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| Das Children's Hospital Boston Foto: V. Kölzer |
Übersicht
| Motivation |
Ein dreijähriger Aufenthalt in den USA gehörte für mich zu den besten und interessantesten Erfahrungen meiner Gymnasialzeit. Kurz vor Abschluss meines Medizinstudiums und in Vorbereitung meiner Teilnahme am Cornell Programm der TU München, habe ich Erfahrungen am Children's Hospital Boston der Harvard Medical School sammeln können und möchte mit meinem Bericht anderen Studenten die Bewerbung für ein Elective oder Observership in den USA vereinfachen.
| Übersicht |
Das Children's Hospital Boston ist eine der renommiertesten Kinderkliniken weltweit. Seine Schwerpunkten liegen in der Kinderkardiologie, Intensivmedizin, Onkologie und Orthopädie. Mit 10.000 Mitarbeitern in Forschung und Klinik bei 400 Betten (220 Intensivbetten) bietet das BCH eine sehr gute Betreuungsrelation in Klinik und Lehre. Hiervon profitieren Studenten, Famulanten und Patienten gleichermaßen.
Das BCH ist das offizielle pädiatrische Lehrkrankenhaus der Harvard Medical School und ist mit mehreren Kliniken assoziiert, die schwerpunktmäßig im Süden Bostons in der Longwood Medical Area lokalisiert sind: Brigham And Womens Hospital, Beth Israel Deaconess Medical Center, Dana Farber Cancer Center.
| Famulatur in den USA |
Die Organisation einer Famulatur in den USA wird durch Formalien und die finanzielle Bedingungen erschwert, mein Bericht soll dabei möglichst als Hilfestellung dienen.
Generell ist zwischen einem "Elective" und einem "Observership" zu unterscheiden. Beides entspricht einer deutschen Famulatur, die Anerkennung sollte aber natürlich mit dem jeweiligen Landesprüfungsamt abgestimmt werden.
Verglichen mit Famulaturen an deutschen Universitäten waren meine Erfahrungen am BCH ungleich positiver. Es existiert eine durchgängige Motivation und Kultur der Lehre, die in Deutschland häufig auf Einführungsveranstaltungen beschworen, in der Realität aber leider viel zu selten umgesetzt wird. Es werden von jedem Fachbereich täglich in den Klinikbetrieb integrierte interdisziplinäre Konferenzen und Seminare angeboten, die von Studenten, Residents (Assistenten), Fellows (Fachärzten) und Faculty/Attendings (Oberärzten, Professoren) gleichermaßen besucht werden. Hier findet ein direkter Wissensaustausch und Diskussionen über interessante Fälle, Studien oder auch Fehler im Klinikalltag statt.

Foto: V. Kölzer
Die Hierarchien sind eher flach. Ich habe die Verantwortung und das Engagement der Lehrenden gegenüber jedem Studenten sehr geschätzt. Mein Interesse und meine Initiative wurden im Gegensatz zu meinen bisherigen Famulatur-Erfahrungen immer positiv beantwortet und anerkannt. Ich wurde auch spontan in weitere Fachbereiche, Konferenzen an der der Harvard Medical School und an die Harvard School of Public Health eingeladen.
| Electives |
Bei einem Elective bewirbt man sich um eine offizielle Kurs-Rotation der US-Universität und besucht diese Rotation mit Studenten der Universität. In der Regel werden Electives durch "fourth year medical students" belegt, entsprechend unserem 8.-10. Semester. Je nach Fach bedeutet das vollen Klinikeinsatz und die gleichzeitige Belegung von Kursen und Seminaren an der Universität. Man ist bei einem Elective für einen direkten Patientenkontakt, Untersuchungen und Eingriffe legitimiert und wird formell den US-Studenten gleichgestellt. Im Laufe des Electives wird man wie reguläre Studenten in ein course ranking aufgenommen und abschließend bewertet. Während des Electives sind häufig zusätzlich Vorträge, z.B. zu einem aktuellen Fall oder zu einem Paper, anzufertigen. Durch die reguläre Immatrikulation ist sind Betreuung und Lehre in der Regel exzellent. Je nach Fach und Universität kann dies eine sehr intensive Erfahrung sein.
Leider nehmen jedoch viele medical schools keine nichtamerikanischen Studenten in Ihre Programme auf. Ich habe deshalb im Anhang eine Liste der Universitäten (New York State) erstellt, die meiner Information nach Elective-Programme für den internationalen Austausch geöffnet haben. Des Weiteren können unter http://services.aamc.org/eec/students/ alle amerikanischen Medical Schools nach diesem Kriterium durchgesehen werden.
| Voraussetzungen für ein Elective |
Für ein Elective gelten in der Regel einige Voraussetzungen:
| • | Es ist eine offizielle Registrierung an der US-Universität notwendig. Diese Registrierung ist stark formalisiert. Manche Universitäten verlangen dabei USMLE Step 1, TOEFL Tests oder weitere Accreditations; interessanterweise handelt es sich dabei meist um Universitäten die geringere Studiengebühren erheben. An der HMS ist USMLE oder TOEFL keine Voraussetzung; diese Qualifikationen können aber die Bewerbung positiv beeinflussen. |
| • | Die englischen Sprachkenntnisse sollten fließend sein, sonst hat man wenig Chancen sich im Klinikumfeld positiv bemerkbar zu machen. |
| • | Es sind Studiengebühren zu entrichten, die für eine einmonatige Famulatur einem Zwölftel der Studiengebühren der jeweiligen Universität entsprechen: An der HMS belaufen sich die Kosten für ein einmonatiges Elective gegenwärtig auf 3300 $. |
| • | Für den Patientenkontakt in der amerikanischen "Liability-Gesellschaft" ist eine nach US-Standard ausreichende Versicherungsdeckung notwendig und entsprechende Bestätigungen zu den Deckungssummen. |
| • | Es ist eine äußerst umfangreiche Dokumentation des Impfstatus mit Titerbestimmung notwendig: meist Hepatitis B und C, Masern, Mumps, Röteln, Windpocken. Hinzu kommen TB-Test und gegebenenfalls ein Röntgenthorax. |
| • | Visum: In der Regel ist ein Tourist-Visum ausreichend. Ihr solltet Euch aber genau bei der jeweiligen Universität erkundigen, da die Reisebestimmung für die USA bekannterweise verschärft wurden. |
| Finanzierung |
Wer Stipendiat der Studienstiftung oder anderer Förderungswerke ist, kann in der Regel mit großzügiger finanzieller Unterstützung der Reisekosten rechnen. Eine frühzeitige Planung und Antragstellung ist notwendig, Studiengebühren werden für den kurzen Zeitraum meist nicht übernommen.
Der BVMD vergibt Reisekostenzuschüsse für Auslandsfamulaturen ab 40 Tagen Dauer.
Die Harvard Medical School vergibt eine begrenzte Anzahl an einkommensabhängigen Vollstipendien für die Übernahme der Studiengebühren.
| Observerships |
Alternativ zu den Electives gibt es die Möglichkeit, sich für ein Observership zu bewerben. Observerships werden von Ärzten und Studenten aus aller Welt in den USA belegt, um neue Techniken zu lernen oder Kontakte und Referenzen für eine Bewerbung als Resident zu sammeln. Die Lehre und die Anforderung an die Mitarbeit sind intensiv und verlangen in hohem Maße Eigeninitiative und Engagement. Um das zu ermöglichen sind sehr gute Sprachkenntnisse zu empfehlen, und man sollte sich im Vorfeld offen und pro-aktiv um Kontakte an der Zieluniversität bemühen. Die eigene Zielsetzung und das eigene Engagement sind entscheidend und absolut auschlaggebend für die Qualität des Observerships; man kann sich hier nicht einfach durch den Uni-Betrieb mitziehen lassen.
Ein Observership erlaubt keinen körperlichen Kontakt zu Patienten, also keine Untersuchungen und Eingriffe, da dies versicherungsrechtlich nicht abgedeckt ist. Ansonsten ist dem Observer aber alles erlaubt und sämtliche Kurse, Rounds (Visite), Seminare und der OP stehen dem Observer offen. Je nach Fach (Radiologie, Pathologie, Mikrobiologie, Genetik etc...) kann der Unterschied zu einem Elective deshalb durchaus gering sein.
Man ist keinem Kurs zugeteilt und es bestehenin der Regel keine direkten universitären Verpflichtungen. Durch die Offenheit und die Anerkennung des persönlichen Interesses und Inputs kann man schnell ein tägliches Programm erstellen, das über eine normale "8 to 5"-Famulatur weit hinausgeht. Die Qualität der Observership ist entscheidend vom eigenen Engagement abhängig und ist bei entsprechendem Investment eine hervorragende Erfahrung.
Für ein Observership ist keine Registrierung an der Universität notwendig, sehr wohl aber an der jeweiligen Klinik. Wertvolle Kontaktpersonen und Ansprechpartner für die Bewerbung sind deshalb die Assistenten des jeweiligen "Department Chairman", die die Organisation der Observerships in die Wege leiten. Eine Kontaktaufnahme per E-Mail ist der einfachste Weg, um die Möglichkeiten für ein Observership auszuloten. Da keine Kursbelegung erfolgt, entfallen die erheblichen Studiengebühren. Zudem ist i.d.R. keine extensive Versicherungsdeckung notwendig. Die Dokumentation des Impfstatus ist allerdings auch für den passiven Patientenkontakt obligat. Ein Tourist-Visum wird übrigens von den meisten Kliniken direkt empfohlen.
| Forschungsaufenthalte |
In der Forschung existieren bis auf die Bescheinigung des Impfstatus für die Einstellung an der jeweiligen Universität kaum formellen Vorgaben. Nach meiner Erfahrung bestehen ein reger Austausch und ein starkes Interesse an wissenschaftlichen Kooperationen. Ich konnte schnell und unkompliziert Kontakte für eine Post-Doc-Tätigkeit in meinem Fachgebiet herstellen.
Die lebenswissenschaftliche Forschung am BCH ist hochkonzentriert und hat die kritische Masse an unterschiedlichen Disziplinen, Forschern und Forschungsgeldern weit überschritten. Die Hälfte aller Mitarbeiter der BCH sind ausschließlich in der Forschung tätig und bilden das größte pädiatrische Forschungszentrum weltweit mit einem jährlichen Etat von über 100 Millionen US Dollar und 63.000 Quadratmeter Laborfläche.
Gleichzeitig bestehen exzellente Kooperationen mit den weiteren Instituten der Harvard Medical School wie dem Brigham and Women's Hospital, dem Dana-Farber Cancer Institute und dem Beth Israel Deaconess Medical Center.

Foto: V. Kölzer
Die Atmosphäre in den Instituten ist multinational, und Bewerbungen für Post-Doc-Stellen von außerhalb werden gerne gesehen. Hierbei sollte man auf die Finanzierung seiner Stelle im Vorhinein bedacht sein; bei Planung eines Forschungsaufenthaltes am BCH muss die Finanzierung des Projektes gesichert sein.

Foto: V. Kölzer
DFG-Grants oder Bewerbungen für Forschungsgelder in den USA müssen mit Vorlaufzeit geplant werden. Auch Praktika und Kooperationen werden gerne unterstützt. Kontakte sind hier, nach meiner Erfahrung, durch Eigeninitiative sehr gut zu etablieren.
| Reiseinformationen |
Es ist empfehlenswert, Flüge in die USA (zurzeit etwa 400-900 Euro) so früh wie möglich und außerhalb der Hauptreisezeit zu planen. In der Stadt bewegt man sich hervorragend mit einem Monatsticket oder, bei kürzeren Aufenthalten, mit einer Charlie T-Card.
Die Unterkunft in Boston ist teuer, das allgemeine Preisniveau für Verpflegung und Transport ist jedoch mit Deutschland absolut vergleichbar. Für Studenten bieten sich Privatvermieter an (750-950 $ pro Monat für WG oder Einzelzimmer in Appartementhäusern). Hier findet Ihr eine Liste:
Privatvermieter sind erheblich preiswerter als Hostels oder Hotels, man kann sich häufig selbst versorgen, und es bieten sich gute Möglichkeiten für Kontakte vor Ort.
| Freizeit |
Boston bietet ein sehr vielfältiges Spektrum an Freizeitmöglichkeiten. Die verschiedenen Stadtviertel wie Chinatown oder Little Italy stehen mit ihrem bunten Strassenbild in Kontrast zu dem Zentral gelegenen Stadtpark und den umgebenden Finanzvierteln. Der sogenannte "Freedom Trail" verbindet die schönsten und bekanntesten Ziele in der Innenstadt.

Foto: V. Kölzer
Es gibt Restaurants, Bars und Clubs jeder Art, eine Vielzahl an lohnenswerten Ausstellungen und Museen, und Ihr findet leicht sehr schöne Wochenendziele in der Umgebung - wie zum Beispiel Rockport.
Kleiner Tipp: Das Boston Symphony Orchestra wird zu den besten Ensembles in den USA gezählt und ist definitiv einen Besuch wert.

Foto: V. Kölzer
| Adressen |
Hier eine Liste der US-amerikanischen Medical Schools in New York State, die Internationale Medizinstudenten in ihre Programme aufnehmen.
Albany Medical College
Office of Student Affairs
47 New Scotland Avenue
Albany, New York 12208
Tel: + 518-262-5487
Albert Einstein College of Medicine
Office of the Registrar
1300 Morris Park Avenue
Bronx, New York 10461
Tel: + 718-430-2102
Mt. Sinai School of Medicine Office of Student Affairs
One Gustave L. Levy Place New York, New York 10029
Tel: + 212-241-6691
University of Rochester
School of Medicine & Dentistry
Office of Student Affairs
601 Elmwood Avenue
Rochester, New York 14642
Tel: + 716-275-4537
State University at Buffalo
School of Medicine Office of Admissions
3435 Main Street
Buffalo, New York 14214
Tel: + 716-827-3466
SUNY Downstate Medical Center
College of Medicine
Office of Student Affairs
450 Clarkson Avenue
Brooklyn, New York 11203
Tel: + 718-270-4551
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