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Artikel vom 11. 03. 2010

Stipendien fürs Medizinstudium

Warum sich eine Bewerbung lohnt

Raphael Schenk

Auslandsaufenthalte, Sprachkurse oder Büchergeld sind nur einige Bereiche, wofür Stipendien angeboten werden. Und wer könnte nicht etwas finanzielle Unterstützung in seinem Studium gebrauchen? Dennoch sind die Bewerberzahlen um Stipendien in Deutschland erstaunlich gering. Begriffe wie "hochbegabt" und "überdurchschnittliche Leistungen" mögen abschrecken, aber stehen die Chancen ein Stipendium zu ergattern wirklich so schlecht?

Übersicht


Stipendium fürs Studium wenig genutztNach oben hoch

Studieren kostet Geld, durchschnittlich etwa 700 Euro pro Monat hat das Deutsche Studentenwerk errechnet. Doch woher kommt dieses Geld?

Vier Hauptquellen sichern die Existenz eines Studenten: Den Großteil der Lebenshaltungskosten deutscher Studenten bestreiten die Eltern. An zweiter Stelle steht der selbstverdiente Lohn aus (Neben-)Jobs. Die dritte wichtige Finanzierungsquelle sind Zuschüsse nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BaföG). Das Stipendium taucht in dieser Liste an Platz vier nur unter "übrige Quellen" auf.

Das Stipendien-Modell, das in anderen Ländern wie den USA längst weit verbreitet ist, steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Die Politik will das ändern.


Neues Stipendiensystem 2010Nach oben hoch

Zum Wintersemester 2010 wird im deutschen Stipendiensystem vieles anders. Neben der BAföG-Erhöhung soll ein neues nationales Stipendiensystem ins Leben gerufen werden, das zehn Prozent aller Studenten mit 300 Euro monatlich fördern könnte. Zusätzlich soll das Büchergeld von derzeit 80 Euro auf 300 Euro monatlich angehoben werden. Ob diese Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist aber noch unklar.


BegabtenförderungswerkNach oben hoch

Aktuell gibt es zwölf sogenannte Begabtenförderungswerke, die sich hauptsächlich aus staatlichen Töpfen finanzieren:

 Cusanuswerk
 Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk
 Evangelisches Studienwerk Villigst
 Friedrich-Ebert-Stiftung
 Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
 Hanns-Seidel-Stiftung
 Hans-Böckler-Stiftung
 Heinrich-Böll-Stiftung
 Konrad-Adenauer-Stiftung
 Rosa-Luxemburg-Stiftung
 Stiftung der Deutschen Wirtschaft
 Studienstiftung des deutschen Volkes.

Wie bereits die Namen vermuten lassen, hat jede Stiftung ihr eigenes Profil im politischen, konfessionellen, wirtschaftlichen oder gewerkschaftlichen Bereich. Eine Ausnahme bildet die Studienstiftung des deutschen Volkes, die überkonfessionell und keiner politischen Richtung zuzuordnen ist.


Bewerbung: Voraussetzungen und AblaufNach oben hoch

Wer sich für ein Stipendium bewerben möchte, sollte sich zuerst Gedanken über seine eigenen Werte und Ziele machen. Denn es macht verständlicherweise Sinn, sich bei einer Stiftung zu bewerben, mit welcher möglichst viele ideelle Übereinstimmungen bestehen.

Im Prinzip steht es jedem Studenten offen, sich selbst für ein Stipendium bei einer der Stiftungen zu bewerben. Bei einigen wenigen Stiftungen muss man von seiner ehemaligen Schule oder einem Dozenten der Universiät vorgeschlagen werden. Wichtig: Die Voraussetzung für eine Bewerbung sind nicht zwingend überdurchschnittliche Noten, es hilft aber.

Das Bewerbungsverfahren ist meist zwei- bis dreistufig. Es beginnt mit einer ausführlichen schriftlichen Bewerbung, der Einzelgespräche und schließlich ein Auswahlwochenende folgen. Als gemeinsames Ziel beschreiben alle Stiftungen die "individuelle Förderung hoch motivierter, qualifizierter und auch außerfachlich engagierter junger Studierender und Promovierender".


Angebote und LeistungenNach oben hoch

Die Angebote der verschiedenen Stiftungen ähneln sich in ihren Grundzügen und unterscheiden sich nur in den Details voneinander. Die drei Hauptleistungen aller Stiftungen sind:

 »finanzielle Förderung,
 »Auslandsförderung
 »ideelle Förderung

Die finanzielle Förderung orientiert sich am Bafög-Satz plus aktuell 80 Euro Büchergeld. Die Auslandsförderung beinhaltet Zuschüsse oder die Vollfinanzierung von Auslandspraktika, Sprachkursen und Auslandssemestern. Die ideelle Förderung besteht aus fächerübergreifenden Fortbildungsangeboten, Sommeruniversitäten etc.


Eine Bewerbung lohnt sichNach oben hoch

So abschreckend die hochgesteckten Voraussetzungen und Bewerbungskriterien der einzelnen Stiftungen auf den ersten Blick erscheinen, so sehr lohnt es sich über eine Bewerbung zumindest nachzudenken. Denn welche Jobanzeige stellt nicht ähnlich "abschreckende" Ansprüche an die Bewerber? Wer persönlich Stipendiaten kennt, der wird mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass auch sie nur "ganz normale Menschen" sind.


Nur Mut!

Drei Argumente für eine Bewerbung

 Das Kriterium "überdurchschnittliche Noten" wird von Medizinstudenten meist schon durch die Zugangsvoraussetzungen zum Studium erfüllt.
 Die Fördertöpfe wurden kürzlich aufgestockt: Damit haben sich die Bewerbungschancen um fast fünfzig Prozent erhöht.
 Selbst bei einer erfolglosen Bewerbung kann man wertvolle Erfahrungen sammeln und sich für spätere Auswahlsituationen schulen.

Welche Stiftungen gibt es noch?Nach oben hoch

Neben den Begabtenförderungswerken finden sich noch eine Vielzahl anderer Stiftungen, die ihr eigenes Profil und Bewerbungskonditionen haben. Einen guten Überblick angefangen von ortsgebunden Stipendien bis hin zu fächerspezifischen Angeboten bietet die Site www.stipendienlotse.de.


Weiterführende LinksNach oben hoch

Infos und Adressen von Studienstiftungen bei Via medici online:

   Externer Link Studienstiftungen in Deutschland (mit Adressen)

   Externer Link Studienstiftungen in Österreich (mit Adressen)

   Externer Link Wie erhalte ich ein Stipendium und was bringt es mir?


Weitere Linktipps:

   Externer Link Informationsseite der 12 Begabtenförderungswerke

   Externer Link Alle Stipendien bundesweit


Info: StipendienNach oben hoch

Laut Angaben des Bundesministerium für Bildung und Forschung sind für Stipendien der Begabtenförderungswerke im Jahr 2009 132,3 Millionen Euro bereitgestellt worden. Im Jahr 2005 waren es nur 80,5 Millionen Euro.


Raphael Schenk studiert Medizin in Witten und ist Via medici online-Lokalredakteur.


 
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