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Artikel vom 15. 12. 2008

Sprecherrat der Medizinstudenten im Marburger Bund

Interview mit Patrick Weinmann: Mitsprache ist wichtig

Eleni Sturm

Der Marburger Bund setzt sich seit Jahren für die Interessen von Ärztinnen und Ärzten hartnäckig ein. Dabei haben auch angehende Mediziner bereits während des Studiums ein Mitspracherecht: In ihrem eigenen Sprecherrat können engagierte Medizinstudenten sich für bessere Studienbedingungen einsetzen und dabei ihre Ideen und Wünsche vortragen und durchsetzen.

Bild
Patrick Weinmann,
Vorsitzender des Sprecherrates
Foto: Privat

Übersicht

Der Sprecherrat der Medizinstudenten im Marburger Bund vertritt die Interessen der rund 16.000 studentischen Mitglieder des Verbandes. Patrick Weinmann studiert Humanmedizin an der UKE Hamburg und ist seit 2005 Vorsitzender des Sprecherrates der Medizinstudenten. In einem Interview mit Eleni Sturm, Via medici online-Lokalredakteurin für Ulm, berichtet er von der Arbeit des Verbands.


InterviewNach oben hoch

Hallo Patrick, wie bist du auf den Marburger Bund und auf die Möglichkeit, im Sprecherrat aktiv mitzuwirken, aufmerksam geworden?

Ich bin zwei Wochen nach meiner Immatrikulation Mitglied im Marburger Bund geworden. Während meiner vorherigen Tätigkeit im Rettungsdienst hatte ich mit vielen Ärzten zu tun und habe deren zum Teil verheerende Arbeitsbedingungen miterlebt - ich wollte mich von Beginn meines Studiums an dafür einsetzen, dass es so nicht weiter geht und bin also erst mal Mitglied in dem zuständigen Interessensverband geworden. Mir wurde schnell klar, dass auch in der Ausbildung zum Mediziner Optimierungspotential vorhanden ist, da entdeckte ich eine Anzeige des Landesverband Hamburg in der Verbandszeitung. Für den Studentenvertreter im Landesvorstand wurde ein Nachfolger gesucht. Damit war ich als Landesvertreter im Sprecherrat und ein Jahr später wurde ich zum Vorsitzenden gewählt.


Welches sind die Ziele, für die du dich mit deiner Arbeit besonders einsetzt?

Erst einmal ist es wichtig, den Anliegen der Studierenden an den richtigen Stellen Gehör zu verschaffen. Bei unserem studentischen Engagement geht es mir in erster Linie darum, faire Rahmenbedingungen und eine hohe Ausbildungsqualität durchzusetzen. Durch diese zwei Aspekte bekommen wir im Ergebnis zufriedene und motivierte Ärztinnen und Ärzte, welche eine hochwertige Patientenversorgung gewährleisten können. Und auch in der Zukunft, also im Anschluss an das Studium, ist der MB der richtige Partner: "Mit rund 108.000 Mitgliedern ist der Marburger Bund die einzige tariffähige Ärztegewerkschaft in Deutschland und Europas größte Ärzte-Organisation mit freiwilliger Mitgliedschaft. Im Mittelpunkt der Interessenvertretung stehen unter anderem der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und leistungsgerechte Vergütung in Krankenhäusern, die Karriereförderung von Ärztinnen und der Einsatz für eine praxisnahe Medizinerausbildung."


Welche Erfolge kann der Sprecherrat in seiner bisherigen Arbeit verbuchen?

Zu Beginn meines Engagements war der "Arzt im Praktikum" noch Thema - wie bekannt konnte seinerzeit die Abschaffung durchgesetzt werden. Während der großen Ärztestreiks haben wir unsere zunkünftigen Kolleginnen und Kollegen vor Ort unterstützt und uns dafür eingesetzt, dass die Kommilitonen keine Nachteile, z.B. durch Lehrausfall, hatten. Wichtig war für uns auch der Kampf gegen Studiengebühren - hier haben wir in den betroffenen Bundesländern durchgesetzt, dass Mediziner während des PJ keine Studiengebühren an ihre Universitäten zahlen müssen. Überhaupt konnten wir in den vergangenen Jahren große Erfolge bei der Verbesserung des Praktischen Jahres verbuchen: So ist eine Bezahlung des PJ inzwischen in vielen Kliniken Realität. Mit den Helios-Kliniken konnten wir diese sogar vertraglich vereinbahren, zunächst auf 400 Euro und jetzt eine Erhöhung in zwei Stufen auf 700 Euro monatlich.
Ganz allgemein kann ich aber auch sagen, dass es schon ein großer Erfolg ist, im Rahmen des Marburger Bundes unseren Anliegen Gehör zu verschaffen. Dadurch bekommen die Interessen der Medizinstudierenden eine Plattform dargeboten, welche sowohl von politischen Entscheidungsträgern als auch den Medien registriert und ernst genommen wird - bestes Beispiel ist unsere Skelett-Aktion vor wenigen Wochen in Berlin. [Via medici berichtete]


Hast du das Gefühl, dass deine Forderungen ernst genommen werden und du in der Verbandsarbeit etwas bewegen kannst?

Wir haben in den vergangenen Jahren viel erreicht und konnten unsere Themen gut platzieren und mit einfließen lassen. Von einer Vorstellung musste ich mich allerdings verabschieden: in der Politik geht fast nichts von heute auf morgen. Auch wenn man denkt, dass bestimmte Dinge ganz selbstverständlich sein sollten, ist häufig viel Überzeugungsarbeit und Hartnäckigkeit notwendig. Die Gemengelage an Interessen ist einfach unglaublich komplex und vielfältig in der Gesundheitspolitik. Dafür sind wir meines Erachtens nach sehr erfolgreich.


Wie viel Gewicht hat deine Stimme bei verbandspolitischen Abstimmungen?

Auf den Hauptversammlungen des MB haben wir die Möglichkeit, als ganz normale Landesverbandsdelegierte mit Stimmrecht teilzunehmen und Anträge einzureichen, über die der gesamte Verband abstimmt. Wichtige Belange aus dem Sprecherrat werden zuvor auch im Bundesvorstand diskutiert und gegebenenfalls direkt von diesem als Antrag in die Hauptversammlung gegeben.


Wie genau ist der Sprecherrat zusammengesetzt?

Der Sprecherrat besteht aus studentischen Mitgliedern, die im Landesverband aktiv sind und von diesem entsandt werden. So sollten möglichst alle Bundesländer und medizinische Fakultäten vertreten sein.


Kann man in jedem Studienabschnitt bereits beitreten?

Natürlich kann man in jedem Studienabschnitt mitmachen, denn nur so ist ja gewährleistet, dass die Interessen von Anfang an vertreten werden - auch in der Vorklinik kann noch einiges verbessert werden, da wird mir jeder Medizinstudent zustimmen. Unterstützt werden wir auch von den hauptamtlichen Mitgliedern des Bundesverbandes, wie Juristen.


Welchen persönlichen Nutzen ziehst du aus deiner Arbeit im Marburger Bund?

Im Vordergrund steht für mich natürlich die Begeisterung dafür, zu sehen, wie wir etwas bewegen können und wirkliche Vorteile für unsere Kommilitonen Realität werden. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass ich immer "up to date" bin, was gesundheits- und tarifpolitische Themen betrifft.

Kontaktstudentenseminar in BerlinFoto: Agnes Baj
Kontaktstudentenseminar in Berlin
Foto: Agnes Baj


Macht es auch Spaß, sich zu engagieren, oder ist es überwiegend "Arbeit"?

Klar sind manche Sitzungen auch anstrengend, bereiten aber auch eine große Zufriedenheit, wenn man danach Ergebnisse vorweisen kann. Außerdem kommt natürlich, wenn viele junge Leute zusammen sind, der Spaß nie zu kurz. Wir treffen uns mehrmals jährlich, wie etwa vor kurzem beim Kontaktstudentenseminar - das ist natürlich sehr spannend, Studenten aus ganz Deutschland kennenzulernen. Es macht Spaß Meinungen auszutauschen, zu diskutieren und dann ein gemeinsames Ergebnis präsentieren zu können. Leute, die etwas bewegen wollen, sind bei uns gut aufgehoben.


Angenommen, einige Leser dieses Artikels bekommen auch Lust, sich für ihre Zukunft einzusetzen. Wann, wo und wie können sie dies tun?

Interessenten können jederzeit eine E-Mail an ein Mitglied des Sprecherrates oder an ihren Landesverband schicken. Die Adressen sind auf den Internetseiten des Verbandes verlinkt. Unser Ziel ist es auch, in Zukunft an jeder Uni sogenannte Kontaktstudenten des Marburger Bundes zu haben, so dass wir bundesweite Protestaktionen besser koordinieren können. Jeder kann da etwas tun - je früher, desto besser!


Sollte jeder angehende Mediziner bereits zu Studienzeiten dem Marburger Bund beitreten?

Ja, auf jeden Fall! Jedes Mitglied stärkt den Verband und sein Gewicht bei Forderungen an politische Entscheidungsträger! Die Mitgliedschaft ist für Studenten in den meisten Landesverbänden kostenlos.


Patrick, herzlichen Dank für das Interview!


Weitere InformationenNach oben hoch

Also am besten gleich Mitglied werden:

   Externer Link MB Mitgliedschaft Studenten

Alle wichtigen Informationen über die Arbeit der des Sprecherrates der Medizinstudenten findet ihr hier:

   Externer Link Studenten im Marburger Bund

LinkHomepage des Bundesverbandes

Abgesehen von den Forderungen des Marburger Bundes für alle Medizinstudenten gibt es auch eine gezielte Förderung für ausgewählte benachteiligte Studenten, die mit einem Stipendium in Höhe der Studiengebühren unterstützt werden:

   Externer Link MB fördert studentische Mitglieder individuell

   Externer Link Medizinstudium in Ulm

 
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