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Laptop statt Stethoskop

Medizinjournalismus (aus Via medici 3/97, aktualisiert 2004)

Annette Steigert

Medizinjournalismus ist für viele junge Mediziner eine interessante Berufsalternative. Die Frage ist nur, wie schafft man den Einstieg? Via medici gibt Antwort.

Übersicht


In Via medici 2/00 erschien ein weiterer Artikel über Medizinjournalismus. Die Ausgabe können Sie über die Rubrik Zeitschrift direkt beim Verlag beziehen.

Medizinjournalismus ist für viele junge Mediziner eine interessante Berufsalternative: ob als Moderator einer Gesundheitssendung, als Redakteur bei einer Tageszeitung, einem Publikumsmagazin oder einer medizinischen Fachzeitschrift. Die meisten träumen davon, mit dem Laptop unterm Arm von Kongress zu Kongress zu reisen, renommierte Wissenschaftler zu interviewen und sich dann nächtelang bei starkem Kaffee die Finger wund zu tippen ... Die Frage ist nur, wie schafft man den Einstieg? Via medici gibt Antwort.


EinführungNach oben hoch

"Fertig!" Die Maskenbildnerin stäubt noch einen letzten Hauch Puder über Sabine Helmbolds Wangen. Aus dem Studio dringen Wortfetzen zu ihr herüber. Regie, Kameramänner, Beleuchtungs- und Tontechniker sind bereit, im richtigen Moment den richtigen Knopf zu drücken. Sabine Helmbolds Gesprächspartner benetzt seine etwas trockene Kehle noch mit einem Schluck Wasser. Als sie das Studio betritt, verebbt das Stimmengewirr um sie herum. Über der Tür blinkt das rote Licht auf: "SENDUNG".

"Trotz aller Routine kommt in diesem Moment meist doch noch so etwas wie Lampenfieber auf", erklärt Dr. med. Sabine Helmbold, 33-jährige ZDF-Redakteurin und Ärztin.


Arbeit als FernsehredakteurinNach oben hoch

Seit Sabine Helmbold ihre Kollegen bei der letzten Redaktionskonferenz von ihrer Themenidee überzeugen konnte, steckte sie über beide Ohren in intensiven Vorbereitungen. Aktueller Anstoss zu ihrem Thema war ein internationaler Kongress, den sie vor kurzem besucht hatte. Kongresse, Fachtagungen und Pressekonferenzen sind wichtige Recherchefelder für Medizinjournalisten, denn dort können sie Spezialisten und Professoren aus der ganzen Welt interviewen. Zusätzlich hat die Redakteurin im Archiv, in Fachzeitschriften und im Internet recherchiert, um sich fundiert in ihr Thema einzuarbeiten. Als Journalistin sollte man sich nie nur auf eine Quelle beziehen. Für fast jedes Thema kann man sich über Expertenmakler Gesprächspartner vermitteln lassen. Nach intensiver Recherche sitzen selbst erfahrene Journalisten oft vor einem Berg von Büchern, Kopien, Zeitungsausschnitten, Interviewmitschriften und Tonbändern und sind zunächst ratlos, wie und womit sie anfangen sollen.

"Da ich mich an medizinische Laien wende, wähle ich natürlich einen ganz anderen Stil und eine andere Sprache als meine Kollegen von der Fachpresse. Ich mache mir Gedanken über Einstieg, Aufbau und Dramaturgie des Beitrags. Dabei ist es immer wieder eine reizvolle Herausforderung, ein Thema ins Bild zu setzen", erzählt die Fernsehredakteurin. Wenn das Konzept steht, geht es an die technische Umsetzung: Die Dreharbeiten müssen organisiert werden, angefangen von der Auswahl des Drehortes, dem Einholen der Drehgenehmigung, der Kooperation mit dem Kamerateam bis hin zum Schnitt. Auch die musikalische Untermalung spielt eine wichtige Rolle. Das fertige Werk wird dann synchronisiert und vom Redaktionsleiter abgenommen. Wenn die Kurzbeiträge ausgestrahlt werden, die ich als Redakteurin erarbeitet habe, und ich die Sendung auch noch live moderieren kann, dann weiß ich, dass ich mich für den richtigen Beruf entschieden habe."


Arbeit bei einer FachzeitschriftNach oben hoch

Je nachdem, ob ein Medizinjournalist beim Fernsehen arbeitet oder im Printbereich, etwa bei einem Magazin, einer Tageszeitung oder einer Fachzeitschrift, kann der berufliche Alltag vollkommen verschieden sein.

Dr. med. Jörg Zorn, der viereinhalb Jahre bei der Fachzeitschrift "Münchner Medizinische Wochenschrift" tätig war, hat sich direkt nach seinem PJ bei medizinischen Fachzeitschriften beworben. Ihn reizte das völlig andere Arbeiten in einer Redaktion. Statt im weißen Kittel von Krankenzimmer zu Krankenzimmer zu eilen und sich bei der morgendlichen Visite vom Chefarzt abkanzeln zu lassen, findet er es spannender, vor dem Computer zu sitzen und über einem Text zu "brüten". "Wichtig ist, dass man kommunikativ veranlagt ist, gerne telefoniert, auf Menschen zugeht - und vor allem wirklich gerne schreibt. Wer sich schwer tut, Briefe zu schreiben und sich jeden Satz in seiner Promotion erkämpft hat, sollte die Finger von diesem Beruf lassen. Mich fasziniert es, tief in eine wissenschaftliche Materie einzusteigen und mein medizinisches Wissen zu nutzen, um Ärzten neue Entwicklungen und Hintergründe zu vermitteln. Deshalb habe ich mich für ein Volontariat bei einer Fachzeitschrift entschieden. Meine spätere Arbeit als Redakteur bestand in erster Linie darin, zu recherchieren, Interviews zu führen, mindestens zweimal pro Monat Kongresse im In- und Ausland zu besuchen und schließlich das Recherchierte zu Papier zu bringen. Eine weitere Beschäftigung war es, Manuskripte von freien Mitarbeitern und Professoren zu bearbeiten und daraus runde Geschichten zu machen. Dabei sollte man als Redakteur stets bedenken, welche Inhalte besser in Form von Grafiken, Schaubildern oder Fotos vermittelt werden.

Zudem war es meine Aufgabe, gemeinsam mit dem Redaktionsteam ansprechende Titelbilder zu finden und die wöchentlich erscheinende Zeitschrift fertigzustellen.

Nach dreieinhalb Jahren war ich als Redaktionsleiter für den Rahmenteil der Zeitschrift verantwortlich, weshalb ich kaum mehr zum Schreiben kam. Erst vor kurzem habe ich mich deshalb entschieden, als freier Journalist zu arbeiten, um wieder mehr Spielraum für meine Lieblingsbeschäftigung zu haben: dem Schreiben."


Der Einstieg in die PrintmedienNach oben hoch

Dr. med. Michael Kröher, Ressortleiter für Wissenschaft und Technik bei der Zeitung DIE WOCHE, empfiehlt Medizinstudenten, die sich für Medizinjournalismus bei Tageszeitungen oder bei der Publikumspresse interessieren, bereits während des Studiums soviel wie möglich journalistisch zu arbeiten: "Am besten, man fängt bei einer Regionalzeitung an. Dort besteht immer Bedarf an fundierter, medizinischer Berichterstattung. Mit einer konkreten Themenidee, beispielsweise über Schnupfenvorbeugung und genauen Vorstellungen, wie man das Thema recherchieren möchte, bekommt man von den meisten Ressortleitern eine Chance. Auf diese Weise kann man sich erproben und sehen, ob man Spaß am Schreiben hat. Nach dem Studium kommt man aber um ein Volontariat nicht herum. Denn das journalistische Handwerk muss man genauso systematisch und mühevoll erlernen wie das Operieren in der Chirurgie."

Kröher selbst hat es genau andersherum gemacht: Er absolvierte zunächst ein Volontariat und studierte dann Medizin. So schaffte es der jetzt 40jährige, bereits während des Studiums für GEO als Reporter zu arbeiten und wurde anschließend Medizinredakteur beim STERN. Dort übernahm er dann die Ressortleitung für Wissenschaft, Umwelt und Medizin. Nach 6 Jahren wechselte er als Chefredakteur zu einem medizinischen Online-Dienst, bevor er die Stelle als Ressortleiter bei DIE WOCHE antrat.

Praktika und freie Mitarbeit - der Schlüssel zum Erfolg: Wer sich also ernsthaft für das Berufsfeld Medizinjournalismus interessiert, sollte sich unbedingt bereits während des Studiums testen: Praktika oder freie Mitarbeit in einer Redaktion helfen, sich selbst einschätzen zu können: Habe ich ein Gespür für Themen? Wie steht es mit meinem Schreibtalent? Macht es mir Spaß, etlichen Behörden, Professoren und Pressestellen hinterher zu telefonieren, um mir alle wichtigen Informationen für einen Artikel zu beschaffen, bevor es überhaupt ans Schreiben geht? Antworten auf diese Fragen finden sich nur, wenn man den Sprung ins kalte Wasser wagt.

"Medizinjournalisten sind in erster Linie Journalisten und keine Mediziner, die sich in den Medien publizistisch betätigen. Wer nur deshalb Journalist werden will, weil er in seiner Studienrichtung keine anderen beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten sieht, ist fehl am Platz", kommentiert Eckart Schibber, Vorsitzender des Arbeitskreises Medizinpublizisten, Redakteur und Moderator des Fernsehmedizinmagazins "Quivive" beim Sender Freies Berlin und Lehrbeauftragter für Medizinjournalismus an der Uni Berlin.

Mut, Enthusiasmus und pfiffige Ideen: "Man darf sich nicht entmutigen lassen, schließlich fängt jeder mal bei Null an. Ich war mir anfangs auch nicht sicher, ob ich mir das wirklich zutraue", gesteht die Fernsehredakteurin Sabine Helmbold. Mittlerweile ist sie u.a. Autorin zahlreicher Beiträge des "Gesundheitsmagazin Praxis". Beiträge, die in etwa fünf Millionen Wohnzimmern über den Bildschirm geflimmert sind. "Enthusiasmus gehört dazu, pfiffige Ideen und Einfallsreichtum - man muss sich hundertprozentig sicher sein, dass man Medizinjournalist werden will."


Das journalistische Handwerk von der Pike auf lernenNach oben hoch

"Ich würde gleich zu Beginn des Studiums im lokalen Bereich anfangen: Bei einer Lokalzeitung oder einem örtlichen Rundfunk- oder Fernsehsender. Dort wird man oft nach kurzer Zeit voll eingesetzt und bekommt eine Menge Chancen, die journalistischen Darstellungsformen von der Pike auf zu lernen - von Meldung, Nachricht und Bericht bis hin zu Feature, Reportage, Glosse und Kommentar", rät Sabine Helmbold. "Völlig zwecklos ist es selbstverständlich, ohne journalistische Erfahrung direkt beim Fernsehen beginnen zu wollen. Ich selbst habe während meines Medizinstudiums als freie Mitarbeiterin beim Perimed-Verlag in Erlangen Videos zur Ärztefortbildung konzipiert und später moderiert. Meine erste große Chance bekam ich, als die damals für mich zuständige Redakteurin kurzfristig kündigte und ich plötzlich allein mit dem Kamerateam zum Dreh nach Freiburg fahren musste." Nach dieser Feuertaufe und weiteren Hospitationen bei privaten Radiosendern, etablierte sie noch während des PJ die Medizinsendung "Pulsschlag" beim Franken-Fernsehen, übernahm dann dort die Leitung des Ressorts Medizin und wechselte im November 1995 zum ZDF nach Mainz.

Auch Dr. med. Christian Floto, Leiter der ZDF-Redaktion "Gesundheit und Natur" und Moderator des "Gesundheitsmagazin Praxis", rät davon ab, nach dem Studium direkt in einer Fachredaktion einzusteigen: "Wer dem Anforderungsprofil eines Medizinjournalisten genügen will, muss bereit sein, eine komplette zweite Berufsausbildung zu absolvieren. Am besten in einer Lokalredaktion, in der man das journalistische Handwerk von Grund auf lernt und sich daran gewöhnt, unter enormem Zeitdruck effektiv und kreativ zu arbeiten.

Je mehr journalistische Erfahrung jemand mitbringt, desto eher schafft er oder sie den Einstieg."


Vom Kaninchenzüchterverein zur MedizinNach oben hoch

Dierk Heimann hat für ARD und ZDF Sendungen produziert und vor kurzem seine eigene Produktionsfirma gegründet. Auch im Bereich elektronischer Medien hat der 28jährige Arzt die Nase vorn. Er rät dringend, sich nicht zu fein zu sein, auch über den Kaninchenzüchterverein zu schreiben: "Beim Schreiben darüber, was für das Halten von Kaninchen wichtig ist, lernt man, das Wesentliche eines Themas herauszuarbeiten. Und das ist etwas ganz Grundlegendes im Journalismus, ob es nun um Kaninchen oder um Medizin geht."

Heimann selbst hat es nicht anders gemacht: Er hat sich "hochgeschrieben". Schon kurz vor dem Abitur war er freier Mitarbeiter bei einem Regionalblatt, bis zum Physikum war er freier Mitarbeiter beim Hessischen Rundfunk und anderen Hörfunksendern. Später stieg er in den Fernsehjournalismus ein.

"Wichtig ist, dass man aktuelle Themenvorschläge bringt, die noch nicht von der Presse abgegrast sind. Auch klare Vorstellungen, wie man die Idee realisieren kann, sollte man haben. Selbstverständlich muss das Thema genau in die jeweilige Sendung oder das Magazin passen."

In seiner Promotion verband Heimann Medizin und Journalismus. Sein Thema: Interaktive Patienteninformation in der Klinik mit Touch-Screens und aufwendigen 3-D-Animationen.

"Ich fand es furchtbar, wenn meine Kommilitonen angesichts unserer düsteren Zukunftsperspektiven darüber lamentierten, warum sie überhaupt Medizin studieren", ärgert sich Heimann. "Medizinstudenten sollten von Beginn des Studiums an ermutigt werden, von den klassischen Wegen abzuweichen und sich alternative, mindestens genauso interessante Berufsfelder zu erschließen. Es gibt wirklich noch andere Zukunftsperspektiven für Mediziner als die Arbeit in der Klinik oder der eigenen Praxis. Der Bereich der Gesundheitsmedien wächst, der Informationsbedarf ist hoch, und die Arbeitsmarktchancen für gute Medizinjournalisten mit fundierter Ausbildung sind sehr gut."


Gute BerufschancenNach oben hoch

Die Bundesanstalt für Arbeit (BfA) schätzt den Arbeitsmarkt Journalismus insgesamt positiv ein: 170% Arbeitsplatzzuwachs wurde für die Zeit von 1985 bis 2010 vorhergesagt. "Das zunehmende Interesse der Öffentlichkeit an medizinischen Themen lässt einen steigenden Bedarf an Medizinjournalisten - vor allem in der Publikumspresse - erwarten. Eine Professionalisierung ist durchaus erwünscht, denn die Qualität medizinischer Berichterstattung lässt leider häufig zu wünschen übrig", kommentiert Christian Staehr, Leiter der Fachzeitschriftenredaktion beim Georg Thieme Verlag und Vorstandsmitglied der Medizinischen Fach- und Standespresse e.V.. "Eine neue vielversprechende Perspektive bietet zudem der gesamte Online-Bereich."


Journalismus: Seminare und StudiumNach oben hoch

An manchen Universitäten bieten Journalistik- oder Publizistikinstitute Seminare für Wissenschafts- und Medizinjournalismus an oder sogar ein Journalistikstudium als Nebenfach. Leider ist dies nur an wenigen Universitäten möglich. Je nach den persönlichen Prioritäten kann sich dafür sogar ein Uniwechsel lohnen. An der Ruhr-Uni in Bochum z.B. können Mediziner in medizinpublizistischen Themen promovieren. In Nürnberg, Gießen, Bamberg und Hamburg wird Journalismus als Nebenfach angeboten. Neben dieser eher theoretischen Ausbildung sollte man allerdings so häufig wie möglich Redaktionsluft schnuppern.

Andreas Priefler, Medizin- und Wissenschaftsjournalist beim Sender Freies Berlin und Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Medizinpublizisten, empfiehlt vor allem, möglichst früh praktisch zu arbeiten, um rechtzeitig zu merken, ob man Spaß am journalistischen Arbeiten hat und den Anforderungen der Branche gewachsen ist: "Worüber man schreibt, ist zunächst egal - wichtig ist vielmehr, dass man schreibt."

Der 30-jährige Arzt hat bereits mit 19 als freier Mitarbeiter beim privaten Hörfunk und einer Lokalzeitung angefangen. Er studierte Medizin und Wissenschaftsjournalismus in München, später in Berlin - daneben hatte er ein Stipendium bei der Hanns-Seidel-Stiftung. Während des Studiums arbeitete er für den Südwestfunk. Nach der Tätigkeit bei einer Filmproduktionsfirma für Dokumentarfilme blieb er beim Fernsehen. Seit sieben Jahren arbeitet er bei der ARD, wo er vor allem für die Medizinsendungen "ARD-Ratgeber Gesundheit" und "Quivive-Medizin" tätig ist. Daneben produziert er eigene Dokumentarfilme.

Andreas Priefler warnt davor, Medizin- oder ein anderes naturwissenschaftliches Studium zu überschätzen: "Es ist Voraussetzung, aber nicht Garant für eine journalistische Laufbahn. Denn Kompetenz ist eine Sache - die journalistische Umsetzung eine völlig andere. Wichtig ist, aus trockenen Informationen, eine interessante Geschichte zu konzipieren, die mitreisst und wahr ist." Jedes Medium hat seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Im Fernsehjournalismus liegt die Hauptaussage im Bild und nicht im Wort. "Man muss sich immer im klaren sein, dass Medizinjournalismus vor allem auch eine Dienstleistung für den Zuschauer, Zuhörer oder Leser ist - und auf die muss man sich einstellen, ob man für die Fachpresse oder die Publikumspresse schreibt.

Um einen schnellen Einstieg zu schaffen, empfehle ich ein Praktikum bei einer medizinischen Tageszeitung wie z.B. der ÄRZTE-ZEITUNG. Danach gibt es nur eines: schreiben, schreiben, schreiben - und das vor allem noch während des Medizinstudiums. Mit den Arbeitsproben kann man sich anschließend bei seiner Wunschzeitschrift für ein Volontariat bewerben.


Journalistik-AufbaustudiengängeNach oben hoch

Viel Theorie, wenig Praxis? Für Journalistik-Aufbaustudiengänge kann man sich in Berlin, Hannover, Mainz, Bamberg und Hohenheim/Stuttgart bewerben (Adressen, Studieninhalte, Termine etc. im Via medici-Infopaket). An der FU in Berlin wird der bislang einzige Zusatzstudiengang für Wissenschaftsjournalismus angeboten. Allerdings: Befragt man erfahrene Redakteure und Chefredakteure, was sie von Aufbaustudiengängen halten, so bekommt man durchweg die klare und eindeutige Antwort: Praxis ist besser als Theorie. "Meist nutzt dieser theoretisch-reflektive Überbau nicht viel, denn im Journalismus geht es ums Machen, Tun und Umsetzen. Dabei gelten eher amerikanische Verhältnisse: Arbeitsproben und praktische Erfahrungen zählen mehr als Brief und Siegel", erklärt Christian Floto, Leiter der ZDF-Redaktion "Gesundheit und Natur". Andreas Priefler ist der Ansicht, dass ein Aufbaustudium vor allem dann hilfreich ist, wenn ein praktischer Teil integriert ist. Ansonsten besteht die Gefahr, dass man nach zwei Jahren voller Theorie an der gleichen Stelle steht wie vorher.


Die Klassiker: Volontariat oder JournalistenschulenNach oben hoch

Die beste Ausbildung ist immer noch das Volontariat im Anschluss an das Medizinstudium oder der Besuch einer der renommierten Journalistenschulen. Allerdings dürfen sich nur wenige zu den Glücklichen zählen, die einen dieser begehrten Plätze ergattern können. Selbst große Zeitungen oder Rundfunkanstalten stellen im Schnitt pro Jahr nur fünf bis zehn Volontäre ein. Für ein Volontariat kann man sich bewerben bei Tages- und Wochenzeitungen, Publikumsmagazinen, Nachrichtenagenturen, medizinischen, naturwissenschaftlichen Fachzeitschriften und medizinischen Tageszeitungen (Ärzte-Zeitung, Medical Tribune).

Ohne journalistische Erfahrungen, nur mit einem Hochschulabschluss, hat man bei diesen Medien so gut wie keine Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Die einzige Ausnahme sind medizinische Fachzeitschriften, bei denen beim Anforderungsprofil oft eine zwei- bis dreijährige ärztliche Berufserfahrung im Vordergrund steht.

Mit einer Ausbildung an einer Journalistenschule, z.B. in München, Hamburg oder Berlin, eröffnet man sich meist hervorragende Zukunftsperspektiven. Nach Angaben der Henri-Nannen-Schule in Hamburg haben ihre Absolventen keine Probleme, bei so renommierten Redaktionen wie dem SPIEGEL, STERN, GEO oder bei Funk und Fernsehen unterzukommen.

Wer sich an einer dieser Schulen bewerben möchte, muss sich auf saftige Aufnahmeprüfungen mit höchsten Anforderungen an die Allgemeinbildung und die journalistische Phantasie gefasst machen. Nur wenige von mehreren hundert Bewerbern nehmen diese Hürde. Das zugelassene Höchstalter liegt übrigens bei 28 Jahren!

Wer sich für den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit interessiert, kann sein Glück auch bei Pressestellen (z.B. beim Deutschen Krebsforschungszentrum DKFZ oder beim Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin) versuchen. Auch medizinische PR-(Public-Relations)-Agenturen und PR-Abteilungen von Pharmafirmen bieten Volontariate oder Traineeships an. Wer seine Ausbildung im PR-Bereich gemacht hat, schafft den Sprung in den Journalismus allerdings nicht immer, während der Schritt vom Journalismus in den PR-Bereich in der Regel problemlos möglich ist. Vorsicht also vor einer ungewollten Sackgasse!


VerdienstmöglichkeitenNach oben hoch

Als Medizinjournalist kann man als "Freier", "fester Freier" oder festangestellter Redakteur arbeiten. "Fester Freier" heißt im Journalistenjargon, dass man ohne Festanstellung regelmäßig für einen Fernseh- oder Hörfunksender, eine Zeitung oder Zeitschrift arbeitet und daneben auch für andere Medien tätig sein darf. Viele freie Mitarbeiter haben schwer zu kämpfen, um sich bei Tageszeitungen mit einem Zeilenhonorar von 50 Cent bis 1,50 € ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Nur etwa 5-10% der Medizin- und Wissenschaftsjournalisten arbeiten beim Fernsehen, wo man gut verdienen kann, 90% bei Printmedien und 1-2% beim Hörfunk. Im Printbereich ist das Honorar in der Regel bei Publikumsmagazinen wie SPIEGEL oder GEO und bei Fachzeitschriften wie der ÄRZTE-ZEITUNG höher als bei Tageszeitungen. Für festangestellte Redakteure liegt das Einstiegsgehalt je nach Medienbereich, Berufserfahrung und Verhandlungsgeschick ungefähr so hoch wie das eines Assistenzarztes. Im weiteren Berufsleben sind die Einkommensgrenzen - abhängig von der Qualifikation - nach oben offen.

Auf den Internetseiten des Deutschen Journalistenverbandes gibt es Zusammenfassungen zu Vertragsbedingungen und Honorare, die sich jeder dort herunterladen kann. Für 2002 hieß es:
"Die Höhe der Honorierung orientiert sich in der Regel im Spannungsfeld zwischen der wirtschaftlichen Positionierung des Auftraggebers im Medienmarkt und der Bedeutung, die dem einzelnen Auftrag bzw. der Tätigkeit zugemessen wird. Einige konkrete Beispiele: Ein Routine-Auftrag bei einer kleinen ertragsschwachen Lokalzeitung bringt mitunter weniger als 50 Cent pro Zeile, während ein speziell angeforderter Beitrag für eine bundesweite Tageszeitung mit mehr als 1,50 Euro pro Zeile honoriert wird. Auch liegen die Tagessätze bei kleinen Lokalzeitungen eher um die 150 Euro, während sie bei großen Tageszeitungen um 250 Euro betragen können. Bei kleinen Fachzeitschriften pendeln die Seitenhonorare um 150 Euro, während Publikumszeitschriften um 500 Euro bieten. Kleine regionale Hörfunksender zahlen für eine Moderation in Extremfällen einen Tagessatz von lediglich 150 Euro, während bundesweite Sender umgekehrt weit über 500 Euro bieten."
Quelle: Deutscher Journalisten-Verband e.V. (DJV) - Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

   Externer Link Deutscher Journalistenverband


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