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| Auswahl des Spitals und Bewerbung |
Unter www.kliniken.ch schaute ich mir verschiedene Spitäler an und suchte mir bewusst einige "mittelgroße" Häuser aus. Den großen Spitälern, insbesondere den Unispitälern, unterstellte ich zu geringe Unterschiede im Vergleich zu den Deutschen Kliniken.
Meine Bewerbungen verschickte ich per Fax und erhielt innerhalb von drei Wochen ebenso viele Zusagen wie Absagen. Die Absagen wurden damit begründet, dass die Stellen bereits restlos vergeben seien.
Letztlich entschied ich mich für das Spital Uster, ein Haus der erweiterten Grundversorgung mit jeweils etwa 85 chirurgischen und internistischen Betten, mit einer Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie einer interdisziplinäre Intensiv- und Notfallstation.
Keine zwei Wochen später waren der Arbeitsvertrag unterschrieben und der Antrag auf ein kleines Appartement gestellt. Knapp drei Monate vor Stellenantritt erhielt ich dann die Wohnungszusage, die letzten Informationen und eine Einladung zum Einführungstag.
| Formalitäten |
Nach dem Bezug des Zimmers ging ich direkt zur Stadtverwaltung, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Diese benötigt man nicht zuletzt, um ein Bankkonto zu eröffnen. Eigentlich alle großen Banken bieten dabei ein gebührenfreies Konto an. War dies geschehen, "durfte" man sogleich die erste Miete überweisen. Nachdem dann der Kühlschrank das erste Mal zu (gewöhnungsbedürftigen) Schweizer Preisen gefüllt war, war auch der erste Tag geschafft.
Es folgte der Einführungstag im Spital. Hier wurden allen neuen Mitarbeitern - vom Pflegeschüler bis zur Assistenzärztin - sämtliche Funktionsabteilungen vorgestellt. Unter großem bürokratischem Aufwand erhielten wir Schlüssel, Mitarbeiterausweis, PC-Passwörter, Kleidung und ein kostenloses Mittagessen.
Am Ende des Tages ging es dann für meine UHU-Kollegin und mich in den ersten Nachmittags-Rapport der Chirurgie. Hier wurden wir mit großer Erleichterung begrüßt, war die Abteilung doch in den letzten zwei Wochen mit nur zwei Unterassistenten etwas unterbesetzt. Von nun an waren wir - je nach Kommen und Gehen der größtenteils deutschen Medizinstudenten - zwischen vier und sechs Unterassistenten. "Über" uns gab es 15 Assistenzärzte, vier Oberärzte, vier leitende Ärzte und den Chef. Weiterhin gehörten je zwei Orthopäden, Urologen und HNO-Ärzte als Belegärzte zur chirurgischen Abteilung.

| Arbeitsalltag |
Die Tage begannen von nun an um 7:30 Uhr, bzw. montags um 8:30 Uhr, mit dem Morgenrapport. Danach teilten wir UHUs uns in den OP-Plan ein. Wer jetzt noch Zeit hatte, ging mit dem Rest der Abteilung zum Frühstück in die Kantine. Montags folgte die Chefarzt-Visite, donnerstags die Oberarzt-Visite.
Die Unterassistenten waren pro forma den einzelnen Stationen zugeteilt. Der Dienstplan, und damit die Planung der monatlichen Rotation durch die verschiedenen Bereiche, wurden von uns selbst erstellt. Dabei war die Arbeit auf den Stationen überall gleich und eigentlich unabhängig von der Einteilung: Wer nicht im OP war kümmerte sich darum, dass die neu eintretenden Patienten aufgenommen wurden. Hatte man dann den "Status", also die Aufnahme, im PC "eingetöckelt" stellte man die Patienten dem zuständigen Assistenten vor.
Eine Ausnahme bildeten die Bereiche der Tagesklinik und der Notfallaufnahme. Der für die Tagesklinik zuständige UHU (und Assistenzarzt) "stateten" hier ab 13 Uhr Patienten, die dann am OP-Tag nüchtern eintreten konnten.
Ein weiterer Unterassistent war fest auf der Notfallstation eingeteilt. Da man hier das Diensttelefon bei sich hatte, war man zugleich Koordinationsstelle, falls z.B. im OP außerplanmäßig Hilfe eines UHUs benötigt wurde. Man selbst war in diesem Monat nur im Notfall beziehungsweise im Dienst im OP.
Mittagessen gab es in der Kantine von 12 Uhr bis 13:30 Uhr. Eigentlich war es immer möglich, ein Essen zu bekommen. Nur selten ließ der OP-Plan es nicht zu. Die für das Essen, es kostete immer um 10CHF - also etwa 6 Euro - musste man selbst tragen und wurden vom Mitarbeiterausweis abgebucht. Gegessen wurde meistens gemeinschaftlich mit den Kollegen, von denen einer anschließend noch eine Runde Kaffee spendierte.
Montags, Donnerstags und Freitags endete die Arbeitszeit für uns nach dem Nachmittagsrapport um ca. 16:30 Uhr. Dienstags gab es um ca. 17 Uhr eine Fortbildung per Videokonferenz aus dem Unispital Zürich, mittwochs eine abteilungsinterne Fortbildung. Ergänzt wurde die Weiterbildung durch regelmäßige, kurze Fallvorstellungen und -diskussionen nach dem Morgenrapport, den Journal-Club am Freitagmorgen, in dem anhand einer Studie ein 5-10-minütiges Thema mit praktischer Relevanz/Konsequenz vorgestellt wurde, und interdisziplinäre Vorträge, zum Beispiel zum Thema Intensivmedizin, allerdings meist zu für uns ungünstigen Zeiten.
Eine spezielle Fortbildung nur für Unterassistenten gab es leider nicht, wird aber eventuell in einem interdisziplinären Rahmen in Zukunft eingerichtet.
Dienst hatte man an min. einem Tag der Woche sowie mindestens an einem Wochenende pro Monat. Unter der Woche blieb man so nach dem Rapport auf der Notfallaufnahme. Je nachdem, was noch im OP zu tun war und wie groß der Patientenandrang war, konnte man früher oder später nach Hause gehen. Mussten wir tatsächlich mal nachts länger im OP stehen, so hatten wir die Freiheit, die Arbeit so unter uns aufzuteilen, dass wir noch einmal nach Hause gehen konnte, um etwas Schlaf nachzuholen.
Der Wochenenddienst begann am Freitagnachmittag. Samstag und Sonntag mussten wir erst um 10 Uhr zur Visite auf der Intensivstation kommen, außer es war schon eine OP für 8 Uhr geplant. Montagmorgen war der Dienst beendet. Als Kompensation für ein solches Wochenende erhielt man zwei Tage Urlaub, die man individuell einlösen konnte.

| Pro und Contra |
Insgesamt habe ich mich in Uster sehr wohl gefühlt. Das Team war sehr jung und es herrschte ein ausgesprochen angenehmes Arbeitsklima. Auch den Oberärzten stand man in einer sehr flachen Hierarchie gegenüber.
Als größten Lerneffekt empfand ich die Arbeit auf der Notaufnahme während meiner einmonatigen Rotation und der Dienste. Hier konnten die UHUs Patienten eigenständig untersuchen, Diagnostik und Therapie planen, bevor sie sie dem Assistenten oder Oberarzt vorstellte.
Was und wie viel außer Hakenhalten man im OP machen durfte, hing davon ab, mit wem man operierte. Ich denke, dass Landegrenzen hier keine großen Unterschiede trennen, sondern dass es mehr darauf ankommt, mit welchen Menschen man zusammen arbeitet. Dennoch bleibt als Vorteil für die Schweiz zu werten, dass man als Unterassistent an den Diensten teilnehmen darf. So muss man nicht nur, wie es mir aus Deutschland bekannt ist, bei Notfällen im OP aushelfen, sondern arbeitet ganz normal in der Notaufnahme mit. Natürlich assistiert man auch im OP, wobei man insbesondere während der Dienste häufig als erste Assistenz eingesetzt wird.
Als weiteren Vorteil empfand ich den Umstand, dass wir mit einem relativ vielseitigen OP-Programm zu tun hatten, ohne dafür die Abteilung wechseln zu müssen. So waren wir regelmäßig bei den orthopädischen, teilweise auch bei den urologischen Operationen als Assistenz dabei und hatten die Patienten zuvor eventuell sogar "gestatet".
Von den Schweizern allgemein wurde man freundlich aufgenommen und integriert. Eine schon anderswo beschriebene Distanzierung oder sogar ablehnende Gesinnung Deutschen gegenüber habe ich zu keiner Zeit erlebt.
Meine große Befürchtung - sprachliche Verständigungsprobleme - bewahrheitete sich. Zumindest zu Beginn. An unserem Einführungstag habe ich bei manchen Rednern wirklich kein Wort verstanden. Nach ca. 3-4 Wochen hatte ich mich allerdings in den Großteil reingehört und zum Ende hin konnte ich sogar die Berner Kollegen verstehen.
Wünschenswert wäre schließlich eine etwas umfangreichere Betreuung der Unterassistenten, z.B. im Rahmen von separaten Weiterbildungen. Dies mag in größeren Spitälern - wo sich auch die Arbeit der Oberärzte auf mehrere Schultern verteilt - gegeben sein. In Uster ist es zumindest in Planung. Gern hätte ich auch mal "eigene" Patienten etwas intensiver betreut. Dies war organisatorisch nicht einfach möglich, da man zu sehr im OP eingeplant war. Außerdem war das Team der Assistenzärzte sehr jung. So waren einige schon ausgelastet, ohne sich noch um einen Unterassistenten auf ihrer Station kümmern zu müssen.
| Unterkunft |
Das Personalwohnheim befindet sich keine fünf Minuten Fußweg vom Spital entfernt. Bei schlechtem Wetter kann die Hälfte der Strecke durch einen Tunnel zurückgelegt werden. Die frisch renovierten 12qm-Zimmer besitzen eine eigene Küche mit 2-Platten-Herd und Kühlschrank sowie ein eigenes Badezimmer. Die monatliche Miete betrug 320CHF. Telefon und Internetanschluss (Modem und Kabel musste ich selbst kaufen) sind auf den Zimmern vorhanden, die Kosten werden direkt vom Mitarbeiterausweis abgebucht. Die Nachbarzimmer waren größtenteils auch von Unterassistenten bewohnt. Einen gemeinsamen Aufenthaltsraum gibt es aber leider nicht. Das Haus verfügt über einen Fahrradkeller und einen Parkplatz (reservierter Stellplatz für 60CHF pro Monat). Für 30CHF pro Monat kann man allerdings eine "Straßenrand-Parkerlaubnis" bei der Stadtpolizei erwerben.
Die nächsten Einkaufsmöglichkeiten erreicht man im Stadtzentrum nach 10min. Fußweg. Eine Buslinie hält regelmäßig genau am Personalwohnheim. Um das Portemonnaie zu schonen, bieten sich Einkaufsfahrten in den nächstgelegenen Discounter an.

| Uster und Umgebung |
Die Stadt Uster empfand ich nicht als besonders reizvoll. Man merkt, dass hier viele Pendler wohnen, die in Zürich zur Arbeit gehen. Im Sommer lädt der Greifensee zum Schwimmen und "grillieren" ein. Er ist nur zehn Fahrradminuten vom Spital entfernt.
Die nähere Umgebung bietet sich für Mountainbike-Touren an. Wer sein Fahrrad nicht in die Schweiz mitnehmen möchte, kann bei Radsport Flatera (am Bahnhof) gegen 50CHF Kaution ein Trekkingrad ausleihen. In unmittelbarer Nähe befindet sich außerdem eine Kletterhalle.
Wer selbst kein Auto besitzt, kann sich bei der Schweizer Bahn ein Halbtax-Abo kaufen und so in allen Zügen und S-Bahnen zum halben Preis fahren. Bei regelmäßigem Gebrauch zahlt sich die Investition aus, zumal die Ermäßigung auch in den Bergbahnen gilt!
Die Berge sind zwar von Uster aus schon sichtbar, man ist allerdings eine gute Stunde mit dem Auto unterwegs, bis man die nächsten Ski- oder Wandergebiete erreicht hat.
| Zusammenfassung |
| Zusammenfassend kann ich das Spital Uster für das Chirurgie-Tertial sehr empfehlen. |
Ich habe eine sehr schöne und erlebnisreiche Zeit verbracht, die unglaublich schnell vorüberging. Die Schweiz bietet mit Sicherheit jedem eine neue Erfahrung, wenn diese auch von Spital zu Spital unterschiedlich sein wird. Ich jedenfalls habe sehr gute Erfahrungen gemacht, sodass ich nur ungern Abschied genommen habe.

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