Medizinstudium
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| Reise im Auftrag ERASMUS/Sokrates Vertretung Gießen |
Marina Lindenstruth und Michael Büttcher erkundeten die drei medizinischen Fakultäten Olomouc (Tschechei), Kosice und Bratislava (Slowakei) im Auftrag der ERASMUS/Sokrates Vertretung Humanmedizin der Justus Liebig Universität Gießen. Hier berichten sie über ihre erste Station, die
Medizinische Fakultät der Palacký Universität in Olomouc/Tschechien
| Zur Stadt und Universität in Košice |
Košice ist die Metropole der Ostslowakei. Eine Stadt mit einer sehr reichen Geschichte über mehrere Jahrhunderte. Heute ist Košice eine moderne Großstadt und gilt als das Verwaltungszentrum der ostslowakischen Region. Seine vorteilhafte geographische Lage, die Nähe zu seinen drei Nachbarn (Ungarn 20km, Ukraine 80km und Polen 120km) schaffen günstige Voraussetzungen für den Handel. Besonders vertreten sind hier Großhandels- und Distributionsfirmen, Hotel-, Gaststätten-, Finanz- und Bankinstitutionen. Dank des großen Denkmalreichtums, der Košice im Jahre 1983 offiziell zugesprochen wurde, wird sie von sehr vielen ausländischer Touristen aufgesucht. Die umfangreiche Rekonstruktion des Zentrums in den Jahren 1996-1997 brachte nicht nur historisch wertvolle archäologische Funde ans Licht, sondern gab den rekonstruierten Gebäuden auch ihre atemberaubende Schönheit zurück.

| Medizinische Fakultät der Pavol Jozef Šafárik Universität |
Die medizinische Fakultät hat nicht das Österreichisch-Ungarische Reich überlebt. Doch schon seit Beginn der Tschechoslowakei gab es Versuche die Tore der Fakultät wieder öffnen zu können. Die medizinische Fakultät wurde aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg am Anfang des akademischen Jahres 1948-49 geöffnet. Die theoretischen Institute der Fakultät, die in der Altstadt liegen, sind mit einer eigenen Bibliothek mit vielen Lehrbüchern in Englisch, Zugang zum Internet und medizinischen Datenbanken sehr gut ausgestattet! Die Studentenwohnheime befinden sich zu Fuß ca. 15 min in erreichbarer Nähe. Das Studium der Humanmedizin dauert 6 Jahre und schon seit Jahren gibt es auch die Möglichkeit das ganze Studium in Englisch zu absolvieren. Dies war die Reaktion auf die immer wachsende Zahl an ausländischen Studenten, meistens aus dem mittleren Osten. Die Prüfungen sind zum größten Teil mündlich, viele auch mit praktischem Anteil.
Das Studium endet nach der Absolvierung der vier mündlichen Staatsexamina im sechsten Jahr. Danach erhält man den Titel MUDr. (Medicinae Universae Doctor - wie M.D. im Angelsächsischen). ERASMUS Studenten nehmen während ihres Aufenthaltes in Kosice an dem Englischen Studienplan teil!
Ankunft
Am Montag Abend um 22.30 Uhr kamen wir am Bahnhof von Kosice an. Wir wurden von Adrian, der Vertretung für die studentische Erasmus-Koordinatorin Janka, und dessen Freund Robert abgeholt und empfangen. Adrian ist im 5. Studienjahr und hatte bereits über ERASMUS ein Semester in Gießen studiert, Robert ist ein Kommilitone, ebenfalls im 5. Studienjahr.

| Das Studentenwohnheim |
Mit dem Bus fuhren wir zu unserer Unterkunft, ein großes Gebäude inmitten eines Plattenbauwohnviertels in unmittelbarer Nähe zum Universitätsklinikum gelegen. Unsere Zimmer waren gut ausgestattet mit Bett, Regal, Sessel, Tisch und Stuhl und die Wohnungsaufteilung war ähnlich wie in Olomouc. Es befanden sich in einer kleinen 2er WG zwei Zimmer mit Balkon, ein Bad mit Badewanne, eine getrennte Toilette und ein Flur mit Schränken. Die Küche für das komplette Stockwerk befand sich in auf dem großen Flur und war jedem zugängig. Allgemein schien es, dass in diesem Haus nicht so viele Leute wohnten wie wir es in Olomouc gesehen hatten und man klärte uns darüber auf, dass dieses Haus von Altstudenten der Universität angemietet worden war; zum einen für Austauschstudenten, Besucher und Gäste der Universität, zum anderen teilweise auch für die Normalbevölkerung. Auf unserem Flur wohnten noch zwei Famulatur-Studenten aus Schweden und der Schweiz, die wir an einem der folgenden Tage kennen lernen sollten.
| Eine gemütliche Jazz-Bar |
Adrian und Robert luden uns, nachdem wir unser Gepäck im Wohnheim abgestellt hatten, noch in eine nette Jazz-Bar mit guter Live-Musik ein und bei erstem slowakischem Bier schmiedeten wir Pläne für die nächsten Tage und tauschten Informationen bezüglich der Universitäten und Studienordnungen aus. Es war ein gemütlicher Abend, jedoch waren wir todmüde nach der langen Reise und heilfroh in unsere Betten zu fallen.
Es werde Licht ... und ein Gang in die Altstadt
Am nächsten Tag, Dienstag dem 8. Mai, war Feiertag. Robert und Adrian holten uns morgens ab und machten uns mit unserer nächsten Umgebung vertraut. Als wir das erste Mal von unserem Balkon blickten und später dann auf die Straße gingen, holte uns anfangs der Kulturschock ein, da wir inmitten dieser großen Wohnsiedlung waren und die meisten Leute hier in sehr ärmlichen Verhältnissen zu leben schienen, zumindest für unsere westeuropäischen Verhältnisse. Auf unsere Frage bezüglich der Kriminalität in solchen Wohnvierteln wurden wir beruhigt und nachdem man sich an dieses Bild gewöhnt hatte, fühlte man sich auch recht wohl.

Es war eine Art Mischsiedlung aus Studentenwohnheimen und Familienwohnungen auf einem kleinen Berg gelegen, von welchem man einen guten Rundblick über die Altstadt im Tal hatte.
Wir machten uns auf den Weg zum Uniklinikum, welches etwa 3 Minuten zu Fuß von unserer Unterkunft entfernt war. Es war ein riesiger Gebäudekomplex im Stil der 70er Jahre und lag ebenfalls auf diesem "Klinikumsberg". Von dort aus blickten wir nochmals auf die Stadt herunter und Adrian erklärte uns, welche Gebäude wir von oben sehen konnten. Die Altstadt mit ihren roten Ziegeldächern, den vielen Kirchen und Türmchen konnte man sehr gut vom Rest der Stadt abgrenzen.

Um in Richtung Stadtzentrum zu gelangen, stiegen wir eine lange Treppe herab. Vom Fuß der Treppe waren es nur noch 10 Minuten zu Fuß ins Stadtzentrum. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Unihauptgebäude, einem schönen historischen Altbau, vorbei.
Unser nächstes Ziel war die ehemalige Medizinische Fakultät in der Innenstadt, in der sich inzwischen nur noch die vorklinischen Fächer befinden. Alle klinischen Fächer, d. h. alle Veranstaltungen wie Vorlesungen, Seminare, Kurse, werden schon auf dem Klinikumsberg unterrichtet. Dennoch besuchten wir diese ebenfalls sehr alten schönen Gebäude und konnten einen kurzen Blick in die Anatomiesäle und den großen Vorlesungssaal werfen. Vorbei an der Juristischen Fakultät und anderen universitären Gebäuden ging es in Richtung Stadtzentrum. Dort gefiel es uns auf Anhieb. Die restaurierte Altstadt befand sich in sehr gutem Zustand, wir sahen historische Bauten, nette Cafés, Einkaufspassagen, Theater und Kirchen.

Der Großteil der historischen Altstadt bestand aus einer breiten langen Straße, welche nur von Pferdekutschen und S- Bahnen befahren wurde und inmitten dieser Art Fußgängerzone gab es hin und wieder kleinere und größere Grünflächen; auf der einen konnte man eine schönen Fontäne bewundern, wie sie sich in den verschiedensten Farben angeleuchtet zur Musik bewegte, auf der anderen Grünfläche befand sich das Stadttheater, welches um die Jahrhundertwende erbaut worden ist und dank der Restaurierung wieder in alter Pracht glänzte.
Die Stadt machte besonders an diesem Tag einen sehr lebhaften Eindruck und wir genossen bei strahlendem Sonnenschein die angenehme Atmosphäre, die sich uns an diesem Vormittag darbot. Wir besichtigten eine der ältesten Kirchen und nutzten die Gelegenheit, auf deren Kirchturm zu steigen und so einen bezaubernden, weitreichenden Blick über die Altstadt zu bekommen. Im Anschluss wurden wir durch die Katakomben geführt und besuchten Ausgrabungen aus jüngster Zeit. Nach einer kleinen Stärkung in einem Eiscafé verabschiedeten Adrian und Robert sich von uns und teilten uns mit, dass wir am nächsten Tag die Chance haben sollten, mit den beiden Famulatur-Austauschstudenten aus der Schweiz und aus Schweden eine Visitation in der Klinik zu machen, die Janka für uns organisiert hatte.
Einfache Unterkünfte für slowakische Studenten
Auf dem Heimweg trafen wir uns mit Robert in seinem Studentenwohnheim, welches in der Nähe unserer Unterkunft gelegen war und uns wurde in diesem Moment richtig bewusst, dass wir in sehr komfortablen Zimmern untergebracht waren.
Die slowakischen Studenten und Studentinnen lebten dort oft zu dritt oder viert in einem 14qm großen Zimmer mit einer Dusche und Toilette für zwei solcher Zimmer. Wir lernten dort zwei slowakische Studenten kennen, tauschten abermals Gedanken und Eindrücke aus und verbrachten eine interessante Zeit dort. An diesem Abend fielen wir abermals geprägt von neuen Eindrücke in unsere Betten.
| Hospitation in der Pädiatrie und Chirurgie |
Am nächsten Morgen wurden wir dann um 07.00 Uhr von Stephan, dem Schweizer, und Richard, dem Schweden, abgeholt. Sie wohnten 2 Zimmer weiter und hatten das Wochenende in den High Tatras, einem großen Gebirge ganz in der Nähe, verbracht und schwärmten von ihren Naturerlebnissen und der erholsamen Zeit, die sie dort verbracht hatten. Michael begleitete Richard in die Chirurgie, ich (Marina ) schloss mich Stephan an, der in der Pädiatrie famulierte.
Zuerst einmal stellte mich Stephan seiner betreuenden Ärztin vor, die während der 8 Wochen seiner Famulatur seine persönliche Ansprechpartnerin war und ihm mit Rat und Tat ständig zur Seite stand. Er war begeistert von ihrer guten Betreuung, ihrer Geduld beim Erklären komplexer medizinischer Zusammenhänge und beim Darstellen der Krankengeschichte der Patienten. Auch bei Diagnose und Therapievorschlägen durfte er häufig seine Meinung zuerst äußern, sie verbesserte gegebenenfalls diese Vorschläge und erklärte, warum sie es eventuell anders machen würde. Als Stephan mir all dies auf dem Weg zu unserem Untersuchungskurs in der Pädiatrie erzählt hatte, konnte ich es kaum glauben, jedoch bestätigten sich seine Aussagen diesbezüglich in den nächsten Stunden.
Untersuchungskurs
Im Untersuchungskurs waren wir in Kleingruppen von jeweils 6 Personen aufgeteilt und bekamen unsere Patienten zugewiesen, die es zu untersuchen galt. Später kam dann die betreuende Ärztin hinzu, ließ sich die Krankengeschichte von einem der Studenten erzählen und erarbeitete mit uns zusammen die Diagnose. Anhand der Patientenakten wurden Laborwerte, Röntgenbilder und andere Befunde erläutert und besprochen. An diesem Vormittag hatten wir eine 11-jährige Patientin mit einer chronischen Hepatitis B, den typischen Begleiterscheinungen in fortgeschrittenem Stadium und es galt nun zu evaluieren, ob eine Lebertransplantation eventuell in Frage kommen könnte.
Da die Eltern der jungen Patientin sich diesbezüglich nicht besonders kooperativ zeigten, deutete die Ärztin schon an, daß es schwierig werden könnte.
Während des Untersuchungskurses lernte ich zwei nette und interessierte slowakische Studenten kennen, die mich im Anschluss mit den Begebenheiten im Krankenhaus bekannt machten. Sie führten mich über die verschiedenen pädiatrischen Stationen, unter anderem auf die Kinder-Intensivstation, die Neonatologie, die Kinder-Nephrologie und auch auf die Allgemeine Pädiatrische Station. Die Stationen waren sehr bunt und kinderfreundlich gestaltet, für die älteren Kinder gab es sogar die Möglichkeit, in den Schulunterricht der Klinik zu gehen.
| In der Sprechstunde der pädiatrischen Ambulanz |
Nach diesem Rundgang über die verschiedenen Stationen besuchten Stephan und ich die Sprechstunde der Pädiatrischen Ambulanz mit unserer Ärztin. Wir hatten einen Patienten mit Lupus erythematodes und dem typischen Krankheitsverlauf. Da während der Untersuchung selbstverständlich in slowakischer Sprache mit Kind und Eltern gesprochen wurde, erklärte uns die Ärztin zwischen der Behandlung zweier Patienten was sie eben untersucht hatte und warum. Unser letzter Patient an diesem Tag hatte eine Thrombopenie, er litt an Zahnfleischbluten und hatte sehr viele blaue Flecken am ganzen Körper.
| In der Chirurgie |
Ich (Michael) hatte die Möglichkeit mit Richard, einem Studenten aus Schweden an diesem Morgen mitzugehen. Zu der Zeit machte er gerade über das IFMSA-Programm seine Famulatur in der Chirurgie. Leider wusste der Assistenzarzt nicht, wer ich war oder warum und woher ich kam, was eigentlich die dortige Koordinatorin vermitteln hätte müssen. Richard hatte in der gesamten Zeit eine eigene Ansprechperson in der Klinik! Es war aber für Jan, den Assistenzarzt, der sich gleich mit Vornamen vorgestellt hatte, kein Problem und er nahm uns mit auf ein paar Stationen und schließlich in den OP. Dort konnten wir eine Operation mitverfolgen. Jan stand dabei hinter uns und erklärte jeden einzelnen Handgriff des Operateurs. Dabei wies er uns auch auf die umliegenden Strukturen hin. Es war auf keinen Fall ein derogatives "teaching" mit üblen Ausfragereien und üblem "Herunterputzen" des Lernenden, was man normalerweise, vor allem bei Chirurgen in der Heimat gewohnt ist und was so manchem schnell den Spaß und das Interesse an der Chirurgie nimmt. Sondern das Lehrklima war sehr angenehm und informativ.

Nach der OP erzählte Jan mir, daß Famulanten und PJler hier viele praktische Tätigkeiten im OP ausführen dürfen, was mich noch mehr beeindruckte. Schnell war der Vormittag vorbei und ich traf Marina wieder in der Fachschaft.
| Ein kleiner Streifzug durch die klinischen Fächer |
Nach diesen interessanten Eindrücken und vor allem der hervorragenden Betreuung machten wir uns nach einer kleinen Stärkung in der Snack-Bar auf den Weg, endlich Janka, die studentische Erasmus- Koordinatorin, zu treffen. Nach unseren Besuchen auf den Stationen sollten wir nun noch andere Einrichtungen des Krankenhauses zu Gesicht bekommen. Zuerst einmal begrüßte uns Janka recht herzlich und entschuldigte sich dafür, daß sie erst nun zu uns treffen konnte, da sie selbst noch Testate zu schreiben hatte. Unser erster Besuch galt der Fachschaft, einem kleinen Raum, in dem sich einige Computer befanden und man sich während einer Pause bei einer Tasse Tee oder Kaffe ausruhen konnte. Sie führte uns durch die Fachbibliothek im Erdgeschoss des Klinikums, in der es neben slowakischer Fachliteratur auch deutsche und englische Bücher gab.

Des Weiteren besichtigten wir die großen und kleinen Hörsäle, einige Seminarräume und die große Aula, in welcher ein paar Tage zuvor erst ein Kongress über Nierentransplantationen stattgefunden hatte. Nun mussten wir uns etwas beeilen, um pünktlich zum vereinbarten Termin mit dem Dekan zu erscheinen. Wir wurden herzlich begrüßt bei Gebäck und Kaffee und unterhielten uns lange mit ihm über dieses Projekt, die Unterschiede der medizinischen Ausbildung in verschiedenen Ländern Europas und zu guter Letzt interessierte es ihn, welche Eindrücke wir von dem kurzen Aufenthalt mit nach Hause nehmen würden. Ich denke, wir haben ihn mit unseren Aussagen diesbezüglich in keinster Weise enttäuscht. Im Großen und Ganzen schien er wirklich interessiert und engagiert am Umsetzen neuer Reformen und Ideen für seine Studenten zu sein, jedoch erläuterte er auch die Schwierigkeiten, die dadurch eventuell auf anderen Ebenen entstehen könnten.
Nach diesem Gespräch verabschiedeten wir uns von Janka und den anderen Studenten, die wir an diesem Tag kennengelernt hatten und später dann auch bei einer kleinen Erfrischung in der Nachmittagssonne von Stephan und Richard, die uns stets positiv von ihren Erfahrungen während dieses Aufenthaltes in Kosice berichtet hatten. Vor allem waren sie zufrieden mit der Betreuung in der Klinik. Sie schätzten auch die Hilfe von Janka bezüglich ihrer Freizeitgestaltung. Sie half ihnen ihre freien Wochenenden in der Umgebung zu planen und gab gute Tipps weiter.

| Abschied und Weiterfahrt nach Bratislava |
Wir holten unser Gepäck, fuhren mit dem Bus zum Bahnhof und verarbeiteten während der langen Zugfahrt zu unserer letzten Station auf dieser Reise, Bratislava, die Erlebnisse und Eindrücke, die wir in Hülle und Fülle bis dato erhalten hatten.
Weiterfahrt nach Bratislava
| Bericht mit Bildern - 96 KB |
| Bericht ohne Bilder - 22 KB |
Vorherige Etappe in Olomuc/Tschechische Republik
| Bericht mit Fotos - 140 KB |
| Bericht ohne Fotos - 22 KB |
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