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Artikel vom 03. 03. 2006

Chirurgie PJ-Tertial in New York City

Elmhurst Hospital Centre im Sommer 2005 (1)

Volker M. Jakubaz

Angefangen hat alles in einem zwanglosen Gespräch während meiner letzten Famulatur mit einem Orthopäden über Möglichkeiten, das Praktische Jahr im Ausland zu verbringen. Ich stand zu diesem Zeitpunkt ungefähr 6 Monate vor dem 2. Staatsexamen (alte AO) und der Arzt schwärmte von seinen Erfahrungen in New York City, wo er vor etwa 20 Jahren einen Teil seines PJ am Mount Sinai Hospital in Manhattan und am Elmhurst Hospital Center in Queens verbrachte. Da ich nach mehreren Besuchen als Tourist von der Stadt ohnehin sehr angetan bin, faszinierte mich die Idee von einem Auslandstertial in den USA und der Möglichkeit, in NYC eine Zeit lang zu leben. So beschloss ich mich zu bewerben.

Übersicht


BewerbungNach oben hoch

Die Website des Mount Sinai Hospital mit der Mount Sinai School of Medicine (MSSM) in NYC ist schnell ausgemacht. Man kann sich relativ leicht bis zu den Formalitäten für "foreign visiting students" durchklicken. Hier werden die Bewerbungsformulare zum Download und Ausdrucken angeboten. Man wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man sich nur über den "visiting student coordinator" für ein elective bewerben kann und keinesfalls die Abteilungen selbst anschreiben darf - dann würde einem gar keine Stelle zugeteilt.

Es ist äußerst sinnvoll die Bewerbung mindestens 8 Monate vor Beginn des gewünschten Tertials zu anzugehen. Bei Ms. Jeanneth Persaud, dem visiting student coordinator im Office of the Registrar, laufen alle Fäden zusammen. Sie entscheidet letztendlich, welche Stelle man bekommt. Da die Medizinstudenten in den USA im final year keine Tertiale haben, bewirbt man sich als deutscher PJler am besten für 2 electives, die mit unseren Famulaturen vergleichbar sind und jeweils 4 Wochen dauern. Rotations dagegen sind zwar ähnlich, aber für die einheimischen Studenten gedacht und vorgeschrieben.

So weit ich informiert bin darf man am MSSM maximal 3 Monate verbringen. Das ist äußerst wichtig für die eigene PJ-Planung, da ja ein Tertial bei uns 4 Monate dauert, bzw. die Mindestausbildungszeit 8 Wochen betragen muss. Möglicherweise hat sich das mit den 3 Monaten inzwischen auch geändert. Die electives wählt man sich aus einem Katalog aus, nur werden grundsätzlich in der Inneren Medizin, Emergency Medicine und Kinder-Ambulanz keine ausländischen Studenten zugelassen. Wenn am Mount Sinai Hospital nichts frei ist, bekommt der Bewerber übrigens einen Platz an einem Lehrkrankenhaus in NYC.

Für die Bewerbung ist es neben dem Ausfüllen der zahlreichen Formulare unter anderem notwenig, einen Lebenslauf auf Englisch einzureichen und sich einen "Dean´s letter" mit "Letter of good standing" vom eigenen Studiendekan zu besorgen. Außerdem ist es Pflicht, sich von seinem Hausarzt durchchecken und das "Medical status form" auszufüllen (Impfungen, durchgemachte Krankheiten, Tine-Test, etc.). Zusätzlich müssen die entsprechenden Laborergebnisse mitgeschickt werden.

Ein Sprachtest (TOEFL o.ä.) wird übrigens nicht verlangt, ebenso wenig wie das amerikanische Staatsexamen (USMLE). Dafür muss man sich von seinem Dekan ein "Official transcript" ausstellen lassen, welches alle Fächer auflistet, die man bis dato schon bestanden hat. Zu Guter Letzt sind noch $200 Bearbeitungsgebühr an das MSSM zuzahlen, entweder per Bankeinzug (umständlich und teuer, da Ausland) oder als travelers checks, da weder Bargeld noch Kreditkarten akzeptiert werden.

Dann heißt es warten auf das Ergebnis, das in meinem Fall als Zusage zu 2 electives 6 Wochen nach der Bewerbung und damit direkt zu Weihnachten ankam: Im August und September 2005 in General Surgery und Periphereal Vascular Surgery am "Elmhurst Medical Center" im Stadtteil Queens.


Weitere FormalitätenNach oben hoch

Nach den beschriebenen Aktivitäten gilt es, sich noch mehr Formulare auszudrucken und ein J-1 Visum beim Amerikanischen Konsulat zu beantragen. Das J-1 Visum gilt für Schüler und Austauschstudenten und kann nur erworben werden, wenn man das entsprechende Formular (DS-2019) von der Organisation im Ausland ausgestellt bekommt. Das Visum an sich wiederum ist mit 85 Euro Visaantragsgebühr und einem persönlichen Erscheinen beim jeweiligen Konsulat verbunden. Außerdem muss man vorher neuerdings an das Department of Homeland Security $100 sog. SEVIS-Fee (Student and Exchange Visitor System) für eine einheitliche Registrierung bezahlen, sonst bekommt man kein Visum. Das Formular DS-2019 will bei International Personnel am Mount Sinai Center beantragt werden, sonst braucht man am Konsulat in Berlin oder Frankfurt am Main gar nicht erst antreten. Dazu benötigt die Abteilung für International Personnel ein "Dean´s statement", dazu eine Bestätigung einer privaten Auslandskrankenversicherung, die Bestätigung einer Bank, dass man über mindestens $1.600 pro Monat verfügt und eine Kopie des "Acceptance letters" vom visiting student coordinator.

Zum Visumsantrag im Konsulat musste ich meinen gültigen Reisepass, den Einzahlungsbelegs der 85 Euro, den entsprechenden Antragsformularen (DS-156, DS-157, DS-158, Formular DS-2019) und einen frankierten Rückumschlag vorlegen. Darüber hinaus musste ich beweisen, dass ich oder meine Eltern den Aufenthalt finanzieren können, und dass ich beabsichtigte die USA auch wieder zu verlassen. Allerdings verschweigt hierbei das Konsulat, um welche Art Beweis es sich dabei handelt, weil dies "im Einzelfall unterschiedlich entschieden wird." Ich jedenfalls sollte mir Gedanken machen, wie ich beweisen könnte, dass ich nach den 2 Monaten wieder auszureisen gedenke. Also habe ich mein Rückflugticket, Mietvertrag, Meldebescheinigung, PJ-Brief und Immatrikulationsbescheinigung meiner Uni und den Zulassungsbescheid für mein letztes Tertial in der Schweiz mitgebracht.

Bis Anfang Juli hatte es gedauert, bis ich endlich alle entsprechenden Unterlagen beisammen hatte und den Interview-Termin in Frankfurt bekam, auf den ich obendrein noch 4 Wochen warten musste. Dort wollte niemand meine mühsam zusammengesuchten Beweise sehen, das Interview selbst hat keine 5 Minuten gedauert und schon hatte ich die mündliche Zusage für das Visum. 4 Tage später kam dann mein Pass mit dem Visum per Post.

Es ist ein ganzer Berg Bürokratie, den man überwinden muss. Ich hatte mich 9 Monate vor Beginn des Auslandstertials beworben, die Formalitäten waren schließlich erst 2 Wochen vor Abflug erledigt. Die Planung hat mich viel Zeit und Geld gekostet. Zeit nicht zuletzt deshalb, weil ich des Öfteren irgendwelche Einzelheiten nachfragen musste, die nicht deutlich aus den Websites hervorgingen. Auf diese erhielt ich oft erst Antwort, nachdem ich den visiting student coordinator mehrfach per Email, Fax oder Telefon kontaktiert hatte.


VersicherungenNach oben hoch

Unabdingbar ist eine private Krankenversicherung, da man im Krankheitsfall in den USA alles selbst bezahlen muss. Eine gesetzliche Krankenversicherung mit Auslandskrankenschein reicht keinesfalls aus und würde den Zeitraum von mindestens 2 Monaten auch gar nicht abdecken. Gute Konditionen für PJler bieten zum Beispiel die Deutsche Ärzte Versicherung, MLP und Helmsauer & Kollegen oder, falls man Mitglied ist, auch der ADAC. Für kleinere Fälle zahlt man bei der Registrierung $40 für "minor medical care" und darf sich in der Notaufnahme behandeln lassen. Angeraten, aber zumindest am MSSM nicht vorgeschrieben, ist eine Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von $5.000.000 und Gültigkeit in den Vereinigten Staaten, nur für den Fall, dass man durch seine ärztliche Tätigkeit einen groben und gravierenden Fehler macht, für den nicht das Krankenhaus zur Deckung herangezogen werden kann. Ansonsten ist man über das MSSM mit einer sog. "malpractice insurance" versichert, wenn man sich offiziell im Office of the Registrar eingeschrieben hat. Auch für die Haftpflichtversicherung sollte man sich an einen Versicherer wenden, der auf Arzthaftung und ärztliche Versicherungsfragen spezialisiert ist.


Flug und UnterkunftNach oben hoch

Ob man als Student Vergünstigungen bei den einzelnen Fluggesellschaften bekommt, weiß ich leider nicht, da ich als regelmäßiger Lufthansa-Kunde mit selbiger geflogen bin. Die Strecke Frankfurt - New York - Frankfurt in der Economy-Class hat 850 Euro gekostet. Dazu muss ich bemerken, dass die Anreise in die Hauptsaison fiel , in der mit hohen Preisen zu rechnen ist. Freunde, die mich besuchten, haben bei anderen Airlines (z.B. North West, allerdings via Amsterdam) gerade mal 500 Euro bezahlt. TIPP: unbedingt vergleichen und ggf. einen Umweg in Kauf nehmen.

Auf Wunsch stellt das Real Estate Department des MSSM ein möbliertes Zimmer für die Zeit des Aufenthalts zur Verfügung. Das Positive daran ist, dass diese Zimmer im Doctor´s Home sehr schön eingerichtet und geräumig sind und sich in einer exklusiven Wohngegend (Manhattan, Upper Eastside) nahe des Mount Sinai Centers und des Central Parks befinden. Ich bewohnte mit einem spanischen Molekularbiologen ein Doppelappartement in einem der Mount-Sinai-Appartementhäuser, in dem viele Ärzte, Studenten und Wissenschaftler aus der ganzen Welt untergebracht sind. In der Wohnung hatte jeder sein eigenes Zimmer (ca. 16qm) mit Klimaanlage, Bett, Computertisch, Regal und Schrank; zusammen nutzten wir Küche (großer Kühlschrank, Gasherd, Spülmaschine und viel Platz), Bad (WC, Duschbadewanne, Waschbecken) und ein tolles Wohnzimmer mit Balkon. Das Negative daran: $900 im Monat und im Voraus. Ich stelle ich mir es sehr aufwendig vor, von Deutschland aus auf eigene Faust eine Unterkunft in NYC zu suchen. Somit war ich froh, dass Studenten die Möglichkeit einer Unterkunft im Doctor´s home angeboten wurd. Allerdings hatte ich mich schon im Dezember für ein Zimmer beworben und erst Anfang Juli nach mehrmaligen Rückfragen eine Zusage erhalten.


Gebühren und andere KostenNach oben hoch

Die Bearbeitungsgebühr der Bewerbung beträgt, wie schon erwähnt, $200 und wird nicht zurückerstattet, falls auch nur ein Dokument fehlt oder man schließlich nicht angenommen wird. 25 Euro habe ich für spezielle Passfotos für das Visum bezahlt. Dazu kommen 85 Euro Visaantragsgebühr an das amerikanische Konsulat, die ebenfalls nicht zurückgezahlt werden, falls man kein Visum erteilt bekommt. $200 Visabearbeitungsgebühr werden am MSSM für die Ausstellung der notwendigen Dokumente am ersten Tag bei der Registrierung fällig, zusammen mit $300 pro elective und $40 für die Krankenversicherung für "minor medical care" am MSSM. Desweiteren fallen $100 SEVIS-fee an das Department of Homeland Security an. Beim NYSED-State Board of Medicine in Albany, NY muss man sich noch einen "Letter of Eligibility" besorgen, der $30 kostet. Wozu der gut ist, habe ich allerdings bis heute nicht herausbekommen - er wurde direkt an das MSSM geschickt.

Man sollte bei der Kostenplanung auch bedenken, dass allein schon die Bestimmung einiger Impftiter für das Medical status form etwa 100 Euro an Laborkosten kosten kann; also vorher unbedingt mit dem Hausarzt und der eigenen Krankenversicherung klären, ob man dafür selbst aufkommen muss.

Das Zimmer kostete mich nochmals $1.800 für 2 Monate, und je nachdem wie viel man von New York sehen will, muss man für das subway-ticket mit etwa $30-50 pro Monat rechnen. Bei der subway gibt es übrigens keine Tarifzonen; so ist es egal, ob man an der nächsten Haltestelle aussteigt oder von Upper Manhattan quer durch die Stadt bis Coney Island fährt - jede Fahrt kostet $2, ansonsten ist nur das Laufen billiger. Taxi bin ich nur einmal gefahren, und zwar vom J.F. Kennedy Airport nach Manhattan. Das hat mich mit $65 schon sehr vor einer weiteren Nutzung abgeschreckt. Vergütet wird am MSSM im Übrigen gar nichts, nicht einmal Essen erhält man umsonst, lediglich Kittel und eine Karte für den scrub-clothes-Automaten. Man kann beim DFA einen Antrag auf Fahrtkostenzuschuss stellen, wenn man mit dem PJ-Programm mehr als 60 Tage in den USA verbringt. Es würden einem etwa 250 Euro erstattet. Ansonsten kann man sich bei verschiedenen Stiftungen um ein Stipendium bewerben oder man geht in der Familie sammeln.


Zum 2. Teil: Klinikalltag und NützlichesNach oben hoch
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