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| Prof. Siegenthaler ganz nah - beim traditionellen Käsefondue Foto: J. Purrucker |
Übersicht
| Die Ankunft in Davos |
Nach jener Fahrt, die heute noch nichts an Reiz verloren hat, begrüßte mich Davos in strahlendem Sonnenschein. Dank der perfekten Organisation sowohl von Thieme als auch der Studenten selbst, dank studiVZ-Gruppe und Email, haben wir alle eine Unterkunft gefunden. Ich hatte mich für eine WG entschieden und so war die Spannung groß, wie denn meine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner in Real Life sein werden. Doch die wenigen Zweifel verflogen schnell dank meiner "perfekten WG-Nachbarn" und einer Ferienwohnung, die nichts an Komfort vermissen ließ - und die darüber hinaus gut bezahlbar war. Am Sonntag wurde zunächst fürstlich gefrühstückt, ehe wir uns gemeinsam mit anderen Studenten auf zu einer ersten Wanderung machten. Ach, tat das gut, nach all den Prüfungen zuvor!
| Anekdoten aus Prof. Siegenthalers Leben |
Gegen Abend dann folgte die feierliche Eröffnung durch Prof. Siegenthaler, der die wichtigsten Stationen seines 85 Jahre umfassenden Lebenslaufes darstellte. Ungläubig lauschten wir den Anekdoten, zum Beispiel wie er als junger Assistenz zwischen den Patienten leben musste. Oder wie man damals bei auswärtigen Obduktionen die Organe in der Bahn nach Zürich transportieren musste - ständig in der Sorge, Anstoß zu erregen. Von großen Medizinern wurde Siegenthaler ausgebildet, doch auch große Mediziner bildete er aus. Genoss er noch die Lehre von Wilhelm Löffler ("Löffler-Syndrom"), so hielten während der Sommerseminarwoche mehrere seiner "ausgewachsenen Zöglinge" ausgezeichnete Vorträge: zum Beispiel Prof. Dr. Dr. Hubert Blum, Direktor der Abteilung Innere Medizin II an der Uniklinik Freiburg i.Br., und Prof. Dr. Darius Moradpour, Chefarzt der Gastroenterologie am Centre Hospitalier Universitaire Vaudois, Lausanne.
| Die Seminare |
Von Montag bis Freitag, stets von 8:30 bis 19 Uhr folgten dann die eigentlichen Seminare. Spannende Themen, von der Pädiatrie (neue Medikamente, Diabetes) bis zur Geriatrie (Delir, Sturzprävention u.w.), von Molekularer Medizin bis zu Hausarztforschung reichte die Bandbreite, für jeden wurde etwas geboten. Siegenthaler, einer der letzten großen Generalisten, versteht es also immer noch, fesselnde und aktuelle Themen zusammenzustellen und namhafte Dozenten zu gewinnen.
Highlights waren sicher auch die Neurologie-Vorlesungen von Prof. Marco Mummenthaler, der trotz seines ebenfalls hohen Alters noch junge Vorlesungen hält, stets mit einem gewissen Witz und großer klinischer Erfahrung - so wie man sich die perfekte Vorlesung eben wünscht.
Den größten Lacher hatte aber sicher Prof. Dr. Klaus Ott vom Zentrum ZMK, Poliklinik für Zahnerhalt in Münster. Ott (HNO) erzählte von einer Staatsexamensprüfung einer zahnmedizinischen Studentin, die auf die Frage nach der Behandlung eines Peritonsillarabszesses antwortete: "Dies erfolgt nach dem alten medizinischen Spruch: ubi pus - ibi exitus". Sie hat trotzdem bestanden.
Prof. Siegenthaler - wie auch alle anderen Dozenten, waren für die teilnehmenden Ärzte ebenso wie für uns auch in den Pausen da und beantworteten Fragen und signierten Bücher. Ein wenig der sprichwörtlichen Siegenthalerschen Strenge, die in seinen Vorlesungen geherrscht haben muss (die Hörsäle wurden nach Beginn der Vorlesung abgeschlossen) spürten auch wir: So erwartete er von uns rege Teilnahme und Pünktlichkeit. All dies haben wir auch ziemlich gut hinbekommen. Apropos Pünktlichkeit: Es mag an den Schweizer Uhren liegen - oder an Prof. Siegenthalers Ausstrahlung: Noch nie haben wir eine so perfekte Einhaltung von Redezeiten erlebt.
Nach kurzer Mittagspause fanden die Notfallseminare, fast alle im Spital Davos, statt. Dort konnten wir einen Notfallkoffer zusammenstellen und mit Ärzten und Notfallmedizinern über Sinn und Unsinn einiger Gegenstände diskutieren. Gehört der AED mit dazu? Deutsche Hausärzte schreckten die Kosten, die Schweizer waren da deutlich offener. Übrigens hing nicht nur im Kongresszentrum einer, sondern auch alle Busse waren mit Defi und Anleitung zum Basic-Life-Support ausgerüstet.

Foto: J. Purrucker
Richtig praktisch wurde es auch am letzten Tag, als wir die Bergung Verletzter aus dem Auto und Wirbelsäulen-schonende Lagerungen üben konnten.
Schön war auch, dass wir Studenten bei den zahlreichen Fall-Quiz' mindestens genauso gut mitmachen konnten, wie die erfahrenen Ärzte. Auch waren die individuellen Unterschiede von Uni zu Uni nicht so groß, wie ich befürchtet hatte. Ob Reformstudiengang, Privatuni, Österreich oder "normal deutsch": Irgendwie lernen wir doch alle das Gleiche. Sehr beruhigend.
| Traditionelles Käsefondue |
Dienstag Abend lud Prof. Siegenthaler (mit Dank an den Thieme Verlag) zum traditionellen Käsefondue-Essen in ein benachbartes Tal ein. Prof. Blum und Prof. Moradpour leisteten uns nicht nur Gesellschaft, sondern boten sich aus als Fahrer an. Ein sehr gelungener Abend mit vorzüglichem Fondue und spannenden Gesprächen. Selten kann man so ungezwungen mit großen Ärzten der heutigen Zeit reden. So hatte Prof. Moradpour schnell alle Sympathien auf seiner Seite, als er scherzhaft sagte: "Drei Dinge habe ich nie verstanden: Die Neurologie, den Säure-Base-Haushalt und die Gerinnungskaskaden". Nun, so ganz geglaubt haben wir es ihm nicht.
Für den Mittwoch-Abend haben wir dann in Eigenregie ein Abendessen im Schatzalp-Restaurant organisiert. Hierzu ging es mit einer Zahnradbahn steil hinauf um dann, mit einem fantastischen Alpenpanorama im Blick und Davos zu Füßen, Abend zu Essen. Hier entstanden nochmals richtig nette Gespräche: Einfach nur wärmstens weiterzuempfehlen!
Für die Walter-Siegenthaler-Preisverleihung für besonders wichtige Medikamente wurden wir ins 5-Sterne "Steigenberger Belvedere" eingeladen. Schwärmten Studenten aus den letzten Jahren noch vom leckeren Essen, so wurden wir in dieser Hinsicht leider ewtas enttäuscht. Merck hatte sich für einen Apero riche entschieden, und so blieb es hauptsächlich bei kleinen Happen und viel Alkohol, der aber in der stilvollen Lounge genossen werden durfte. Fazit: Im nächsten Jahr gegebenenfalls vorher etwas essen!

Foto: J. Purrucker
| Abschied bei bestem Wetter |
Pünktlich zum Ende der Woche wurde auch das Wetter nach einem Anfangs-Tief immer besser. Insgesamt muss man beim Wetter wohl mit allem rechnen. Bei schönstem Wetter glich Freitagabend die "Promenade" einer Fußgängerzone: Aufgrund des "swiss alpine marathon" gesperrt, war ganz Davos und Umgebung, inklusive Hunderter Touristen auf den Beinen. Mitten in all dem Trubel ging es für viele Seminarteilnehmer am gleichen Tag schon wieder nach Hause. Einige konnten sich noch über Urlaub freuen, doch viele andere hatten die Zeit schon mit Famulaturen und Doktorarbeiten verplant.
Es war eine phantastische Woche, die aber viel zu schnell herumging. Als Gewinn des dichten Seminarprogramms und des gesamten Aufenthalts bleiben viele neue Kontakte, die Erinnerung an einen bewundernswerter Siegenthaler (der übrigens noch eine eigene Praxis in Zürich hat) und einen unvergesslicher Mummenthaler und viel viel mehr.
| Herzlichen Dank für die schöne Veranstaltung! |
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