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Artikel vom 27. 06. 2008

Marsberg: Psychiatrie-Famulatur

Alles andere als Füße platt treten

Helena Dohmann

Frustriert und lustlos beendete ich mein 2. klinisches Semester, wir hatten Chirurgie und ich hatte sehr oft das Gefühl, dass die bloße Anwesenheit von Studenten sehr vielen Klinikern auf die Nerven geht. Dementsprechend unmotiviert war ich mich um einen Famulaturplatz zu kümmern. Ich hatte keine Lust, mir womöglich auch noch mit zwei anderen Famulanten die Füße auf einer Station plattzutreten.

Übersicht


Die BewerbungNach oben hoch

Mir war nicht ganz wohl bei dem Gedanken, schon wieder keine Famulatur zu machen. So entschloss ich mich, einen Monat bei meiner Oma einzuziehen und bei Ihr in der Nähe eine Psychiatrie-Famulatur zu absolvieren. Ich fand Psychiatrie und Neurologie schon immer spannend und wollte mir gerne ein Bild von dieser Fachrichtung machen.

Kurz entschlossen rief ich in der Klinik an. Ganz unkompliziert lief dann alles Weitere ab: Ich sendete meine Bewerbungsunterlagen per E-mail an die Personalabteilung, und schon am nächsten Tag hatte ich eine Zusage im Postfach.

Ein Telefonat mit Herrn Dr. Müller-Küppers klärte die letzten organisatorischen Dinge, welche Station mich interessiert, ob ich nur auf einer Station sein wollte oder lieber rotieren, was ich schon kann und was ich mitbringen sollte.


Der erste TagNach oben hoch

Der erste Morgen war etwas chaotisch, da ich trotz Telefonat nicht genau wusste wo ich hinmusste. Aber alle waren sehr hilfsbereit und nett und so bin ich dann doch in der Frühbesprechung angekommen, die jeden morgen um halb neun stattfindet.

Dort durfte ich mich dann selbst kurz vorstellen. Anschließend bin ich mit auf die geschlossene Gerontoneuropsychiatrische Station genommen worden, wo ich die ersten zwei Wochen meine ersten Eindrücke von der Psychiatrie sammelte.


Das ArbeitsklimaNach oben hoch

Mir hat besonders gut gefallen, dass die Ärzte keine Kittel trugen und das ganze Stationsteam sehr stark zusammengearbeitet hat; das habe ich so vorher so noch nicht erlebt. Allerdings hat es auch zu Verwirrungen geführt auf der Gerontoneuropsychatrie: Die älteren Damen und Herren haben nämlich ihrem Besuch immer erzählt, dass sie seit Wochen keinen Arzt gesehen haben.

Das Arbeitsklima habe ich als besonders angenehm empfunden. Ich war die einzige Studentin in der Klinik, und das auch schon seit längerer Zeit, obwohl nahezu paradiesische Zustände für Studenten herrschen, sofern man sich für Psychatrie interessiert und nicht zuviel Nachtleben und kulturelles Programm erwartet. Es ist eine sehr ländliche Gegend, und Marsberg bietet zwar eine sehr gute Eisdiele, aber kulturell sollte man nicht zuviel erwarten.

Es gibt eine Bibliothek in der Klinik, die man meist für sich alleine hat, mit einem großen Antiquariat und auch einigen Büchern aus anderen Fachrichtungen.


Die Patienten und die Arbeit auf StationNach oben hoch

Das Patientenspektrum ist breit: Fast alle psychiatrischen Krankheitsbilder sind in verschiedenen Ausprägungen zu sehen, da die LWL-Klinik ein sehr großes Einzugsgebiet hat.

Die Stationsärztin und der Oberarzt waren sehr bemüht mir alles zu zeigen und zu erklären und auch die Ärzte der anderen Stationen - wenn auf den anderen Stationen etwas Interessantes passierte oder es etwas zu sehen oder untersuchen gab, bin ich angerufen worden.

Für Blutabnahmen war das Labor zuständig und die dazugehörige Internistin Frau Schmeedemann-Haacke (sie ist für die ganze Klinik zuständig), die mir auch sehr viel erklärt hat und sehr engagiert war. Sie kümmert sich gleichzeitig noch um die Pflegestationen die der LWL-Klinik angeschlossen sind.

Im Labor fanden auch die Lumbalpunktionen, EKG und andere Diagnostik statt, an denen ich wenn ich Zeit hatte teilnehmen konnte. Oft bin ich morgens schon um halb acht gekommen und bin dann mit auf die Stationen gegangen, um Blutabnehmen zu üben - das war aber freiwillig.


Das wandelnde LehrbuchNach oben hoch

Die dritte und vierte Woche habe ich auf einer geschlossenen Station für Allgemeinpsychatrie verbracht. Der Oberarzt Dr. Stahl hat mich allerdings oft mit auf die anderen Stationen genommen. Er war wie ein wandelndes Lehrbuch, erzählte gerne und war unermüdlich, mir von Fällen zu berichten und Literatur zu empfehlen. Ich habe oft gedacht das es sehr schade ist, dass er nicht an der Uni unterrichtet.

Spannend war auch die letzte Woche in der ich die Arbeit in die Ambulanz kennengelernt habe, nochmal ein ganz anderer Einblick in die Ärztliche Tätigkeit in der Pychatrie. Von dort aus bin ich auch zwei Tage mit nach Schmallenberg-Bad Fredeburg gefahren, wo es eine zugehörige Tagesklinik und einige Wohngruppen und Pflegeheime gibt.


FazitNach oben hoch

Insgesamt kann ich es nur empfehlen, an dieser Klinik eine Famulatur zu machen. Die Klinik hat neben den Gerontoneuropsychatrischen und Allgemeinpsychatrischen Stationen auch noch mehrere Suchtstationen, auf denen ich selbst nicht gewesen bin.

Eventuell ist es etwas schwierig eine Wohnmöglichkeit zu bekommen, auf Anfrage bei der Klinik erhält man allerdings Unterstützung bei der Suche, möglicherweise sogar ein Zimmer in der Klinik. Ihr müsstet Euch einfach erkundigen.

Als Ansprechpartner ist Herr Müller-Küppers für Famulanten zuständig. Ihr könnt Euch aber auch erst an die Personalabteilung wenden, die leitet die Bewerbungsunterlagen dann weiter.


Adresse der KlinikNach oben hoch

LWL - Klinik Marsberg
Am West 45
34431 Marsberg.
Telefon (02992) 601-1000
Telefax (02992) 601-1399

   E-Mail wkpp-marsberg@wkp-lwl.org

   Externer Link http://www.psychiatrie-marsberg.de

LWL: Landschaftsverband Westfalen-Lippe

 
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