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Artikel vom 21. 09. 2007

21. Interdisziplinäre Sommer-Seminar-Woche in Davos

Grüezi miteinand'

Claus-Henning Bley und Tobias Bobinger

Ein freundliches "Davos Dorf, Ausstieg in Fahrtrichtung rechts" in ungewohnt schweizerischem Dialekt bildete den Auftakt für eine der interessantesten Seminar-Veranstaltungen für Medizinstudenten. Kein Zweifel, wir waren tatsächlich in der höchsten Stadt Europas angekommen. Die hohen Berge ringsum, der allgegenwärtige Dialekt, der Davoser See: Das alles sprach Bände. Einzig das schlechte Wetter schien ein Mitbringsel aus Deutschland zu sein - wir sprechen inzwischen schon etwas spöttisch vom "Sommer".

Übersicht



Davos teuer ist - Ausweg WGNach oben hoch

Wie jedes Jahr übernahm der Thieme-Verlag für 30 ausgewählte Studenten die Seminargebühr und der Andrang war groß. Bewerben konnte sich jeder Medizinstudent, wobei der Schwerpunkt natürlich bei den klinischen Semestern lag.

Vor Ort und zum Teil auch schon vor der Anreise wurden Wohngemeinschaften gegründet, denn Davos ist so teuer wie die Gerüchte behaupten. Allerdings wird eine Ferienwohnung, ein Appartement oder sogar ein ganzes Häuschen schnell erschwinglich, wenn man mit anderen Studenten zusammen wohnt. Die Nähe zum Kongresszentrum, in dem die Veranstaltung stattfindet, ist dabei nicht zu unterschätzen und sollte bei der Wahl der Wohnung berücksichtigt werden.


Offizielle Eröffnung der Sommer-Seminar-WocheNach oben hoch

Offiziell eröffnet wurde das Seminar durch den Festvortrag der renommierten Klimaforscherin Prof. Ulrike Lohmann, die einen Lehrauftrag für experimentelle Atmosphärenphysik an der ETH Zürich bekleidet. Sehr eindrucksvoll und für das nicht themenbewandelte Publikum - Ärzte und Medizinstudenten - erklärte sie anschauungsnah die Probleme des Klimawandels am Beispiel der Schweiz. Es zeigte sich, dass die Schweiz - obwohl ein sehr kleines Land - klimatechnisch in Zukunft mit denselben Problemen zu kämpfen hat, wie die Großen in Europa. In einem nicht unerheblichen Maße scheint der Tourismus daran beteiligt zu sein, so Prof. Lohmann.

Musikalisch umrahmt wurde der Vortrag von zwei Künstlern, die im Rahmen der Musiktage in Davos gastierten.


In seiner Begrüßung erklärte dann Prof. Siegenthaler, der das Seminar leitet, dass es ihm wie jedes Jahr eine besondere Ehre ist uns alle in Davos begrüßen zu dürfen. Ganz explizit erwähnte er auch schon zu Anfang uns Studenten, von denen er sich eine ganz entscheidende Bereicherung des Seminars erhoffte.


Die Stärken der StudierendenNach oben hoch

Montag war dann offizieller Beginn. Das Seminar war in verschiedene thematische Blöcke von jeweils etwa einer Stunde gegliedert.
In der internistischen Differenzialdiagnose beispielsweise konnte man anhand von präsentierten Fallbeispielen testen, wie fit man durch seine Innere-Kurse in der Uni wirklich ist. Es galt, verschiedene Parameter gekonnt zu kombinieren, um auf die Diagnose zu kommen. Erstaunlicherweise waren es nicht selten wir Studierende, die auf die gesuchte Diagnose gekommen sind; vielleicht, weil wir zu oft an die außergewöhnlichen und seltenen Sachen denken, die nun mal eher im Gedächtnis bleiben.

Im Neuroseminar hatten wir es mit einer wirklichen Koryphäe auf seinem Gebiet zu tun. Prof. Mumenthaler begeistert mit einer Powerpoint-Präsentation mit lauter Bildern. Es ging um neurologische Blickdiagnosen... Wie schaut die Facialis-Parese aus ist dabei noch eine der einfachen Diagnosen. Dennoch schaffen wir es, allen Bildern eine Krankheit zuzuordnen. Und wieder einmal bestätigt sich, dass sich eine gründliche Anamnese lohnt.


Enttäuschendes NotfallseminarNach oben hoch

Nach der Mittagspause fand ein auf den ersten Blick sehr interessantes Seminar statt - das Notfallseminar. Dieses Seminar wurde von Ärzten aus dem Krankenhaus und Rettungsdienst Davos gestaltet. Endlich einmal Praxis - dachten sich viele, als sie das Programm überflogen. Aber leider wurden hier die Erwartungen ein wenig enttäuscht. Der "praktische Notfall" beschränkte sich leider auf Vorträge zum Thema Schmerztherapie, Notfallmedikamente, Herzkreislaufstillstand und Fallberichte. Die erhoffte Praxis kam zu kurz, was sich im Laufe der Woche auch an der Teilnehmerzahl deutlich bemerkbar machte.


Lohnendes Sono-SeminarNach oben hoch

Ein Kurs, der bereits zwei Tage vor offiziellem Seminar-Beginn begonnen hatte und sich während der Woche in der Mittagszeit fortsetzte war der Ultraschall-Kurs. Hier konnten gegen Gebühr Basics über die Technik gelernt werden und an Probanden und Patienten - der guten Zusammenarbeit mit der örtlichen Kinderklinik sei Dank - auch gleich angewandt werden.


Was waren noch mal A-/B- Schallköpfe, wie sieht ein Hämangiom der Leber aus, wie eine Zirrhose?

Kleine Gruppen à 3-4 Teilnehmern und ausreichend viele Probanden beziehungsweise Patienten und Geräte machten sinnvolles und angenehmes Arbeiten möglich. Man hatte genug Zeit sich unter persönlicher Einweisung und Betreuung an das Schallen heranzuwagen und Vieles auszuprobieren. Gerade für solche Studenten, die in Radiologie nur die Theorie lernen, aber bis zum PJ nie einen Schallkopf in der Hand halten, sehr empfehlenswert, wenn auch vergleichsweise teuer.


Highlight: Käsefondue mit Prof. SiegenthalerNach oben hoch

Ein weiteres Highlight der Woche folgte - na klar, das bewährte Käsefondue mit Prof. Siegenthaler, Prof. Blum und Dr. Moradpour. Besonders beeindruckend dabei war, wie offen Prof. Siegenthaler von seinem Leben und der Beziehung zu seiner bereits verstorbenen Frau sprach. Bei allen Gesprächen kam jedoch auch deutlich heraus, dass er von den Studenten einen besonderen Einsatz für die Medizin und vor allem für die Patienten erwartet. Trotzdem war es ein besonderes Erlebnis, diesen Menschen in einer derartigen Umgebung etwas näher kennen zu lernen.

Abseits vom Seminar blieb auch noch etwas Zeit, um die Umgebung zu erkunden; schließlich liegt Davos in einem wandertechnisch nicht uninteressanten Gebiet. Die umliegenden Berge (allesamt über 1900 Meter hoch) Schatzalp, Jakobshorn, Parsenn laden geradezu zu einem Aufstieg per Fuß ein. Endlich oben angekommen wird man dann aber auch für seine Mühen mit einem entsprechenden Panorama entschädigt. Davos samt angrenzendem See liegen einem zu - den geschundenen - Füßen!


FazitNach oben hoch

Insgesamt bleibt uns diese Woche in einer sehr schönen Erinnerung. Wir haben die schöne Umgebung bewundert, neue Freunde gefunden und fachlich einiges mit auf unseren Weg genommen… Was will man noch mehr? Damit können wir nur jedem empfehlen, sich für dieses Thieme-Angebot zu bewerben.



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Weitere Berichte zu den Sommerseminarwochen in Davos finden Sie in unserer Länderrubrik Schweiz.

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