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Artikel vom 25. 06. 2004

PJ in der HNO am Kantonsspital Aarau

Dez. 2003 bis März 2004

Sebastian Serwe

Über die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Nebel, über einen Mann mit Sendungsbewusstsein und einem "Zimmer mit einem hellen Fleck vor Hocker".

Übersicht


Der Weg nach AarauNach oben hoch

Wer einmal im Winter in Homburg/Saar immatrikuliert war, der findet auch den Weg nach Aarau. Man fährt die Autobahn so lange bis der Nebel nicht mehr dichter werden kann, nimmt die nächste Abfahrt und folgt der Landstrasse. Wenn es dann auch noch anfängt zu regnen, ist man da.

Dass man nach Homburg und nicht nach Aarau gelangt ist, merkt man an den Schlaglöchern in der Straße. Dafür ist in Aarau der Nebel noch dichter. Hier gibt es Morgennebel, Abendnebel, Schleiernebel, Hochnebel, Tiefnebel, grauen Nebel, weißen Nebel und sogar schönen Nebel.


Aarau - klein, aber mit schöner AltstadtNach oben hoch

An den meisten Tage, die ich in Aarau verbracht hatte, sah der Ort wie in der Durchleuchtung aus, mit grauen und graueren Schattierungen und war sowohl am Tag als auch in der Nacht ohne Farben. Na ja, die halbe Stunde, in der die Sonne doch mal hervorlugte, reichte auch völlig aus, um durch die wunderschöne Altstadt zu schlendern. So groß ist Aarau ja nicht.

Die Stadt hat 16.000 Einwohner, von denen man schon tagsüber nicht viel mitbekommt. Wenn die Nacht kommt, wird Aarau völlig menschenleer, abgesehen von dem einen Aargauer, der gerade sein Auto auf dem letzten freien von insgesamt fünf Parkplätzen neben dem Wohnheim parkt. Die weiteren Plätze werden natürlich schon von den Autos der anderen deutschen Unterassistenten in Beschlag genommen.


HNO im Kantonspital AarauNach oben hoch

Ein Tertial meines PJs habe ich von Dezember 2003 bis März 2004 in der HNO im Kantonspital Aarau absolviert. Die HNO-Abteilung ist eine B-Klinik mit 20 Betten, einem OP, 6 Assistenz- und 2 Oberärzten, einem Leitenden Arzt und Prof. Podvinec. Dieser Mann hat Sendungsbewusstsein: Er will die Kunst des Ärztlichen Handelns vermitteln, will lehren und tut dies in alter Schule. Er kritisiert. Ich halte Chefärzte, die in chronischer Inspirationshaltung gottgleich durch die Gänge schweben eigentlich für anachronistisch... aber bitte, man lernt was in Aarau, auch wenn die Arbeit dort nicht so viel Spaß macht, wie sie eigentlich könnte.


Die Arbeit des UnterassistentenNach oben hoch

Als Unterassistent (schweizer Pendant des PJlers) wurde man im allgemeinen nicht in die Verantwortung genommen, d.h. man konnte zwar alles mal sehen, vieles auch anfassen und ausprobieren, aber man blieb immer Zuschauer und wurde nicht wirklich in die Behandlung der Patienten einbezogen. Aufgaben des Unterassistenten waren die Eintritte auf der Station, Assistenz im OP und verschiedene Tätigkeiten im Ambulatorium, von Kopieren über Ohrspülungen bis hin zur Übernahme von Konsilen. Alle Befunde wurden aber von den Assistenz- oder Oberärzten nochmals erhoben. So spürte man nie die Last, aber eben auch nicht die Motivation der Verantwortung.

Arbeitszeit war von viertel oder halb acht bist vier oder fünf Uhr mit einer ungeregelten Mittagspause. Die Wochenenden waren frei; Nachtdienste wurden nicht erwartet. Tot arbeitete man sich wirklich nicht. Und außerdem waren zu meiner Zeit meist 3 Unterassistenten gleichzeitig in der HNO, wo eigentlich ein halber gereicht hätte. Dafür sind 1500 Franken pro Monat (im vierten Monat 1800 Franken) eine wirklich gute Bezahlung. Ausgeben kann man das Geld in der Cafeteria/Mensa des Spitals, in einer der am Wochenende sogar belebten Kneipen der Altstadt, oder man fährt nach Solothurn, Zürich, Basel.... Denn in der Schweiz ist alles schnell erreichbar ....auch die Ski-/ Wandergebiete.


Wohnen in AarauNach oben hoch

Ein Wohnheimzimmer bekommt man gestellt. Ich wohnte im Zimmer M9 des zehnten Stocks der Liegenschaft Haus 39, Südalle 22, 5000 Aarau, einem Zimmer, das im "Abnahme-/Übergabe-Protokoll (Antrittsprotokoll)" als Zimmer mit einem hellen Fleck vor Hocker, mit Türe außen verkratzt plus innen diverse Hicke und einem Lavabo mit zwei Rissen und Chromdefekt beschrieben wurde. Es kostete 310 Franken und war ... recht klein.


Bewerbung auf eine UnterassistentenstelleNach oben hoch

Auf eine Stelle als Unterassistent sollte man sich entweder 1 bis 2 Jahre vor Antritt der Stelle bewerben oder sehr kurzfristig. Im allgemeinen findet man die Adressen der Kliniken im Internet beispielsweise unter

   Externer Link http://www.krankenhaus.ch

oder in Broschüren der schweizer medizinischen Fakultäten, die über das Wahlstudienjahr informieren, dem Äquivalent des Praktischen Jahrs, das auch schweizer Kommilitonen durchlaufen müssen.

Per E-Mail oder telefonisch erkundigt man sich am besten, ob es eine freie Stelle als Unterassistent gibt und bewirbt sich dann gegebenenfalls postalisch.

Das Kantonsspital Aarau hat eine Homepage:

   Externer Link http://www.ksa.ch

Kontakt zur HNO kann man über M. Bieri (Sekretariat Prof. Podvinec) aufnehmen:

   E-Mail marianne.bieri@ksa.ch


FazitNach oben hoch

Ich kann es nur empfehlen, einen Teil des PJs bei den Eidgenossen zu machen, selbst wenn Aarau sowohl von der Stadt, als auch von der Klinik nicht zu den interessantesten Orten der Schweiz gehört.

Sebastian Serwe

   E-Mail sebastian.serwe@gmx.net

 
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