Medizinstudium
Bücher/Medien
Arzt im Beruf
![]() ![]() |
|
Infos | Länder | Infopakete | Weblogs | Reisemedizin | Entwicklungshilfe | Literatur | Bericht schreiben
| Auslandsforum
|
|
|
|
| Tertial Innere Medizin in Graubünden |
Mein erstes PJ Tertial führte mich vom 14.08.2006 bis zum 01.12.2006 in den größten Kanton der Schweiz, nach Graubünden. Für 16 Wochen war ich in der Inneren Medizin oder wie man in der Schweiz sagt: Medizin, als Unterassistent eingestellt. Da sich vor etwa einem Jahr die beiden Krankenhäuser Kantons- und Kreuzspital Chur zusammengeschlossen hatten, absolvierte ich mein Tertial in beiden Häusern.
Meine Bewerbung für das Praktikum erfolgte bereits einige Zeit früher. Um relativ sicher eine Stelle zu bekommen, sollte man sich etwa bis zu zwei Jahre vorher bewerben. Mit etwas Glück kann man es auch ganz kurzfristig versuchen; manchmal werden Stellen zurückgegeben oder können nicht angenommen werden. Andernfalls ist es sehr schwierig einen Platz zu bekommen. Besonders auch deshalb, da Schweizer Studenten ebenfalls im Rahmen ihres Wahlstudienjahres ein dem PJ-Tertial ähnlich aufgebautes Praktikum absolvieren müssen. In Chur ist übrigens für die Innere nur die Bewerbung für vier Monate möglich.

| Ausbildung wird groß geschrieben |
Von Beginn an wird man im Spital aktiv in den Arbeitsablauf integriert. Die Unterassistenten sind dabei einer Station und somit einem Assistenzarzt zugeteilt. Hier besteht die wichtigste Aufgabe darin, die Patienten aufzunehmen. Fast alle Patienten, die stationär aufgenommen werden, werden vom Unterassistenten oder UHUs betreut. Man erhebt die Anamnese und führt im Anschluss die körperliche Untersuchung durch. Sobald alles fertig ist, wird eine sog. Problemliste formuliert. Sie umfasst alle Probleme bzw. Diagnosen, die an dem Patienten interessieren. Dabei fließen unter anderem auch aktuelle Laborbefunde sowie EKGs mit ein.
Wenn Anamnese, körperliche Untersuchung und Problemliste erledigt sind, wird das weitere Vorgehen mit dem zuständigen Oberarzt besprochen. Gemeinsam mit Oberarzt, Stationsarzt und Unterassistent werden alle erhobenen Befunde bzw. Probleme noch einmal diskutiert. Im Anschluss daran geht man gemeinsam zum Patienten.
| Stationsarbeit und Visiten |
Neben den Aufnahmen gab es aber noch viele weitere Dinge auf Station zu erledigen. Es bestand z.B. die Chance, selbst eigene Patienten zu betreuen. Durch die eigene Arbeite lernte man schnell was es heißt, eine Station zu "managen". Allein drei bis vier Patienten können ausreichen, um einen UHU einen ganzen Tag lang zu beschäftigen!
Natürlich dürfen auf einer Inneren Abteilung die Visiten nicht fehlen. Diese wurden immer vormittags von 9.30 Uhr bis gegen 12 Uhr gemeinsam mit dem Stationsarzt und dem Pflegepersonal durchgeführt. Einmal pro Woche gab es zudem eine Oberarztvisite. Ebenfalls einmal pro Woche stand die Visite mit dem Chef, Prof. Reinhart, auf dem Programm.

| Notfall war das Highlight |
Durch das Rotationsprinzip waren die Unterassistenten immer wieder auf unterschiedlichen Stationen eingesetzt. Meist blieb man für etwa 3-4 Wochen auf einer Station.
Für alle Unterassistenten war es zusätzlich obligat, etwa einmal alle sechs Wochen einen Wochenenddienst zu übernehmen. Hier war man meist in der Notaufnahme eingeteilt und konnte selbstständig Patienten aufnehmen und betreuen. Für uns UHUs war es trotz der Arbeit am Wochenende immer ein Höhepunkt, auf der Notaufnahme zu arbeiten!!
| EKG - Kurs und "Dienstagsweiterbildig" |
Neben dem tollen "teaching" auf der Station gab es zudem noch spezielle Weiterbildungen für die Unterassistenten. Jeden Dienstag begann der Tag früh mit einem EKG-Kurs bei Prof. Dubach. Hier konnten alle UHUs spannende EKGs mitbringen, die dann gemeinsam besprochen wurden. Für mich persönlich war der EKG Kurs eine tolle Bereicherung, vieles rund ums EKG wurde mir erst hier so richtig klar. Zumal ich an unserer Uni leider nie einen richtigen EKG-Kurs hatte.
Ebenfalls am Dienstag fand die Weiterbildung für Unterassistenten statt. Diese wurde organisiert von OÄ Dr. Schicker, der Ansprechpartnerin für alle Fragen rund um die UHUs. Die Themen konnten wir meist eine Woche vorher auswählen. Sie umfassten wichtige Bereiche der Medizin wie Schmerztherapie, Behandlung des Diabetes oder die Interpretation von Laborbefunden.

| Symposien und hausinterne Weiterbildung |
Nicht nur die Aus- und Weiterbildung der Unterassistenten war sehr gut im Kantonsspital. Alle Unterassistenten hatten zudem die Möglichkeit, jeden Donnerstag die hausinterne Weiterbildung zu besuchen. Hier wird, meist durch einen Leitenden Arzt, ein Krankheitsbild vorgestellt und von Diagnose bis zu Therapie alles besprochen.
Alle vier Wochen findet zudem ein Mini-Symposium statt, dass die UHU´s ebenfalls besuchen können und auch sollen. Und wer nach soviel Wissenschaft noch Appetit und Durst hat, der kann sich auf einen kleinen Apero freuen. Dieser wird immer nach dem Symposium gereicht.
| Blutspendedienste |
Eine angenehme Abwechslung zu der normalen täglichen Arbeit waren die sog. Blutspendedienste. Über den Blutspendedienst Graubünden werden zwei bis dreimal pro Woche Blutspendeaktionen organisiert. Hierfür braucht es dann meist pro Aktion einen Unterassistenten, der im Rahmen der Blutspende mithilft und bei medizinischen Fragen der Spender zur Seite stehen sollte. Für mich war die Blutspende ein angenehmer Ausgleich zur Stationsarbeit. Die Blutspendeaktionen führten mich dabei über Chur oder Davos bis an die entfernten Winkel Graubündens, wo schon Italienisch die Muttersprache ist!

| Nach der Arbeit….. |
Besonders für Naturliebhaber ist Chur sehr zu empfehlen. Ob nun im Sommer oder im Winter, an Möglichkeiten der Freizeitaktivitäten mangelt es hier kaum. Gemeinsam mit den anderen Unterassistenten gab es viel zu unternehmen. Die langen warmen Sommerabende verbrachten wir oft damit, Beach-Volleyball bis in die Dunkelheit zu spielen.
Am Wochenende standen meist Fahrradtouren ins Bündner Land auf dem Plan. Und falls man noch genügend Kraft und Lust hat, kann man einen der vielen Gipfel wie zum Beispiel den 2860 Meter hohen Hausberg von Chur - den Calanda - besteigen.
Neben den vielen gemeinsamen Aktivitäten, trainierte ich zweimal pro Woche im "Budo-Club Haru" die japanische Selbstverteidigung Ju-Jitsu.
Auch zum Weggehen hat Chur einiges zu bieten. Beliebte Domizile für uns waren unter anderem die Q-Bar, Felsenbar oder das Calander. Besonders für das gute Verhältnis untereinander spricht auch, das vielfach auch Assistenzärzte mit uns im "Ausgang" waren. ….und wenn man im Winter in Chur ist, dann liegt nicht näher, als nach der Arbeit oder am Wochenende eines der Skigebiete von Davos, Arosa oder Flims/Laax unsicher zu machen!

| Unterbringung und Finanzen |
Die Unterbringung kann auf Wunsch im Personalwohnheim erfolgen. Davon gibt es für die Spitäler mindestens drei. Für die UHUs kostet die Unterkunft ca. 300 Franken. Hierfür erhält man ein voll möbliertes Zimmer, wahlweise auch mit Dusche im Zimmer. Die Miete wird gleich vom Lohn abgezogen, der bei ca. 1000 Franken liegt. Im Spital besteht außerdem die Möglichkeit zu essen. Ein normales Mittagessen kosten zwischen 8 - 10 Franken, je nach Menü.
Meist trifft man im Wohnheim weitere Unterassistenten, die ebenfalls im Spital arbeiten. Oftmals läuft man sich am Abend über den Weg und setzt sich zum kurzen Plausch noch in die Küche.
| Fazit |
Das PJ-Tertial in Chur war für mich eine tolle Erfahrung. Schon vom ersten Tag an wurde ich sehr gut in das Team integriert. Die Ausbildung war ausgezeichnet organisiert. Durch die Rotation im Spital konnte man sehr viele Bereiche kennen lernen. Zudem gab es auch die Möglichkeit, einen Tag mal beim "Spezialisten" wie z.B. den Kardiologen, Gastroenterologen oder Neurologen zu verbringen.
Von den Patienten wurde man immer respektiert und als Mediziner wahrgenommen. Es ist schon ein tolles Gefühl, nach fünf Jahren Theoriestudium vor einem Patienten zu stehen und ein "Herr Doktor" zu hören.
Ich denke gern an die Zeit in Chur zurück und kann es jedem nur wärmstens empfehlen!!!

| Schweizer und Deutsche: Kulturelle Unterschiede trotz gleicher Sprache |
| Ein Bericht über das Schweizer Taschenmesser |
| Land auswählen | |
|
|
| Neue Auslandsberichte | |
|
| Via Newsletter | |
|