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Artikel vom 06. 03. 2007

Einzug der PDAs in den Stationsalltag

Kleine Helfer für die Kitteltasche

Marc Frerix

In den USA gehören sie fast so selbstverständlich wie das Stethoskop zum Standardequipment jedes Arztes und Medizinstudenten. Auch in Deutschland sieht man sie mehr und mehr im Klinikbetrieb auftauchen: PDAs. Was diese Computer im Miniformat können, welche Software die ärztliche Arbeit erleichtern kann und worauf man bei der Kaufentscheidung achten sollte, erfahrt ihr in diesem Artikel.

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Übersicht


PDA? Noch nie gehört...Nach oben hoch

Die Abkürzung "PDA" steht für Personal Digital Assistant. Dahinter verbergen sich kleine Minicomputer, manchen vielleicht besser unter dem Namen "Handheld" bekannt. Diese elektronischen Organizer schickten sich ursprünglich an, die guten alten Terminplaner mit Ringbucheinlagen und Ledereinband zu verdrängen. Die ersten Geräte besaßen noch einen schwarz-weiß Bildschirm und der Funktionsumfang war relativ gering. Zu den PIM-Funktionen (Personal Information Managment), die jeder PDA mit sich bringt, gehörten damals wie heute neben dem Terminkalender ein Adress-/Telefonbuch, eine "To-do-Liste" sowie ein Notizzettel.

Mittlerweile hat sich die Technik rasant weiterentwickelt. Dank leistungsfähiger energiesparsamer Prozessoren bieten die Top-Modelle heute Multimediafähigkeiten, Satellitennavigation, Internet per WLAN, Bluetooth und vieles mehr. Mit dem größeren Speicher und der Möglichkeit von Speichererweiterungen wuchs der Softwaremarkt gewaltig, so dass die Einsatzmöglichkeiten durch eine Vielzahl von kommerziellen und kostenlosen Programmen gestiegen sind. Bei der Größe eines Taschenrechners und der Leistung eines abgespeckten Notebooks waren diese praktischen Helfer bis vor kurzem vor allem in Managerkreisen beliebt. Mit der Zeit wurden die PDAs für den Otto-Normalverbraucher erschwinglich und auch unter Medizinern ist die Zahl der Anhänger, die Vorteile und Möglichkeiten eines PDA beim Einsatz im Klinikalltag oder privat entdeckt haben, zunehmend gewachsen.


Die beiden Konkurrenten: Palm vs. PocketPCNach oben hoch

Unter den Handhelds gibt es zwei große Marken, die man kennen muss: Auf der einen Seite steht die Urmutter der Taschencomputer, der Palm. Auf ihnen läuft das firmeneigene Betriebssystem PalmOS, ähnlich wie bei Apple kommen also Gerät und Betriebsystem aus einem Hause. Auf der anderen Seite gibt es die PocketPCs (PPC), die von vielen verschiedenen Herstellern wie HP/Compaq, Toshiba, Acer, Asus, Dell, Samsung, Yakumo, Siemens und Co hergestellt werden. Sie laufen mit dem Betriebssystem Windows Mobile von Microsoft. Daneben gibt es z.B. noch EPOC basierte Organizer von Psion, die jedoch in kaum nennenswerten Umfang verbreitet sind.

Unter den Usern der beiden großen Lager werden ähnlich unterschiedliche Standpunkte vertreten, wie in der Computerwelt die einen auf ihren MAC von Apple und die anderen auf einen PC mit Windows schwören. Den größeren Marktanteil in der PDA-Welt kann eindeutig Palm für sich verbuchen. Allerdings haben die PocketPCs in der letzten Zeit deutlich aufgeholt und den Markt streitig gemacht. Für den Kauf eines Palm sprachen bis vor wenigen Jahren vor allem die Größe der Geräte. Sie waren kleiner und leichter, dementsprechend auch besser für unterwegs geeignet. Daneben galt die Zuverlässigkeit des Betriebssystems PalmOS als höher und es kam mit weniger Rechenleistung aus, was sich vor allem in der Akkulaufzeit bemerkbar machte. Zuletzt gab es für den Palm deutlich mehr Freeware Programme und auch der Preis war attraktiver.

Aktuell haben sich diese Vorteile gegenüber den PocketPCs mehr als relativiert. Die Zeit der unhandlichen und etwas klobigen PPCs, auf denen noch Windows CE 3.0 lief, ist vorbei und mittlerweile läuft Windows Mobile genauso stabil wie PalmOS. Heutige PPC-Modelle sind ebenfalls kitteltaschentauglich und insgesamt kann man aktuell keinen großen technischen Vorsprung bei einem der Konkurrenten ausmachen. Hinsichtlich des Handlings gibt es ebenfalls keine wesentlichen Unterschiede: die Eingabe erfolgt mittels eines Stylus (kleiner Plastikstift) oder wahlweise über eine kleine zusätzliche Tastatur. Allgemein ist die Benutzerführung bei Palm meist etwas besser gelöst, dafür ist die Aufmachung der Programme unter PPC optisch in der Regel deutlich ansprechender. Leichte Vorteile für den PocketPC liegen in seinen Office-Qualitäten. Standartmäßig werden Pocketversionen von Word, Excel, Powerpoint und Outlook mitgeliefert. Wer Dokumente auf einem Palm benutzen möchte, benötigt dafür das Programm Documents to Go. Lediglich was die Menge vorhandener Freeware angeht, liegt der Palm im Rennen immer noch klar vorn.


Tipps für die KaufentscheidungNach oben hoch

Für welches System man sich entscheidet, ist mehr und mehr zu einer Geschmacksfrage geworden. Wer im Computerbereich auf die Produkte von Apple setzt, wird sich meist gegen einen PPC entscheiden, weil sich Windows Mobile und iCal bei einer Synchronisation nicht direkt vertragen. Über iSync von Apple werden PPCs nicht erkannt, zur deshalb muss man auf Software von Drittanbietern zurückgreifen. Diese funktioniert leider nicht immer reibungslos, allerdings sind auch bei der Synchronisation zwischen iCal und älteren Palm-Modellen gelegentliche Probleme bekannt. Wer einen PC mit Windows benutzt, kann zwischen Palm und PPC frei wählen: Beide Systeme lassen sich mit gängigen Programmen wie Outlook oder Lotus Organizer problemlos abgleichen.

Die für Mediziner interessanten Programme gibt es für beide Plattformen. Hinsichtlich der Modelle gibt es aufgrund der verschiedenen Hersteller unter den PocketPCs eine sehr viel größere Auswahl. Durch die große Konkurrenz unter den Anbietern liegt der Preis für PPCs bei vergleichbarere Ausstattung mittlerweile ähnlich wie bei den Palm-Modellen. Palmgeräte liegen preislich zwischen 100 und 300 Euro, bei PPCs kann man je nach Luxusmodell bis zu 500 Euro ausgeben.

Für Medizinstudenten, die sich z.B. für das PJ einen PDA zulegen wollen, der Tipp: Es muss nicht immer das neuste Modell sein! Bei Ebay findet man schon ab 50 Euro brauchbare gebrauchte PDAs. Achten sollte man lediglich darauf, dass das Betriebssystem nicht das älteste ist: bei einem PPC sollte es mindestens PocketPC 2003 sein, bei PalmOS gehts ab 5.0 aufwärts. Zudem sollte man nicht auf die Möglichkeit einer Speichererweiterung verzichten, insbesondere zusätzlich installierte Software wird diese dringend benötigen.

Viele ausführliche Testberichte über alle gängigen PDAs bietet die Webseite xonio.com, vorbeischauen vor dem Kauf lohnt sich! Wer mit seinem PDA zusätzlich gerne telefonieren möchte, sollte den Erwerb eines sogenannten Smartphones erwägen, welches PDA und Handy in einem Gerät vereint. Ein letzter Hinweis für den Einsatz eures PDAs in der Klinik: Achtet bei eurer Wahl auf eine gute Displayabdeckung oder Schutzhülle, damit das Display nicht zu schnell verkratzt.


Nützliche Programme für MedizinerNach oben hoch

Die Standardfunktionen eines PDA sind schön und gut: mit der "To-do-Liste" läßt sich übersichtlich darstellen, wer heute noch für einen Eingriff aufgeklärt werden muss, der Notizzettel erlaubt schnelle Mitschriften in der Röntgenbesprechung und bei der Suche nach der Faxnummer fürs Neuro-Konsil wird man im Telefonbuch schnell fündig. Wirklichen Spaß macht die Anwendung des PDA aber erst mit der richtigen Zusatzsoftware. Zu unterscheiden ist hierbei grundsätzlich zwischen kostenloser "Freeware" und kostenpflichtiger "Shareware". Hier die Programme, die auf keinen Mediziner-PDA fehlen dürfen:

Arzneimittel

Immer gut zu gebrauchen ist ein Programm mit den wichtigsten Arzneimitteln. Als weit verbreitete kostenlose Variante ist vor allem ePocrates zu empfehlen. Dabei handelt es sich allerdings um eine amerikanische Version mit dort üblichen Dosierungen und Therapieempfehlungen, entsprechend ist es auf englisch. Alternativ bieten sich je nach Geschmack entweder Arzneimittel pocket 2006 von Börm Bruckmeier (16,89 Euro) oder Checkliste Arzneimittel 2006/07 für PDA von Thieme (19,95 Euro), beide Programme sind gleichermaßen geeignet. Wer das Original "Die Rote Liste" nutzen möchte, muss bei nur wenige Mehrnutzen deutlich tiefer in die Tasche greifen: gute 75 Euro (plus Versand versteht sich...). Zuletzt bietet sich noch i:mobile von ifap an. Gegenüber anderen Programmen bietet es viele zusätzliche Funktionen: Preisvergleiche zwischen verschiedenen Präperaten, Interaktionschecks, Rechner für patientenindividuelle Dosierungen, etc. Die jährliche Lizenzgebühr beläuft sich dafür auf 50 Euro, für Studenten 35 Euro.

Innere Medizin: Leitsymptome und Diagnosen

Um im großen Bereich der Inneren Medizin nicht den Überblick zu verlieren, hat vor allem ein Programm in die PDA-Welt Einzug erhalten. Wie soll es anders sein: den guten alten Herold gibt es auch als PDA-Version, mit 34,80 Euro sogar günstiger als das Buch! Als mobile Nachschlagewerke sind mittlerweile auch der Psychrembel (knapp 40 Euro) und das Springer Lexikon Medizin (30,10 Euro) für den PDA erhältlich. Alternativ sind die Programme von MediHeld zu empfehlen: DD Innere Diagnosen (24 Euro), DD Innere Labor (20 Euro) und DD Innere Leitsymptome (18 Euro). Um für die häufigen Leitsymptome die wichtigsten Differentialdiagnosen nachzuschlagen, habe ich selbst gerne das kostenlose englische Programm Diagnosaurus genutzt. Ein ums andere Mal in Chefarztvisiten als nützlich erwiesen hat sich das ebenfalls kostenlose englische Programm eponyms, welches zu medizinischen Eigennamen schnell Hintergrundinformationen des dazugehörigen Krankheitsbildes aufzeigt. Für Studenten eventuell hilfreich kann die Freeware Medical Mnemonics sein, welche eine Fülle englischer medizinischer Merksprüche bietet.

Laborwerte und Rechner

Im Stationsalltag hilfreich sind medizinische Rechner, um die Kreatinin-Clerance, den Child-Pugh-Score und ähnliches direkt am Krankenbett auszurechnen. Mein persönlicher Favorit ist das Programm Archimedes, alternativ kann MedCalc empfohlen werden. Beide Programme sind kostenlos, auf englisch und mittlerweile für beide Plattformen zu haben. Ergänzend kann das Programm MedRules genutzt werden, welches vor allem Risiko-Scores enthält. Dieses ist leider nur für den Palm zu haben. Die Programme LabManual und Labor-Normalwerte helfen bei der Interpretation von Laborwerten, ABG Pro unterstützt einem bei der Befundung arterieller Blutgasanalysen und Lytemaster (nur für Palm) bei der Interpretation von Elektrolytstörungen.

Lexika

Medizinstudenten, die gerne ein Semester oder ein Tertial des PJ im Ausland verbringen möchten, seien die Fremdsprachenlexika Medizinisches Englisch pocket und Medizinisches Spanisch pocket von Börm Bruckmeier empfohlen, Kostenpunkt jeweils 16,80 Euro. Für angehende Fachärzte könnten die Programme aus der Reihe Facharztfragen für den PDA von Thieme interessant sein. Bisher sind diese für die Bereiche Innere Medizin, Gynäkologie und Geburtshilfe, Radiologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Anästhesie, Urologie und Viszeralchirurgie erschienen. Wer häufiger mit Tumorerkrankungen zu tun hat, dem sei das sehr hilfreiche Programm Onkologie 2007 wärmstens ans Herz gelegt. Das Programm zum gleichnamigen Buch bietet die aktuellsten Richtlinien und Information zu Medikamenten und Therapieschemata, auf deutsch und kostenlos!

Je nach Fachgebiet kann jeder für seinen PDA aus einer Menge weiterer Programme wählen und sich individuell zusammenstellen: Kardiologen nutzen gerne die ACC und ESC Pocket Guidelines, Dermatologen den DermMaster, andere Programme zur DRG und ICD10-Verschlüsselung...

Um bei der Fülle an Angeboten die Übersicht zu behalten, gibt es verschiedene Internetportale, die Software für PDAs anbieten. Das aus meiner Sicht beste Portal speziell für Mediziner-Software ist pda-medicus. Dieses wird vom Medizinstudenten und begeisterten PDA-Benutzer Wolfgang Offenberger gepflegt, dort lassen sich auch alle oben genannten Programm mit zugehörigen Links wiederfinden. Für weitere Anregungen, Ideen und Programmtipps ist er immer dankbar! Andere Portale mit Medizinsoftware sind z.B. med4mobile und MediMad. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Internetseiten, die eine Menge an Free- und Shareware zum Privatvergnügen anbieten. Die bekanntesten sind pdassi und mobipocket. Natürlich sind auch MP3s und Filme für den PDA erhältlich, allerdings sollte man dann darauf achten, dass der Speicher nicht zu knapp wird.


Viel Spaß beim Entdecken der Möglichkeiten mit einem PDA!


Interessante LinksNach oben hoch

Übersicht über Hardware und Software

   Externer Link www.xonio.com - Testberichte zu allen gängigen PDAs

   Externer Link www.pda-medicus.de - die wichtigsten Programme für Mediziner

   Externer Link PDA-Softwareportal Mobipocket (mit medical eBooks)

   Externer Link PDA-Softwareprotal pdassi (viele kleine Freewareprogramme)


Gelbe Liste

Die Gelbe Liste Pharmaindex gibt es auch für Pocket-PC und Palm. Sie kostet 39,90 Euro.

   Externer Link Gelbe Liste Pharmaindex Pocket

Mediheld

Von Mediheld gibt es Ebooks für PocketPC und Palm: DDInnere: Das Buch, DDInnere Diagnosen, DD Innere Leitsymptome, DD Innere Labor.

   Externer Link www.mediheld.de

Programme von StacWorks

 ABG Pro (Arterial blood gases)
 Bestimmt nach Eingabe von arteriellem pH, Na, Cl, ob es sich um eine metabolische oder respiratorische Azidose/Alkalose handelt, und gibt HInweise zur Anionen-Lücke sowie zu erwartetem pHCO3 und pCO2. Freeware!
 PregTrak (Pregnancy Tracker)
 Ersetzt das übliche Papierrad, mit dem man den Zeitpunkt einer Geburt aus der letzten Periode u.ä. bestimmen kann. Zusätzlich ist eine Desktop (Windows)-Version des Programms enthalten.
   Externer Link Download von ABG und PregTrak


Viele weitere interessante LinksNach oben hoch

Im folgenden eine Liste von Links, die Infos über PDAs vor allem in der medizinischen Anwendung bieten. Oft kann man sich auch hier Programme herunterladen.

   Externer Link Nützliche Programme von der Firma Skyscape (Tipp: 'Archimedes')

   Externer Link Palmtop-Medizin, nützliche Infos zum WindowsCE-System

   Externer Link Medizinische Eselsbrücken in Englisch (medical mnemonics)

   Externer Link Übersicht über medizinische Handheld- und Palmtop-Software

   Externer Link David Butlers Seite für Residents am Baylor College of Medicine

   Externer Link pda MD

   Externer Link Handhelds.org für Open-Source-Software, nicht nur medizinische Software

   Externer Link Healthy Palm Pilot aus dem pda.com Onlinedienst

   Externer Link Tragbare Computer (Massachusetts Institute of Technology - MIT)

   Externer Link Collective Med


und nicht zuletzt...Nach oben hoch

Viel Freude mit dem PDA!



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Literaturtipp aus dem Georg Thieme Verlag
Literatur für Pocket PC und PALM
 
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