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Anthrax (Milzbrand)

aus Duale Reihe: Innere Medizin, 2001

Was erzählen Sie, wenn ein Bekannter Sie als Medizinstudenten fragt, was es denn nun wirklich mit dem Milzbrand auf sich hat? Als Antwort kommt hier ein Ausschnitt des Kapitels Infektionskrankheiten von J.H. Hengstmann aus dem Buch:

Duale Reihe Innere Medizin

LinkDuale Reihe Innere Medizin, 2. Aufl.

Definition

Anthrax bezeichnet eine meist lokale Hautinfektion mit Bacillus anthracis (Milzbrandkarbunkel), nach Inhalation von Sporen entsteht eine Sepsis (Lungenmilzbrand).

Epidemiologie und Pathogenese

Pflanzenfressende Tiere erkranken nach Aufnahme von Bacillus anthracis und versterben nach rasanter Vermehrung des Erregers. Kontamination mit erregerhaltigen Körperflüssigkeiten stellt die meist berufsbedingte Infektionsquelle für den Menschen dar, da Sporen über Jahre z.B. auf den Fellen überleben können. Nach Infektion einer Hautläsion mit den Sporen entwickelt sich ein lokales Ulkus mit Ödem. Extrem selten kommt es zur hämatogenen Aussaat mit Sepsis und Meningitis.

Inhalation von Sporen führt zu Lungenmilzbrand mit rasantem septischem Verlauf. Beide Krankheitsbilder sind sehr selten.

Klinik

Ulzera können zwei bis fünf Tage nach Infektion an allen Körperstellen auftreten, sie beginnen wie ein Pickel. Nach zwei bis drei Tagen entwickelt sich ohne Schmerzen ein Ulkus, das bald von einer schwarzen Kruste bedeckt ist. In der Umgebung bilden sich zahlreiche Bläschen und ein manchmal ausgedehntes Ödem aus. Eiterbildung spricht gegen Milzbrand.

Der Lungenmilzbrand beginnt wenige Tage nach Inhalation als Infekt der oberen Luftwege, um dann rasch in ein hochakutes, septisches Krankheitsbild überzugehen. Auffallend ist im Röntgenbild des Thorax ein verbreitertes Mediastinum bei freien Lungen trotz Dyspnoe, Zyanose und blutigem Sputum.

Alle anderen Formen (Darmmilzbrand, Meningitis und Sepsis) sind extrem selten, bleiben meist unerkannt. Sie zeigen das klinische Bild eines akuten Abdomens, einer Meningitis oder Sepsis.

Diagnostik

Die mikroskopische Untersuchung eines tiefen Abstrichs aus der Läsion läßt schon zusammen mit dem klinischen Bild die Diagnose sehr wahrscheinlich werden. Bestätigung in der Kultur ist möglich. Alles verwendete Material, sei es beim Abstrich verwendet, sei es Verbandsmaterial, muß sorgfältig sterilisiert werden.

Therapie

Schon kurze Behandlung mit Penicillin, 4 x 1 Mega täglich für eine Woche, reicht aus, um die Hautläsion zu sterilisieren und auszuheilen.


Merke: Chirurgische Maßnahmen sind kontraindiziert.

Bei Lungen- oder Darmmilzbrand, Meningitis, Sepsis ist mit Penicillin G, 3 x 10 Mega täglich i.v., frühestmöglich zu beginnen.

Prophylaxe

Ein Risiko in Deutschland ist bei entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen (Luftabsaugung, Sterilisation der Produkte) in industriell verarbeitenden Betrieben praktisch ausgeschlossen. Reisesouvenirs können ein Risiko sein. Eine aktive Impfung ist für Menschen in Hochrisikogebieten möglich. Meldung an die Berufgenossenschaft ist bei berufsbedingte Exposition nicht zu vergessen.

Meldepflicht bei Verdacht, Erkrankung und Tod.

 
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