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Artikel vom 13. 10. 2003

Pflegepraktikum im Sultanat Oman: Auch Scheichs müssen gepflegt werden (2)

Pädiatrie, Chirurgie und OP-Abteilung im Royal Hospital

Martin Winkler

Ob Chirurgie oder Pädiatrie, die Zeit in Oman war sehr lehrreich

Übersicht


Eine gut durchorganisierte AusbildungNach oben hoch

Bei meiner Ankunft wurde ich am Flughafen vom Medical Superintent empfangen, der für die weitere Zeit mein Hauptansprechpartner bleiben sollte. Die administrative Seite des Aufenthalts war ausgesprochen lobenswert. Man hatte bereits vor meinem Eintreffen eigens für mich eine Art Curriculum für die Zeit meines Praktikums erstellt. Man war jedoch so flexibel, jederzeit auf von mir geäußerte Wünsche oder Anregungen einzugehen und diese in den Verlauf einzuplanen, so dass mir größtmögliche Einblicke gewährt wurden.

Ich kann jeden nur ermutigen, sich entsprechend zu artikulieren, da es für Ausländer oftmals schwierig ist, den Begriff "Pflegepraktikum für Medizinstudenten" richtig zu deuten. Dadurch besteht jedoch eine erhöhte Chance, dass man sehr frühzeitig einen Einblick in ärztliche Tätigkeiten erhält, da man eben ein "stud. med." ist, dies ist in Deutschland ja nicht immer der Fall. Von den Krankenschwestern wurde man ohnehin immer "Tabib" gerufen, was soviel heißt wie Doktor.

Vielleicht lag dies auch daran, dass man mir nur einen weißen Arztkittel zur Verfügung stellen konnte, da alle anderen Dienstkleidungen für nordischen Teutonen zu klein waren! Kleiner Tipp: Bei einem Besuch besser eigene Sachen mitbringen.

Das Programm im Einzelnen

Das von der hauseigenen Nursing School erarbeitete Curriculum wurde mir am ersten Tag überreicht, es enthielt die Punkte, die man mir gerne in der Pflege beibringen und zeigen wollte:

 1. Reception and admission of patients
 2. Observation and reporting
 3. Recording of necessary information
 4. Personal Clenliness and hygiene
 5. Care of skin, hands, teeth, hair and feet
 6. care of ambulant patient
 7. Feeding helpless patient
 8. Preparation of examination of eyes, ears, nose, mouth, throat, rectum and genital tract
 9. Collection of specimens
 10. Urine testing
 11. Taking and charting vital signs
 12. Bed making, moving and lifting patients
 13. Care of patients in bed
 14. Relief of pressure and prevention of skin abrasions
 15. Care of mouth
 16. Care of patient requirering isolation
 17. Prevention of cross infection
 18. Fluid intake and output
 19. Administration of drugs
 20. Preparation and administration of enemas and suppositories
 21. Administration of oxygen and other inhalants
 22. Aseptic techniques
 23. Sterile procedures, e.g. dressing, catherterisation
 24. Subcutaneous, intramuscular and intravenous injections

Weiter Themen waren:

 1. Nurse - Patient Relationship
 2. Attitudes and Values
 3. Techniques
 4. Behavioural Objectives

Zusammen mit der Pflegeleitung erarbeitete ich schließlich ein individuelles Programm, welches mich in die folgenden Abteilungen führte:

 2 Wochen "male surgical"
 1 Woche Pädiatrie
 1 Woche Operationsabteilung

Die Pflegeabteilung
Die Pflegeabteilung

In jeder Abteilung war man natürlich als deutscher Exot immer etwas Besonderes und musste ständig erklären, was man hier macht und wie man den Oman findet. Alle Mitarbeiter der Klinik behandelten mich stets sehr zuvorkommend, hilfsbereit, interessiert und freundlich. Mit einigen von ihnen werde ich sicher auch weiterhin in Kontakt bleiben.


Male SurgicalNach oben hoch

In den ersten zwei Wochen lernte ich die Pflege von Patienten kennen, an denen ein chirurgischer Eingriff vorgenommen wurde. Nahezu alle Abteilungen sind im Oman getrennt nach "male" und "female" aufgebaut, dies beruht auf der muslimischen Tradition. Die Station hat 32 Betten und betreut Patienten der allgemeinen Chirurgie (akute Appendizitis, Hernien etc.).

Die Schwesternloge
Die Schwesternloge

Ferner werden Dialysepatienten behandelt, denen eine Shunt-Operation bevorsteht. Patienten mit gefäßchirurgischen Problemen, sowie solche, die an chronischen Wunden leiden, werden ebenfalls behandelt.

Bei den Krankenzimmern handelt es sich teils um Sechsbettzimmer, teils gibt es jedoch auch Einzelzimmern. Ebenso gibt es einen VIP Trakt, der mit der Präsidentensuite einem Fünfsterne Luxushotels vergleichbar ist. In vier Zimmer Suiten werden hier die Patienten rund um die Uhr betreut. (sehr beindruckend). Neben einen Gästeempfangsraum stehen dem Patienten ein Wohnzimmer, Badezimmer und Ankleidezimmer zur Verfügung.

Die Zimmer
Die Zimmer

Neben der Arbeit hatte ich genügend Zeit, der ärztlichen Visite zu folgen und, da viele Studenten auf den Stationen waren, auch an täglichen Lehrveranstaltungen teilzunehmen.

Meinem Wunsch, Patienten auf dem Weg vom prä-, über den operativen, als auch den postoperativen Teil zu beobachten bzw. wurde gerne entsprochen. Bei meinem Besuch im OP haben mir dann die Ärzte bereitwillig und viel erklärt, die Eindrücke sollten in der letzten Arbeitswoche noch vertieft werden.

Frühaufsteher gefragt

Der Dienst beginnt um 7.30 Uhr und endet um 14.30 Uhr, gegen ein paar freie Tage hatte aber keiner etwas einzuwenden. Der Ablauf der Pflege unterschied sich nicht wesentlich von der in Deutschland. Die Versorgung kann zum Teil sogar besser erfolgen, da es mehr Personal gibt.

Die Versorgung ist teilweise besser als in Deutschland

So gibt es beispielsweise einen befrackten Cateringservice, der die Patienten stets mit Essen versorgt. Die Patientenbetreuung unterscheidet sich oft auch darin, dass es im Oman viele Großfamilien gibt, die entweder Verwandte zur zusätzlichen Pflege entsenden, oder einfach ständig für jedwede Art der Betreuung da sein können. Ich hatte den Eindruck, dass sich viele Familien sehr um den Kranken bemühen, teilweise sogar selbst auf dem Stuhl oder dem Boden neben dem Kranken übernachten.

Kulturelle Unterschiede

Kulturelle Unterschiede kann man im Oman natürlich auf Schritt und Tritt feststellen. Einen wirklichen Kulturschock bekommt man neben separierten Abteilungen, maskierten Frauen und allgegenwärtigen, betenden Gläubigen jedoch nicht. Die Menschen sind hier offen, tolerant und aufgeschlossen und freuen sich über jeden jungen Mediziner aus Deutschland.


Die PädiatrieNach oben hoch

Meine zweite Abteilung war die Kinderchirurgie. Die gesamte Pädiatrie zählt 100 Betten. Auf der chirurgischen Station wurden z. T. sehr interessante Fälle behandelt, die oft durch Erbschäden hervorgerufen wurden, da es hier durchaus gängig ist innerhalb der Familie zu heiraten, vor allem in ländlichen Regionen.

Die vorwiegend indischen Ärzte beantworteten mir auch hier stets meine Fragen und hatten für ein Gespräch - anders als in Deutschland - immer Zeit.

Die Pädiatrie/ Brutstation
Die Pädiatrie/ Brutstation

Die englische Pflegeleitung der Kinderstation stand ebenfalls immer zur Verfügung und eine morgendliche Kaffeepause wurde Usus. Die Leitung organisierte im übrigen auch hier einen Besuch im OP.

Interessant waren auch hier wieder die Beobachtung der Kinder vor und nach dem chirurgischen Eingriff. Es blieb oft Zeit sich auch näher mit den Kindern zu befassen, zu spielen etc., was sie immer dankbar annahmen. Neben jedem Patientenbett der Viererzimmer gibt es ein weiteres für einen Elternteil, wobei man darauf achten musste, dass kein Vater alleine unter Müttern war.


Die OperationsabteilungNach oben hoch

In der einen Woche im OP habe ich ganz unterschiedliche Eingriffe gesehen. Am ersten Tag wurde eine Bypassoperation am offenen Herzen durchgeführt - für mich, der ich bislang noch kaum Erfahrungen habe, ein wirklich interessanter Eingriff. Die kardiologischen Chirurgen haben sich viel Zeit genommen und ich wurde danach direkt noch zu einer Schrittmacheroperation eingeladen - eine gute Vorbereitung für den Präpkurses im zweiten Semester.

OP/ Bypass
OP/ Bypass

An den darauffolgenden Tagen habe ich im wesentlichen die verschiedene Chirurgen begleitet, so habe ich weiterhin Laparoskopien, pädiatrische Eingriffe, gefäßchirurgische und allgemeinchirurgische Operationen verfolgt.

Die Besichtigung eines OPs im Oman sollte man nicht versäumen, die Geräte sind häufig aus Deutschland und recht modern, die Chirurgen durchaus mit denen in Deutschland vergleichbar. Die zu beobachtenden Unterschiede liegen im Detail, beispielsweise gab es keine hygienisch zu reinigenden Schuhe, oder es waren bis zu 13 Personen in einem OP - für mich allerdings gut, da ich so sehr viel beobachten konnte.


FazitNach oben hoch

Abschliessend kann ich sagen, dass der Aufenthalt sehr spannend war. Mit vielen neuen Eindrücken konnte ich wieder abreisen. Für mein Englisch war die Reise sehr nützlich. Die Menschen sind wirklich ausgesprochen hilfsbereit und dies ohne jegliche Berechnung.

Als einzigen Wermutstropfen habe ich nur das wirklich ruhige Muscat in Erinnerung, was sich allerdings nach einer Woche mit den neugewonnenen Bekanntschaften weitesgehend legte. Ich empfehle allerdings einen Aufenthalt mit mehreren Freunden und stelle jederzeit gerne den Kontakt zum Royal Hospital des Oman her.
Meine E-Mail-Adresse:

   E-Mail winkler.ms@gmail.com


Wo muss ich mich bewerben?Nach oben hoch

Die Bewerbung richtet man an:

    The Royal Hospital
    Ministry of Health
    Sultanat of Oman
    P.O. Box 1331 Postal Code 111
    Phone +968 592888
    Fax +968 594460
   Externer Link http://www.royalhospital.med.om

    Kontakt: Dr. Mario Carmo de Souza
    Advisor, Hospital Administration
   E-Mail drmario@omantel.net.om

Sonstiges:

 - Versicherungen: keine besonderen - aber Auslandskrankenversicherung
 -Vergütung: keine
 -Sprachkenntnisse: Englisch; Arabisch ist nicht notwendig
 -Visum: über omanische Botschaft in Bonn

Bildquellen: www.royalhospital.med.om und mit freundlicher Genehmigung der Krankenhausleitung des Royal Hospital Oman


Zum Teil 1: Unterbringung, Visum und mehrNach oben hoch

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