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Artikel vom 01. 09. 2006

Erkrankungen durch Wärme

Von Hitzekollaps bis Sonnenstich

Übersicht


HitzekollapsNach oben hoch

Definition

 Krankheitsbild unter relativ akuter Hitzeeinwirkung
 Steigerung der Hautdurchblutung
 Verschiebung des zirkulierenden Blutvolumens in die Peripherie
 Abnahme des venösen Rückstroms
 Abnahme der zerebralen Durchblutung

Klinisches Bild

 Unwohlsein, Beengtheitsgefühl
 Durst
 Schwindel
 hochrotes Gesicht
 feuchte, nicht wesentlich überwärmte Haut
 trockene Schleimhäute
 schneller, flacher Puls
 evtl. Kopfschmerzen
 orthostatischer Kollaps

Therapie

 leichte Tieflagerung des Kopfes
 Hochlagerung der Beine
 Bereitstellung ausreichender Trinkflüssigkeit

Prognose

 keine gesundheitlichen Schäden

Hitzeerschöpfung bei Wasserverarmung (Dehydratation)Nach oben hoch

Definition

 Flüssigkeitsverlust von mehr als 3% des Körpergewichts
 Ursache: hohe thermische Belastung mit Abgabe mehrer Liter Schweiß innerhalb weniger Stunden ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr
 Einschränkung des zirkulierenden Blutvolumens
 Einschränkung der Organfunktion

Klinisches Bild

Wasserverlust bis zu 2-3% des Körpergewichts

 Durst

Wasserverlust bis 6% des Körpergewichts

 Muskelschmerzen
 motorische Dyskoordination
 Müdigkeit
 Desorientiertheit

Wasserverlust bis 10 %

 Zyanose
 Atemnot

bei fortschreitender Dehydratation

 Bewusstseinsverlust
 Delirien
 Krampfanfälle
 Anurie
 Organnekrosen
 Gerinnungsstörungen

Therapie

 orale Zufuhr kleiner Flüssigkeitsmengen
 parenterale Flüssigkeitszufuhr mit Kontrolle von Körpergewicht, Elyten, Ausfuhr, ZVD und Gerinnungsstatus

Prognose

 gut bei frühzeitiger Rehydrierung
 bei fehlender Therapie können Koma und Tod die Folgen sein

Hitzeerschöpfung bei SalzverarmungNach oben hoch

Definition

 Krankheitsbild durch übermäßigen Elektrolyt- (v.a. Kochsalz-)Verlust
 insbesondere bei nicht akklimatisierten Menschen mit vermehrtem Schwitzen bei normal hoher Salzkonzentration des Schweißes

Klinisches Bild

Erste Symptome bei einem Salzverlust von 0,5g/kg KG

 Kopfschmerzen
 Schindel
 ausgeprägte Müdigkeit und Adynamie
 Reizbarkeit
 Unruhe (Hitzekoller/Tropenkoller)
 Übelkeit/Erbrechen
 Hitzekrämpfe nach Muskelfibrillieren, motorischer Erregung und Kardopedalspasmen, Symptome eines akuten Abdomen
 Bewusstlosigkeit

Therapie

 Kochsalzzufuhr (Fleischbrühe...)
 Bettruhe
 Erbrechende/Bewusstlose: parenterale Elektrolytgabe unter exakter Kontrolle

Prognose

 gute Prognose bei angemessener Therapie
 bei fehlender Therapie: Todesfälle im Volumenmangelschock

SonnenstichNach oben hoch

Definition

 Krankheitsbild nach direkter und intensiver Sonnenbestrahlung des Kopfes
 gekennzeichnet durch zerebrale Irritation
 möglicherweise umschriebenes Hirnödem bei unzureichender Wärmeabfuhr über die Durchblutung

Klinisches Bild

 Schwindel
 Sehstörungen mit Flimmerskotom
 Ohrensausen
 Übelkeit bis Erbrechen

bei ausgeprägter Sonnenbestrahlung

 Tachykardie und Tachypnoe
 Eintrübung
 Bewusstlosigkeit und Kollaps, oftmals mit Meningismus
 Körpertemperatur oft im Normbereich oder nur leicht erhöht
 Elyte und Hk initial normal

in schweren Fällen

 tiefe Bewusstlosigkeit
 zerebrale Krämpfe
 Hirndrucksymptome

Therapie

 Entfernung aus der Sonnenbestrahlung
 Lagerung im Kühlen
 symptomatische Maßnahmen
 intensivmedizinische Behandlung des Hirnödems

Prognose

 Prognose in aller Regel gut
 besonders schwer verlaufende Formen können mit neurologischen Defekten ausheilen
 bei fehlender Therapie: zentrales Kreislaufversagen und Tod

HitzschlagNach oben hoch

Definition

 schweres Krankheitsbild auf Grund eines generalisierten Wärmestaus
 Erschöpfung der Entwässerungsmechanismen
 kann zu lebensbedrohlicher Dekompensation der Thermoregulation führen
 Betroffen v.a.: Hitzebelastete Schwerarbeiter ohne Akklimatisation, ältere und übergewichtige Menschen, Menschen mit Arteriosklerose, Diabetes mellitus, Alkoholkrankheit und Herzinsuffizienz (insbesondere unter Diuretika-Therapie)
 Zunächst rote Hyperpyrexie mit Erweiterung der Gefäßperipherie
 dann graue Hyperpyrexie mit über 41° C

Klinisches Bild

Rote Hyperpyrexie

 trockene, heiße, gerötete Haut
 Kopfschmerzen
 Übelkeit
 Muskelkrämpfe
 Ataxie
 verminderte Bewegungskoordination
 Benommenheit und Stupor
 Labor: erhöhter Hk, Hpernatriämie, pathologische Leber- und Muskelenzyme, Hypokalz- und -phophatämie, teils Hypoglykämie

Graue Hyperpyrexie

 Körperinnentemperatur von über 41° C (höchste mit dem leben vereinbare Temperatur: 42° C)
 blasse, oft kühle Haut
 Thrombopenie, Hämolyse, disseminierte intravaskuläre Gerinnung, Rhabdomyolyse, Myobloinurie,
 akute tubuläre Nekrose
 Multiorganversagen
 schwerste Schädigungen des Gehirns mit Hirnödem und Zerstörung von Neuronen
 Desorientiertheit
 Delirien
 Krämpfe

Therapie

Lebensbedrohlicher Notfall!

Absenkung der Körpertemperatur:

 Eisbäder
 Infusionen gekühlter Lösungen
 Einläufe und Magenspülungen mit gekühlter Flüssigkeit
 Ventilatoren

Vorsichtige Hydratation

 1000-1200 ml Wasserzufuhr in ersten 12 Stunden
 natriumarme oder -freie Elektrolytlösungen

Intensivmedizinische Therapie und antikonvulsive Maßnahmen


Prognose

 unter intensivmedizinischer Therapie Letalität junger gesunder Menschen bei 10-20%
 schlechtere Prognose bei älteren Menschen und bei Begleiterkrankungen
 entscheidend ist, wie zügig und wirksam die Hyperthermie abgesenkt wird

LiteraturNach oben hoch

Die Inhalte sind aus dem "TIM - Thiemes Innere Medizin" entnommen.

 
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