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Artikel vom 24. 06. 2010

Krankenpflegepraktikum HNO an der Uni Münster

Schwester, können Sie mir helfen? (Januar - März 2010)

Vanessa Bücker

Pünktlich um acht Uhr betrete ich an meinem ersten Tag die Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Münster. Die stellvertretende Pflegedienstleitung bringt mich zu meiner Station D-E, und ich werde immer nervöser.

Übersicht


Tausende GedankenNach oben hoch

Tausende Gedanken kommen mir in den Sinn: Brauchte ich wirklich keine eigene Dienstkleidung? Was ist, wenn ich mit zwei alten, eingesessenen "Schrabnellen" Dienst habe? Werde ich mich dusselig anstellen und nur Fehler machen?

Und dann komme ich in den "Glaskasten", dem Überwachungsraum des Pflegepersonals, und werde von drei jungen Männern empfangen: zwei Pflegern und dem Zivi. Da die Station C momentan renoviert wird, geht hier einiges drunter und drüber - und die drei, versetzt von der C, haben selbst noch Probleme, sich auf der Station zu orientieren.


Ein perfekter Start.


Die ersten Schritte zu einem gelungenen PraktikumNach oben hoch

Einen Teil meines Praktikums hatte ich bereits in Ecuador abgeleistet. Nun wollte ich in Münster den restlichen Teil bewältigen. Nach all den schaurigen Erzählungen meiner Freunde vom Pflegepraktikum hier in Deutschland grauste es mir ein wenig vor diesem Part. Doch eine Freundin empfahl mir, das Praktikum in der HNO der Uniklinik meiner Heimatstadt Münster zu machen. Ein wahrer Geheimtipp!

Nach einem kurzen Telefonat mit der Pflegedienst- und Stationsleitung wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, zu dem ich Lebenslauf und Bewerbungsschreiben mitnahm. Das Vorstellungsgespräch war eher eine formelle Sache und das Praktikum schnell unter Dach und Fach.

Anschließend musste ich mich bei der Arbeitsmedizin für einen kurzen Gesundheitscheck und zur Blutentnahme zur Verfügung stellen. Ich wurde daraufhin per Post über gegebenenfalls notwendige Auffrisch-Impfungen hingewiesen, die man kostenfrei beim Betriebsarzt erhält.

Und dann hieß es schon: Das Praktikum kann kommen!


Größe und Abteilungen des KrankenhausesNach oben hoch

Die Abteilung für HNO an der Uniklinik gliedert sich in fünf Stationen: eine primär für Privatpatienten, eine für "Langlieger" wie zum Beispiel Tumorpatienten, eine kleine Observationsstation mit drei Betten, eine größere Erwachsenenstationen und eine kleinere, die mit der Kinderstation zusammengelegt ist - letztere ist Station D-E, auf der ich gearbeitet habe. Diese Station verfügt über zwanzig Betten verfügt, davon sechs Kinderbetten.

Aufgrund baulicher Veränderungen war zu meiner Praktikumszeit immer eine Station geschlossen, was zu einer höheren Bettenbelastung und vermehrter Personal-Rotation geführt hat.


Die ersten TageNach oben hoch

Nachdem ich meine Arbeitskleidung erhalten hatte, ging es sofort los. Das Einarbeiten ging schnell, auch wenn mir wohl oft ein großes Fragezeichen ins Gesicht geschrieben stand - vor allem wenn im medizinischen Abkürzungsjargon von SPL, TE und LE gesprochen wurde.

Da hieß es dann zum Beispiel bei der Übergabe: "Patientin W. auf der 25 II, die mit der UVPP, TE und KH-Fensterung vom 26. und der Blutstillung am Gaumenboden vom 29., ist wieder stabil. RR muss mehrfach kontrolliert werden, da die Patientin unter arterieller Hypertonie leidet. Sie leidet übrigens auch unter OSAS und ist HepB-Überträgerin, aber nicht infektziös."

Und ich nur so: Ahjaaa, natürlich, klar …

Aber auch dieses Hindernis war dank nettem Team schnell überwunden - und man glaubt es kaum, aber am Ende verstand ich alles und konnte sogar selbst mitreden.


TätigkeitenNach oben hoch

Als Krankenpflegepraktikantin ist man vor allem eines: Mädchen für Alles. Neben den typischen Aufgaben wie Essen austeilen, Betten machen, Patienten pflegen und waschen, Vitalzeichen kontrollieren, fällt vor allem eine wichtige Aufgabe an: Laufen, laufen, laufen - zur Klingel rennen, Patienten ihre Zimmer zeigen, Patienten zu Untersuchungen bringen, Botengänge zum Labor erledigen, Kaffee holen, Betten in den Aufwachraum bringen, OP-Transporte begleiten, weitere Botengänge und und und.

Aufgrund meiner Ausbildung als Sanitäterin durfte ich zum glück nach einigen Stunden schon recht viel eigenständig machen, so zum Beispiel Infusionen vorbereiten, Infusionen abstöpseln und periphere Venenkatheter (PVK) verbinden.

Typische Pflegeaufgaben fallen auf der Station eigentlich kaum an, dennoch verbrachte ich viel Zeit bei den Patienten und versuchte, deren Fragen zu beantworten und kleinere und größere Probleme zu lösen. Doch wenn der Perfusor piepste oder die Braunüle schmerzte, blieb mir hinsichtlich meiner (noch) nicht ausgebildeten Kompetenz nur eine Möglichkeit übrig: kompetent eine Schwester rufen. Am Ende bleibt man doch nur Praktikantin.

Als Praktikantin hatte ich jedoch einen Vorteil gegenüber dem Pflegepersonal und dem Ärzte-Team: Ich hatte in der Regel Zeit für die Patienten, konnte auf ihre individuellen Bedürfnisse und Wünsche eingehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Praktikantin typischerweise schnell "Liebling der Station" wird - auch wenn man als Frau von den Patienten wider besseren Wissens stets als "Schwester" angesprochen wird.


"Und, haben Sie gestern die Auswanderer geschaut?"Nach oben hoch

Ich hatte das Glück, auf meiner Station ein nettes Team anzutreffen; sowohl Pflegepersonal wie auch Ärzte waren sehr umgänglich. Ihr solltet keine Scheu haben nachzufragen - wobei dies nicht immer nötig ist, denn viele Ärzte und Pflegekräfte versuchten von sich aus, mir etwas beizubringen - auch über meine Tätigkeiten als Praktikantin hinaus.
So durfte ich zum Beispiel bei Visiten und Untersuchungen zuschauen (und assistieren), und ich hatte sogar das Glück, zweimal mit in den OP zu dürfen: Einmal durfte ich bei einer Parotidektomie (Entfernung der Ohrspeicheldrüse) zuschauen, das andere Mal sogar bei einer Laryngektomie (Entfernung des Kehlkopfes) bei vorhergehender Neck dissection und anschließender chirugischer Einsetzung der Stimmprothese. Dabei lernte ich die Anatomie des Kehlkopfes im wahrsten Sinne des Wortes anschaulich.

Mein kuriosestes Erlebnis im OP war, als sich Folgendes ereignete: Dunkler OP-Saal, alle starren gespannt auf den Patienten, und ich versuche mich nicht dumm anzustellen. Es ist totenstill, schon seit fast einer Stunde. Lediglich die Anweisungen der recht wortkargen Ärzte hallen hier und da durch den Raum. Konzentration liegt in der Luft, dann meldet sich einer der operierenden Ärzte zu Wort: "Und, haben Sie gestern die Auswanderer geschaut?" Ne, hatte natürlich keiner.
Dann war es bis zum Ende der OP wieder still.


ErfahrungenNach oben hoch

... die ich mitnehme:
Das Praktikum hat mir gezeigt, wie anstrengend der Beruf des Pflegepersonals und der Ärzte sein kann. Allein das Weckerklingeln um halb fünf hat mich an einigen Tagen beinahe um den Verstand gebracht. Und dennoch war ich noch nie so überzeugt von meinem Berufswunsch, wie während und nach diesem Praktikum.

Es war ein überaus lehrreiches Praktikum, das mir hinsichtlich medizinischer Fertigkeiten und im Umgang mit Patienten um Meilen mehr gebracht hat als das Auslands-Praktikum in Ecuador. Ich habe keinen Tag bereut, das Praktikum in der HNO hier in Deutschland gemacht zu haben und würde es jederzeit wieder machen.

Wirklich niemand hat mir das Gefühl gegeben, dass ich nur "die kleine Praktikantin" bin, stattdessen wurde ich vollkommen ins Team integriert.

Am Besten jedoch war: Die Dankbarkeit der Patienten zu spüren.


KontaktNach oben hoch

Hier noch Anschrift und Kontaktperson für Interessenten an einem Pflegepraktikum in der HNO der Uniklinik Münster:

    Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
    Kardinal von Galen Ring 10
    48149 Münster
    Tel.: +49 (0)251 / 83 - 5 68 0
   Externer Link http://klinikum.uni-muenster.de/

Fr. Beate Schlüter-Rickert (Dipl. Pflegewirtin)
Stationsleitung: Klinik für HNO-Heilkunde
Tel.: +49 (0)2 51 / 83 - 5 25 77

   E-Mail beate.schlueterrickert@ukmuenster.de

 
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