor/Becken- und das Neuroortho-Team betreuen auch Erwachsene. Prof. Hefti und Prof. Brunner sind auf ihren Gebieten Koryphäen und halten in der ganzen Schweiz Sprechstunden.
Es kann übrigens durchaus passieren, dass man erst nach 20:00 Uhr das Haus verlässt; das, was man lernt und das wirklich gute Arbeitsklima machen die Überstunden aber tausendfach wett.
| Die Sprache |
Sprachlich sind das bisweilen gesprochene Italienisch und Französisch kein Problem. Ich beherrsche beide Sprachen nicht, aber falls es notwendig war, half mir das Pflegepersonal. Schwieriger war es mit dem Schwyzerdütsch. Da musste die eine oder andere Mutter ihrem Kind meine Fragen übersetzen und wenn es im OP hektisch wurde, blieb ich manchmal stutzig. Aber Basel ist Grenzland und beinahe die Hälfte der Ärzte dort kommt aus Deutschland, so dass die meisten nachsichtig sind, wenn man etwas nicht versteht - nur nie versuchen, selbst so zu sprechen!!!
| Fortbildungsangebote |
Einmal die Woche gab es eine Fortbildung oder einen Journal-Club, die sich wirklich so nennen durften. Zum Teil fanden die Veranstaltungen an Leichen statt.
Etwa zweimal im Monat war man einen Samstag oder Sonntag in der Kinder-Notaufnahme eingeteilt. Hier sah man nicht nur Knochenbrüche. So musste ich während einer kleinen RSV-Epidemie in zwei Tagen 60 Trommelfelle bei schreienden Kindern inspizieren, das schult!
| Freizeitangebote |
Ich war zugegeben abends oft recht geschafft, dennoch gab es ausreichend Gelegenheit, Basel bei Nacht kennen zu lernen. Wer sich klar macht, dass auch eine für Schweizer große Stadt wie Basel tatsächlich eben doch nur mit Heidelberg zu vergleichen ist, der kommt garantiert auf seine Kosten. Insbesondere, wenn er wie ich über die Fasnacht-Zeit - dafür ist Basel berühmt - dorthin geht.
Zum nächsten Gletscher ist es nicht mal eine Stunde und andere Skigebiete in der Nähe sind en masse vorhanden. Wenn ihr den ersten Lohn auf dem Konto habt, solltet ihr einmal in die "Kunsthalle" essen gehen und unter Fresken sitzend von Kellnern in weißen Jacken bedient werden. Kunstuninteressierte müssen unbedingt einmal die Fondation Beyerle besuchen! Wem das nicht reicht, der ist mit dem Auto in einer Stunde in Zürich.
Einkaufen, vor allem Fleisch und Milchprodukte, sollte man am besten in Deutschland, das sind ca. 15 min mit dem Auto, sonst gibt es einen COOP und einen MIGROS etwa 10 Minuten zu Fuß von der PWS entfernt: Einfach den Berg runter, da ist auch die Straßenbahnhaltestelle.
| Die Versetzung ins Kantonsspital Basel-Stadt |
Die anderen beiden Monate meines Tertials bin ich dann ans Kantonsspital in Basel-Stadt gegangen und auch dorthin gezogen. Das war weniger arbeitsreich und dafür reicher an Alkohol, gelernt habe ich aber lange, lange nicht so viel.
| Fazit |
Insgesamt bin ich glücklich, nach Bruderholz "versetzt" worden zu sein und kann euch die Kinderothopädie uneingeschränkt empfehlen.
| Adresse |
Zum Schluss noch ein paar wichtige Adressen und Telefonnummern.
1. Ansprechpartnerin für Alles:
Sekretariat Professor Hefti, Kinderorthopädie, UKBB:
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