Aktuelles

Medizinstudium

Prüfung

Lernen

Bücher/Medien

Schüler

Arzt im Beruf

Bewerbung

Hippocampus

Mitmachen

Linkliste

Foren

Weblogs

Audio/Video

Newsletter

Kontakt

Shop: Prometheus Welt

Kooperationen



  Home
   
Artikel vom 18. 04. 2006

Chirurgie-Tertial am National Institutes of Health und der New York University

Am Puls der Forschung - mit Semesterstipendium des DAAD (Oktober 2005 - Januar 2006)

Mortimer Gierthmühlen

Übersicht


National Institutes of Health - Bethesda: 2 Monate Surgical OncologyNach oben hoch

Die "National Institutes of Health" (NIH) ist eine Forschungsvereinigung mit Hauptsitz in Bethesda, Maryland, nahe Washington D.C. Mit einem Jahresbudget von ungefähr 30 Mrd. Dollar finanziert sie "off-campus"-Forschung und Arbeitsgruppen in Universitäten, Krankenhäusern und Forschungszentren sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene. Zusätzlich betreiben die einzelnen Institute "on-campus" bzw. als "intramural" bezeichnete Forschung auf dem NIH-eigenen Campus in Bethesda, auf dem auch ein spezielles Forschungskrankenhaus - das Clinical Research Center - beheimatet ist.

Dort arbeitende Ärzte sind zum einen fest angestellte Mediziner mit langer Forschungserfahrung, zum anderen von Universitäten entsandte Jungmediziner, die während ihrer Facharztausbildung im Rahmen eines kombinierten Clinical-Research-Fellowships Erfahrung in klinischer Forschung und Behandlung außergewöhnlicher Krankheiten sammeln und publizieren möchten.

Seit einigen Jahren bieten die NIH unter dem Begriff "CEP - Clinical Elective Program" auch interessierten Medizinstudenten die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Electives, eines Praktikums, von bis zu 4 Monaten Länge an der Forschung und der klinischen Arbeit zu beteiligen. Auch für Medizinstudenten aus Deutschland ist dieses CEP offen, wobei die Electives, die auf verschiedenen Stationen des Krankenhauses abgeleistet werden können, in Deutschland sowohl als Famulatur als auch als Teil des Praktischen Jahres anerkannt werden können.

Da ich bereits im Jahre 2004 eine 2-monatige Rotation an den NIH auf dem Gebiet der Neurochirurgie abgeleistet habe, die mir sehr gefallen hat, und weil ich für meine zukünftige Planung einen engen Kontakt mit den NIH aufrechterhalten wollte, entschloss ich mich, mich für einen 2-monatigen Abschnitt meines Chirurgietertials auf der chirurgischen Onkologie, Surgical Oncology, des National Cancer Institutes (NCI) zu bewerben. Hierbei beginnen die Rotations jeweils am ersten Montag eines Monats.
Die Bewerbung erfolgt über das Internet (http://www.training.nih.gov) komplett online, wobei der Bewerben neben einem TOEFL-Ergebnis von mind. 213 Punkten zwei Referenzschreiben, ein Motivations-Anschreiben, einen Lebenslauf, ein Kurs-Transkript mit Noten und eine Publikationsliste einsenden muss. Nach unheimlich langer Wartezeit (daher möglichst frühzeitig bewerben und häufiger einmal anrufen) erhält man (hoffentlich) eine Zusage mit einigen Unterlagen zugeschickt. Die eigene Universität muss ein paar Dokumente unterzeichnen, dass sie die Famulatur akzeptiert, was in der Regel eigentlich keine Probleme bereiten sollte. Zusätzlich benötigt der Bewerber ein B1-Visum, das über Telefonhotline bestellt und dann persönlich in Berlin beantragt werden muss.
Auch hier gilt: so früh wie möglich anmelden, denn die Interview-Plätze in Berlin sind knapp, und ohne Interview gibt es kein Visum.

Wohnen in Bethesda

Die Unterkunft wird von den NIH zwar nicht zur Verfügung gestellt, allerdings ist das "Office of Education" unter Leitung des sehr sympathischen Kenny Williams enorm hilfreich und hält stets aktualisierte Listen mit Wohngelegenheiten bereit. Je nach Lage kostet ein Apartment bzw. eine Untermiete um 600 Dollar im Monat, das Essen in der Cafeteria schlägt pro Tag mit ungefähr 10 Dollar zu Buche und vernünftige Einkaufsmöglichkeiten sind vom Campus aus zu Fuß durchaus erreichbar.
Man sollte allerdings darauf achten, wirklich eine Unterkunft in Bethesda zu bekommen, denn die NIH-Wohnliste beinhaltet auch Wohnungen und Zimmer in Nachbarorten - und ohne Auto ist es dann wirklich schwierig, rechtzeitig zur Arbeit zu kommen, wenn man nicht gerade direkt an einer Metrostation wohnt.
Die NIH sind mit der Metrostation "Medical Center" angesiedelt, wobei man innerhalb weniger Minuten im Ortszentrum von Bethesda und innerhalb von 20 min im Zentrum von Washington D.C. ist. Wenn man als Medizinstudent auf einen bereitgehalteten Autoparkplatz verzichtet, erhählt man von der Verkehrsabteilung der NIH Metroticket-Gutscheine, deren Wert sich nach der Entfernung des Wohnorts richten.
Weiß man allerdings noch nicht genau, ob man nah oder weit weg vom NIH-Campus wohnen wird und gibt als ausdrücklich temporär gekennzeichnet eine entfernt liegende Adresse an, erhält man ohne Probleme den Höchstsatz von 90 Dollar als Metrogutschein - der je nach Metrobenutzung auch sehr schnell verbraucht sein kann.

Die Arbeit im Krankenhaus

Die Arbeit im Krankenhaus unterscheidet sich dahingehend von anderen Kliniken, dass es sich zum einen um keine Akutklinik handelt - es werden also keine Unfälle aufgenommen - und zum anderen die Fallzahl mit einer normalen Klinik nicht vergleichbar ist. Generell werden weniger, dafür aber zum Teil sehr ausgefallene oder aussichtslose Fälle aufgenommen und behandelt. Die Behandlung eines Patienten ist, wenn die Krankheit in eines der vielen hundert Forschungsprotokolle passt, kostenlos.
Dabei muss bedacht werden, daß es sich hierbei meist um Patienten handelt, die in einer normalen Klinik nach den Regeln der Schulmedizin nicht mehr behandelt werden können und nun in den NIH neue Therapien als letzten Hoffnungsschimmer wahrnehmen wollen. Damit wird der forschungslastige und experimentelle Charakter der NIH deutlich, wobei die Therapieprotokolle selbstverständlich ethisch einwandfrei sind.
Als Student wird man in den täglichen Ablauf auf Station und Intensivstation integriert, läuft bei Visiten mit und assistiert im OP. Aufgrund der geringeren Fallanzahl darf man allerdings keine so umfangreiche praktische Ausbildung erwarten wie auf der Chirurgie eines kleinen Kreiskrankenhauses - dafür hat man jedoch die Möglichkeit, nagelneue Therapietechniken kennenzulernen, die vielleicht erst einige Jahre später in den klinischen Alltag aufgenommen werden.
Ein Highlight stellen auch die täglichen Konferenzen im NCI und in den verschiedenen NIH-Instituten dar, an denen man teilnehmen kann, wenn einen das Thema interessiert - und auch die National Library of Medicine - Basis des Publikationsverzeichnisses PUBMED - ist auf dem Campus der NIH gelegen und lädt zum ehrfurchtsvollen Bestaunen ein.

Vom Studenten der Abteilung wird erwartet, während einer der NCI-Konferenzen einen ungefähr 15-minütigen Vortrag über ein aktuelles Thema zu halten, zu dessen Vorbereitung einem allerdings zwei Wochen Zeit bleiben. Man braucht dabei keine Angst vor dem Vortrag selbst zu haben: alle Ärzte, allen voran der Chef und die festangestellten Mediziner, sind unheimlich freundlich und geben einem zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, "nur" Medizinstudent zu sein - am Ende des Vortrags wurde ich nach meiner Meinung zum Thema gefragt und wurde als ernstzunehmender Gesprächspartner akzeptiert. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, neben Wissenschaftlern zu sitzen, die maßgeblich an der Erstellung der internationalen Richtlinien zur Therapie von Brustkrebs beteiligt sind.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, daß ein Elective an den NIH eine beeindruckende Erfahrung darstellt, die sich sehr prägend auf die eigene Zukunftsplanung auswirken kann. Zwar darf man nicht die Fallzahl und Vielfältigkeit normaler Krankenhäuser erwarten (und sollte vom Chirurgietertial sicherlich nur die Hälfte an den NIH verbringen, um auch normale Krankheiten kennenzulernen), dafür bekommt man aber die Möglichkeit, am Puls der Forschung zu sein und Einblicke in klinische Arbeit einer Organisation zu bekommen, die am medizinischen Fortschritt so maßgeblich wie nur wenige andere Einrichtungen auf der Welt beteiligt ist.


New York University - NY: 2 Monate Cardiothoracic und Trauma SurgeryNach oben hoch

Die New York University (NYU), Privatuniversität in New York City, betreibt zwei große Krankenhäuser an der 1st Avenue - das Tisch-Hospital für Privatpatienten und das Bellevue-Hospital für die Grundversorgung der Bevölkerung.

Über die Homepage der Medizinischen Fakultät der NYU (http://www.med.nyu.edu/registrar) kann ein Elective-Katalog heruntergeladen und direkt Kontakt mit dem Registrar's Office aufgenommen werden. Als Visiting Student muss erst eine allgemeine Anfrage mit den gewünschten Electives an dieses Büro geschickt werden, welches daraufhin im Vorfeld einen Versicherungsnachweis und ein Impfprotokoll verlangt. Erst, nachdem diese Unterlagen zugeschickt worden sind, beginnt der eigentliche Anmeldeprozess. Es empfieht sich, sich schon frühzeitig (6 Monate im Voraus) mit dem Registrar in Verbindung zu setzen, um zeitlich nicht in Schwierigkeiten zu kommen.
Auf jeden Fall sollte man sich, sobald das Büro geantwortet hat, bei der Hausverwaltung (http://www.med.nyu.edu/resci/housing/index.html/) melden und nach einem Apartment fragen, da diese lange im Voraus vergeben werden und man sonst Probleme bekommen kann. Auch, wenn $1.500 pro Monat für ein kleines Apartment mit Küche und Bad viel Geld sind, kann man von der zentralen Lage direkt gegenüber der Krankenhäuser an der 1st Avenue profitieren - ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man bereits um 6 Uhr morgens zur Visite erscheinen muss!
Auf der Anmeldung wird nach einer Reference von der entsprechenden Abteilung gefragt, welche die Chancen, angenommen zu werden, sicherlich erhöht. Am sinnvollsten ist es, sich vor der ersten Anfrage schon einmal bei den Abteilungssekretariaten zu melden und zu fragen, ob man diese als Reference angeben könne.
Nach einer gewissen Zeit bekommt man nun Unterlage von der NYU zugeschickt, die von einem selbst (Impfprotokoll) und der Uni (dass das Elective anerkannt wird) ausgefüllt werden müssen. Auch wenn das Registrar's Office anderes behauptet: der Aufwand hält sich wirklich in Grenzen und ist relativ einfach zu meistern.
Die Rotations-Daten sind dem Calender auf der NYU-Homepage zu entnehmen, wobei sich das Registar's Office hierbei sehr flexibel gezeigt hat. Ohnehin erschienen mir sowohl dieses Office als auch die Abteilungssekretariate erstaunlich hilfreich und, bis auf einige Ausnahmen, unkompliziert. Als Visum benötigt die NYU nur das Touristenvisum, welches während des Transatlantikfluges beantragt werden kann. Für mich, im Besitz des NIH-B1-Visums, war das allerdings nicht notwendig.

Ein Problem: der Kittel

Bekam ich in den NIH noch einen Kittel zugeteilt, schien dieses zu einer unlösbaren Aufgabe an der NYU zu werden. Nach einigem Diskutieren bekam ich vom Sekretariat der Herzchirurgie einen Kittel zugewiesen, OP-Scrubs und den entsprechenden Code für die Scrubs-Ausgabemaschine allerdings konnte ich nur unter der Hand Dank der Hilfe eines Oberarztes ergattern. Hier heißt es: hartnäckig bleiben und allen Sekretärinnen erklären, daß man aus Deutschland wirklich keine eigenen OP-Sachen mitgebracht hat und diese dementsprechend auch nicht privat in der eigenen Waschmaschine mit der Alltagswäsche waschen kann und möchte.

Die ersten vier Wochen verbrachte ich, nach der Bekanntschaft mit einer unglaublich komplizierten Sekretärin (siehe oben), auf der Herzchirurgie des Tisch-Hospitals von Chefarzt Dr. Colvin. Als Sub-Intern wurde ich, neben den anderen Elective-Studenten, als Intern-Ersatz von morgens bis abends im OP eingesetzt, was für mich unheimlich lehrreich war. Auch oder gerade weil Dr. Colvin ein unheimlicher Choleriker ist, wurden Operationen nie langweilig. Allerdings erschien er erst im OP, nachdem der Senior-Resident und der Assistent (= ich) den Thorax geöffnet und die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen hatten.
Visiten hingegen, die um 6 Uhr morgens auf der Intensivstation begannen, wurden sehr schnell abgehalten und waren keineswegs die "Teaching-Rounds" Erfahrung, die manch anderer Medizinstudent in den USA gemacht hat. Positiver Nebeneffekt: wer bis 21 Uhr abends durchhält, kann am täglich von Dr. Colvin spendierten Abendessen in Form von Pizza, Essen vom Chinesen oder Deli teilnehmen - immer eine Erfahrung!

Sehr lobend zu erwähnen ist der unglaublich gute Studentenunterricht vom relativ jungen Assistent-Professor Dr. Juan Grau, der einem die Basics der Intensivmedizin und der Herzchirurgie sehr anschaulich vermitteln konnte.
Alles in allem allerdings habe ich in dieser Zeit auf der Herzchirurgie unheimlich viel gelernt und bin mit sehr vielen interessanten Herzfehlern und neuen, fortschrittlichen (und zum Teil an der NYU von Dr. Colvin entwickelten) Therapien konfrontiert worden.

Vier Wochen auf der Trauma-Surgery

Die zweiten vier Wochen verbrachte ich auf der Trauma-Surgery des Bellevue-Hospital Centers, 100m weiter südlich des Tisch-Hospitals. In dieser Zeit war ich knapp 2mal im OP, ansonsten gab es (für mich) nichts zu operieren. Das soll allerdings nicht heißen, dass es hier nichts zu lernen gab: Als Student ist man angehalten, am Q2-Dienst teilzunehmen - 24h Dienst + 24h frei. Da die NYU-Studenten dieses allerdings nur 2 Wochen, ein deutscher Student meistens jedoch 4 Wochen tun müsste, sind die Ärzte rücksichtsvoll und erlauben einem Visiting-Student auch, nur alle 4 Tage einen 24h Dienst mitzumachen.
Während dieses Dienstes, der zwar nominal von 7 - 7 Uhr, faktisch jedoch bis 10 oder gar 11 Uhr des nächsten Tages geht, ist man dem diensthabenden Intern eine große Hilfe - ja, ein Student ist quasi notwendig, damit die nächtliche Arbeit überhaupt geschafft werden kann.
Als Student ist man hier für die Teilnahme an Visiten und kleine Patientenaufgaben zuständig, bekommt so gut wie alle Platzwunden im ER zugeteilt und nimmt auch eine wichtige Rolle beim Management von Polytrauma-Patienten ein, die meist nachts eingeliefert werden und einen ganzen Algorithmus von Untersuchungen durchlaufen müssen.

Auch die abendliche Prozedur, sämtliche Chirurgie-Interns im On-Call-Room zusammenzutrommeln und Pizza zu bestellen, kann einem schnell ans Herz wachsen - ebenso wie die Tatsache, daß es einen Konferenzraum mit überdimensioniertem LCD-Fernseher, Soundanlage und DVD-Player gibt, in den sich ganze Herden von diensthabenden Ärzten in unfallfreien Nächten aufhalten.
Die Visiten sind - vor allem, wenn der Chefarzt Dr. Miglietta anwesend ist, enorm lehrreich. Krankheiten werden explizit den Studenten erklärt und viele Ärzte nehmen sich Zeit, um sich ausführlich mit den Studenten zu beschäftigen.

Auch wenn der Einsatz im Operationssaal begrenzt war, war das Elective auf der Trauma-Surgery-Unit hinsichtlich Patientenmanagement, Nachtdienstatmosphäre, Näh-Erfahrung, CT-Begutachtung und Teaching-Rounds unheimlich lehrreich und kann jedem Studenten, der sich für Chirurgie jeglicher Art interessiert, wärmstens empfohlen werden.

 
Land auswählen

Neue Auslandsberichte
 
Via Newsletter