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Artikel vom 13. 02. 2006

19. Interdisziplinäre Sommer-Seminar-Woche vom 23.-29. Juli 2005 in Davos

Highlight in den Bergen

Text: Julia Wiederer, Fotos: Karsten Burow

Viele Berühmtheiten waren schon vor uns da und haben ihre Spuren hinterlassen: Thomas Mann und Ernst Ludwig Kirchner, um nur zwei zu nennen. Alljährlich tagt das Welt-Wirtschafts-Forum im Kongresszentrum von Davos. Und nun also wir, eine Gruppe von 20 Medizinstudenten, von "kurz-vor-dem-Physikum" bis zum angehenden Arzt. Unser Einsatz: Wir waren der Ausschreibung des Georg Thieme Verlages gefolgt und hatten uns um eine Freikarte zur Sommer-Seminar-Woche 2005 in Davos beworben.

Übersicht


Bereits 18 mal zuvor erprobt und daher weit über die experimentelle Phase hinaus - das galt für die Seminar-Woche, nicht jedoch für unsere Teilnahme: Aber das Experiment funktionierte, und nicht zuletzt dank spontan gegründeter "WGs auf Zeit" hatten wir erlebnisreiche Tage in Davos.

Kongresszentrum von außen
Kongresszentrum von außen


Gute Mischung der Themen und FachgebieteNach oben hoch

Interdisziplinäre Sommer-Seminar-Woche - der Name war Programm: Neben dem allmorgendlichen Seminar "Differentialdiagnose Innerer Erkrankungen" und Vorträgen zu aktuellen Entwicklungen der molekularen Medizin sah das Programm auch neurologische, gynäkologische, orthopädische sowie urologische Seminare vor.

Kongresszentrum von innen
Kongresszentrum von innen

Innerhalb einer Woche bekamen wir einen guten Einblick in wichtige Themen wie diabethische Nephropathie, Nephrolithiasis, Kristallarthropathien, Extrauteringravidität und Epilepsie. Die Referenten gestalteten ihre Vorträge durchweg praxisnah und zugleich orientiert an neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Beispielsweise waren die Therapie und die Nachsorge beim Mammakarzinom und die moderne Insulintherapie bei Diabetes mellitus Typ I Themen der Veranstaltung.


So lernten wir im Seminar "Ischämische EKG-Veränderungen": ST-Hebung heißt nicht zwingend, dass der Patient einen Myokardinfarkt hat.

Nur die wenigsten medizinischen Veranstaltungen sind so überschaubar wie die Seminar-Woche in Davos. Denn gerade als Student fühlt man sich auf einem größeren Kongress meist verloren und vom Kongressprogramm überwältigt.
Nicht so in Davos: Das Programm war übersichtlich, es gab keine Parallelveranstaltungen. Die Seminare selbst waren sehr an der Praxis orientiert und daher gleichermaßen interessant für uns Studenten wie auch für die teilnehmenden - vorwiegend niedergelassenen - Ärzte.
Regelmäßige Pausen zwischen den Vortragsblöcken ermöglichten uns Studenten, bei Kaffee und Gipfli mit den Dozenten ins Gespräch zu kommen.

Es gab genügend Zeit, mit Prof. Siegenthaler und den anderen Dozenten ins Gespräch zu kommen.
Es gab genügend Zeit, mit Prof. Siegenthaler und den anderen Dozenten ins Gespräch zu kommen.

Lehrbuchwissen zu konsumieren, ohne es zu hinterfragen - diese Vorgehensweise ist mancher von der Uni gewohnt. Beim Seminar "Differentialdiagnose Innerer Erkrankungen" mussten alle mitdenken! Spannende internistische Fälle wurden schrittweise - vom Symptom zur Diagnose - und in Gemeinschaftsarbeit der Seminarteilnehmer erarbeitet. Professor Siegenthaler ermunterte uns während der Seminare immer wieder zur Teilnahme an der Diskussion.


Die "offiziellen Highlights" der WocheNach oben hoch

Wann würde es stattfinden und vor allem wo? Nichts beschäftigte uns zu Beginn der Woche so sehr wie das schon legendäre Käsefondue-Essen, zu dem Professor Siegenthaler alljährlich die Thieme-Gewinner einlädt. Der Ort: ein netter Gasthof außerhalb von Davos - soviel sei künftigen Teilnehmern verraten. Professor Siegenthaler wurde von seinen Kollegen und Weggefährten Professor Blum aus Freiburg sowie Professor Schöni aus Bern begleitet.
Es wurde ein unterhaltsamer Abend. Professor Siegenthaler erzählte von seinem beruflichen Werdegang, und betonte dabei auch sein Engagement für den medizinischen Nachwuchs.

...mehr wird nicht verraten...
...mehr wird nicht verraten...

Auf kulinarisch hohem Niveau ging es zwei Tage später gleich weiter: Im Anschluss an die Verleihung des Walther Siegenthaler Awards waren wir im Hotel Steigenberger Belvedere zum Nachtessen eingeladen - und wurden "standesgemäß" vom Chauffeur der Luxusherberge nach Hause gefahren.


Die "inoffiziellen Highlights" der WocheNach oben hoch

Neben dem Seminarprogramm blieb ausreichend Zeit, Davos und seine Hausberge zu erkunden: Bergtouren auf Jakobshorn und Parsenn lockten ebenso wie ein Besuch im Kirchner-Museum oder in einem der unzähligen schicken Cafès. Auch die ein oder andere Grillparty haben wir gefeiert...

Das Kirchnermuseum
Das Kirchnermuseum


Trotz Urlaubsstimmung herrschte Disziplin...Nach oben hoch

Sollte einer der Referenden die Redezeit überschritten haben, wurde er schon mal von Professor Siegenthaler persönlich in seinem Rededrang gebremst und der Vortrag mit Beifall für beendet erklärt. Ebenso wurde morgendliches zu spät Kommen missbilligend kommentiert.


Gelernt haben wir also jede Menge...Nach oben hoch

...und nicht nur Prof. Mumenthalers "Spruch des Tages":

 Was charakterisiert einen guten Vortrag:
- Ein beeindruckender Beginn
- Ein geniales Ende
- Und nichts dazwischen!
 Medizinisches: Vorträge zu vielen Bereichen der Medizin. Besonders lehrreich waren die internistischen Falldemonstrationen.
 Lebenspraktische Dinge beim längst legendären Fondue-Essen: "Zuerst müssen sie sich ein Depot anlegen" (auf gut Deutsch: Weißbrotstücke auf dem Teller anhäufen).
 Die Schweiz ist teuer, das wussten wir schon vorher. Aber 7 Schweizer Franken für ein Bier sind definitiv zu viel!
 Unterassistent in Davos zu sein, das heißt: Skifahren in der ausgedehnten Mittagspause im Winter, baden im Davossee im Sommer.

Wohl niemand von uns hat es bereut, an der Sommer-Seminar-Woche in Davos teilgenommen zu haben. Am liebsten wären wir auch im nächsten Jahr wieder dabei...

 
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