Medizinstudium
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Arzt im Beruf
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| Motivation |
Für mich war es wichtig, dass ich bei dem Pflegepraktikum wirklich etwas lerne. Ich habe mich für die Schweiz entschieden, da dort dem Pflegepersonal wesentlich mehr Kompetenzbereiche als in Deutschland zugesprochen werden und die Hierarchien zwischen Ärzten und dem Pflegepersonal wesentlich flacher sind.
| Bewerbung |
Auf der Homepage der Gesundheitsdirektion fand ich eine Liste aller Spitäler im Kanton Zürich.
Diese Liste druckte ich mir aus, rief in den verschiedenen Spitälern an und ließ mich zu der Pflegedienstleitung weiterleiten. Wenn die jeweilige Pflegedienstleitung eine Bewerbung wünschte, ließ ich mir die E-Mail-Adresse geben und schickte eine Bewerbung mit Lebenslauf im Anhang. Daraufhin bekam ich von mehreren Spitälern eine Zusage.
Ich entschied mich schließlich für das Spital Zollikerberg, weil es meines Erachtens den besten Ruf hat, nicht zu groß ist und schön am Zürichsee liegt.
Bei der Bewerbung ist es von Vorteil, das schweizerische Vokabular zu verwenden. Das Pflegepraktikum nennt sich dort "Häfelipraktikum", und nur wer Schweizerdeutsch versteht und dies in die Bewerbung schreibt, hat als Deutscher gute Chancen einen Praktikumsplatz zu bekommen.
| Formalitäten, Fahrkarten und Versicherungen |
Ich benötigte einen Alters- und Hinterlassenenversicherungs-Ausweis, den das Spital für mich beantragte. Nach der Zusage folgte ein Personalbogen, den ich mit einem Foto versah und ausgefüllt zurück schickte. Den Vertrag und weitere Unterlagen bekam ich vor Beginn des Praktikums zugesandt.
Das Praktikum war im September - ich bewarb mich bereits im Januar, was keineswegs zu früh war. Ihr solltet Euch darauf einstellen, dass die Schweiz ihre eigenen bürokratischen Mechanismen hat.
Bei meiner Ankunft ging ich mit meinem Impfbuch zu einer Betriebsärztin. Ein Visum brauchte ich nicht.
Eine Fahrkarte für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufte ich auch gleich nach der Ankunft, wofür ich ein Passfoto benötigte und meinen Studentenausweis. Ihr solltet unbedingt darauf achten, dass es in Zürich verschiedene Zonen gibt, in denen die Tarife unterschiedlich sind. Mein Ticket kostete zwischen 50 und 80 Schweizer Franken, das entspricht ungefähr 60 Euro.
Ich hatte eine Krankenversicherung für ganz Europa abgeschlossen, jedoch musste ich trotzdem einmal ein Medikament selbst zahlen, das ungefähr 20 CHF kostete.
| Vergütungen und Lebenshaltungskosten |
Pflegepraktika werden in der Schweiz mit 1.000 bis 1.500 CHF vergütet. Meine Miete machte 900 CHF aus, da ich nicht im Wohnheim wohnte. Das Mittagessen in der Kantine kostete 8 bis 12 CHF täglich, wobei Kaffee und Kuchen nicht gezahlt werden mussten.
Die Vergütung kann meiner Meinung nach nur als Taschengeld angesehen werden, das Miete und Mittagessen abdeckt. Die restlichen Kosten müssen also in das Studentenbudget eingeplant werden.
Wer in Zürich ausgehen oder einkaufen möchte, sollte eine größere Summe beiseite legen. Ich habe mir ausgerechnet, dass mein Stundenlohn bei 4- 5 € lag. Wer also die naive Vorstellung hat, bei einem Praktikum in der Schweiz viel Geld verdienen zu können, den muss ich enttäuschen. Mit dem Geld können nur die Fixkosten wie Miete, Fahrkarte und Flug- bzw. Zugticket gedeckt werden.
Oft ging ich abends noch eine Kleinigkeit mit Bekannten essen oder trinken, was mindestens 25 CHF kostete.
| Anreise |
Ich flog mit der Swiss nach Zürich und zurück; das kostete nur 99 €.
| Größe und Abteilungen des Krankenhauses |
Das Spital Zollikerberg ist ein Privatspital mit öffentlichem Leistungsauftrag und rund 200 Betten zur medizinischen Versorgung des Großraumes Zürich. Es hat folgende Abteilungen: Chirurgie, Innere Medizin, Frauenheilkunde, Neonatologie, Intensivmedizin, Nephrologie mit Dialysezentrum und Radiologie. Ich absolvierte das Pflegepraktikum auf einer Station der Inneren Medizin. Im Haus gab es auch Physiotherapeuten.
| Unterkunftsmöglichkeiten |
Da die Personalzimmer für Unterassistenten und Famulanten vorgesehen sind, hatte ich schlechte Karten. Die Universitäten in Zürich haben jedoch Wohnungsbörsen im Internet, wo Wohnungen und WG-Zimmer zur Zwischenmiete inseriert werden. Ich mietete von einer Studentin eine 1,5 Zimmerwohnung mit Balkon in der Pestalozzistrasse für 900 CHF.
| Kleidung |
Im Spital gibt es eine Wäschekammer, in der alle Angestellten frische Dienstkleidung entnehmen können, die ich sehr modern und schön fand. Dazu trug ich weiße Sneakers. Bei Ankunft wurde ein Badge (Ausweis) für mich angefertigt, worauf mein Foto und mein Name gedruckt waren. Den Badge konnte ich an einem Automaten mit Bargeld aufladen und so mein Mittagessen damit bezahlen.
| Erforderliche Sprachkenntnisse |
Schweizerdeutsch zu verstehen ist absolut unerlässlich, um sich zu integrieren. Mit der Zeit lernte ich die lokalen Begriffe, um besser mit meiner Umgebung zu kommunizieren. Es gibt auch Bücher zum Erlernen von Schweizerdeutsch. Ihr solltet auf jeden Fall offen sein, neues Vokabular zu lernen.
| Inhalt des Pflegepraktikums |
Meine Arbeitszeit war entweder von 7 bis 16 Uhr oder von 10 bis 19 Uhr. Auch am Wochenende arbeitete ich. Wenn dies der Fall war, bekam ich als Ausgleich jedoch zwei Tage unter der Woche frei.
In der ersten Woche wurde ich sehr freundlich begrüßt und eingearbeitet.
Am Tagesanfang, nach der Dienstbesprechung, welche gegen 7 Uhr stattfand, wurde mir gesagt, welcher Pflegekraft ich heute besonders unter die Arme greifen sollte. Jeden Morgen war ich dann zuständig für Blutdruck- und Gewichtsmessungen. Für das Ausgeben des Frühstücks war eine Hotelfachkraft zuständig, der ich jedoch zur Hand ging. Um 10 Uhr gab es eine kleine Pause, danach half ich bis zum Mittagessen bei den üblichen Aufgaben im pflegerischen Alltag.
Nach dem Mittagessen waren die Aufgaben sehr vielfältig. Mal ging ich mit Patienten spazieren, mal besorgte ich Medikamente und Utensilien für die Station oder half bei Verbandswechseln. Die jungen Assistenzärzte waren auch nicht abgeneigt, mir gelegentlich etwas zu erklären oder zu zeigen. Für alle war klar, dass ich Medizinstudentin bin und während des Praktikums viel lernen wollte, also wurde mir sehr viel erklärt.
| Besonderes |
Am Ende des Praktikums wurde mir auch gezeigt, wie Blut abgenommen wird. Mit zwei Kolleginnen, einer Praktikantin und einer angehenden Physiotherapeutin, verstand ich mich so gut, dass sie mich drei Monate später in Frankfurt besuchten.
In der Schweiz sind die Angestellten des Spitals sehr höflich, was sich durch alle Hierarchien zieht. Jeder wird freundlich gegrüßt, egal ob Chefarzt oder Putzfrau. Das förmliche "Sie" ist im Team nicht sehr verbreitet, jedoch wird natürlich ein Chefarzt gesiezt.
Mir wurde sofort das "Du" angeboten. Die Ressentiments gegen Deutsche konnte ich aus der Welt räumen, indem ich stets Interesse am Land zeigte. Man soll nicht so tun, als ob die Schweiz wie Deutschland ist.
| Freizeit und Land |
Ich brauche nicht zu betonen, dass Zürich eine wunderschöne Stadt ist und eine Metropole der Schweiz, die keine Wünsche offen lässt. Da sich dort so viel unternehmen lässt, lohnt es sich wirklich hinzugehen und die Mentalität der Menschen dort kennenzulernen.
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