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Sri Lanka: nach einem PJ-Tertial entsteht ein Hilfsprojekt
Medizinische Geräte für ein Krankenhaus, finanzielle Hilfe für ein Waisenhausprojekt (von 6/05)
Hanne Vogt
Eigentlich wollte sich Andreas Kouklinos während seines Chirurgie-Tertials nur ein fremdes Land anschauen, war gespannt auf die Menschen dort, die Kultur und versprach sich eine sinnvollere Zeit als er sie sich in irgendeinem deutschen OP-Saal vorstellen konnte. Dann lernte er die Menschen kennen, ihre Freundlichkeit, ihre materielle Not, wollte helfen. Er initiierte erste Hilfslieferungen mit medizinischen Geräten. Und dann kam der Tsunami...
Übersicht
| Ein junger Arzt initiiert ein Hilfsprojekt | hoch |
Andreas Kouklinos, Arzt in der chirurgischen Weiterbildung, ist gerade wieder zurück aus Galle/Sri Lanka. Er hat medizinische Geräte und 100 kg Kinderkleidung zu verschiedenen Krankenhäusern gebracht. Und er hat sich die Vorbereitungen für das Hilfsprojekt "Waisenhaus" noch einmal angeschaut, ein Projekt, das er zusammen mit der Caritas initiiert hat und das bald anlaufen soll, langfristig betreut von der Caritas. Er hat befreundete Familien besucht und ist mit viele neue Ideen zurückgekommen, was man noch alles auf die Beine stellen könnte.
Zunächst ohne die Hilfe einer erfahrenen Organisation hat Andreas Kouklinos sein Engagement für Sri Lanka begonnen. Wenn man ihn fragt, wann er sich das erste mal Gedanken über Entwicklungshilfe gemacht hat, dann ist seine Antwort der von so vielen Medizinstudenten ähnlich: Auch er hat sich irgendwann mal vorstellen können mit den "Ärzten ohne Grenzen" Hilfe in Afrika zu leisten - Visionen und Träume dieser Art kennen viele angehende Mediziner.
Wie es dann tatsächlich zu einem Einsatz solcher Größe kam, fällt Andreas Kouklinos fast ein bißchen schwer zu erklären. Denn irgendwie ging alles plötzlich von selbst. "Vielleicht lag es einfach daran, dass ich den Menschen schnell nahe gekommen bin", mutmaßt der junge Arzt. Während seines PJ am Teaching Hospital Karapitiya, Galle, hat er schließlich mit den einheimischen Studenten zusammen gewohnt. "Und im Krankenhaus haben sich alle so wahnsinnig viel Mühe gegeben, dir was beizubringen!", berichtet er und dass seine Begeisterung für dieses Land immer mehr wuchs. Gleichzeitig war er von der materiellen Armut der Bewohner entsetzt. "Der Gedanke, Mensch, was könnten die erst alles möglich machen wenn sie mehr Mittel hätten, ließ mich nicht mehr los.", erzählt Kouklinos bewegt.
| Zuerst nur private Unterstützung für Freunde | hoch |
Noch während seiner PJ-Zeit knüpfte Andreas Kouklinos Kontakte zu einigen seiner Kommilitonen. Gerade zu seinem Mitbewohner Athula Wanigasekara und dessen Familie verband ihn bald eine tiefe Freundschaft und schon seit dieser Zeit half er seinen neuen Freunden finanziell und materiell. Wieder zurück in Deutschland gründete er bald darauf die Organisation "equipmaid". Die nächsten Monate kümmerte er sich darum, alte noch funktionierende Medizingeräte aufzutreiben und nach Sri Lanka zu bringen. Auch ein Waisenhaus sollte unterstützt werden. Insgesamt flog er damals schon 5mal nach Galle mit vielen Sachspenden von Krankenhäusern, Firmen und Privatleuten im Gepäck, zum Beispiel einem Wasserdestillator, Blutzuckermessgeräten oder Pulsoxymetern.
www.equipmaid.org - viele weitere Infos und Bilder
| Der Tsunami - jetzt war Soforthilfe nötig | hoch |
Gerade als Kouklinos von einem seiner Besuche in Galle zurückkehrte, passierte die Katastrophe: am 26.12.2004 rollten die Wellen des Tsunami über die Küsten Sri Lankas und verwüsteten weite Teile schwer. Die ersten richtigen Informationen erhielt er während der Landung am Flughafen in Köln. Entsetzt bei der Vorstellung, dass seinen Freunden etwas zugestoßen sein könnte und entschlossen seine Kontakte vor Ort zu nutzen, flog er sofort wieder mit der ersten LTU-Hilfsmaschine zurück. Die nächsten 2 Monate arbeitete der junge Arzt unermüdlich. Er versorgte die Bevölkerung medizinisch, fuhr von Ort zu Ort, um die wichtigsten Hilfsmittel zu liefern und sammelte parallel dazu Spenden in Deutschland. Er rief die Städte im Ruhrpott auf zu helfen und initiierte so das Interkommunale Hilfsprojekt Waisenhaus Galle: die Städte Gladbeck, Gelsenkirchen und Bottrop sammelten über Spendenaktionen Geld für den Wiederaufbau eines zerstörten Waisenhauses. Auch viele Privatpersonen spendeten, denn das Vertrauen war groß, dass das Geld die Opfer dank des persönlichen Kontaktes auch erreichen würde.
| Langfristige Hilfe | hoch |
Zu der Soforthilfe sind nun auch noch langfristige Hilfsprojekte für die Tsunamiopfer geplant. Neben dem Waisenhaus, welches sich bereits im Bau befindet, werden weitere Häuser für arme Familien wiedererrichtet, diesmal weiter entfernt vom Meer und groß genug für alle Familienmitglieder, die die Katastrophe überlebt haben. "Je mehr Geld zusammen kommt, desto mehr Häuser können wir bauen.", so Kouklinos. Zudem hat equipmaid ein großes Fischerboot gekauft, mit dessen Hilfe sich die Bewohner bald wieder selbst mit Fisch versorgen sollen. Auch der Wiederaufbau eines Tempels wird gefördert. Weiterhin richtete der Arzt einen Fond zur Unterstützung für 58 betroffene Medizinstudenten ein, die zum Teil alles Hab und Gut verloren haben. "Denn nur wenn genug Ärzte vor Ort ausgebildet werden, kann die langfristige medizinische Versorgung funktionieren." Und da auf Sri Lanka die Lebenshaltungskosten und Studienkosten für europäische Verhältnisse sehr niedrig sind, kann schon mit ungefähr 50 Euro im Monat ein Student unterstützt werden.
| Was kann man als Medizinstudent tun? | hoch |
Grundsätzlich helfen natürlich Geldspenden. "Mir ist aber wichtig, dass die Leute verstehen, dass 1 oder 2 Euro schon reichen", sagt der angehende Chirurg. Denn schon kleine Beträge seien in diesem Land viel wert und häufig könne man schon mit einfachen Mitteln die größte Not auf Sri Lanka lindern.
Willkommen seien zudem Medizinstudenten, die einen Teil ihres PJ auf Sri Lanka verbringen wollen und das Interesse und das Engagement mitbringen, bei der Klinikarbeit mitanzupacken. Gerade wer sich während seinem PJ nicht als nutzloser Hakenhalter im OP wiederfinden möchte, so der Kölner, kann hier viel lernen und selber machen, weil Studenten eben gebraucht würden. Neben eigenen Patienten werde in Sri Lanka nach amerikanischem Prinzip viel "bedside-teaching" mit den Studenten gemacht, erzählt Kouklinos, und zwar auf englisch. Bewerbungen schickt man am besten an die University of Ruhuna und bewirbt sich für ein Praktikum im Teaching Hospital Karapitiya, Galle, Sri Lanka.
Medizinische Fakultät der University of Ruhuna
Und wer hier in Deutschland in einem Krankenhaus arbeitet und die Augen erfolgreich nach ausgedienten EKG-Geräten, Pulsoxymetern oder anderen Geräten offen gehalten hat, kann ja auch diese spenden. Für eine unbürokratische Abholung und Spendenquittierung für das Krankenhaus wendet euch bitte an equipmaid.
Die Spendendaten sollen hier genannt werden, eine Spenderliste und weitere Informationen über die Projekte findet ihr aber auch unter
www.equipmaid.org
equipmaid e.V. Kontonummer: 1708222 BLZ: 672 300 00 bei der MLP-Bank Heidelberg Verwendungszweck: Sri Lanka
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