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Artikel vom 05. 04. 2005

Asthmaseminar in Davos 2005

Eine Woche Praxiserfahrung in der Hochgebirgsklinik

Anja Grosskreutz

Mit drei weiteren Medizinstudenten aus Dortmund war ich im Februar auf ein einwöchiges Asthmaseminar in der Hochgebirgsklinik Davos/Schweiz eingeladen.

Übersicht



Los geht's ...Nach oben hoch

Los ging es am 11.02.05 um 19:45 Uhr mit dem Urlaubsexpress von Dortmund nach Chur. Eine Nacht im Liegewagen der Bahn, ob wir da zum schlafen kommen? Na wir, dass waren vier Medizinstudenten, oder auch cand. med. wie wir von den Schweizern genannt wurden, die mit weiteren 20 Medizinern aus Bochum eine Woche zu einem Asthmaseminar in die Hochgebirgsklinik Davos eingeladen wurden.
Die anderen fuhren mit dem ICE oder mit dem Auto hin, unser Urlaubsexpress war mit 39 Euro aber unschlagbar billig. Ausgeschlafen stiegen wir am nächsten Morgen in Landquart in die Rhätische Bahn um, so dass wir um 12:10 Uhr in Davos Wolfgang ankamen. Natürlich waren neben Stethoskop, Kittel und dem Herold auch die Ski im Gepäck.

Als erstes machten wir einen Schneespaziergang mit Schneeballschlacht. Nach drei Stunden Wanderung bezogen wir unsere Zimmer. Das war Luxus pur, es gab Einzelzimmer mit Waschecke, Schreibtisch, Bett und Telefon. Duschen und Toiletten waren auf dem Flur. Beim Abendessen, das wir im Essenssaal der Kinder bekamen, lernten wir die anderen kennen, sofern wir uns nicht schon aus den einzelnen Semestern kannten.


Ein Sonntag im SchneeNach oben hoch

Sonntag hatten wir den ganzen Tag frei. Leider war es mit Minus 16 Grad und Schneefall nicht gerade das perfekte Wetter zum Ski fahren. Ein paar Unentwegte schreckte es aber nicht und sie gingen auf die Piste. Ich als absolute Nichtskifahrerin wanderte lieber nach Davos Platz, dick vermummt in meine Winterjacke, Schneehose, Bufftuch, Wanderstiefel und Handschuhe. Der Weg dorthin ging am Davoser See vorbei und durch den Wald, sehr zu empfehlen. Von Davos aus ging es mit der Rhätischen Bahn zurück, praktischer Weise bekamen wir mit unserer Gästekarte auch eine Fahrkarte für die Woche. Dann schnell die Langlaufski geholt und ab in die mittlerweile gespurte Loipe. Trotz extremem Schneefall in den ersten Tagen waren die Straßen gut geräumt und die Pisten präpariert.



Beim Abendessen trafen wir uns alle müde, aber fröhlich nach einem schönen Tag im Schnee wieder. Das Essen dort war übrigens super. Es gab immer ein Buffet, mittags warm und abends kalt und warm. Morgens gab es Müsli und Brötchen und jede Menge dazu.


Tag 1: Jede Gruppe bekommt einen Patienten zugeteiltNach oben hoch

Am Montag morgen trafen wir uns dann zum ersten mal im Hörsaal mit Prof. Dr. Menz. Es ging direkt praktisch los. Wir teilten uns in vier Gruppen auf, die jeweils einen Patienten zugeteilt bekamen. Ziel war es, bis Freitag alles über die Krankengeschichte des Patienten und sein Krankheitsbild zu erfahren. Der Patient meiner Gruppe war ein junger Mann, der, wie wir schnell herausfanden, an Mukoviszidose litt. Die meisten Patienten in der Klinik kommen übrigens aus Deutschland, da hier ein einmaliges Klima für Asthmatiker und Allergiker ist. Wir befanden uns immerhin auf 1800 m Höhe, somit ist es dort sehr allergenarm und hausstaubmilbenfrei. Ideale Bedingungen für eine Kur von Asthmatikern, Allergikern und Neurodermitispatienten. Für uns gab es somit auch keine Sprachprobleme.


Nach dem Anamnesegespräch und einer Vorlesung mit dem Thema "Asthma bronchiale - ein einheitliches Krankheitsbild?" hatten wir von 12:30 Uhr bis 16:30 Uhr Mittagspause. Das hieß, schnell Mittag essen und dann raus in den Schnee.


Um 16:30 Uhr ging es mit einer Vorlesung zur Lungenfunktionsprüfung und zu Neurodermitis weiter. Um 17 Uhr war für uns Feierabend und nach dem Abendessen versammelten sich die meisten in einem großen Raum unserer Unterkunft, um fernzusehen und zu quatschen. Untergebracht waren wir im alten Schwesternwohnheim mit mehreren großen Aufenthaltsräumen und einer kleinen Küche. Es war immer sehr früh sehr ruhig im Haus, da alle erschöpft vom Tag und der Klimaumstellung waren.


Tag 2: Diskussion über die KrankheitsbilderNach oben hoch

Nach dem Frühstück am Dienstag ging es um 8:30 Uhr mit der Patientenarbeit weiter. Wir untersuchten unseren Patienten und informierten und diskutierten danach in der Gruppe über sein Krankheitsbild. Von 11 Uhr bis 12 Uhr hörten wir eine Vorlesung zur Asthmatherapie.

Danach, wie jeden Tag, schnell Mittag essen und in den Schnee zum wandern oder Ski fahren. Vom Bahnhof in Davos Wolfgang aus ist eine Loipe Richtung Davos Dorf und weiter nach Davos Platz und in die Seitentäler gespurt. Zurück kann man dann kostenlos mit der Kurkarte mit Bahn und/oder Bus fahren. Somit kommen auch die Nicht-Abfahrer auf ihre Kosten und mit 20 CHF Leihgebühr bei Intersport in Davos Dorf ist es auch etwas zum ausprobieren. Wir hatten nur das Problem noch rechtzeitig zu den Nachmittagsveranstaltungen zu kommen da man bei Sonne pur, Schnee und so schönen Loipen schnell die Zeit vergisst. Da wir unser Glück aber ins Dischmatal auf Skiern versuchten und dieses nach kurzer Zeit wegen Lawinengefahr gesperrt war, kamen wir pünktlich zurück.

Um 16:30 Uhr ging es dann mit einer Vorlesung zu allergischen Atemwegserkrankungen im Kindesalter weiter.


Tag 3: Vorbereitung der PräsentationenNach oben hoch


Am Mittwoch haben wir nach dem Frühstück unsere Präsentation für den Freitag vorbereitet. Danach hörten wir etwas zu Nahrungsmittelallergien.

Nach dem Mittagessen sind wir zu mehreren nach Davos Platz mit der Bahn gefahren und von dort aus auf die Schatzalp gewandert. Es gibt rund um Davos über 80 km Winterwanderwege. Es sieht schon etwas merkwürdig aus, wenn man gemütlich durch den Schnee wandert und seitlich vom Weg über 1,5 m hoch Schnee ist und man so nur die Oberkörper der weit vor einem gehenden Leute sieht. Von oben hat man eine gute Sicht auf Davos Platz und das Dischmatal.

Um 16 Uhr wurde es dann praktisch. Wir haben uns die Räume der Lungefunktionsprüfung angesehen und teils auch selber im Bodyplethysmographen gesessen.

Nach dem Abendbrot sind fast alle nach Davos Platz gefahren um sich an der Schatzalp Schlitten auszuleihen, mit der Zahnradbahn hinauf gefahren zu werden und dann den 3,5 km langen Berg hinab zu "schlitteln", wie die Schweizer sagen. Die Kurven der Bahn waren beleuchtet aber sonst war es stockduster. Mit Wettrennen, Schikanen, Schneeballschlacht und erschrecken dauerte die Fahrt jeweils ca. 20 min. Am nächsten Tag tat kaum jemanden nichts weh, aber es war sehr lustig.


Tag 4: Endlich Stationsarbeit!Nach oben hoch

Am Donnerstag haben wir uns in Gruppen aufgeteilt und sind morgens bei den Visiten mitgegangen. Ich war mit den Kinderdermatologen unterwegs und habe jede Menge Neurodermitiker gesehen und ab und zu einen Psoriatiker. Da die Gruppe aus dem fünften bis neunten Semester bestand, war der Wissenstand doch sehr unterschiedlich. Die Oberärztin gab sich sehr viel Mühe und erklärte alles am Patientenbett und vor der Tür.

Im Anschluss hörten wir noch eine Vorlesung zu Asthmadiagnostik und -therapie vor der Mittagspause.
Im Anschluss bin ich mit zwei Komilitonninnen ins Sertigtal auf Skiern gelaufen. Leider kamen wir nur bis zum Ort Mühle. Dann mussten wir zurück in die Klinik. Dort hatten wir ein Praktikum zu Allergien und haben selber ein paar Studenten auf Allergien getestet.


Tag 5: Alle Gruppen stellen ihre Arbeit vorNach oben hoch


Nach dem Frühstück kam unsere Arbeit. Nun hieß es zu zeigen, was wir in der Woche gelernt und uns in der Gruppenarbeit beigebracht haben. Alle vier Gruppen stellten nacheinander ihren Patienten vor und erzählten dann noch allgemein etwas zu Krankheitsbild. Dafür hatte jede Gruppe 20min Zeit und die war recht knapp bemessen. Alle hatten fleißig gearbeitet und viel zu erzählen.


Gerade ohne Zwang und in Gruppenarbeit hatte es doch viel mehr Spaß gemacht, sich mit einem Thema auseinander zu setzen als beim Frontalunterricht in der Uni zu Hause. Außerdem wollten alle gute Ergebnisse präsentieren und Herr Menz schien auch ganz zufrieden mit uns. Im Anschluss hatten wir etwas Zeit und gingen zu mehreren am nahegelegenen Davoser See spazieren.

Zum Abschluss hörten wir noch eine Vorlesung über Aspergillus pneumoniae. Den Nachmittag hatten wir dann frei. Ich nutzte die Zeit für einen zweiten Abstecher ins Sertigtal und bin es diesmal bis zum Ende mit den Skiern gelaufen. Erst 300 Höhenmeter hinauf und zurück dann schön entspannt wieder runter. In dem Tal ist es ruhig da außer einem Bus fast nur Ausflugskutschen fahren und man hat eine wunderbare Sicht auf die Berge. Auch zu Fuß lohnt sich der Weg hinauf nach Sertig Dörfli. Zurück kann, wer nicht mehr laufen mag, auch mit dem Bus oder der Kutsche fahren.


Unser letzter Tag in Davos ...Nach oben hoch


Am Samstag morgen mussten wir dann die Zimmer bis 9 Uhr räumen. Die einen fuhren schon mit Auto oder der Bahn nach Hause, andere blieben noch bis zum Abend und nutzen die Zeit für eine letzte Skiabfahrt. Einige fuhren direkt weiter zu einer Famulatur nach Wien oder Münsterlingen am Bodensee. Ich hing noch eine Woche Urlaub im Engadin dran. So war Samstag morgen großer Abschied im Krankenhaus und alle gingen ihrer Wege.


Wir als Bochumer Stundenten haben das Glück, zweimal im Jahr von Dr. Menz eingeladen zu werden, da er hier Privatdozent ist, seinen Unterricht aber lieber in seiner Klinik in Davos hält. Jedes Mal können ca. 15 Studenten nach Davos kommen, umsonst in der Klinik wohnen und essen. Nur die Reise muss man selber bezahlen. Aber mit dem Urlaubsexpress waren es pro Fahrt nur 39 Euro und der Anschlusszug noch einmal 13,80 Euro. Und dafür bekamen wir ein tolles Wochenprogramm mit Vorlesungen, Gruppen- und Stationsarbeit. Alle Dozenten waren sehr nett und hilfsbereit. Das Klima in der Klinik war sehr angenehm.



Ich habe in der Klinik auch zwei Famulantinnen aus Deutschland kennen gelernt. Sie waren auch von der Klinik sehr angetan, da man auf alle Fragen eine ausführliche Antwort bekommt und viel lernen kann. Beachten sollte man aber für eine Famulatur dort, dass es eine deutsche Klinik ist. Somit verdient man nichts. Man bekommt aber alle Mahlzeiten umsonst und kann für 50CHF pro Monat im Schwesternwohnheim wohnen. Auch sollte man daran denken vorher bei der Krankenkasse abzuklären ob man in der Schweiz versichert ist.

Alles in allem war es eine super Woche. Wir haben viel gelernt, hatten aber auch noch viel Zeit uns die Gegend anzusehen.


KontaktNach oben hoch


Hochgebirgsklinik Davos-Wolfgang
CH-7265 Davos Wolfgang
Tel.: 0041 (0)81 417 44 44

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