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| Formalitäten |
Die Formalitäten wurden alle von Frau Gerber, der Sekretärin, erledigt. Ich bekam die erforderlichen Unterlagen zugeschickt, füllte sie aus und musste mich sonst um nichts kümmern, was mir als Formalienmuffel ziemlich entgegenkam.
Die dortige Anmeldung war auch vorbildlich organisiert. Ich fand mich an einem Mittwoch morgens um 8.00h im verabredeten Zimmer ein. Dort warteten noch zwei weitere zukünftige Unterassistenten, die aber beide aus der Gegend waren. Nach einigen kurzen Begrüßungsworten wurde uns sehr gut erklärt, was wir wann und wo zu tun hätten, bei wem wir uns melden könnten usw.
Auch der kurze Besuch beim Betriebsarzt und der Wäschekammer erwiesen sich als extrem gut organisiert. Gegen Auslage von 50 Franken bekam ich eine Karte, mit der ich einen Ausweis, eine Zugangsberechtigung zu den OP-Bereichen und das allgemeine Zahlungsmittel der Klinik in der Hand hielt.
Ich ging ca. 9.30 mit leichter Nervosität auf die Station 5 Traumatologie (wusste ja nicht was mich da erwartet) und traf gleich einen der Assistenzärzte, der (ganz chirurgenuntypisch für deutsche Verhältnisse) sofort bereit war, mir kurz die Station zu zeigen.
Ich bekam einen Piepser, einen Kaffee, einen Zettel mit wichtigen Nummern, Terminen und Aufgaben und eine kurze Führung und war gleich sehr angetan.
| Studiengebühren & Vergütungen |
Ja, Vergütung hört man immer in der Schweiz, war aber bei mir obwohl ich eine UA (Unterassistent) Stelle bekam aber nicht drin, da ich ja Famulant war. Also bekam ich kein Entgelt. Allerdings kann man für einen PJ Platz mit ca. 900 Franken rechnen. Problematisch ist da allerdings das Preisniveau der Schweiz, was nicht gerade für schmale Geldbeutel geschnitten scheint.
| Anreise |
Die Anreise gestaltete sich extrem einfach, da ich über ein Auto verfüge. Ich bin also 4 Tage bevor es los ging nach Basel gefahren und habe mich in der wunderschönen WG, in der ich ein Zimmer gefunden hatte, eingelebt. Dabei stellte sich heraus, dass bei entsprechender Wohnlage ein Auto eher ein Hindernis als ein Erfordernis war. Ich hatte zum Glück noch mein Rad dabei, sodaß ich sobald ich einen kostenlosen Parkplatz erwischt hatte, diesen für Wochen belegte und nur noch Rad fuhr, was in Basel übrigens ein optimales Fortbewegungsmittel ist.
Auch gut erreichbar ist Basel mit dem Zug. Man kann, wenn man zum Kantonsspital will, auch im deutschen Bahnhof in Basel aussteigen, von dort kommt man leicht mit Bus oder zurückgelassenem Fahrrad zum Kantonsspital. Auch für jeden Baselbewohner ist das Spital ein fester Begriff, man tut sich mit dem Finden nicht schwer.
Ich habe, da ich ein Wochenende nach Frankfurt musste, dann den Zug genommen und keine Probleme gehabt. Tatsächlich war ich in Frankfurt schneller als ich es auf der Rückfahrt nach Leipzig mit dem Auto geschafft habe.
| Größe und Abteilungen des Krankenhauses |
Das Kantonsspital ist ein großes Krankenhaus der Maximalversorgung, dorthin kommen Patienten aus der gesamten Nordwestschweiz. Natürlich gibt es eine große Klinik für Innere Medizin, eine Frauenklinik mit neonatologischer Intensivmedizin und einige andere Bereiche. Ich habe mich jedoch ausschließlich im Depart. Chirurgie aufgehalten. Auch dieses war riesengroß, sodaß ich mehr als ein mal das Problem hatte, mich irgendwo in Gängen wiederzufinden, die mir zwar vertraut vorkamen, aus denen ich jedoch keinen offensichtlichen Weg zur Station oder in den OP erahnen konnte.
Das Kantonsspital ist riesig, die Abteilungen auch, sodaß man immer wieder neue Leute trifft und auch zahlreiche UAs dort sind, die einem bei Problemen mit dem ein oder anderen Tip zur Seite stehen können.
| Unterkunftsmöglichkeiten, Verpflegung und Kleidung |
Es gibt einige vermittelte Zimmer für UAs im unmittelbaren Umfeld der Klinik. Ich war dafür ein bisschen spät, habe aber ca. 3 Monate vor Beginn völlig problemlos über die Zimmerbörse der Universität Basel (bei Studenten/Wohnen) ein Zimmer in einer tollen WG mit einer amerikanischen Geigerin gefunden. Es war preislich ungefähr vergleichbar und mit dem Fahrrad ca. 2,5 Minuten von der Klinik, was mir morgens oft gelegen kam.
Ausserdem war ich sehr froh, nach einem Tag im Spital einen Abend mit Nicht-medizinern zu verbringen. Ich war absolut begeistert von dem Zimmer, habe aber von anderen gehört, dass die Zimmer im Wohnheim auch klasse waren.
Die Verpflegung war kein großes Problem. Da ich nicht weit weg wohnte, konnte ich morgens in der Regel zumindest noch einen Kaffee trinken. Mittags aß ich, wenn ich dazu kam, etwas im Krankenhaus. Man muss dazu sagen, dass die Kantine ausgezeichnet ist, wirklich nicht mit vielen der hiesigen zu vergleichen. Vor allem konnte man bei schönem Wetter draußen sitzen, was oft zu sehr netten Gesprächen führte.
Es bietet sich jedoch an, für Einkäufe über die Grenze nach Deutschland zu fahren. Ich habe einmal groß eingekauft in Deutschland und habe dann bei einem kleinen Einkauf in der Schweiz exakt das gleiche bezahlt (gefühltes Preisverhältnis 1:1,5).
Essen gehen oder der berühmte Döner kosteten auch deutlich mehr, aber aufgrund eines etwas längeren Tages war das meistens sowieso kein Thema.
| Erforderliche Sprachkenntnisse |
Viele, inklusive mir selbst, haben Respekt um nicht zu sagen Angst, in der Schweiz nicht verstanden zu werden und noch schlimmer, nichts zu verstehen. Dazu muss ich 3 Dinge sagen:
Erstens - man hört sich rein. Wenn zwei Schweizer allerdings miteinander loslegen versteht man kein, ich wiederhole kein Wort.
Zweitens – In Basel sind unglaublich viele Deutsche. Auch im Krankenhaus waren zum Teil ca. ¼ des Personals Deutsche. Das erleichtert die Kommunikation natürlich enorm, vor allem, weil man merkt, dass andere zum Teil auch nicht so recht verstehen, wenn jemand losflucht.
Drittens – Die Schweizer haben sich ausnahmslos alle unglaublich viel Mühe gegeben. Ich war sehr beeindruckt, dass immer, wenn ich da war, hochdeutsch gesprochen wurde, gespickt mit einzelnen Begriffen, die ich mit der Zeit verstehen lernte. Auch die Patienten haben ausnahmslos verständlich und langsam gesprochen, in der Regel auch ohne Aufforderung, sobald sie merkten, dass ich kein Schweizer bin.
| Tagesablauf |
Der Tag begann morgens ca. 7h mit einer kurzen Besprechung auf Station. Dabei war es sehr ratsam, ein klein wenig früher zu kommen, um schon mal den OP Plan für den Tag durchzugehen. Ich wurde als Dritter zum Hakenhalten mit eingetragen.
Dann schaute ich kurz ins Stationsbuch, um die Aufnahmen (zumindest die elektiven) zu notieren, von denen ich nach dem OP die Aufnahme machte. Wenn man das Hauen und Stechen lernen möchte, ist man in Basel vielleicht nicht optimal aufgehoben, weil dort die Schwestern und Pfleger Blut abnehmen und Zugänge legen. Da dies aber schon in meinen vorherigen Famulaturen eine große Rolle gespielt hatte, war ich sehr dankbar das nicht machen zu müssen.
In der Besprechung wurden kurz die OPs des Tages angesprochen, Röntgenbilder vorgelegt und andere aktuelle Ereignisse diskutiert. Hierbei ging es im Kreis der Station sehr freundlich und ungezwungen zu, ich war von dieser Runde sehr angetan. Dann gingen alle zu einer weiteren Röntgenbesprechung, in der Post-OP-Bilder und Verläufe gezeigt wurden.
Anschließend wurden die Aufnahmen der Nacht in großer Runde vorgestellt. Im Anschluß daran ging es für mich in zwei Richtungen. Entweder wurde eine kurze Kaffeepause eingelegt, bevor ich auf Station ging oder, und das überwog bei weitem, wenn ich bei der ersten OP mit auf dem Plan stand, ging es in den OP.
Regelmäßig fanden auch Fortbildungsveranstaltungen statt, wie z.B. montags. Dort wurden in einem Rotationsprinzip Vorträge von verschiedenen chirurgischen Disziplinen gehalten. Diese fand ich durchweg sehr interessant.
Das OP Programm erstreckte sich in der Regel von morgens gegen 8.30h bis zum Nachmittag. Oft war es so, dass ich doch einen erheblichen Teil des Tages im OP stand. Dabei gaben sich viele der Ärzte und Oberärzte sehr viel Mühe, mir interessante Aspekte zu zeigen. Manchmal war allerdings die Position einfach nicht zum Viel-Sehen gemacht. Trotzdem konnte ich immer fragen und bekam eine freundliche Antwort.
Die Operationen, bei denen man gut sehen konnte waren dafür um so spannender. Ich hatte vorher noch nicht viel Ahnung von Traumatologie, fand aber die durchgeführten Operationen und Methoden sehr spannend. Oft durfte ich nähen und hin und wieder auch etwas mehr tun.
Für mich war beeindruckend, was für eine positive Atmosphäre herrschte, das hatte ich zuvor schon anders erlebt. Dies zog sich von den sehr freundlichen Assistenzärzten bis zum Chefarzt. Ein Wehrmutstropfen in dieser Hinsicht war allein der Professor, mit dem ich nicht gut zurechtkam. Vielleicht hätte sich das bei längerer Dauer noch gegeben, mir gelang es jedoch bis zum letzten Tag nicht mit ihm auf den berühmten grünen Zweig zu kommen.
Falls man durchgehend im OP war gab es um Mittag herum im Aufenthaltsraum jeden Tag kostenlos Suppe. Davon machte ich oft Gebrauch.
Regelmäßig kam ich zwischen 15.30 bis 17.00h aus dem OP. Dann machte ich die Aufnahmen auf Station, konnte mit visitieren gehen. Ich durfte Punktionen durchführen und empfand mich als sinnvoller Teil des Teams. Zu meinen Aufgaben gehörte weiter auch ein bisschen Administratives, was aber manchmal schon gemacht war, wenn ich erst spät aus dem OP kam.
In der Regel kann man wohl gegen 18h gehen, ich blieb aber oft noch etwas länger, wenn noch etwas zu tun war. Die Assistenzärzte habe ich nie vor 19h gehen sehen.
| Land/Kultur/Freizeit |
Der Freizeitwert in Basel ist extrem hoch anzusetzen. Leider habe ich nicht oft die Zeit gefunden, ausgiebig in der Umgebung Rad zu fahren, aber die Stadt hat einiges zu bieten (interessante Museen, Schwimmbad, Theater, tolle Restaurants, schöne Innenstadt, viel Historisches, nette Geschäfte, Markt). Alles ist sehr leicht mit dem Fahrrad zu erreichen.
Die Menschen sind mir alle sehr offen und freundlich vorgekommen, ich habe bei Fragen immer sofort Hilfe bekommen.
Ein besonderes Thema war Kino. Weil ich eigentlich sehr gern ins Kino gehe, staunte ich nicht schlecht, als ich die Preise in Basel sah (ca. 15-17 Franken). Zum Glück nahmen mich einige Assistenzärzte nach Lörrach über die Grenze mit ins Kino, anders wäre das wohl etwas teuer geworden.
Die Schweizer, die ich über meine Mitbewohnerin kennenlernte, waren alle sehr freundlich zu mir und ich wünschte, ich hätte länger in Basel bleiben können, aber eine Prüfung zog mich dann nach 4 Wochen zurück nach Leipzig.
Abschließend lässt sich sagen, dass es eine großartige Zeit war, in der ich viele sehr nette Menschen kennen- und viel anderes gelernt habe.
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