Das elektronische Zweitgedächtnis
Literaturverwaltungssoftware
aus Deutsche Universitätszeitung (duz) Oktober 2007, Autorin: Nicole Tepasse
Literaturverwaltungssoftware kann Wissenschaftlern die Arbeit enorm erleichtern. Allerdings sollte man genau wissen, wozu man sie braucht und was sie leisten soll, denn das Angebot ist riesig. Ein wenig Geduld ist also erforderlich, um genau das passende Programm zu finden. Die duz gibt Tipps für eine erfolgreiche Suche.
Übersicht
| Feinheiten können entscheidend sein | hoch |
Literaturverwaltungssoftware kann den wissenschaftlichen Arbeitsalltag enorm erleichtern. Doch welches Programm passt zu wem? Welche Software leistet was, wo liegen die Schwächen? Das Angebot ist groß: Bibliographix, Citavi, EndNote, Jabref, LiteRat, LitLink, Reference Manager, Visual Composer oder der Zettelkasten à la Luhmann. Wichtig ist zu wissen, worin die Unterschiede bestehen. Manchmal sind es nur Feinheiten, doch die können entscheidend sein.
Folgendes Szenario dürfte dem einen oder anderen bekannt vorkommen: Beim Schreiben an der Habilitation, der Konzeption eines Aufsatzes oder der Vorbereitung auf einen Vortrag stapeln sich auf dem Schreibtisch Bücher, Ordner, lose Zettel. Wo stand bloß dieser Aufsatz, der genau zum Thema passt? Aber war er überhaupt so gut, wie man es sich jetzt gerade einredet, wo er nicht auffindbar ist? Und jetzt? Was tun?
Während die einen die Ärmel hochkrempeln, die Papierstapel durchkämmen und entweder irgendwann fündig werden oder aber resignieren, schieben die anderen die Stapel zur Seite, machen Platz für den Computer und starten dann ihre Literaturverwaltungssoftware. Wenn man sie richtig nutzt, ist dort in kürzester Zeit nachzulesen, worum es in dem Aufsatz genau ging, welcher Artikel außerdem interessant wäre und ob man sich noch mal auf den Weg in die Bibliothek machen muss.
| Die Qual der Wahl | hoch |
Auch wenn alle Programme bei der Literaturverwaltung helfen, können einige eben noch viel mehr und haben vielleicht auch Funktionen, die man gar nicht braucht und die deshalb alles unnötig verkomplizieren. Deshalb ist es entscheidend zu wissen, was man mit diesem Programm will: Genügt es einem, Literatur einfach zu erfassen, sich also eine elektronische Literaturübersicht zu erstellen? Ist es in Ordnung, wenn jedes Buch und jeder Aufsatz eingetippt werden müssen oder wünsche ich mir eine Software, die Online-Datenbanken durchsuchen kann und mit deren Hilfe ich per Klick einen Titel gleich im richtigen Format in meine Übersicht übernehme? Oder geht es mir eher um Wissensverwaltung, um ein Zweitgedächtnis, wie Niklas Luhmann es genannt hat?
Aber auch wenn man weiß, was man mit der Software anstellen möchte und was sie leisten soll:
| Die Auswahl zwischen verschiedenen Programmen bleibt. |
| Recherche in Online-Datenbanken | hoch |
Viele kommen eher per Zufall zu dem Programm, mit dem sie arbeiten. So war es auch bei Jessica Erbe, die das Programm EndNote für ihre Dissertation benutzt hat. Weil das Programm an ihrem Arbeitsplatz, dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, benutzt wurde, hat sie auch damit gearbeitet und sich deshalb gar nicht weiter mit anderen Programmen beschäftigt: "Das Programm ist relativ selbst erklärend, zumindest wenn man mit einem Computer umgehen kann. Außerdem konnte ich mich ja mit meinen Kolleginnen austauschen, wenn ich Fragen hatte."
Von großem Vorteil ist EndNote zum Beispiel bei gemeinsamen Forschungsprojekten oder Publikationen, denn Literaturdaten können unter verschiedenen EndNoteNutzern ausgetauscht werden.
Zusammengefasst gehört das englischsprachige Programm EndNote eher zu den Programmen, die tatsächlich fürs Bibliographieren gedacht sind und nicht so sehr der inhaltlichen Erschließung von Texten dienen. Dieses Programm bietet zum Beispiel den Komfort der OnlineRecherche in vielen Datenbanken.
Seit 2006 arbeitet Erbe in Bonn am Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Mit dem Wechsel nach Bonn kam auch der Wechsel zu einer neuen Literaturverwaltungssoftware. Am BIBB wird mit der Freeware-Version von Bibliographix gearbeitet. "Ich würde gerne mit den kompletten Funktionen von Bibliographix arbeiten, aus Kostengründen haben wir hier bislang nur die Freeware-Version verwendet." Der Vorteil der kostenpflichtigen Version: Mehrere Nutzer können gleichzeitig auf eine Datenbank zugreifen und auch die Recherche in Online-Datenbanken ist möglich.
| Viele Programme abgespeckt im Internet | hoch |
Viele Programme wie etwa Bibliographix, Citavi und EndNote sind in einer kostenlosen Version im Internet zu haben - allerdings dann immer in abgespeckter Form im Vergleich zur Vollversion. Gerade das kann aber den entscheidenden Unterschied ausmachen. Citavi hat auch in der kostenlosen Version alle Funktionen der kostenpflichtigen Version (eine Lizenz kostet 77 Euro), allerdings bietet die kostenlose Version nur Platz für 100 Einträge. EndNote bietet ebenfalls alle Funktionen in der Demoversion. Diese Version kann man dann aber auch nur 30 Tage testen. Eine Lizenz für EndNote ist mit 240 Euro eher teuer.
Mit der Vollversion von Bibliographix arbeitet der Diplom-Politologe Robert Mengel. "Ich habe mir schon vor meiner Diplomarbeit die Frage gestellt, ob eine Literaturverwaltung nicht nützlich wäre. Ich habe mich dann unter Kommilitonen umgehört, im Internet recherchiert und mich für Bibliographix entschieden." Auch für seine Dissertation arbeitet er jetzt mit diesem Programm und ist vor allem mit dem technischen Support sehr zufrieden: "Binnen weniger Stunden bekommt man auf alle Fragen eine kompetente Antwort per E-Mail." Kein unwichtiger Punkt, wenn das Programm mal nicht so will wie man selbst.
Diese Hilfe gibt es allerdings nur für Nutzer der Vollversion, die 100 Euro kostet und damit im Vergleich zu den Vollversionen von EndNote und Reference Manager (240 Euro) eher noch günstig ist. Auf der Internetseite von Bibliographix gibt es außerdem ein Blog, in dem man weitere Anregungen zur Nutzung des Programms finden kann.
Ein Minus sind nach Auskunft von Mengel die Updates des Programms: "Es kommen immer neue Funktionen dazu, die man zum einen vielleicht gar nicht benötigt und die natürlich auch auf Kosten der Übersichtlichkeit gehen."
Interessant ist Bibliographix auch deshalb, weil das Programm die Zitierweisen und Regeln zahlreicher wissenschaftlicher Zeitschriften kennt. Plant man also gerade eine Veröffentlichung, kann man seinen Beitrag gleich in der entsprechenden Form schreiben.
| So finde ich das passende Programm | hoch |
| | • | Was will ich? Wozu brauche ich das Programm? Reines Bibliographieren, Recherche in OnlineDatenbanken, Wissensverwaltung? |
| | • | Wie viel will ich ausgeben? Reicht eventuell die kostenlose Version? Wie teuer sind die Updates meiner Software? |
| | • | Welche Software verwenden Kollegen? Welche Software wird am Institut verwendet? Das kann den Austausch von Daten erleichtern. Vielleicht bekomme ich die Software über eine Institutslizenz auch kostenlos. |
| | • | Wer hilft bei Fragen und Problemen? Bei der ProgrammAuswahl sollte man auf einen guten technischen Support achten. Dabei entscheidend: Wie ist der Support erreichbar, wie viel kostet er? In welcher Sprache ist das Programm? |
| | • | Einfach mal durchtesten: Kostenlose Versionen beziehungsweise Demoversionen gibt es von allen Programmen. |
Hilfreiche Hinweise, welche Software die richtige sein könnte, gibt auch Gilbert Plugowski auf seiner Internetseite, zu finden unter:
http://www.literaturmanagement.net
Plugowskis Interesse für Literaturverwaltungssoftware hat mit seiner Diplomarbeit begonnen. "Ich habe eine effektive Lösung zur Verwaltung meiner umfangreichen Literaturquellen und noch wichtiger der Zitate sowie für Textfragmente, Online´-Texte und PDF-Dateien gesucht. Daraus entstand dann eine gewisse Leidenschaft für das Thema und damit die Internetseite." Hilfreich und interessant ist seine Kategorisierung der Programme in solche, die mit geringem Aufwand ein kleines Ergebnis liefern bis hin zu Programmen, für die man viel Zeit benötigt, um sich richtig einzuarbeiten und sie dann optimal nutzen zu können, so Plugowski.
Die Wahl bleibt schwierig. Wer unsicher ist, sollte verschiedene Programme kostenlos ausprobieren. Das ist zwar aufwendig. Am Ende können sich aber Zeit und Geduld lohnen, wenn man die optimale Literaturverwaltungssoftware für die eigenen Ansprüche und Wünsche gefunden hat.
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Ausgewählte Literaturverwaltungsprogramme finden Sie in Form einer Liste hier:
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