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Artikel vom 09. 06. 2004

Bad Neustadt: Kardiovaskuläres Praktikum

Die etwas andere Famulatur im Rhön-Klinikum (März 2004)

Fotos und Text: Christian Fleischhauer

Vom 01.03.2004 bis zum 31.03.2004 fand in Bad Neustadt in der Rhön eine ganz andere, neue Art der Famulatur für Medizinstudenten statt. Unter dem Namen „Kardiovaskuläres Praktikum“ konnten 30 Medizinstudenten dieses Konzept miterleben.

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Übersicht

Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr, wollte die Rhön-Klinikum AG auch in diesem Jahr angehenden Medizinern eine Perspektive und vielleicht auch einen praxisnahen Ausblick auf den Arztberuf bieten. Aus ganz Deutschland reisten deshalb Medizinstudenten in die Rhön. Vom fünften bis zum zehnten Semester waren Studentinnen und Studenten gekommen. So zum Beispiel aus Berlin, Hamburg, Kiel, Würzburg, Leipzig, Jena, oder auch Dresden.



Bad Neustadt/Rhön an der Saale?Nach oben hoch

Für die meisten Studenten war Bad Neustadt an der Saale bis dahin wohl eher ein unbekannter Fleck auf der Landkarte. Mitten in Franken/Bayern gelegen, macht es einen ruhigen, fast schon verschlafenen Eindruck. Aber hier im „Herzen“ der Rhön hat sich mit der Herz- und Gefäßklinik in fast 20 Jahren eines der größten Herzzentren in Deutschland - außerhalb universitärer Strukturen - entwickelt. Seit 1984 wurden im Klinikum weit mehr als 100 000 Herzkatheteruntersuchungen, 27.000 koronare Interventionen und 53.000 Herzoperationen durchgeführt. Mit modernster Technik ausgestattet, ist die Herz- und Gefäßklinik ein Schwerpunktkrankenhaus, das sich mit Diagnostik, Therapie und Rehabilitation der kardiovaskulären Erkrankungen beschäftigt. Eine besonders hohe Dichte an Spezialisten aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland prägt das Bild der Klinik.



Fehlender Mediziner-Nachwuchs in DeutschlandNach oben hoch

Natürlich hat man auch in der Rhön erkannt, dass der Mediziner-Nachwuchs in Deutschland nicht mehr so leicht zu finden ist. Auch die Motivation der Studenten ist bei den vielen Änderungen im Studium und nicht zuletzt bei allem Ärger um die neue Approbationsordnung ziemlich geschwunden. Ein Ziel des Praktikums sollte somit sein, die Mängel der universitären Ausbildung ansatzweise auszugleichen. Direkter Patientenkontakt und selbstständiges praktisches Arbeiten sind nur einige Elemente, die im heutigen Medizinstudium zu kurz kommen. Da am Standort Bad Neustadt aber auch einige ausgewiesene Hochschullehrer tätig sind, ist das Problem des Studiums nicht unbekannt. Man entschied sich dazu, ein Praktikum anzubieten, das vielleicht einen neuen Weg in der Ausbildung angehender Ärzte aufzeigen könnte.



Warum nun neue Art der Famulatur?Nach oben hoch

Ausbildung am Patienten, abgestimmt mit theoretischen Inhalten und dazu der interdisziplinäre Komplex "Herz, Kreislauf und Gefäße" waren die Leitworte, an denen sich das Praktikum orientierte. Alle Studenten sollten die Möglichkeit haben, die vielfältigen Bereiche der kardiovaskulären Erkrankungen kennen zulernen. Seien es nun die Herzerkrankungen, der Gefäßverschluss oder auch der Schlaganfall. Damit die Studenten auch wirklich in allen Bereichen aktiv werden konnten, haben sich die Koordinatoren etwas Besonderes ausgedacht. Im Rotationsprinzip durchlaufen die Teilnehmer die verschiedenen Fachbereiche. Eingeteilt in kleine Kursgruppen, gab es insgesamt vier große Querschnittsbereiche zu durchlaufen.

Der erste Block bestand aus der Kardiologie. Gefäßchirurgie und Radiologie stellten den zweiten Block dar. Die Kombination von Herzchirurgie und Anästhesie war Inhalt des dritten Blocks. Im vierten Block waren die Studenten in die verschiedenen Bereiche der Neurologie eingeteilt. Ein Wechsel erfolgte zu Beginn jeder Woche. Jeder Teilnehmer hatte somit die Möglichkeit, in allen Fachbereichen Erfahrungen zu sammeln.



Praxis und Theorie kombiniertNach oben hoch

Eine weitere Idee der Organisatoren um Chefkoordinator Prof. Lindenau bestand darin, den praktischen Charakter der Famulatur um theoretische, fallbezogene Inhalte zu ergänzen. Aus diesem Grund gab es nach jedem „Arbeitstag“ ein strukturiertes Seminarprogramm. Bei den Seminaren ging es jedoch nicht darum, den Vorlesungscharakter der Universität zu übernehmen. Vielmehr sollte der Unterricht von den Studenten mitgestaltet werden. Leitsymptome wie Bewusstlosigkeit, Dyspnoe oder Thoraxschmerz wurden von den Dozenten mit den Teilnehmern aktiv diskutiert. Verschiedene Fachvorträge verdeutlichten die „tägliche Arbeit“ während der Famulatur und gaben wichtige Hintergrundinformationen zu den behandelten Krankheitsbildern. Selbst weltweit bekannte Experten, wie der französische Herzchirurg Dr. Perrier, begeisterten mit ihren Ausführungen die Studenten.



Nahtkurs und Einnähen einer HerzklappeNach oben hoch

Als Bereicherung zum Seminarprogramm gab es zudem noch verschiedene praktische Kurse. Neben einem EKG-Kurs, einem Reanimations-Training und einem Intubationskurs war ein weiterer Kurs für alle Studenten ein ganz besonderes „Bonbon“. Die Präparation am Tierherzen und das Einnähen einer Herzklappe stellte für die meisten Teilnehmer wohl das absolute „Highlight“ dar. Gruppen zu je drei Studenten bekamen nach vorheriger Einweisung die Möglichkeit, selbst einmal eine künstliche Aortenklappe einzunähen. Alles war vollkommen realistisch und fast vergaß man, dass es doch „nur“ ein Schweineherz war. Zahlreiche Tutoren standen jederzeit mit Rat und guten Tipps zur Seite. Natürlich war die zeitliche Begrenzung bei diesem Kurs schnell überschritten, was aber keinen störte!


Patientenaufnahmen, Untersuchungen und NähenNach oben hoch

Doch nicht nur die „theoretischen“ Kurse überzeugten in diesem wohl deutschlandweit einzigartigen Projekt. Auch die Praxis und die tägliche Arbeit am Patientenbett kamen nicht zu kurz. Ob nun die Patientenaufnahme in der Kardiologie, die Auswertung von Röntgenaufnahmen oder auch die komplette neurologische Untersuchung. Jeder Student bekam, natürlich auch mit etwas Eigeninitiative, ein umfangreiches Spektrum der Medizin geboten. Selbstständiges Nähen im OP oder das Assistieren bei den verschiedensten Herz-Operationen waren nur einige der jederzeit gern gemachten Tätigkeiten.



Gemeinsame AusflügeNach oben hoch

Leider ging für fast alle die gemeinsame Zeit viel zu schnell vorbei und nach dem einen Monat merkte man, wie gut sich die Teilnehmer doch kennen gelernt und verstanden hatten. Selbst geplante Ausflüge z.B. nach Würzburg oder zum fränkischen Kreuzberg trugen sicher dazu bei, dass unter den Studenten viele gute Freundschaften entstehen konnten. Somit war es wohl fast normal, dass in vielen Gesichtern am gemeinsamen Abschiedsabend auch ein wenig Traurigkeit herrschte. Trotz einiger Abschiedstränen herrschte am Abend eine gute Stimmung. Die Studenten bedankten sich mit einem selbst gedichteten Lied bei allen Dozenten, Koordinatoren und Tutoren für die sehr gute Betreuung. Für alle Teilnehmer stand nach dieser Famulatur fest, dass es eine absolute Bereicherung in ihrer Ausbildung als zukünftige Mediziner war. Vielen half sie zur Entscheidungsfindung, welchen weiteren Weg sie als Mediziner gehen werden und welches Fach den eigenen Interessen am ehesten entspricht.


Auch im nächsten Jahr ist das „Kardiovaskuläre Praktikum“ geplant. Bewerbungen sind jederzeit per Email / telefonisch oder per Post möglich.

Alle Adressen findet man unter:

   Externer Link http://www.herzchirurgie.de


Und wo haben Sie famuliert in Deutschland, Österreich oder in der Schweiz? Schicken Sie uns Ihren Bericht, dann nehmen Sie automatisch an der Verlosung von einem Buchgutschein über 50 € pro Quartal teil!

In Ihrem Erfahrungsbericht sollte eine kurze Beschreibung der Klinik und der Station enthalten sein. Beschreiben Sie einen normalen Tagesablauf und Ihre Tätigkeiten im Speziellen. Schreiben Sie, was Sie gelernt haben und wie Sie betreut waren. Der Bericht sollte auch die Adresse und den Link zur Homepage des Krankenhauses enthalten. Bitte senden Sie Ihren Bericht an:

   E-Mail via.online@thieme.de

 
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