Medizinstudium
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| Das Krankenhaus |
Das Hopital Principal in Dakar wurde 1880 von den Franzosen als Militärkrankenhaus gebaut. Heute ist es immer noch Militärkrankenhaus, es untersteht aber sowohl den französischen, als auch den senegalesischen Truppen. Es ist mit 660 Betten das größte und best ausgestattetste in ganz Westafrika und besitzt seit 1997 sogar ein CT-Gerät. Das Personal besteht zu über 95% aus Senegalesen. Besonders unter den Ärzten sind aber auch einige Franzosen, die dort meist ihren Militärdienst ableisten. Das Krankenhaus ist für die Zivilbevölkerung zugänglich. Es finanziert sich aber selbst, so daß für die Behandlung bezahlt werden muß. Da im Senegal keine allgemeine Krankenversicherungspflicht besteht und die Patienten daher die Behandlung häufig aus eigener Tasche bezahlen müssen, führt dies unweigerlich zu Konfliktsituationen und vereinfacht die Behandlung keineswegs.
| Die Station |
Ich habe auf einer Station für Innere Medizin mit Schwerpunkt Gastroenterologie gearbeitet. Die 41 Betten der Station sind auf drei Gebäude verteilt. Die Krankenzimmer haben keine Glasfenster oder -türen (nur Holzfensterläden), so daß man den Eindruck hat, ständig im Freien zu arbeiten. Das ist bei dem feucht-heißen Klima dort sehr angenehm. Je nach Preiskategorie gibt es Sechserzimmer ohne oder Einzelzimmer mit Klimaanlage und Blick aufs Meer. Die Station wird von einem senegalesischen Arzt geleitet. Er macht dienstags und samstags die Visite und ist ansonsten von früh morgens bis spät abends mit Endoskopien und Konsultationen beschäftigt. Außerdem waren zu Beginn meiner Famulatur noch ein französischer Stationsarzt, ein Intern (entspricht PJ oder AiP) und ein Extern (Famulant) da. Pfleger, Schwestern und Hilfskräfte waren ausschließlich Senegalesen. Gegen Ende wurde die Situation schwierig, da es durch Urlaubs- und Krankheitsfälle zu Personalmangel sowohl bei den Ärzten als auch bei den Pflegern kam, so daß die ausreichende Versorgung der Patienten nur noch mit großem persönlichen Einsatz des restlichen Personals gewährleistet werden konnte.
| Tagesablauf |
Morgens gegen 9 Uhr ist Visite. Meistens wird die Visite durch einige widrige Umstände verlängert und erschwert und zieht sich somit bis in den frühen Nachmittag hinein: oft sieht man Patienten zum ersten Mal während der Visite, sei es, weil sie gerade von der porte (Notaufnahme) kommen, sei es weil sie vormittags von einer anderen Station verlegt werden oder weil sie spät am vorigen Abend gekommen sind. Meistens werden sie gleich während der Visite aufgenommen. Dann sind regelmäßig ärztlich angeordnete Untersuchungen nicht ausgeführt, teils weil es wegen Strom- und oder Wassermangel nicht möglich war, teils weil die Geräte funktionsunfähig sind, teils weil die Pfleger überlastet oder arbeitsunwillig sind, teils weil einfache Materialien wie sterile Kompressen, Braunülen oder Medikamente fehlen. Und schließlich sind regelmäßig Krankenakten nicht verfügbar oder Patienten nicht anwesend, weil sie bei anderen Untersuchungen sind oder bei Untersuchungen vergessen wurden.
So waren wir häufig erst gegen 13.30 Uhr fertig, manchmal auch später. Das Mittagessen im Krankenhaus - traditionelle senegalesische Küche, d.h. Reis oder Cous-Cous mit Fisch oder Fleisch - ist lecker und relativ preisgünstig ( 850 CFA = 8,50 FF). Es wiederholt sich wöchentlich, d.h. jeden Montag gibt es das gleiche. Nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr geht es weiter auf Station: Es müssen die Untersuchungsergebnisse durchgeschaut werden und danach die Therapieschemata geändert werden, die neuen Patienten müssen aufgenommen werden, Punktionen sind durchzuführen (vor allem Aszites und Lumbalpunktionen, selten Pleurapunktionen) und schließlich muß man häufig durch das ganze Krankenhaus pilgern, um Untersuchungstermine, die in zwei oder drei Wochen angesetzt wurden, vorzuverlegen. Je nachdem bin ich zwischen 18 und 20 Uhr nach Hause gekommen.
| Häufige Krankheitsbilder |
Während der Regenzeit sieht man häufig Malaria, d.h. Patienten, bei denen das Fieber unter Chinin rasch sinkt (der dicke Tropfen ist selten positiv), und Gastroenteritiden. Ansonsten war teilweise die Hälfte der Betten mit Diabetikern belegt, die im Senegal besondere Probleme bereiten. Als Ursache kommt leider relativ häufig Corticoidabusus vor, da die Frauen mit corticoidhaltigen Hautcrems versuchen, ihre Haut aufzuhellen. Die Therapie ist schwierig, egal welche Ursache zugrunde liegt. Es ist den Senegalesen, die oft noch dazu nur den afrikanischen Dialekt und kein Französisch sprechen, nur schwer klar zu machen, daß sie Diät halten und sich regelmäßig spritzen müssen. Erstens kosten die Spritzen viel Geld, zweitens essen Senegalesen sehr gerne süß und fettig. Da ist es leider nicht verwunderlich, daß regelmäßig schon bekannte Diabetiker im ketoazidotischen Koma eingeliefert werden, weil sie das Insulin gegen eine traditionelle Medizin eingetauscht oder die Diät eingestellt haben.
Kaum ein Senegalese, der ins Krankenhaus kommt, hat einen normalen Hb-Wert. Daher waren wir auch viel mit der Ursachensuche von Anämien beschäftigt. Sichelzellanämie und Malassimilationssyndrome sowie Blutungen waren häufige Ursachen.
Besonders traurig sind die Fälle, für die man dort keinerlei Behandlungsmöglichkeiten hat. Das waren vor allem alle Fälle von Niereninsuffizienz. Es gibt im ganzen Krankenhaus nur ein Dialysegerät, das nur für Notfalldialysen bei akutem Nierenversagen eingesetzt wird, und auch da nur gegen private Bezahlung. So krampft sich einem jedesmal der Magen zusammen, wenn man erhöhte Krea-Werte sieht. Gleiches gilt für das Alpha-Fetoprotein. Die Inzidenz von hepatozellulären Karzinomen ist sehr hoch, da auch die Durchseuchung an Hepatits B hoch ist.
| Leben in Dakar |
Das Leben in Dakar gestaltet sich für Europäer, die von den Einheimischen Toubab genannt werden, ziemlich schwierig. Die klimatische Umstellung macht einem besonders zu Beginn zu schaffen und verwandelt jede kleinste körperlich Betätigung in große Anstrengung. So habe ich mich bei den Visiten oft von Stuhl zu Stuhl gehangelt, weil mein Kreislauf langes Stehen nicht zugelassen hat. Die Ernährung läßt sich bei ausreichenden finanziellen Mitteln so gestalten wie in Europa. Nur kosten europäische Nahrungsmittel teilweise ein vielfaches von dem, was man in Europa zahlt, so daß wir uns hauptsächlich von Mangos, Bananen, Baguette und Reisgerichten ernährt haben. Die senegalesische Küche ist gut, aber nicht sonderlich abwechlungsreich. Auch haben wir trotz hygienischer Vorsichtsmaßnahmen Durchfallepisoden nicht vermeiden können. Das größte Problem stellt jedoch die Auseinandersetzung mit den Einheimischen dar. Für sie sind Europäer Geldgeber - und nichts anderes. So beschränkt sich jeder Kontakt außerhalb des Krankenhauses auf dieses Thema. Schon Kinder, die gerade anfangen Französisch zu lernen, können den Satz "donne-moi 100 francs" und sagen ihn automatisch, sobald sie einen Toubab sehen. Bewegt man sich auf einer Geschäftsstraße, begleiten einen auf Schritt und Tritt Händler und Bettler, die auch nicht von einem ablassen, wenn man ihnen dreimal erklärt hat, daß man nichts kauft und kein Geld gibt. Auch "Freunde", die man gerade zu Anfang schnell und leicht findet, entpuppen sich nach ein paar Gesprächen als Geldsucher. Es war für mich unmöglich, in den zwei Monaten meines dortigen Aufenthaltes zu Senegalesen außerhalb des Krankenhauses ein freundschaftliches Verhältnis aufzubauen. Den französischen Kollegen ging es ähnlich.
Als Frau kann man im Senegal relativ sicher reisen. Man erhält zwar ständig sexuelle Angebote, wenn man aber sagt, daß man verheiratet sei, lassen die Männer einen in Ruhe. Körperliche Gewalt habe ich persöhnlich nicht erlebt, und kommt nach Berichten anderer Europäer nicht häufiger vor, als auch gegen Senegalesen.
| Reisen im Land |
In der Regenzeit ist es nicht ganz einfach zu reisen. Zum einen ist es so heiß, daß man kein Bedürfnis nach körperlicher Betätigung verspürt, zum anderen sind die Straßenverhältnisse mäßig. Aber gerade wenn das Land beginnt grün zu werden, ist es sehr schön. Touristische Attraktionen gibt es wenige, wenn man von der Casamance absieht, die wir wegen politischer Unruhen lieber gemieden haben. Aber an der petit cote gibt es schöne Strände und bezahlbare Unterkünfte, die ideal für ein ruhiges erhohlsames Wochenende nach dem Klinikstreß der Woche sind. Ohne Auto ist man auf Buschtaxis angewiesen, die ab und zu ihren Geist aufgeben - wie wir das erleben durften. Wenn es dann auch noch regnet, die Straße sich in eine einzige Pfütze verwandelt hat, es langsam Nacht wird und die nächste Übernachtungsmöglichkeit weit ist, bleibt einem nichts anderes übrig, als mit all den Senegalesen aus dem Bus zu steigen und watend zu schieben. Am nächsten Morgen sind wir aber mit einer herrlichen Weiterfahrt auf dem Dach eines anderen Busses entlohnt worden. Das hat uns wieder mit der Welt versöhnt.
| Planung |
Wer im Hopital Principal in Dakar famulieren will, schickt seine Bewerbung an den Direktor des Krankenhauses, Dr. Normand.
Adresse:
Die Vorwahl für den Senegal ist 00221. Dr. Normand ist äußerst freundlich und hilfsbereit und freut sich über jeden, der kommt. Famulieren kann man in den Gebieten Innere (Schwerpunkt Infektiologie oder Gastroenterologie), Chirurgie, Pädiatrie, Gynäkologie oder auf der Intensivstation. Es gibt sogar eine Psychiatriestation, die aber bald in eine weitere Station für Innere Medizin umfunktioniert werden soll. Man erhält weder eine Vergütung noch Unterkunft oder Verpflegung. Außerdem muß man als Famulant eine internationale Haftpflichtversicherung vorweisen.
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