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Artikel vom 15. 02. 2007

PJ Tertial Neurochirurgie Kantonsspital Aarau Schweiz

Super Klima, super Abteilung, Super-Benzin für 1 Franken 55 Rappen (12/06-01/07)

Stephan Duetzmann Uni Heidelberg

Nach seiner Anreise mit dem Zug ist Stephan von der tollen Atmosphäre im Kantonsspital Aarau angetan. Insbesondere die Assistenten sind überaus hilfsbereit und entgegenkommend. Zwar investiert Stephan sehr viel Arbeit, doch er kommt letztlich zu dem Schluss, dass sich der große Aufwand gelohnt hat - soviel hat er bislang an keinem deutschen Krankenhaus gelernt.

Übersicht


BewerbungNach oben hoch

Beworben habe ich mich 1 ½ Jahre im Voraus per E-mail bei der Chefarztsekretärin Frau Ursula Schoenberg:

   E-Mail Ursula.schoenberg@ksa.ch

Ich habe mich auf eine Unterassistentenstelle beworben. Den Tipp habe ich vom einem Neurochirurgen aus Freiburg erhalten. Aarau ist sein sehr großes Kantonsspital mit einer großen Neurochirurgie (1.300 OPs im Jahr, 2 OP-Säle).


FormalitätenNach oben hoch

Deutsche PJ-Studenten benötigen eine Krankenversicherung fürs Ausland. Vor Ort muss man sich noch registrieren lassen.


AnreiseNach oben hoch

Ich bin mit dem Zug gefahren. Man kann aber auch billig mit europäischen Airlines nach Basel fliegen, oder nach Zürich und von dort nach Basel fliegen, obwohl Letzteres eher wenig Sinn macht.


Größe des Krankenhauses und der AbteilungNach oben hoch

Eingang des Kantonspitals Aarau
Eingang des Kantonspitals Aarau

Das Kantonsspital Aarau (KSA) ist ein Krankenhaus auf universitärem Niveau. Unsere Abteilung machte ca. 1.300 OPs im Jahr, bei 2 Sälen, 5 Oberärzten und 8 Assistenten. Ich erhielt einen Pager und 4-fache Wechselkleidung (wirklich alles außer Unterwäsche) sowie Schlüssel zu OP und Tresor.


UnterkunftsmöglichkeitenNach oben hoch

Ich bin im Personalwohnheim untergekommen. Mein Zimmer hat 300 Franken pro Monat gekostet und war sehr angenehm sauber. Allerdings fanden kaum Partys statt. Das Zimmer war mit etwa 9 Quadratmetern etwas klein, aber man hat sein eigenes Waschbecken und einen Spiegel für sich, in den ich an manchem Morgen besser vorher als nachher reingeschaut hätte. Vor der überpingeligen Hotelfachfrau kann ich nur warnen und raten, sämtliche Ecken des Zimmers gründlichst zu reinigen.


PraxisNach oben hoch

Kommen wir also zum Herzen meines Berichts. Beginn 7.30 mit der Morgenbesprechung - Zeit langsam aufzuwachen. Hier mussten die UA die Aufnahmen des Tages vorstellen, die man sich anhand der Akten angelesen hatte. Anhand der Vorstellung der Bilder sah dann der leitende Oberarzt, ob die Unterassistenten den Patienten verstanden hatten oder nicht. Wenn nicht, kamen unangenehme Nachfragen, wenn ja, wohlwollende zusätzliche Fragen zur Krankheit mit anschließenden Erläuterungen. Dann fand entweder eine Kaffeepause oder die Intensivvisite statt - je nach Laune.

Um ca. 9.00 kamen die ersten Aufnahmen, für die wir ein eigenes Zimmer mit unseren eigenen Computern und eigenen Untersuchungsinstrumenten besaßen. Wir haben die Patienten aufgenommen und versucht, weitere diagnostische Maßnahmen wie MRT und Blutabnahme in die Wege zu leiten. Meistens waren die Assistenten zu der Zeit noch im OP. Also haben wir sie ihnen die Aufnahmen später übergeben und dann entweder Prügel für das bezogen, was wir alles falsch gemacht haben, oder aber wir haben langsam ihr Vertrauen gewonnen, sodass es schließlich gar nicht mehr auffiel, wenn wir etwas falsch gemacht hatten; nebenbei: einiges Richtige haben wir auch ange- und verordnet.

Ein typischer Untersuchungsraum
Ein typischer Untersuchungsraum

Sobald wir mit dieser Kerntätigkeit fertig waren konnten wir machen was wir wollten. Hier empfehle ich, oft in den OP oder in die Ambulanz zu gehen und zuzuschauen. Je nachdem wer wo arbeitete, konnte ich mich noch einwaschen und mitmachen oder Ambulanzpatienten betreuen. Für Fortgeschrittene waren dann Lumbalpunktionen, Doppler oder Drainageziehen und Übernähen an der Reihe.

Um 16.00 war Rö-Konferenz, die didaktisch leider unbrauchbar war, da der Chef-Radiologe dachte, das, was er sagte gilt, und damit basta der Erklärungen.

Nach 16.30 konnte ich mich entweder verkrümeln oder ich habe noch ein bisschen die restliche Stationsarbeit mitgemacht, oft bis ca. 18.30 Uhr.

Die OP-Einbindung hängt stark - wie immer - von der Assistentendichte ab. Sind viele im Urlaub, dann kommt man häufig dran, machen alle ihren Job, steht man eher draußen. Ich persönlich hatte viel Glück im ersten Monat und war häufig erster Assistent, im zweiten Monat dann leider kaum noch.


AtmosphäreNach oben hoch

In der Neurochirurgie am KSA herrscht insgesamt eine super Atmosphäre. Alle sind sehr freundlich. Was erklärt werden konnte wurde erklärt. Auch die Schwestern sind - fast - alle immer freundlich gewesen. Verdient habe ich netto ca. 1050 Franken im Monat (1500 minus 300 Wohnung minus Steuern). Von dem Betrag kann man dort wirklich gut leben. Was den Ort angeht muss ich leider an weitere Berichte verweisen, da ich abends entweder im Wohnheim mit reichlich aufwärmenden Getränken (Grüsse an Anna und Christina) verbracht habe oder in der Ambulanz, falls noch etwas rein kam. Am Wochenende bin ich meist nach Hause gefahren.


FazitNach oben hoch

Insgesamt habe ich mich die 2 Monate lang richtig reingehängt, weil ich Neurochirurgie unbedingt machen wollte und immer noch will. Ich habe alle möglichen Krankheiten immer nachgelesen und mich gut vorbereitet, ich war in der Zeit ein klassischer Streber. Außerdem habe ich versucht mich als Assistenzarzt zu fühlen, denn nach der AiP-Abschaffung werden wir schneller ins Kalte Wasser geworfen als uns lieb ist. Ich habe also auch versucht unbeliebte Aufgaben (Bürokram) zu übernehmen, obwohl ich es nicht musste, aber die meisten Assis sind dankbar und wissen die Zusammenarbeit dann auch bei anderen Tätigkeiten zu schätzen.

Ich war mit der Ausbildung sehr glücklich und muss sagen, dass ich sehr viel gelernt habe, wesentlich mehr als in deutschen Abteilungen. Ich kann also jedem nur empfehlen, die Schweiz zu besuchen.


Zuletzt noch ein paar Tipps für ein erfolgreiches ArbeitenNach oben hoch
 Man sollte sich immer einen Assistenten suchen, der zu einem Vertrauen aufbauen kann. Bei mir war das Dr. Taussky, der mir mehr beigebracht hat, als je ein Professor an der Uni; das kann aber auch jeder andere engagierter Assistent sein.

Dr. Taussky und ich
Dr. Taussky und ich

 Immer einen "Greenberg" dabei haben.
 Was das Verhältnis zu den Schwestern und den OAs angeht gibt es 2 überlebenswichtige Grundsätze, die natürlich auch für Deutschland gelten: 1) You have to eat shit like it's your favourite food, 2) Schweigen, Schlucken, Schenken.

In diesem SinneNach oben hoch

Für Rückfragen stehe ich selbstverständlich zur Verfügung. Emails bitte an die Redaktion:

   E-Mail via.online@thieme.de


Literatur und WebsitesNach oben hoch

Shem "House of God"

Greenberg "Handbook of Neurosugery"

Steiger "Manual Neurochirurgie

Gawande "Complications"

Vertosick "When the Air hits your brain"

Grossman "Neuroradiology;The Requisites"

   Externer Link www.ksa.ch

 
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