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Zuletzt geändert am 18. 11. 2005

Leserbriefe zum Thema PJ

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Leserbrief von Bastian Walz (Tübingen)

Sehr geehrte Mitarbeiter der VIAMEDICI-Redaktion,

nach ausführlichen und nicht weniger werdenden Berichten über die Situation des Ärztemangels in Deutschland (u.a. Ärzteblatt Heft 12/2004 S.797), möchte ich hiermit einen kleinen Beitrag zu der stets begleitenden Ursachenforschung leisten.

An der Spitze der beklagten Gründe, weshalb die jungen Mediziner zunehmend weniger in der Patientenversorgung tätig sein wollen, stehen laut veröffentlichten Umfragen die große zeitliche Belastung und die dafür allzu niedrige Bezahlung, ebenso Bürokratie, hierarchische Strukturen etc..

Hier möchte ich nun aber eines zu bedenken geben: Die richtungweisende Frage der zukünftigen Berufsorientierung stellt sich für die angehenden Ärzte erstmals grundsätzlich am Ende ihres Medizinstudiums, dem Praktischen Jahr. Die Zustände, die die Studenten in diesem inzwischen letzten Abschnitt ihrer Ausbildung erfahren scheinen mir in den vielen Diskussionen über die große Misere der „Ärzteabwanderung“ in den letzten Jahren jedoch unterschätzt worden zu sein.

Die PJ-Studenten sollen laut AO nach fünf Jahren Studium und etlichen Famulaturen ganztätig ausgebildet werden bzw. arbeiten und es dabei hinnehmen hierfür keinerlei Bezahlung (kein Lohn, kein Fahrtgeld etc.) zu bekommen. Im Gegenteil: die Studenten müssen bis auf wenige Ausnahmen für eine Unterkunft, einen Parkplatz und teils auch für die Kost selbst aufkommen. Wegen des Studenten-Status unterliegen sie nicht dem Bundesurlaubsgesetz und bekommen lediglich zwanzig „Fehltage“ gutgeschrieben, von denen auch Krankheitstage abgehen. Sie haben häufig wegen ihres Alters keinen Anspruch mehr auf Bafög, aber wegen der Arbeitsbelastung auch keine Kraft am Wochenende noch mittels Nebenjobs Geld zu verdienen - natürlich außer denen, die es müssen, da sie z.B. schon Kinder zu versorgen haben oder keine ausreichende elterliche Unterstützung bekommen.

In den meisten Universitätskliniken war es bis vor kurzem oder ist es teils noch bis heute sogar so, dass sich die Lehrkrankenhäuser für die Aufnahme und Ausbildung der Studenten über bis zu 10.000€/Student/Jahr freuen konnten bzw. können, wie VIAMEDICI berichtete. D.h. konkret, sie haben fast fertig ausgebildete Studenten als kostenlose Praktikanten und damit zukünftige Angestellte auf Probe, für ein Jahr zur Ansicht sozusagen, und werden zusätzlich finanziell bezuschusst - unter den heutigen Arbeitsmarktbedingungen sicherlich nicht gerade zu vernachlässigende Bedingungen.

Dies alles wirkt nachvollziehbarer Weise auf die Nachwuchsmediziner nicht gerade einladend. Wie ist es begründbar, dass gerade die Studenten der Medizin während ihres „Referendariats“, dem Praktische Jahr, noch Studenten-Status tragen und damit auf ein Angestelltenverhältnis und gesetzlichen Mindesturlaub verzichten müssen? Ihre akademischen Kollegen der Rechtswissenschaft und der Lehrämter aber als Rechtsreferendare (Beginn nach vier Jahren Universitätsstudium) oder Lehramtsanwärter Angestelltenverhältnisse genießen können?

Laut aktuellen Umfragen von VIAMEDICI unter PJ-Studenten wird die Ausbildung in deutschen Kliniken nur von 26% als sehr gut empfunden, hingegen werden Tertiale in der Schweiz durchweg von der Hälfte der Studenten sehr gut benotet - könnte das u.a. mit der Tatsache der dortigen Bezahlung zusammenhängen?

Also stellt sich die Frage, ob man in der medizinischpolitischen Ursachensuche nicht auch eine Verbesserung des Praktischen Jahres mit Abschaffung des Studenten-Status anstreben sollte, um den Medizinern nicht schon von Anfang an das Gefühl zu geben, ihre Leistungen am Patientenbett würden nicht ordnungsgemäß honoriert. Es scheint so, als ob die Studenten selbst zu diesen Änderungen im Moment zumindest durch die Evaluationen und Umfragen anderer einen Teil beisteuern können.

Mit freundlichen Grüßen
B.Walz

 
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