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Artikel vom 23. 04. 2007

PJ am NIH Warren Grant Magnussen Clinical Center

Wissen macht Gähn

Stephan Dützmann

Das Warren Grant Magnussen Clinical Center ist das Krankenhaus der National Institutes of Health. Alle Patienten die dort behandelt werden, sind Teil einer Studie, also oft eines Experiments. Es ist in der Größenordung eines mittleren amerikanischen Kreiskrankenhauses anzusiedeln, macht allerdings durch seine opulente Bauweise einen viel größeren Eindruck.

Bild
Stepahn Dützmann

Übersicht

Die NIH sind ein Konglomerat verschiedener Institute, unter anderen das National Institute for Neurological Disorders and Stroke (NINDS), zu dem meine Abteilung (die Surgical Neurology Branch = SNB) gehörte. Neben einer Reihe verschiedener Labors unterhalten die meisten klinischen Disziplinen auch eine kleine klinische Einheit, die sich der Betreuung verschiedener hospitalisationsbedürftiger (=hpbt) Patienten widmet.


Hier habe ich mein PJ abgeleistet.


MotivationNach oben hoch

Mir schwebte zum Zeitpunkt meiner Bewerbung eine wissenschaftliche Karriere vor. Und da ich im internen Austauschprogramm meiner Uni nicht das bekam, was ich wollte (NYC) und ich zwei begeisterte Berichte im Netz übers das PJ am NIH in der Neurochirurgie gelesen hatte, stand dies auf Nummer zwei meiner Liste mit dem Titel:" Was mache ich, wenn ich nicht bekomme, was ich will" (auf Nummer eins stand Schmollen).
Mich interessierte besonders wie sich dort Grundlagenwissenschaft und Klinische Forschung miteinander vernetzten.


Bewerbung/FormalitätenNach oben hoch

Hier muss man einen langen, langen Atem beweisen. Ich weiß nicht wie oft ich nachgefragt und erneut angerufen habe, aber ich hatte das Gefühl gegen Windmühlen kämpfen zu müssen. Lasst Euch hier nicht frustrieren - das ist einfach das US-Government. Freundlich bleiben, die eigenen "Untergebenen" anschreien (Famulanten oder Studenten unterer Semester) und weiter probieren.
Der steinige Weg beginnt im Internet, indem man ein Online-Formular ausfüllt. Auf der Internet-Seite ist dieser Schritt gut beschrieben.

   Externer Link http://www.training.nih.gov/student/cep/

Für die Bewerbung benötigt man eine Empfehlung eines Profs. Der Professor wird dann von den Verantwortlichen selbst angeschrieben. Danach geht die Bewerbung dann zu der jeweiligen Unterabteilung und wenn die "Yes" sagen, kann man schon mal anfangen nach Flügen zu schauen.
Parallel braucht man für das PJ noch eine Sondergenehmigung vom Landesprüfungsamt, da die NIH keine Uni sind.


AnreiseNach oben hoch

Ich empfehle strengstens mit dem Flugzeug anzureisen. Jeglicher Versuch einer romantischen zweiwöchigen Schiffreise wird mit sicheren Nervenzusammenbruch enden. Ich empfehle ausserdem Direktflüge von Frankfurt nach Washington Dulles. Bitte nicht nach Dallas fliegen, Texas ist ein klein wenig woanders....


UnterkunftNach oben hoch

Das NIH hat eine interne Liste unter http://www.recgov.org/housing/housing.html. Ich kann auch Craig's List empfehlen. Auch die Washington Post Seite hat gute Angebote. Man sollte sich in Bethesda oder in Washington eine Wohnung suchen.

Im "District" - junge unerfahrenen Deutsche Botschaftsmitarbeiter sagen immer noch lappsig "D.C." und stellen sich damit gnadenlos ins Abseits - sollte man auf nahe Anbindung an die RedLine achten.


Der AlltagNach oben hoch

Wie in jeder Amerikanischen Neurochirurgie fangen die Assistenten um 6.30 an zu rounden. Ich habe Option um 5.30 zu pre-rounden fallen gelassen, weil es mir so ans Herz gelegt wurde. Der Grund dafür ist, dass die Neurochirurgische Abteilung mittlerweile eine sogannte Physicians Assistant (PA) hat. Die kümmert sich um den ganzen Kram, den normalerweise die Studenten erledigen und sich somit Vertrauen und Punkte bei den Assistenten einheimsen. Ich konnte dieser PA aber leider kaum Arbeit abnehmen, da sie dies als Beleidigung empfand.

Nachdem wir dann mit den Rounds fertig waren, ging es in den OP. Wir haben meist an 3 Tagen in der Woche operiert. Hier hatte ich viel Pech, weil ich ausgerechnet immer mit den Leuten in den OP geraten bin, die mich kaum etwas machen ließen und kaum etwas erklärt haben.
Der studentenfreundliche Operateur hatte in meinen 8 Wochen ganze 3 Fälle zu operieren und der studentenfreundlichste Assistent war die ganze Zeit im "forschungsfrei".

Am Donnerstag waren meist keine OPs und ich habe geschaut, was es Interessantes an Forschungsaktivität gibt, oder ich habe im Internet gesurft, oder Kaffee getrunken, oder auch wissenschaftlich recherchiert. Am Freitag hatten wir dann Clinic, also Ambulanzsprechstunde, zu der alle Patienten zur Nachkontrolle kommen.


FazitNach oben hoch

In einem der bisherigen Berichte steht, dass man am NIH seltene Krankheiten zu Hauf sehen kann. Dies kann ich nicht bestätigen. Die Neurochirurgie am NIH behandelt im Prinzip 4 Patientengruppen:

 1) Patienten mit von Hippel-Lindau Krankheit
 2) Cushing-Syndrom Patienten
 3) Patienten mit Syringomyelie
 4) Metastasenpatienten, die in anderen Tumortherapiestudien eingetragen sind.

Dies ist m.E. nach eine sehr beschränkte Patientenpopulation und hat mit "vielen seltenen Krankheiten" nichts zu tun. Auch die anderen Abteilungen (z.B. Infectious Disease) hatten ihre monotonen Schwerpunkte (beispielsweise AIDS).

Was die wissenschaftliche Arbeit anging war ich auch eher enttäuscht. Die einzigen experimentellen Studien wurden an den Syringomyeliepatienten betrieben. Der anderen Patienten waren einfach nur in longitudinalen Follow-up Studien eingeschrieben, die nur den natürlichen Verlauf der Krankheiten untersuchten.

Insgesamt kann ich das NIH als PJ-Platz also überhaupt nicht empfehlen, weil ich viel zu wenig praktisch gemacht habe und wissenschaftlich leider auch nicht profitieren konnte.

Ich kann es aber jedem Famulanten, der mit dem Gedanken spielt in den USA seine Doktorarbeit zu machen nur wärmstens an Herz legen, sich das für 4 Wochen mal anzuschauen, denn das wäre der ideale Zeitraum, die Labors, mit denen man liebäugelt, besser kennenzulernen.


LiteraturNach oben hoch
   Externer Link http://www.pubmed.org

 
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