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Interview mit einer Teilnehmerin der BCG Open 2008

Meine Facharztausbildung möchte ich auf jeden Fall abschließen

Daniela Kracht ist Assistenzärztin am Universitätsklinikum Hannover und hat an der BCG Open 2008 teilgenommen. Studenten aus wirtschaftsfremden Studiengängen hatten hier die Möglichkeit, ein großes Beratungsunternehmen kennen zu lernen und zu testen, ob in ihnen die Fähigkeiten für den anspruchsvollen Beraterjob schlummern. Guido Hermanns sprach mit Frau Kracht.


Frau Kracht, würden Sie kurz Ihre medizinische Laufbahn schildern?

Ich habe 1999 angefangen Medizin zu studieren - bis zum Physikum in Hamburg, danach in Heidelberg, wo ich mein Studium abgeschlossen habe. Im PJ bin ich mehrere Monate in New York und Hong-Kong gewesen, jetzt arbeite ich in der Kinderklinik der Medizinischen Hochschule Hannover.


Wie ist in Ihnen der Wunsch entstanden sich auch mal Unternehmensberatungen anzuschauen?

Schon vor mehreren Jahren sind mir die Anzeigen der Boston Consulting Group aufgefallen. Ich habe mein Interesse und meine Neugierde immer beiseite gelegt und gedacht, ein Mediziner habe wenig in der Domäne der Wirtschaftswissenschaftler zu suchen. Den Ratschlag vieler Professoren und Ärzte, bei den Arbeitsbedingungen in Deutschland nach anderen Optionen Ausschau zu halten, hatte ich aber immer im Kopf. Ich wollte endlich sehen, wie der Beruf eines Beraters ist und ob dieser Job nicht vielleicht doch auch eine Option für mich sein könnte.


Für den Workshop BCG Open 2008 haben sich ja über 500 Studenten und Absolventen beworben. Was glauben Sie, hat speziell dazu beigetragen, dass Sie genommen wurden?

Das Unternehmen scheint viel Wert auf Auslandserfahrungen zu legen. Es hat mich immer interessiert, fremde Länder zu bereisen, andere medizinische Systeme kennen zu lernen und meine Fremdsprachenkenntnisse weiter voran zu bringen. Das ließ sich mit dem Medizinstudium sehr gut vereinbaren. Auch die Noten und vor allem der Blick über den Tellerrand scheinen wichtig. Ich interessiere mich sehr für Kunst, male selbst und habe zusätzlich mehrmals mit karitativen Organisationen - zuletzt in Frankreich mit "ATD-Quart Monde" - zusammengearbeitet.


Also könnte man sagen, dass Sie zu den besten zehn Prozent Ihres Jahrgangs zählten?

Ich habe mich nicht mit den Statistiken beschäftigt, aber es ist gut möglich.


Was waren Ihre Erwartungen an den Workshop?

Ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet. Zunächst dachte ich, dass der Workshop eine Art Assessment-Center sein würde, bei dem alle Teilnehmer bewertet werden. Aber letztendlich war es das Gegenteil. 'Wir kennen Sie aus Ihrer Bewerbung schon ganz gut, jetzt wollen wir, dass Sie uns kennenlernen' - war das Motto dieser Veranstaltung. Das war sehr angenehm.


Was hat Ihnen bei BCG Open am besten gefallen?

Ich glaube, am meisten fasziniert hat mich dieser Wandlungsprozess bei der Bearbeitung der Fallstudie. Am Anfang hatte ich keine Ahnung, was von mir erwartet wurde und sollte mit Leuten zusammenarbeiten, die völlig andere fachliche Hintergründe hatten als ich. Zunächst war alles ziemlich chaotisch, alle waren genervt, dass jeder die Aufgabe ganz anders angehen wollte und ich hatte große Zweifel, dass das überhaupt klappen würde. Doch irgendwie haben wir uns zusammengerauft, jeder hat seine speziellen Fähigkeiten in die Teamarbeit eingebracht - und am Ende kamen wir erstaunlicherweise zu einem ganz guten Ergebnis.


Nachdem Sie BCG und den Beruf des Unternehmensberaters nun kennen gelernt haben, könnten Sie sich vorstellen, hier später einmal zu arbeiten?

Ich bin ja immer noch am Anfang meiner Facharztausbildung, die möchte ich auf jeden Fall abschließen. Auch danach werde ich weiter als Ärztin arbeiten wollen, weil mir dieser Beruf sehr viel bedeutet. Ich kann ich mir schon vorstellen, den Job als Berater tatsächlich auszuprobieren. Ich glaube, dass diese Arbeit auch sehr vielfältig und der Umgang mit Menschen und Themen aus anderen Bereichen sehr bereichernd und wichtig sein kann, für die eigene Persönlichkeit und für die Karriere.


Haben Sie noch irgendwelche Tipps an Medizinstudenten, die auch mit dem Gedanken an eine Karriere als Berater spielen?

Ich denke, man sollte es selber ausprobieren und auch unbedingt immer kritisch hinterfragen. Man sollte sich nicht allein von der Aussicht auf ein attraktives Gehalt und einer "heileren Welt" als im Krankenhaus blenden lassen sondern wirklich überlegen, ob das der Beruf ist, in dem man Zeit verbringen möchte. Das ist eine sehr persönliche Entscheidung.

Weitere Informationen

Berufsalternative Unternehmensberatung:

   Externer Link Nicht nur ein Job für Wirtschaftswissenschaftler

 Interview mit einem Projektleiter von BCG
Karriere einmal anders - als Arzt in der Unternehmensberatung
   Externer Link Zum Interview mit Stefan Tuschen

 Interview mit Verena Grundke, Principal und Recruiting Director
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   Externer Link Zum Interview mit Verena Grundke


Der Autor Guido Hermanns studiert Medizin und ist Via medici-Lokalredakteur für Marburg

 
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