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Medizinischer Hintergrund zu Tollwut / Rabies

ZNS-Infektion mit dem Rhabdovirus (von 2/05)

Redaktion Via medici online

Tollwut ist eine ZNS-Infektion mit dem Rhabdovirus und wird durch Wild- und Haustiere übertragen. Die Erkrankung hat eine infauste Prognose.

Übersicht


EpidemiologieNach oben hoch

Nach Angaben der WHO erkranken jährlich ca. 1.000 Menschen pro Jahr an Tollwut. Kinder sind besonders gefährdet.


SymptomatologieNach oben hoch

Die Inkubationszeit (10-90 Tage) ist umso kürzer, je größer die Nähe der Bissstelle zum Kopf ist. Nach Prodromalerscheinungen mit

 Kopfschmerzen
 Nausea
 vermehrte Reizbarkeit
 Parästhesien im Bereich der Bissstelle

kommt es bei ungestörter Vigilanz zu

 Dysphagie
  Photo- und Hydrophobie
  epileptischen Anfällen
  und agitiert-aggressivem Verhalten ("Tollwut")

dem innerhalb von Tagen weitere bulbäre Symptome und Paresen der Atemmuskulatur mit letaler respiratorischer Insuffizienz folgen.


ÄthiopathogeneseNach oben hoch

Am häufigsten von Fuchs (80%) und Reh (10%), gelegentlich auch von Katze, Hund und Rind übertragene Infektionskrankheit. Tierische Kadaver können noch nach Wochen infektiös sein. Die Infektion erfolgt über Speichelkontakt, vor allem bei Biss- und Kratzverletzung.
In Südamerika können Menschen gelegentlich auch durch Blut saugende Fledermäuse infiziert werden. Die entzündlichen Veränderungen (Rundzellinfiltrate) befallen besonders das Mittel- und Zwischenhirn, aber auch die Vorderhörner des Rückenmarks im Sinne einer Enzephalomyelitis.


DiagnostikNach oben hoch

Entscheidend ist der anamnestische Hinweis auf die Bissverletzung in einem Tollwutgebiet. Beim erkrankten Tier findet man das Rhabdovirus im ZNS und Speichel. Die Viren sind beim Menschen aus Speichel, Kornealabstrich, Urin und Liquor zu isolieren und durch indirekte Immunfluoreszenz nachzuweisen.


DifferentialdiagnoseNach oben hoch

Abgesehen von agitiertem Verhalten nach banalen Bissverletzungen ("Pseudolyssa hysterica") sind Tetanus und eine Poliomyelitis abzugrenzen.


Therapie und ProphylaxeNach oben hoch

Nach einer Bissverletzung durch ein tollwutverdächtiges Tier muss die Wunde sofort intensiv lokal behandelt werden und die aktive und passive Immunisierung erfolgen. Vor der Exposition empfiehlt sich bei Risikopersonen wie Forst- und Landwirten (und Reisenden in Endemiegebiete - Anm. der Redaktion) eine Impfung.


VerlaufNach oben hoch

Etwa 20% der von einem tollwutinfizierten Tier gebissenen Menschen erkranken an Tollwut. Ist die Tollwut ausgebrochen, beträgt die Letalität 100%; die Patienten sterben nach der Exzitationsphase am dritten oder vierten Tag oder im paralytischen Stadium.

Quelle: Karl F. Masuhr, Marianne Neumann: Duale Reihe Neurologie, 5. Auflage, Georg Thieme Verlag 2004, S. 295

   Externer Link mehr Infos zur Dualen Reihe Neurologie

   Externer Link mehr Infos zur Dualen Reihe Medizinische Mikrobiologie


Vertiefendes Detailwissen zur TollwutNach oben hoch

Abonnenten der Zeitschrift Via medici steht in Via exklusiv das Kapitel "Tollwut" aus dem Buch Tropenmedizin in Klinik und Praxis, 3. völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage 2000, als pdf-Datei zur Verfügung.

LinkDirekt zur Kasuistik Tollwut und zum Buchkapitel
 
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