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| Hoffnung, Angst und Warten |
Nur für 2 von 3 Patienten, die eine Knochenmark-Stammzellspende brauchen, wird ein geeigneter Spender gefunden. Deshalb ist es wichtig, dass sich in Zukunft noch mehr Menschen registrieren lassen. Für viele Patienten mit tödlich verlaufenden Krankheiten wie Leukämie oder anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems ist eine KM-Spende die letzte Chance auf Heilung.
| Wie werde ich Spender? |
In Deutschland gibt es über 40 Organisationen, die sich mit der Registrierung und Typisierung von Spendern befassen. Die umfangreichste Datei ist die DKMS, die deutsche Knochenmarkspenderdatei. Sie besteht seit 1991 und gilt mit knapp 1 Mio. Registrierten als eine der größten der Welt.
Wer Interesse an einer Aufnahme in die Datei hat, kann auf der Homepage der DKMS (Link siehe unten) die Telefonnummern der Niederlassungen finden. Hier erfährt man auch alle organisatorischen Details zur KM-Spende. Eine Registrierung kostet 50 Euro, die aus Spendengeldern finanziert werden müssen, alle weiteren bis zur Transplantation anfallenden Kosten zahlt die Krankenkasse des Empfängers.
Für die Typisierung werden einige ml Blut entnommen und auf den Leucozyten die Oberflächenmarker HLA A, HLA-B und DR-B1 bzw. DQ-B1 bestimmt. Da jeder dieser Marker etwa 50 verschiedene Allele hat, gibt es Millionen Kombinationsmöglichkeiten.
Ein Teil der Blutprobe wird aufgehoben. Wenn irgendwann ein möglicher Spender gefunden wird, dessen Oberflächenmarkerkombination mit der des Empfängers übereinstimmt, wird damit eine Nachtypisierung vorgenommen, bei der noch andere Gewebemerkmale getestet werden.
Die Daten aller Spender werden von den Einzelorganisationen anonymisiert an das Zentrale Knochenmarksregister Deutschland (ZKRD) in Ulm weitergegeben. Hier werden die Patienten vermittelt. Das ZKRD feiert übrigens dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Wer sich näher informieren möchte, kann das auf der Homepage tun - der Link befindet sich am Ende der Seite.
| Was passiert, wenn meine Stammzellen zu denen eines Patienten passen? |
Im Fall einer Übereinstimmung und einer positiven Nachtypisierung wird der Spender benachrichtigt und gebeten, Angaben zu seiner gesundheitlichen Situation zu machen. Ist er gesund, zwischen 18 und 55 Jahre alt und stimmt zu, dass Stammzellen entnommen werden, findet noch eine abschließende Untersuchung statt. Dabei wird getestet, ob der Spender tatsächlich gesund und damit geeignet ist.
| Wie funktioniert die Entnahme der Stammzellen? |
Es gibt zwei Möglichkeiten, Stammzellen zu gewinnen. Die klassische Form der Knochenmarkspende wird in Vollnarkose durchgeführt. In einer einstündigen Operation wird dem Spender ca. ein Liter Blut-Knochenmarkgemisch aus dem Beckenknochen entnommen. Zur Sicherheit muss er danach 2-3 Tage stationär bleiben.
Die neuere Methode der peripheren Blutstammzellspende ist für den Spender angenehmer. Nach dreitägiger Einnahme eines Wachstumsfaktors (G-CSF), der die Stammzellen zur Proliferation anregt, wird Blut entnommen. Daraus werden die Stammzellen an einem Zellseparator abgefischt. Der Rest des Blutes wird dem Patienten zurückgegeben. Diese Methode gibt es seit 1996. Sie erfreut sich immer größerer Beliebtheit und wird mittlerweile bei über der Hälfte der Stammzellspender angewandt.
Die Risiken beider Methoden sind gering. Bei der Knochenmarksspende besteht ein minimales Narkoserisiko und bei der Einnahme von G-CSF können grippeähnliche Nebenwirkungen und Knochenschmerzen auftreten.
| Wie erfolgreich wird vermittelt? |
Das ZKRD bekommt pro Jahr ca. 1400 deutsche und knapp 10.000 internationale Anfragen. Ca. 1.200 deutsche Patienten werden im Jahr vermittelt. Die Suche nach dem geeigneten Spender dauert meist 2-3 Monate.
| Welche Patienten bekommen eine Knochenmarkspende? |
Von einer KM-Transplantation profitieren Patienten mit malignen und nicht- malignen Erkrankungen des blutbildenden Systems, vor allem Leukämiepatienten, bei denen die Chemotherapie erfolglos war und für die kein HLA-identischer Spender aus der Familie zur Verfügung steht.
| Wie funktioniert die Transplantation bei dem Empfänger? |
Zunächst wird das gesamte eigene Mark des Patienten mittels Chemo- und/ oder Strahlentherapie zerstört. Das nennt man Konditionierung. Nötig ist dieses Verfahren, um das Risiko von Abstoßungsreaktionen zu minimieren. Es wird ca. eine Woche vor der Transplantation durchgeführt. Bis zur Transplantation hat der Patient keine körpereigene Abwehr. Er muss isoliert und streng überwacht werden. Durch die extreme Granulozytopenie nach der Konditionierung treten häufig Infektionen mit Bakterien, Viren, Pilzen und Parasiten auf. Springt der Spender in diesen Tagen doch noch ab, hat der Empfänger wenig Chancen, ohne sein Abwehrsystem zu überleben.
Dann werden die Spenderstammzellen gereinigt und dem Patienten ähnlich wie eine Bluttransfusion infundiert. Sie suchen sich selbst den Weg ins Knochenmark und wachsen dort an.
Nach der Transplantation muss das Immunsystem noch für ca.100 Tage unterdrückt werden, damit es die lebenswichtigen Zellen nicht abstößt. Treten keine Komplikationen auf, ist danach keine lebenslange Suppression nötig. Abgesehen von der Gefahr der Abstoßung und der häufig auftretenden Infektionen kommt es vor, dass die Zellen nicht anwachsen. Diese Problem gibt es glücklicherweise nur sehr selten. Wenn alles gut verläuft, kann der Patient das Krankenhaus nach einigen Wochen verlassen und ambulant weiter betreut werden, um Spätkomplikationen rasch zu erkennen. Diese treten durch die gravierenden Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie auf. Bei KM-Transplantationspatienten ist z.B. die Gefahr, Sekundärmalignome zu entwickeln erhöht. Auch Augenschäden und endokrine Störungen bis hin zur Sterilität können auftreten.
| Lernen sich Spender und Empfänger kennen? |
In Deutschland ist es möglich, dass sie sich zwei Jahre nach erfolgreicher Transplantation kennen lernen können, wenn beide damit einverstanden sind. Für viele Patienten ist es wichtig, ihrem "Lebensretter" und genetischem Zwilling persönlich danken zu können, nachdem die schlimme Zeit aus Angst und Hoffnung endlich überstanden ist.
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