Medizinstudium
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Arzt im Beruf
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| ViaMedici: Warum haben Sie Medizin studiert? |
Meine Motivation war völlig unromantisch: Ich hatte keinerlei "höheren" Intentionen. Der Notenschnitt stimmte, mir fiel gerade nix Besseres ein und meine Eltern hätten es ganz gerne gesehen.

Es war für mich auch nicht gerade spannend am Anfang. Während Anatomie habe ich die Krise bekommen bei all der Auswendiglernerei. Die Liebe zur Medizin kam erst mit der Physiologie. Da dachte ich das erste Mal: "Hey, es geht auch ohne Auswendiglernen, so mit Ableiten, Herleiten und Nachdenken." Ich habe immer mehr Physik und Mathematik nebenher gemacht, aber jedes Semester auch ein Fach in der Medizin entdeckt, das mich fesselte. So fand ich beispielsweise die Augenheilkunde und die Mikrobiologie sehr spannend.
Dann habe ich eine Doktorarbeit in der Physiologie angefangen und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Das meiste ist eine Organisationsfrage.
Vielleicht war ich am Anfang etwas "unedel" in meinen Ansichten zur Medizin, aber ich glaube, dass man auch als Wissenschaftler und Lehrer in der Medizin viel bewirken kann, man muss nicht jeden Tag am Krankenbett stehen. Letzteres kann übrigens nicht jeder gleich gut, selbst wenn er Medizin studiert hat.
| ViaMedici: Was ist Ihr genaues Forschungsgebiet? |
Dass ich mich schlecht entscheiden kann, hat sich auch in meine Forschungstätigkeit eingeschlichen. Wenn ich meine Projekte anschaue, finde ich neben trockener Membranphysiologie und Ionenkanälen abgefahrenen Mikroskopie-Techniken - und auch klinisch relevante Applikationen der verschiedenen Techniken. Es geht um Fragestellungen wie Medikamentenresistenz bei Malaria-Parasiten, Anästhetika-Wirkungen an Neuronen, oder positiv inotrope Strategien bei Herzinsuffizienz. Bei diesen Projekten besteht eine enge Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern.
Meine eigenen Kernprojekte zielen mehr auf die Mechanismen und Ursachen der zellulären Kraftlosigkeit bei erworbenen und vererbten Muskelerkrankungen, hier speziell der Critical Illness Myopathie und der Duchenne Muskeldystropie. Erstere ist eine Erkrankung, die wir immer häufiger auf Intensivstationen als Folge von Sepsis und protrahierter Intensivbehandlung sehen, und die eine Art Organversagen des Muskels mit generalisierten Lähmungserscheinungen darstellt. Letztere ist die wohl bekannteste Form der vererbten Muskeldystrophien. In beiden Fällen untersucht mein Team die Ursachen der Störungen der Membranerregbarkeit des Muskels und der zellulären Calciumregulation. Auch testen wir zur Dystrophie die Wirksamkeit verschiedener Gen-Therapie-Konzepte.

Promoviert habe ich in der physikalischen Chemie über Hochdruckeffekte auf Muskelzellen: Wir haben die Grenzen der Durckelastbarkeit von Säuger-Muskelzellen untersucht. Ich muss zugeben, dass ich das am Anfang einfach nur cool fand. Heute jedoch sehe ich mehr die Zusammenhänge. Die Druckgrenzen der reversiblen Belastbarkeit von Säugermuskelzellen - speziell der Maus - sind erstaunlich nahe dran an Druck-Expositionsprofilen von tauchenden Walen. Eventuell ist hier der Muskel das Tiefen-limitierende Organ.
| ViaMedici: Was ist Ihre Intention in der Lehre? |
Ganz einfach: Ich möchte gute Ärzte ausbilden. Physiologie ist hierbei unerläßlich. Das sag ich meinen Studenten auch immer wieder: Gut aufgepasst in der Physiologie, bedeutet: geschenkt in der Pathophysiologie, Inneren Medizin, Augenheilkunde und anderen Fächern. Ich möchte die Studenten außerdem für Physiologie begeistern, weil mich das Fach begeistert hat. Gerade die Interaktion der Organe sind einfach faszinierend! Der Reiz geht aber leider im Detailwissen und frühen Spezialisieren immer mehr verloren.
| ViaMedici: In Kursen und Praktika betreuen Sie vorklinische Studenten. Was raten Sie aus persönlichen Erfahrungen Ihren Erstsemestern? |
Verliert nicht den Fokus! Bleibt so konkret wie möglich!
Unsere Informationsüberflutung hat dazu geführt, dass man alles downloaden, ausdrucken und abheften kann, im Endeffekt aber immer weniger liest. Es ist zuviel an Information verfügbar. Ich empfehle den Studenten, sich pro Fach in jedem Semester ein Lehrbuch zu holen und dieses - und zunächst nur dieses - konsequent durchzuarbeiten.
| ViaMedici: Was ist Ihrer Meinung nach das interessanteste Forschungsgebiet - abgesehen von Ihrem eigenen? |
Für mich ist das faszinierendste Forschungsgebiet die Entschlüsselung der Sprache von Tieren.
Alternativ- und Ersatzmethoden zu Tierversuchen finde ich auch sehr spannend. Das Töten von Tieren für die Forschung ist für mich bedrückend. Ich selbst würde nie am lebenden Tier forschen.
Ich bezweifele natürlich nicht, dass einige Fragestellungen nur an lebenden Tieren bearbeitet werden können. Auch leugje ich nicht, dass unser Wissen in den letzten Jahrzehnten in der Physiologie durchaus von Tierversuchen profitiert hat. Biomedizinische Forschung läuft aber nicht ohne das eigene Gewissen ab.
| ViaMedici: Forschung im japanischen Meer - wie kam es dazu? |
Das war ein Zufallsprojekt! Ich hatte meine Ergebnisse über die Übertragbarkeit von Hochdruckeffekten bei Muskeln von Landsäugern auf Meeressäuger auf einer Konferenz vorgestellt und dabei einige Kollegen kennengelernt, die an Adaptationsmechanismen bei Tiefseefischen arbeiten.
Ich hatte mich gefragt, wie die Membranphysiologie und Erregbarkeit des Muskels bei Tiefseefischen gegenüber Amphibien und Landsäugern wohl verändert ist. Um dies zu erforschen, musste man wohl dahin, wo die Fische waren. Ein japanisches Team hatte mich dann eingeladen, an einer Expedition teilzunehmen, bei der Fische aus bis zu 1000 Meter Tiefe untersucht werden sollten. Sie müssen die Problematik sehen: Man kann nicht einfach einen Fisch auf dem Fischmarkt kaufen, der ist ja schon seit einiger Zeit tot.

Vor Ort zu forschen bedeutete, das gesamte Labor von zu Hause auf das Schiff zu verfrachten, Kisten packen, Fracht organisieren, Ärger beim Zoll und so weiter, nur um zu sehen, dass an Bord eines Schiffes auf hoher See alles nicht so einfach ist wie im ruhigen und sicheren Labor zu Hause. Wellen, Sturm, Schiffsschwingungen und der Schiffsdiesel taten ihr Übriges, um empfindliche Messungen zu erschweren. Wir haben dennoch zumindest einen kleinen Wissensbeitrag erarbeitet.
| ViaMedici: Sie beschäftigen sich mit der modernen Mikroskopie - was fasziniert Sie daran? |
To see is to believe: Ich hatte lange Jahre nur Elektrophysiologie gemacht. Man kann damit zwar den Kanälen bei ihrer Arbeit zuschauen, indem man Ströme misst und analysiert, ich bin aber eher ein visueller Typ, Grafikdesign und Bildanalyse haben mich schon immer interessiert. Die Möglichkeiten, mit Mikroskopie dynamische Prozesse schnell zu erfassen und spezifisch nachzuschauen, sind eine großartige Ergänzung zur Elektrophysiologie.
| ViaMedici: Was machen Sie in Ihrer Freizeit? |
Metal! Ich suche gerade wieder eine Band zum Schlagzeugspielen. Sieht aber in Brisbane eher schlecht aus!
| ViaMedici: Ihrer Forschung hat immer wieder mit Tauchen zu tun. Tauchen Sie selbst auch? |
Gerade vor Kurzem habe ich hier mal wieder getaucht. Ich warte aber besser auf den australischen Sommer. Kaltes Wasser macht einfach keinen Spaß. Bei meinem letzten Tauchgang war auch grad wieder zufällig ein medizinischer Notfall dabei...
| Kontakt: |
PD Dr. Dr. Oliver Friedrich
c/o University of Queensland, School of Biomedical Sciences, Brisbane, Australia
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