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Übersicht
| Bewerbung |
Bereits auf meine erste Bewerbung an das Alaska Regional Hospital in Anchorage, dessen E-Mail-Adresse ich durch die zugehörige Website erfuhr, erhielt ich Antwort. Dadurch, dass meine Entscheidung für Alaska sehr kurzfristig fiel, standen mir für die Organisation nur noch 3 Monate zur Verfügung. Daher war ich mir des Erfolges nicht wirklich sicher. Letztlich stellte sich das in keinster Weise als Problem dar. Da Alaska über keine eigene medizinische Fakultät verfügt und die meisten Ärzte aus den zentralen Gebieten der Vereinigten Staaten übersiedeln, gibt es noch genug Plätze für famulaturwillige Studenten. Die Bewilligung zum Praktikum erfordert zwar eine Menge ausgefüllter Formulare und Zeugnisse, aber bloß nicht aufgeben, es lohnt sich! Übrigens musste ich nie eine Erklärung abgeben, dass ich den Patienten nicht unbeaufsichtigt anfasse, wie so oft bei amerikanischen Praktika berichtet wird. Ein Sprachzeugnis ist auch nicht erforderlich.
| Benötigte Formulare |
| • | Medical Student Application-Form (gestellt) |
| • | Medical Student Affiliation Agreement (gestellt) |
| • | Impfnachweis (Tuberkulin-Haut-Test, Masern, Mumps, Röteln, Hep. B, Varizellen-Immunität) |
| • | Versicherungsnachweis für Kunstfehler (Deckung: $ 1 Million pro Einzelschaden, $ 3 Millionen Gesamtschaden jährlich) |
| • | Empfehlung der deutschen Universität |
| • | Polizeiliches Führungszeugnis |
Bewerbung bitte senden an:
Tina Roy, CPCS
Director, Medical Staff Services
Alaska Regional Hospital
2801 DeBarr Road
Anchorage, AK 99508
Phone 907-264-1416
Fax 907-264-1414
Aufgrund der verschärften Einreisebedingungen werden ein biometrischer Reisepass und ein spezielles Praktikumsvisum benötigt. Hierfür muss zunächst telefonisch ein Interviewtermin bei der Amerikanischen Botschaft in Berlin, München oder Frankfurt am Main vereinbart werden. Dieser Antrag sollte spätestens 6-8 Wochen vor der geplanten Reise erfolgen. Die Wartezeiten zur Beurteilung der Visumsfähigkeit können zu diesem Termin dann leider auch bis zu 4 Stunden betragen. Hier gilt, gute Vorbereitung spart eine Menge Ärger! Nachreichen von Unterlagen ist nicht so einfach! Die Visa-Bearbeitungsgebühren von 80 Euro halten sich gemessen am Aufwand noch in Grenzen.
| Famulaturgebühren/Vergütung |
Famulaturgebühren müssen nicht entrichtet werden, allerdings ist auch nicht auf eine Vergütung zu hoffen. Viel wichtiger waren mir hier auch die netten Kleinigkeiten und Aufmerksamkeiten, die mir von Seiten der Ärzte, vor allem aber von den Schwestern und Pflegern entgegengebracht wurden. "The little girl" von "very far away" sollte einen möglichst schönen Aufenthalt haben.
Was die Finanzierung im Ganzen angeht, hieß es leider "do it yourself". Finanzierungsmöglichkeiten bieten sich hier über den DFA nicht, so weit ich informiert bin.
| Flug/Anreise |
Die Anreise dauert unter den günstigsten Bedingungen, das bedeutet Direktflug von Frankfurt nach Anchorage, ca. 9 Stunden. Dies gibt es als Spezialangebot der Condor schon ab 950 Euro. Kombinierte Streckenverbindungen anderer Anbieter, wie auch ich sie wahrgenommen habe, erhöhen die Flugzeit meist drastisch und sind um einiges teurer. Auch hier gilt: Lieber zu früh buchen als zu spät.
| Unterkunft |
Als dann erst mal alle Formalitäten erledigt waren, konnte es endlich losgehen.
Ein geeignetes mittelpreisiges Hostel ($ 20/Tag), wie die Jugendherbergen auch genannt werden, hatte ich mir im vornherein schon per Internet ausgesucht. Das Krankenhaus sah keine Unterkunftsmöglichkeit oder Bezahlung derselben vor. Bei der Unterkunftswahl sollten einige Stadtgebiete von Anchorage aufgrund der Gefährlichkeit gemieden werden. Diesbezüglich ist es interessant zu wissen, dass die Stadt Anchorage immerhin auf Platz zehn der höchsten prozentualen Kriminalitätsrate in den USA rangiert. Andererseits habe ich nie selbst schlechte Erfahrungen gemacht!
| Krankenhaus |
Das Alaska Regional Hospital ist zusammen mit einem weiteren Stadtkrankenhaus verantwortlich für ca. 275 000 Einwohner und einige tausend im Einzugsgebiet. Die flächendeckende Versorgung wird durch "Life flight", den Flugrettungsdienst gewährleistet. Bei "guter Führung" können hier ein paar Praxisstunden absolviert werden. Das Krankenhaus an sich ist auf dem neusten Stand der Technik, verfügt über alle regulären Abteilungen wie dieserorts und entspricht in keinster Weise einem provinziellem "Bettenlager". Ich hatte mich nunmehr, nicht ganz ohne durch eine gewisse Fernsehserie beeinflusst worden zu sein, für das "Emergency and Rescue Department" entschieden. Was würde mich erwarten?

Als allererstes erwartete mich ein einstündiger Fußmarsch vom Hostel zum Krankenhaus, da die Fahrpläne des City-Busses leider nicht frühdienstkonform sind. Also stieg ich aufs Fahrrad, eine hier äußerst ungewöhnliche Fortbewegungsart, bei deren Organisation mir die Schwestern wieder einmal behilflich waren. Nachdem ich in OP-grün gehüllt und mit dem wichtigsten überhaupt, der Security-Staff-Card versehen war, sollte ich gleich die ersten Aufnahmen übernehmen. Es ist wirklich beeindruckend, mit wie viel Einsatz und Motivation die Ärzte hier ihren Lehrauftrag wahrnehmen. Es ist schön, einmal nicht als personaleinsparende Arbeitskraft angesehen zu werden. So ist es völlig selbstverständlich, dass jeder Famulant hier einem eigenen Arzt zugeteilt ist, dem er in die einzelnen Schichten folgt. Dadurch ist man jederzeit sicher, einen geeigneten und verantwortlichen Ansprechpartner vorzufinden, der einem zur Seite steht.

Variable Arbeitszeiteinteilung war trotzdem möglich, denn "in Alaska musst du das Wetter nutzen, wenn es gut ist", wie es mir so oft gesagt wurde. Natürlich wird man auch mit den negativen Aspekten des amerikanischen Gesundheitssystems konfrontiert. So wird zum Beispiel die Notaufnahme durch zahlreichen Menschen konsultiert, die nicht unter Lebensbedrohung leiden, sich aber keinen Allgemeinarztbesuch leisten können. Doch auch wenn die Anpassung an andere Arbeitsmethoden und Organisationsverfahren (z.B. "Load and Go" anstatt "Stay and Play") eigenständiges Arbeiten erschweren, sind gerade diese Unterschiede besonders interessant gewesen.
| Sprachkenntnisse |
Meine Englischkenntnisse habe ich kurz vorher noch mit einem speziellen medizinisch orientierten Sprachkurs an meiner Uni aufgefrischt - einen solchen Kurs kann ich nur empfehlen! Für die Kommunikation mit den Ärzten war dies voll ausreichend, beim amerikanischen Slang der Patienten musste ich aber oft zweimal hinhören. Eine kleine Abkürzungs- bzw. Namenseinweisung zu den gängigen Arbeitsmaterialien durch die Schwestern kann wirklich Wunder bewirken. Ein Sprachzeugnis an sich wird nicht benötigt.
| Alaska |
Der 49. Bundesstaat der USA ist mit nur knapp 660 000 Einwohnern wirklich gering besiedelt und kann zugegebenermaßen zeitweise auch sehr kalt und unwirtlich sein. Jedoch sollte man sich nicht hinter seiner amerikanischen Medizinfachliteratur verkriechen. Es gibt eine Menge zu erleben und zu unternehmen, wie zum Beispiel: Wandern, Klettern, Bergsteigen, Fahrrad fahren, Reiten, Kayaken, Ski und Schneeschuh laufen, Zelten ...
Oder wie wärs mit dem Nationalsport Fischen?



Wer es eher etwas tierlieber mag, kann in einem der sieben großen Nationalparks Tiere wie Schwarz- und Braunbären, Wölfe, Caribous, Elche und Weiskopfseeadler bestaunen. Das habe ich dann auch getan, den Rucksack gepackt und im Denali Nationalpark den Mt. McKinley, den mit 6194 m höchsten Berg Nordamerikas bewundert. Überall findet man schnell Gleichgesinnte und freundliche Einheimische, die den Alaska-Greenhorns wie mir gern weiterhelfen.
"Ahoi" hieß es dann auf meiner Reise nach Juneau, der Hauptstadt Alaskas, die nur per Flugzeug oder Fähre zu erreichen ist. Das Alaska-Marine-Highway-System ist eine gute Alternative zum manchmal sehr umständlichen und spärlichen Alaska Highway. Außerdem lassen sich auf diesem Wege sehr gut Wale beobachten und sogar Gletscher, die hier bis in das Meer reichen können.


Der Süden Alaskas ist besonders bekannt für seine indianischen Relikte und Künste. Totempfähle lassen Mythen jahrhundertealter Stammesgeschichte wiederaufleben. Und obwohl ich mich draußen in der Natur eher zu Hause fühle, haben mich die besonders kreativen und interaktiven Darstellungen vieler Museen immer wieder stundenlang in Ausstellungen gelockt. Hier möchte ich einmal das Alaska State Museum in Juneau und das Pratt Museum in Homer erwähnen.
Dass viele Alaskaner auch eine gemütliche und besinnliche Ader haben, zeigt sich in den zahlreichen kleinen Kaffees und Bars, in denen man schon mal die Zeit vergessen kann. Hier trifft man sie: Menschen aller Altersklassen. Sie sind nach Alaska gekommen, um ihr Glück zu finden. Auf den Fischer- und Krabbenbooten auf hoher See hoffen sie, bei einem der gefährlichsten Jobs der Welt, das schnelle Geld zu machen - wie die Goldsucher, die Jack London einst beschrieb.

Für mich wird Alaska letztlich das Land wunderbarer Natur und naturliebender Menschen bleiben. Auf jeden Fall hat es die schönsten Sonnenuntergänge!!!
| Informative Bücher |
| - | Alaska von Lonely Planet (23,45 €) |
| - | Alaska von Let´s Go (22,95 €) |
| - | Alaska von National Geographic (15,95 €) |
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