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Geriatrie-Famulatur in Bern, Schweiz
Es lohnt sich, in jeder Hinsicht... (Sommer 2007)
Christian Wocke
Seit Längerem gilt die Geriatrische Universitätsklinik des Spital Zieglers in Bern als ein Geheimtipp unter PJ-Studenten für das Tertial in Innere Medizin. Famulaturen waren bisher von der Klinikleitung aus verschiedenen organisatorischen Gründen allerdings leider nicht vorgesehen. Da ich mich für den Fachbereich Geriatrie interessiere, fragte ich dennoch in meinem vierten klinischen Semester nach, ob ich dort eine Famulatur ableisten könnte, lieferte einige Argumente pro Famulatur und bekam eine positive Antwort.
Übersicht
| Die Vorbereitung der Famulatur | hoch |
Innerhalb weniger Tage wurden alle Formalitäten von Seiten des Spitals per Email erledigt. Der Arbeitsvertrag wurde mir zugeschickt und musste von mir nur noch unterschrieben zurückgefaxt werden. Selbst die Anmeldung bei den Schweizer Behörden wurde von der Spitalleitung übernommen. Ein Zimmer konnte ich für etwa 200 Euro im Personalhaus des Spitals ebenfalls per Email mieten.
Die Stadt Bern hat 128.000 Einwohner, eine sehr schöne Altstadt und liegt vor den Toren des Berner Oberlandes, welches mit seinen Bergen, Wäldern und Seen eine beeindruckende Landschaftskulisse bildet. Gesprochen wird Berndeutsch, eine lokale Variante der schweizerdeutschen Mundart, die mir je nach Dialekt doch häufiger als gedacht Verständigungsprobleme bereitete.
Da die Lebenshaltungskosten in der Schweiz höher als in Deutschland sind und man für seine Famulatur nicht bezahlt wird, sollte man vor der Famulatur sparen und gut kalkulieren. Insgesamt muss man damit rechnen, für Bahn, Zimmer, Verpflegung und Freizeitgestaltung circa 1300 Euro auszugeben.
| International anerkanntes Zentrum für Altersmedizin | hoch |
Die Geriatrische Universitätsklinik der Stadt Bern ist ein international bekanntes Zentrum für Klinik, Lehre, Forschung und Beratung im Bereich Altersmedizin. Das Leistungsangebot umfasst die stationäre Akutgeriatrie, teilstationäre Angebote im Tagespital sowie ambulante Angebote wie die Memory Clinic. Die Geriatrie ist mit fast 100 Betten verteilt auf 5 Stationen in einem Akutkrankenhaus zusammen mit den Fachdisziplinen der Inneren Medizin, Anästhesie, Radiologie, Chirurgie sowie Orthopädie untergebracht. Eine professionell ausgebildete und gut ausgestatte Physio- sowie Ergotherapie ergänzen das medizinische Angebot.
Auf Basis dieses vielfältigen medizinischen Angebot und unterstützt von Sozialarbeitern kann der geriatrische Patient mithilfe interdisziplinärer Teamarbeit nach dem bio-psycho-sozialem Modell behandelt werden. Interdisziplinäre Teamarbeit sowie bio-psycho-soziales Modell sind zwei der Hauptfeiler, auf denen eine gute Geriatrie aufgebaut ist. Die Geriatrie im Spital Ziegler ist dafür ein gutes Beispiel. Ich war beeindruckt von der tollen Teamatmosphäre und der flachen Hierarchie, die beim Klinikpersonal durch alle Fachdisziplinen zu spüren war, dies wirkte sich auch positiv auf das gesamte Arbeitsklima aus.
| Gomers? Alles andere! | hoch |
Bei einigen Studenten und leider sogar manchen Ärzten in Deutschland besteht immer noch ein falsches Bild von der Geriatrie. Viele setzten diesen in Zukunft rasch wachsenden Fachbereich mit reiner Pflege gleich und denken nur an die im House of God beschriebenen Gomers. Doch genau das Gegenteil war während meiner Famulatur der Fall. Die Patienten hatten aufgrund ihrer Multimorbidität komplexe und zum medizinischen Denken anregende Krankheitsbilder aller Fachrichtungen. Jede Anamnese, körperliche Untersuchung sowie Medikamentenverordnung brachte mir einen Lernfortschritt. Besonders spannend waren die Fälle, welche per Rettungsstelle eingewiesen wurden und akutmedizinisch versorgt werden mussten.
Mein Aufgabenbereich umfasste die Aufnahme neuer Patienten sowie die alltägliche Stationsarbeit zusammen mit dem diensthabenden Arzt. Nachdem wir die Patienten aufgenommen und das weitere Procedere überlegt hatten, wurden alle Untersuchungen, Befunde sowie Anordnungen gemeinsam mit dem zuständigen Oberarzt diskutiert, gegebenenfalls der Patient erneut untersucht und ausstehende Fragen geklärt.
| Motivierender Wissensaustausch | hoch |
Die Feedbacks waren geprägt von einer gleichberechtigten Diskussion über den Patienten, sein Krankheitsbild sowie seine soziale Situation und wie man seine zukünftige Lebensqualität verbessern bzw. erhalten könnte. Dabei wurde man zum gemeinsamen Mitdenken sowie Wissensaustausch angeregt und motiviert, Vergessenes oder noch Unbekanntes während des Feierabends nachzulesen, selbst wenn dieser manchmal erst etwas später begann. Jeden Morgen gab es eine lehrreiche Besprechung mit den Radiologen, bei der alle in der Geriatrie angeordneten radiologischen Untersuchungen und Befunde gemeinsam besprochen wurden.
Alle zwei Tage fand eine interessante Fortbildung aus dem Fachbereich der Inneren Medizin sowie Geriatrie statt, in denen theoretisches Wissen anhand von aktuellen Fallbeispielen verdeutlicht wurde.
Da Grundlage der Arbeit ist, die körperliche Untersuchung und die Anamneseerhebung zu beherrschen, und weil zumindest das grobe Wissen über die wichtigsten Krankheitsbilder, Medikamenteninteraktionen und -wirkungen für eine erfolgreiche Famulatur erforderlich sind, empfehle ich Euch, erst zum Ende des Studiums in der Geriatrie der Berner Uniklinik zu famulieren.
Es lohnt sich, in jeder Hinsicht...
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