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Artikel vom 02. 04. 2008

Gesundheitsschutz im Krankenhaus - Symposium des Marburger Bundes Baden-Württemberg

Arztsein im Krankenhaus kann ungesund sein

Karin Maria Franke

Um den Gesundheitsschutz für Ärzte ist es schlecht bestellt, konstatiert der Marburger Bund Baden-Württemberg und veranstaltete im März ein eintägiges Symposium mit 120 Teilnehmern. Zwischen gesetzlichen Vorschriften und dem Arbeitsalltag in Krankenhäusern bestehen teilweise große Diskrepanzen. Schuld daran sind aber nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch die Ärzte selbst. Am Ende des Artikels finden Sie elf Vorschläge für die Gestaltung des Dienstplans.

Übersicht


Lücke zwischen Anspruch und WirklichkeitNach oben hoch

Piloten und Ärzte haben vieles gemeinsam: den stressigen Job, die Verantwortung für Menschenleben und dass Sie bei der Arbeit hoch konzentriert und aufmerksam sein müssen – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Weil der Job von Piloten viel abverlangt, ist genau geregelt und streng kontrolliert, wie lang sie arbeiten und wann sie ruhen müssen. Das unterscheidet Luftkapitäne von Medizinern.

Ärzte und Piloten haben eine ähnlich verantwortungsvolle Arbeit.Beim Gesundheitsschutz gibt es jedoch UnterschiedeFoto: PhotoDisc
Ärzte und Piloten haben eine ähnlich verantwortungsvolle Arbeit.
Beim Gesundheitsschutz gibt es jedoch Unterschiede
Foto: PhotoDisc

Bei Ärzten wird das nicht genau kontrolliert. Doch warum nicht? Nach Ansicht des Marburger Bundes liegt das daran,

 •dass die Arbeitszeitregelungen kompliziert und interpretationsbedürftig sind
 •dass Krankenhausbetriebe sich aus finanziellen Gründen mit ihrem gedeckelten Budget dagegen wehren, die Arbeitszeitregelungen konsequent umzusetzen
 •dass die Behandlungsbedürftigkeit von Patienten auf Arbeitszeitregeln keine Rücksicht nimmt
 •dass es zunehmend schwieriger wird, die Betriebsabläufe mit den engen Personalkapazitäten in den Krankenhäusern zu organisieren und dabei auch die Arbeitszeitregeln zu berücksichtigen
 •dass die Gewerbeaufsicht nur stichprobenweise überprüfen kann, ob Arbeitszeitbestimmungen eingehalten werden
 •dass die Selbstausbeutung bei Ärzten Tradition hat
 •dass Konkurrenzfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der Krankenhäuser einen höheren Stellenwert haben als der Gesundheitsschutz von Ärzten

Dem ließe sich noch hinzufügen, dass unter den Ärzten selbst kein Konsens herrscht, wie lange gearbeitet werden und wie viele Bereitschaftsdienste erlaubt sein sollten.

Für den Marburger Bund Baden-Württemberg war jedenfalls die klaffende Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit des Gesundheitsschutzes für Krankenhausärzte der Anlass, ein eintägiges Symposium am 13. März 2008 zu veranstalten. Die 120 Teilnehmer setzten sich aus Ärztinnen und Ärzten zusammen, die sich mit arbeitsmedizinischen Fragen befassen, aus Betriebsräten, Personalräten, Mitarbeitervertretern und zahlreichen Mitarbeitern der staatlichen Gewerbeaufsicht, was vom Veranstalter besonders hervorgehoben wurde.


Gesundheitsrisiko ArztberufNach oben hoch

Ein Krankenhaus kennt keine Ruhetage. Um für Patienten da zu sein, stellen Mediziner ihre eigene Gesundheit oft hinten an. Sie ernähren sich ungesund im stressigen Klinikalltag und bekommen zu wenig Schlaf im Schicht- oder Nachtdienst. Um die Kollegen nicht zusätzlich zu belasten, arbeiten sie auch fiebernd, schnupfend oder mit Durchfall am Krankenbett – obwohl sie selbst eigentlich ins Bett gehörten. Rund zehn bis fünfzehn Prozent aller Ärzte sind zudem abhängig von Alkohol, Medikamenten oder Drogen.

Ärzte nehmen selbst oft wenig Rücksicht auf ihre GesundheitFoto: EyeWire
Ärzte nehmen selbst oft wenig Rücksicht auf ihre Gesundheit
Foto: EyeWire

Arztsein ist also ungesund. Ärzte überschätzten sich oft selbst und hätten häufig ein unterentwickeltes Bewusstsein für die eigene Gesundheit, warnte der Landesvorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Josef Ungemach. Gleichzeitig prangerte er an, dass Krankenhäuser vorsätzlich die Gesundheit ihrer Mitarbeiter aufs Spiel setzten. Gesundheitsschutz sei für sie lästig und teuer.


Permanenter sozialer JetlagNach oben hoch

Doch auch für die Patienten können die Arbeitszeiten im Krankenhaus zum Gesundheitsrisiko werden. Laut Ungemach soll es auch in Baden-Württemberg noch Krankenhäuser geben, in denen 34,75 Stunden regulär am Stück gearbeitet wird. Konsequent umgesetzt dauert der Arbeitseinsatz dann von 8:00 Uhr des einen Tages bis nach 18 Uhr des nächsten Tages. Dabei nimmt das Fehlerrisiko ab der zehnten Arbeitsstunde dramatisch zu und steigt in der zwölften Stunde noch einmal sprunghaft an, wie Dr. Jürgen Pietsch, Arbeitsmediziner der Uniklinik Freiburg, verdeutlichte.

Mit zunehmender Dauer des Arbeitstages steigt das FehlerrisikoFoto: EyeWire
Mit zunehmender Dauer des Arbeitstages steigt das Fehlerrisiko
Foto: EyeWire

Dr. Mathias Basner, Mediziner aus dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum, verglich die Arbeitssituation von Ärzten mit einem "permanenten sozialen Jetlag" und wies darauf hin, dass die Kombination aus Nachtarbeit und Dienstzeit das Risiko für Unfälle besonders erhöhe. Außerdem könne ein Arzt, der mitten in der Nacht aufsteht und voll einsatzfähig sein muss, fünfzehn bis dreißig Minuten nach dem Wecken nur suboptimale Leistungen erbringen. Schlaftrunkenheit nennt das der Volksmund.


Alles palletti auf dem Dienstplan?Nach oben hoch
Foto: Georg Thieme Verlag
Foto: Georg Thieme Verlag

Das Luftfahrtbundesamt kontrolliert genauestens die Ruhe- und Arbeitszeiten bei Piloten. Bei Ärzten sollte das Gewerbeaufsichtsamt dieser Pflicht nachkommen. Allerdings wird kaum geprüft, ob Ärzte ihre Ruhezeiten einhalten. "Dienstpläne sind ruhendes Papier.", konstatierte Matthias Morath vom Ministerium für Arbeit und Soziales des Landes Baden-Württemberg.

"Nur weil auf dem Dienstplan alles stimmt, heißt dies noch lange nicht, dass die Dienstzeiten auch eingehalten werden." Kontrolleure der Gewerbeaufsichtsämter werden von den Kliniken oft nicht ernst genommen und an der Nase herumgeführt. Denn die Zeiten auf den Dienstplänen sind geschönt, Überstunden stehen nicht auf dem Plan. Daher begrüßte der Marburger Bund die Mitarbeiter der staatlichen Gewerbeaufsicht explizit und wertete ihre Teilnahme am Symposium als Zeichen der Hoffnung, dass die Kontrollen künftig effektiver werden.


Heiß umstritten: Die Opt-out-RegelNach oben hoch

Seit dem EuGH Urteil dürfen Ärzte in Deutschland nur noch 48 Stunden pro Woche arbeiten. Allerdings können Mediziner länger arbeiten, wenn Sie ein sogenanntes Opt-Out unterschreiben. Opt-Out heißt im Deutschen soviel wie aussteigen. Ausstiegswillige dürfen also mehr als 48 Wochenstunden arbeiten. Die Aussteiger wählen diese Option jedoch nicht immer freiwillig. Manche Kliniken sehen überlange Arbeitszeiten vor, ohne dass ihre Mitarbeiter ein entsprechendes Papier unterzeichnen. Andere Kliniken lassen ihre Ärzte wählen. Denn so umstritten das Opt-Out auch ist, legen einige Mediziner Wert darauf, die maximale Wochenarbeitszeit überschreiten zu dürfen, um ihr Gehalt aufbessern zu können. In Kliniken in denen es keine Opt-Out Möglichkeiten gibt und gesetzliche Arbeitszeiten garantiert sind, investiert mancher Mediziner seine Freizeit in einen lukrativen Nebenjob. Abgesehen davon, dass geregelte Arbeitszeiten Ärzten weniger Bares bescheren, verlängern sich die Weiterbildungszeiten. Denn kürzere Arbeitszeiten bedeuten, dass Ärzte weniger Untersuchungen durchführen können, die sie zur Facharztprüfung vorweisen müssen. So sind sich also auch die Ärzte untereinander keineswegs einig, wie genau die geregelten Wochenarbeitszeiten aussehen sollen, damit alle zufrieden sind.


England: Tipps für die Zeit vor dem NachtdienstNach oben hoch

Das Royal College of Physicians in England erläutert in einer Broschüre für Ärzte, was trotz Schicht- und Nachtdienst getan werden kann, um gesund und fit zu bleiben. Das Motto dabei ist: "How to be alert when your body wants to sleep." Junge Ärzte werden zunächst mit den Fakten des Nachtdienstes betraut. Dann gibt es Tipps für die Zeit vor dem Nachtdienst, im Dienst und danach. Die Ärzte erfahren beispielsweise, dass sie Kaffee nachts nur in Maßen genießen sollten, welchen Schlafrhythmus sie sich aneignen sollten und dass sie eventuell vor dem Dienst und vor der Autofahrt nach Hause erst einmal ein Nickerchen machen sollten. Die Hinweise der Broschüre sind simple Verhaltensregeln, die sich eigentlich von selbst verstehen und dennoch keineswegs selbstverständlich sind.

Solche einfachen Maßnahmen, in denen sich die Sorge um die Mitarbeiter ausdrückt, scheinen für deutsche Kliniken Neuland zu sein. Diesen Eindruck gewinnt jedenfalls, wer einen Blick in die Bereitschaftszimmer wirft. Häufig kleinen Abstellkammern gleich – ausgestattet mit Bett und durchgelegener Matratze - sind die Zimmer stickig und laut und liegen nicht selten in der Nähe der Einfahrt zur Notaufnahme. So schreckt jeder anrollende Rettungswagen den Arzt aus dem flachen Schlaf, selbst wenn der Patient nicht für ihn bestimmt ist. Die kostbar-knappe Zeit zum Ruhen wird somit zum Albtraum und ist alles andere als erholsam.


Survival of the fittest im KrankenhausNach oben hoch

In Untersuchungen stellten Wissenschaftler fest, dass Schichtarbeiter gesünder sind. Macht Schichtarbeit also gesund? Weit gefehlt! Nachtarbeit laugt den Körper besonders aus und wird sogar als kanzerogen eingestuft. Schichtarbeiter sind gesünder, weil dort nur die fittesten "überleben".

Das Darwin’sche Prinzip scheint auch für Krankenhäuser zu gelten. Wer nicht robust genug ist, meidet den Betrieb schnell. So verweigern sich insbesondere Frauen extrem langen Arbeitszeiten. Kein Wunder, denn je länger Ärzte am Stück arbeiten, desto unzufriedener werden sie. Es bleiben also nur die motiviertesten und engagiertesten Ärztinnen in der Klinik, die körperliche Beschwerden durch die langen Arbeitszeiten kaum wahrnehmen. Eigentlich ja ein Gewinn für die Kliniken, wenn da nicht der Arbeitskräfteschwund wäre, der sich nicht mehr verleugenen lässt. Es gibt also zu wenig Ärztinnen und Ärzte für den 24-Stunden-Krankenhausbetrieb, denen egal ist, wie lange sie arbeiten. Schon alleine deshalb wären Kliniken gut beraten, sich um gute Arbeitszeitmodelle zu kümmern.

Dienstpläne, die auch familiäre Verpflichtungen berücksichtigen, können dazu beitragen, dass Ärztinnen in die Kliniken zurückkehrenFoto: PhotoDisc
Dienstpläne, die auch familiäre Verpflichtungen berücksichtigen,
können dazu beitragen, dass Ärztinnen in die Kliniken zurückkehren
Foto: PhotoDisc


Dienstplan nach Wunsch?Nach oben hoch

Diplompsychologin Dr. Beate Beermann vom Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus Dortmund wies darauf hin, dass das geltende Arbeitszeitgesetz viele Arbeitzeitmodelle möglich macht. Auch solche, die Frauen wieder in die Kliniken locken. Beermann nannte in ihrem Vortrag häufige Missstände in Dienstplänen und stellte Grundregeln auf, nach denen ein Dienstplan gelingen kann. Ernüchternd, dass diese Regeln kein Allgemeingut der Kliniken sind. Besonders vor dem Hintergrund, dass heute Arbeitszeiten intensiver und dichter gestaltet sind als vor zwanzig oder dreißig Jahren, sollten Ärzte die Regeln einhalten.

Am Ende des Symposiums blieb die Einsicht, dass diejenigen, die Menschen gesund machen, dabei nicht selbst krank werden dürfen. Und dass es immer noch ein weiter Weg dahin ist, die regelmäßige und ausreichende freie Zeit von Ärzten als gesundheitserhaltendes Gut anzusehen.


Grundregeln: Wie gestalte ich gute Schichten?Nach oben hoch

Die folgenden Vorschläge für die Gestaltung des Dienstplanes stammen von Dr. Beate Beermann, Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus Dortmund

 1. Die Anzahl der aufeinanderfolgenden Nachtschichten sollte möglichst gering sein. Nicht mehr als drei. Wer bis zu sieben Nächte in Folge arbeitet, leidet unter erheblichem Schlafmangel und wird von Tag zu Tag reizbarer. Auch zwei freie Tage danach können den Schlafmangel nicht kompensieren.
 2. Nach einer Nachtschichtphase sollten die Ärzte mindestens 24 Stunden frei bekommen. Das Beste sind eingestreute Nachtdienste. Die Vorstellung, dass Blöcke den zirkadianen Rhythmus umstellen, ist falsch.
 3. Kumulierte Arbeitszeit durch lange Arbeitstage bzw. durch viele aufeinanderfolgende Arbeitstage sollten begrenzt werden. Es gilt also nicht: "Ich hau jetzt mal vierzig Stunden in drei Tagen runter und dann habe ich eine Woche frei!" Aus Gesundheitssicht spricht alles gegen Langzeitarbeitskonten.
 4. Die Schichtdauer sollte von der Arbeitsschwere abhängig sein. Bei ungleichen Schichtlängen sollte die Nachtschicht die kürzeste sein. Häufig ist dies im Krankenhaus genau umgekehrt. Dort sind die längsten Schichten die Nachtschichten.
 5. Geblockte Wochenendzeiten sind besser als einzelne freie Tage am Wochenende. Ein freier Mittwoch kompensiert keinen Samstag oder Sonntag! Ein freier Freitag und Samstag oder Sonntag und Montag sind unterdessen ein guter Kompromiss.
 6. Mehrbelastung sollte durch Freizeit ausgeglichen werden. Ein finanzieller Ausgleich nützt zwar dem Bankkonto, ist aber schlecht für die Gesundheit.
 7. Ungünstige Schichtfolgen sollten vermieden werden. Schichtpläne sollten also im Tagesverlauf nach hinten rotieren: also vom Frühdienst über den Spätdienst zum Nachtdienst und nicht umgekehrt
 8. Die Frühschicht sollte nicht zur früh beginnen.
 9. Die Nachtschicht sollte möglichst früh enden. Auch wenn zwischen Punkt acht und neun ein Widerspruch liegt, sollte dies bedacht werden.
 10. Zugunsten individueller Vorlieben sollte auf starre Anfangszeiten verzichtet werden.
 11. Schichtpläne müssen vorhersehbar sein. Sie sollten nicht am Ende des Monats ganz anders aussehen als zu Beginn des Monats.

Die Autorin Karin Maria Franke ist Ärztin und Volontärin bei Via medici



Weitere Artikel zur ärztliche ArbeitszeitNach oben hoch

Ein komplizierter Dienstplan ist kein Problem

Dr. Bärbel Kuhnert-Frey ist seit 30 Jahren Chefärztin der Abteilung für Anästhesie und Intensivtherapie im Krankenhaus Sinsheim. Mit ihr zusammen arbeiten 20 Ärzte in der Abteilung, davon 19 in Teilzeit. Die Abteilungsverantwortlichen brauchen sechs Stunden pro Monat, um den komplizierten Dienstplan mit dem Computer aufzustellen. Doch der Zeitaufwand lohnt sich: Alle sind zufrieden und die Arbeitskräfte sind bestmöglich auf den Arbeitstag verteilt. Dr. Kuhnert-Frey: "Meine Mitarbeiter sind alle hochzufrieden, hoch motiviert! Ich habe wirklich Glück mit meinen Mitarbeitern. Es funktioniert einfach. Und wenn es irgendwo ein Dienstplanproblem gibt, ist das in kürzester Frist geregelt."

   Externer Link Mit vielen Teilzeitkräften gibt es wenig Leerzeiten

Arbeitszeiten nach dem EuGH-Urteil - Interview mit einem der damals klagenden Ärzte

Der Kieler Chirurg Dr. Norbert Jaeger ist einer der Ärzte, die im September 2003 vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg die Anerkennung von Dienstzeiten als Arbeitszeit erstritten haben. Im Interview äußert sich Jaeger zu Problemen bei der Umsetzung des Gerichtsurteils. Die Klinikleitungen hätten sich vorgenommen, das Urteil "Budget-neutral" umzusetzen, dies sei jedoch in Anbetracht des erhöhten Personalbedarfs bei reduzierten Arbeitszeiten unmöglich. Jaeger dazu: "Das kann nicht funktionieren."

   Externer Link Arbeitszeiten nach dem EuGH-Urteil 2003

Stechuhr auf Station? Pro und Kontra

Artikel erschienen in Via medici 2/2003: 48-Stunden-Dienste, unbezahlte Überstunden. Für viele Ärzte eine Selbstverständlichkeit. Doch seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes von 1996 [für die spanischen Ärzte - Anm. d. Red.], wonach Bereitschaftsdienste der Arbeitszeit zuzurechnen sind, kommt einiges in Bewegung. Ist der 8-Stunden-Tag für Ärzte wirklich umsetzbar und überhaupt wünschenswert?

   Externer Link Interview mit Dr. Frank Ulrich Montgomery und Prof. Axel Haverich

Archiv: Missstände der Arbeitszeitregelung für deutsche Krankenhausärzte

April 2003 - Die Arbeitsbedingungen der Krankenhausärzte spitzten sich ständig zu, da entschied im Jahre 2000 der EuGH für spanische Ärzte, Bereitschaftsdienst als Arbeitszeit anzurechnen. Via medici sprach mit dem Kieler Krankenhausarzt Dr. Jaeger.

   Externer Link Die Situation hat sich in den 90ern dramatisch verschärft


LeserkommentarNach oben hoch

Von teilzeit-PJler aus Essen (der Name ist der Redaktion bekannt)

Hallo liebe Redaktion,
ich mache gerade PJ und verfolge aufmerksam, wie und wie viel die Assistenzärzte arbeiten, mit denen ich tagtäglich zusammen bin. Ich bin entsetzt und sehe immer klarer, dass so ein Arbeiten, wie Sie es oben beschreiben, mit meiner privaten Situation (ich habe einen Vollzeit-berufstätigen Mann und 3 Kinder) überhaupt nicht übereinstimmen kann. Die Assistenzärzte dürfen teilweise noch nicht mal ihre Stunden aufschreiben, die sie arbeiten - wie sind sie denn da überhaupt versichert? Von den Chefs kommt nur, dass man nur max. 15h pro Woche aufschreiben kann - real sind es mindestens drei mal so viele! Bislang habe ich das Studium trotz meiner 3 Kinder in Regelstudienzeit(!) absolvieren können, ohne dass ich oder meine Kinder litten, aber offensichtlich werde ich das so nicht weiter vereinbaren können!
Aus Spaß eingetippte (Ärztestellen.de) Halbtagsstellen gibt es faktisch im Krankenhaus nicht. Kann ich mir mit den festen Terminen für die Besprechungen auch nicht vorstellen - ich hoffe, dass die Gewerbeaufsicht sich mal die Unterschriften ansieht, die zu welchen Uhrzeiten unter die Briefe gesetzt werden ... dann müssten allen die Haare zu Berge stehen! Und dass den Chefs klar wird, dass nur mit Familienfreundlichkeit auch kompetentes Personal zu haben ist! Es besteht aus meiner Sicht erheblicher Umorganisierungsbedarf in Punkto Familienfreundlichkeit und Krankenhausdienst! Mir wäre ein geringerer Verdienst recht, dafür geregelte und vorhersehbare (!) Arbeitzeiten - ich liebe diesen Job und er macht mir sehr großen Spaß - aber nicht um meine Gesundheit und die meiner Kinder willen! MFG

 
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