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Artikel vom 28. 04. 2008

PJ Orthopädie in St. Gallen, Schweiz

In jeder Hinsicht ein super Tertial (2007/2008)

Arnaud Van Linden

Ich hatte gehört, dass das Kantonsspital St. Gallen eine der größten Orthopädischen Kliniken der Schweiz bietet, und da ich von den Ortho-Erfahrungen anderer PJler aus deutschen Kliniken eher abgeschreckt war, entschied ich mich schließlich für dieses Krankenhaus. Natürlich war auch die Bezahlung und die Nähe zu mehreren Skigebieten ein großer Anreiz. Meine Entscheidung für das Kantonsspital St. Gallen habe ich jedenfalls nicht bereut.

Übersicht


Die Bewerbung und die Teams im KrankenhausNach oben hoch

Der perfekte Zeitpunkt für die Bewerbung ist, wie so oft, nicht genau zu sagen. Ich habe mich etwa ein halbes Jahr im Voraus beworben. Andere verschickten Ihre Bewerbung schon über ein Jahr vorher.


Die Klinik für Orthopädische Chirurgie in St. Gallen ist in fünf Teams unterteilt:

 Team rot: Endoprothetik
 Team blau: Knie- und Schulterchirurgie inkl. Sportverletzungen
 Team lila: Wirbelsäulenchirurgie
 Team grün: Kinderorthopädie, Fuß- und Tumorchirurgie
 Team schwarz: Hand- und Plastische Chirurgie

Jedes Team wird von einem Leitenden Arzt geführt. Prof. Dr. Markus Kuster, der Chefarzt der Klinik für Orthopädie, ist auch Chef des roten Teams.

Die Unterassistenten (UHUs) - also die PJler - werden bei ihrer Ankunft in eines der Teams eingeteilt und rotiert dann automatisch durch die verschiedenen Abteilungen. In das schwarze Team rotieren die PJler nicht.


Ein perfekt organisierter erster TagNach oben hoch

Der erste Tag ist perfekt organisiert, im Gegensatz zu vielen deutschen Kliniken. Von der Wäscheausgabe bis hin zur Namensschildausgabe und der Sekretärin weiß jeder, dass man kommt und man läuft die einzelnen Stationen nach einem festen Laufzettel ab. Danach bleibt Zeit für die Behördengänge in der Stadt (Parkausweis, Aufenthaltsgenehmigung etc.). Die Aufenthaltsgenehmigung wird vom Spital bereits vorher beantragt; ich musste sie nur noch abholen.

Am ersten Tag traf ich auch gleich die anderen UHUs und konnte ein wenig in die Arbeit hineinschnuppern.


Der TagesablaufNach oben hoch

Am zweiten Tag, dem ersten richtigen Arbeitstag, musste ich ganz normal zum Frührapport um 07.10 Uhr eintreffen. Dort erfolgt die Röntgen- und Nachtdienstbesprechung. Danach geht die gesamte Orthopädische Klinik frühstücken, bevor gegen 8 Uhr das Tagesprogramm beginnt.

Je nach dem Team in dem man sich gerade befindet, hat man Sprechstunde, OP-Einsatz, Visite oder aber auch keine festen Termine.


Die OP-Vorbereitung in den Händen der PJlerNach oben hoch

Die UHUs, die an dem jeweiligen Tag keinen festen Termin haben oder erst nachmittags Sprechstunde, bereiten die Eintritte vor; so heißen dort die Aufnahmen.

Vorbereiten bedeutet: aus den alten Sprechstundenberichten die Diagnosen und die grobe Anamnese heraussuchen, was zum Glück mit dem Computer geht, und diese dann in das Computerprogramm für den Eintritt übernehmen. Zusätzlich bereitet man die schriftlichen Aufklärungen vor, da es, anders als in Deutschland, keine vorgefertigten Aufklärungen gibt. Es gibt jedoch von euren Vorgängern erstellte Vorlagen für die meisten OPs.

Die Patienten treffen der Regel gegen 10 Uhr ein, einige auch erst um 13 Uhr. Dann ist es die Aufgabe der UHUs die Patienten aufzunehmen.

Die Aufnahme beinhaltet die kurze Anamnese, eine befundabhängige körperliche Untersuchung, das Sichten der Röntgenbilder und bei Standardoperationen wie eine Arthroskopie die Aufklärung. Danach gibt man die Daten in den Computer ein und kann bei Fragen jederzeit mit dem Assistenten oder auch mit dem Oberarzt Rücksprache halten.


Die SprechstundenNach oben hoch

In der Sprechstunde werden die Patienten von den Sekretärinnen in die jeweiligen Untersuchungszimmer verteilt. Man nimmt sich dann die entsprechende Krankenakte und beginnt im Diktierzimmer erst mal mit dem Aktenstudium. Dann geht man zu dem Patienten und befragt und untersucht ihn sorgfältig. Anschließend stellt man den Patienten anhand der Aufzeichnungen dem Oberarzt vor, bespricht den Fall und kann Vorschläge für das weitere Procedere machen.

Zusammen mit dem Oberarzt geht man dann erneut zu dem Patienten und schließt die Behandlung ab. Das Diktieren des Briefes im Anschluss an die Behandlung gehört auch zu den Aufgaben des PJler, an die man sich übrigens schnell gewöhnt.

Wie für die Stationsarbeit gilt auch für die Sprechstunde, dass man immer Fragen stellen kann und niemals eine ungeduldige, sondern immer eine hilfreiche Antwort bekommt.


Entspannte Atmosphäre im OPNach oben hoch

Im OP ist man in der Regel zweiter Assistent. Neben dem berühmten Hakenhalten und Absaugen, darf man fast immer nähen.

Die Stimmung im OP ist sehr entspannt. Ich habe nie ein böses Wort gehört, der Operateur flucht nicht und der UHU bekommt keine spitzfindigen Fragen gestellt. Wenn ich mal auf eine Frage keine Antwort wusste, wurde es mir einfach erklärt, ohne dass die Unwissenheit kommentiert oder gar kritisiert worden wäre. Darüber hinaus wird immer erklärt, was gerade gemacht wird und warum. Allerdings solltet Ihr Euch dennoch in dem Fach und in der Anatomie etwas auskennen.


Dienste, Feierabend und BezahlungNach oben hoch

Das Dienstende ist sehr unterschiedlich geregelt. An einigen Tagen gibt es einen Nachmittagsrapport mit Fortbildung für alle. Sonst können die PJler gehen, wenn alle Aufgaben erledigt sind; will heißen, wenn alle Eintritte aufgenommen sind und das OP- oder Sprechstundenprogramm erledigt ist. Mittwochnachmittag findet eine Studentenfortbildung mit klinisch relevanten Themen oder Untersuchungskursen statt. Zusätzlich gibt es in Zusammenarbeit mit der Uni Zürich regelmäßig Operationskurse an Leichen. Dies ist für alles kostenlos.

Wenn man früh mit den Eintritten fertig ist, kann man auch jederzeit in die Zentrale Notaufnahme (ZNA) gehen oder in den Infiltrationsraum. Dort finden täglich Infiltrationen von Gelenken statt, die man gegebenenfalls auch mal selber durchführen kann - natürlich unter genauer Anleitung. Für die ZNA ist man in der Regel während seiner Rotation für eine Woche eingeteilt.

Bereitschaftsdienst hatten wir, je nach Anzahl an UHUs, etwa einmal pro Woche und zusätzlich an einem Wochenende pro Monat. Die Wochenenddienste reichen von Freitag bis Sonntag. Dass man nachts raus muss, kommt eher selten vor. Also ist auch der Dienst nicht so schlimm.

Da man den Dienst nicht als "Frei" ausgeglichen bekommt, gibt es vom Chef einen Gutschein über 100 CHF für die Kantine als Aufwandsentschädigung. Dies lohnte sich für mich, da man eigentlich täglich dort aß und ein Mittagessen ca. 8 CHF kostet.

Nach Abzug der Miete und einigen weiteren Unkosten standen mir zirka 670 CHF im Monat zur Verfügung, das ist etwas weniger als 400 Euro.


Allgemeine Stimmung in der AbteilungNach oben hoch

Erwähnenswert ist noch, dass die Stimmung im Team sehr entspannt ist. Untereinander duzen sich alle. Mit Ausnahme des Chefs, habe auch ich alle Kollegen geduzt. Als Student hatte ich immer das Gefühl vollkommen integriert zu sein, was äußerst angenehm war. Gerade durch die Sprechstunden lernte ich sehr viel, und wie gesagt: Ich konnte immer und jederzeit nachfragen. Auch die Schwestern und Pfleger im OP und auf den Stationen sind sehr freundlich und hilfsbereit.


Freizeit in St. GallenNach oben hoch

St. Gallen ist eine außergewöhnlich schöne Stadt. Es gibt viele Möglichkeiten abends wegzugehen. Komisch ist allerdings, dass sämtliche Geschäfte spätestens um 19 Uhr schließen.

Im Winter ist natürlich die Nähe zu diversen Skigebieten sehr reizvoll. Der Bodensee ist ja ebenfalls nur einen Katzensprung entfernt und nach Zürich dauert es mit dem Auto nur 50 Minuten. Regelmäßig zu Beginn des Jahres findet ein Skitag für die gesamte Ortho statt. Dies wird inklusive Übernachtung zu einem sehr günstigen Preis angeboten.

Die Zimmer im Wohnheim sind zwar etwas alt, aber sauber und ordentlich. In den Flurküchen oder im Aufenthaltsraum ist fast jeden Abend etwas los. Hier wird es Euch sicherlich nicht langweilig.


FazitNach oben hoch

Wie eingangs schon erwähnt, war der Aufenthalt in der St. Galler Orthopädie ein wirklich gutes Tertial, dass ich jedem empfehlen kann.


Adresse/Links/AnsprechpartnerNach oben hoch

Homepage des Kantonsspitals St. Gallen:

   Externer Link www.kssg.ch


Homepage der Klinik für Orthopädie:

   Externer Link www.orthopaedics.ch

Infos erhalten Bewerber hier:

   Externer Link www.orthopaedics.ch/stellen/unterassistenzarzt.html


Bewerbungen an:

Frau
Raphaela Kriech
Klinik für Orthopädische Chirurgie
Kantonsspital

CH - 9007 St.Gallen

 
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