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Zuletzt geändert am 15. 08. 2005

Chirurgie-PJ am Universitätsspital Zürich

Frühjahr 2005

Caroline Schirpenbach

Zwei Monate PJ in der Chirurgie am Universitätsspital Zürich, jede Menge Gipfeli, einige Erkenntnisse über die eidgenössische Volksseele und das Zürcher Sechselüüte - eine kurze Beschreibung

Bild
Zürichsee mit Opernhaus
Fotos: C. Schirpenbach

Übersicht


BewerbungsablaufNach oben hoch

Das Unispital Zürich erfreut sich unter PJlern großer Beliebtheit, es empfiehlt sich daher eine frühzeitige Bewerbung. Sich etwa zwei Jahre vor PJ-Beginn darum zu kümmern ist durchaus nicht zu früh. Es genügt eine formlose schriftliche Bewerbung mit Lebenslauf an Frau Gröflin, die für die Unterassistenten in der Chirurgie am Unispital zuständig ist (Adresse siehe unten).


FormalitätenNach oben hoch

Als Nicht-Schweizer benötigt man die Einreisebewilligung des Migrationsamtes Zürich, wobei der Arbeitgeber, also das Unispital, diesen Antrag stellt. Mit dieser Bewilligung meldet man sich nach Einreise in der Schweiz beim zuständigen Kreisbüro.


Unispital ZürichNach oben hoch

Das Unispital Zürich ist eins der größten Krankenhäuser der Schweiz und besteht aus 32 Kliniken und Instituten. Jährlich werden hier etwa 35.000 Patienten stationär behandelt. Ein Großteil der Ärzte kommt aus Deutschland, und ein noch größerer Anteil der Unterassistenten ebenfalls.
Die Schweizer Studenten haben auch eine Art Praktisches Jahr - allerdings können sie Fach und Dauer frei wählen. Was die Krankenhaushierarchie betrifft, scheint diese etwas lockerer gestaltet zu sein als in Deutschland. Dafür wurden hier aber neue Stufen der Hierarchie geschaffen - zwischen dem Assistenzarzt und Oberarzt fungieren hier noch der Oberassistent und der Oberarzt i.V. (in Vertretung).

Blick vom Unispital auf die Uni und den Zürichsee
Blick vom Unispital auf die Uni und den Zürichsee

Das Hauptgebäude des Unispitals, in dem sich auch die Chirurgie befindet, liegt etwas oberhalb der Altstadt - der Blick von der Dachterrasse des Klinikums auf Stadt, See und Alpen ist unbezahlbar. Hier oben veranstalten auch die Viszeralchirurgen jeden Freitagnachmittag nach der Chefvisite ihren Apéro.


UnterkunftNach oben hoch

Wohnungs-/Zimmerangebote in Zürich findet man unter anderem im Internet:

   Externer Link http://www.students.ch

   Externer Link http://www.wohnen.ethz.ch

Am unproblematischsten, wenn man nur kurze Zeit dort verbringt, ist die Unterkunft im Personalhaus einer der verschiedenen Kliniken in Zürich (Adressen siehe unten).


Aufgabenfeld als UnterassistentNach oben hoch

Die ca. 25 Unterassistenten in der Chirurgie rotieren im monatlichen Wechsel durch die Abteilungen, wobei zur Verfügung stehen: Herz-, Gefäß-, Unfall-, Viszeral-, Thorax-, Wiederherstellungschirurgie, chirurgische Intensivstation und chirurgische Notaufnahmestation.
Vor allem in der Viszeralchirurgie hat es mir sehr gut gefallen, da die Studenten als fester Bestandteil des Teams angesehen wurden, die Chirurgen fast alle sehr bereitwillig erklärt haben und es regelmäßig Fortbildungen für Unterassistenten und Assistenzärzte gab. Dies ist allerdings längst nicht auf allen Abteilungen so und anderenorts ist das Chirurgie-PJ kein wirkliches Vergnügen (Viszeralchirurgie und Notfallaufnahme waren aber bei fast allen PJlern beliebt).

Zu den Aufgaben der Unterassistenten gehört natürlich das fürs Chirurgie-PJ obligatorische Haken-Halten, allerdings durfte ich beim Assistieren viel und oft nähen oder auch Varizen herausziehen und ähnliches. Fest eingeteilt ist man nicht. Auf dem OP-Plan taucht nur ein unverbindliches "cand. med." auf - dann wird mit den anderen Studenten verhandelt, wer in die jeweilige OP gehen kann oder muß, je nach Ansicht.
Auf der Station kümmern sich die Unterassistenten um die Neuaufnahmen, versorgen Wunden, ziehen Drainagen etc. und schreiben die Ein- und Austrittsberichte, außerdem stellen sie die Patienten bei einigen klinischen Besprechungen vor.
Bei Interesse kann man jederzeit auch in die Poliklinik der jeweiligen Abteilung gehen: so ist etwa die Transplantationssprechstunde sehr informativ und lehrreich.

Etwa zwei Tage im Monat hatte ich Pickettdienst (Bereitschaftsdienst). Es kann passieren, daß man dadurch die Nacht in der Klinik verbringt - hat aber dafür dann in der Regel am nächsten Tag frei -, mit etwas Glück bekommt man so aber auch sehr spannende Fälle zu sehen.
In einem meiner Pickettdienste konnte ich eine Multi-Organentnahme von Herz, Lungen, Leber und Nieren miterleben und auch zwei der anschließenden Transplantationen. So sehr auch die Umstände der Organentnahme mich betroffen machten, war es für mich doch die interessanteste Operation, die ich während des PJs gesehen habe.

Im Grunde genommen hatte ich relativ freie Hand zu entscheiden, was ich gerne sehen wollte und wieviel ich selbst machen konnte, abhängig von der Eigeninitiative. Stundenlanges Hakenhalten bis spät abends kam zwar vor, allerdings sehr selten. Insgesamt habe ich den Umgang der Ärzte untereinander und zu den Studenten als nett und unkompliziert empfunden, wobei dies sicherlich sehr von der jeweiligen Abteilung abhängig ist. Besonders bei den Viszeralchirurgen habe ich mich sehr wohlgefühlt.
Der Apéro auf der Dachterrasse mit Blick auf Zürichsee und Alpen jeden Freitagabend nach der Chefvisite, jede Menge Gipfeli (Croissants) bei den wöchentlichen Konferenzen und auch das Barbecue am See mit der ganzen Abteilung tun dort sicherlich ihr Übriges für ein nettes Klima untereinander.


VergütungenNach oben hoch

Als Unterassistent bekommt man ein Gehalt von monatlich 890 SFr. Pickettdienst wird nicht extra vergütet.


Stadt, Land und LeuteNach oben hoch

Nicht ohne Grund ist Zürich, mit 360.000 Einwohnern die größte Schweizer Stadt, zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt worden: vor allem durch die direkte Lage am See und die Nähe zu den Alpen bietet es ein großes Spektrum an Freizeitmöglichkeiten. Im Winter erreicht man innerhalb einer Stunde die nächsten Skigebiete.
Mitten durch Zürich fließt die Limmat: rechts davon liegt die Altstadt mit vielen kleinen Gässchen, dem Großmünster und dem Niederdorf mit zahlreichen (Studenten-)kneipen, links der Limmat bewegt sich alles um die Bahnhofstraße, die sagenhafte Bankenmeile mit den teuersten Grundstückspreisen der Welt. Im Sommer öffnen die zahlreichen Seebäder ihre Pforten und locken an den See; bei klarer Sicht ergibt sich ein phantastischer Blick mit den schneebedeckten Alpen im Hintergrund.

Seepromenade und Altstadt
Seepromenade und Altstadt

Interessant sind auch einige der Zürcher Eigenarten - so etwa Sinn und Zweck des Sechselüütens, eines eigenen Zürcher Feiertages (hier bestimmt die Explosion eines Sprengkörper-bestückten Schneemannkopfes die Qualität des Sommers), das Verhältnis der Zürcher zu den (ungeliebten) Bernern oder etwa das "Rimini", eine Männerbadeanstalt aus dem letzten Jahrhundert, die des Abends ihre Tore auch der Damenwelt öffnet, wobei sich dann hier Nadelstreifenanzug neben Flip-Flops gesellt.
Möglichkeiten, abends auszugehen, gibt es viele (wie immer in der Schweiz eine Frage des Preises), vor allem Zürich-West ist ein lebhafter Stadtteil mit viel Nachtleben. Auch kulturell wird einiges geboten: Kunsthaus, Opernhaus und die Tonhalle Zürich genießen einen sehr guten Ruf - in letzterem bekommt man kurz vor den Konzerten mit Studentenausweis auch mal Rest-Plätze im Parkett zum Studentenpreis.

Ans Deutsch der Eidgenossen gewöhnt man sich mit der Zeit, wenn auch am Anfang die Verwirrung groß ist, wenn im OP nach der Sugi (Sauger) gefragt wird oder einem zum Kaffee Gipfeli (Criossants) angeboten werden. Auf die Frage "Verstoosch Schwyzerdütsch?" sollte man vorsichtig antworten - es bleibt einfach, so lange der Chirurg nur von seinen Haustieren erzählt ("schöni Windhünd"), kann aber auch schwieriger werden (so bei einer laparoskopischen Adrenalektomie: "So goht däs nööt! Chasch nöööd d’Näbbeniere a chli bitzli meeh obbä fasse?" = "Das funktioniert so nicht! Kannst Du nicht die Nebenniere ein klein bißchen mehr oben fassen?").

Wenn man sich auch in der Schweiz nicht unbedingt wirklich im Ausland fühlt, ist es doch interessant zu sehen, wie das Zusammenspiel aus Deutschschweiz, der französischen Schweiz und Tessin, aus Kantonen und Halbkantonen nun wirklich funktioniert (und was es mit dem Röstigraben auf sich hat) - apropos: mit "Großkanton" ist Deutschland gemeint.


ResuméeNach oben hoch

Mir hat meine Zeit in der Chirurgie am Unispital Zürich sehr gut gefallen. Meine Erwartungen an mein Chirurgie-PJ-Tertial waren angesichts der vielen Berichte ausschließlich Haken-haltender PJler nicht allzu groß.
Der nette Umgang der Ärzte mit den Studenten jedoch und die recht große Bereitschaft zum Erklären, die Möglichkeit zu eigenständigem Arbeiten und die vielen verschiedenen oft hochspezialisierten Eingriffe, die ich zu sehen bekommen habe, haben es für mich zu einer sowohl schönen als auch interessanten Zeit gemacht. Nicht zuletzt habe ich mich in Zürich sehr wohl gefühlt und die Stadt und ihre Umgebung mit den vielen Freizeitmöglichkeiten sehr genossen.


AdressenNach oben hoch

Anschrift der Klinik:

Universitätsspital Zürich
Departement Chirurgie
Rämistr. 100
CH-8091 Zürich
Tel. +41 44 255 1111
www.usz.ch

zuständig für die Unterassistenten in der Chirurgie:
Donata Gröflin
Tel. +41 44 255 2969
Fax +41 44 255 8984

   E-Mail donata.groeflin@usz.ch

Anschriften Personalhäuser:

Zimmerdienst USZ
Schmelzbergstr. 26
8091 Zürich
Tel. +41 44 255 28 14

Ab ca. 400 SFr, im Personalhaus in der Vogelsangstraße wohnen fast alle der (hauptsächlich deutschen) PJler. Die Dachterrasse scheint seit Generationen von PJlern der Ort zum Feiern und Grillen zu sein.

Quartierwesen Universitäts-Kinderspital
Steinwiesstr. 75
8032 Zürich
Tel. +41 44 266 7716
oder

   E-Mail quartierwesen@kispi.unizh.ch

(5 Min. vom Unispital entfernt)

Swiss Epi
Schweizerisches Zentrum für Epilepsie
Bleulerstr. 60
8008 Zürich
Tel. +41 44 387 6111
oder

   E-Mail zimmer@swissepi.ch

Mit Traumsicht auf den Zürichsee, eine Viertelstunde mit dem Rad vom Unispital entfernt.

 
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