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| Der Peer-Review-Prozess |
Fast das gesamte Forschungswissen, die neusten Erkenntnisse und Theorien werden in wissenschaftlichen Zeitschriften (Journals) veröffentlicht. Nature, The Lancet oder das New England Journal of Medicine sind mit die bekanntesten Beispiele unter zahllosen Journals.
Wer seine Ergebnisse publik machen will, reicht sie bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift ein. Der Autor schickt sein Manuskript zuerst zum Editor des Journals. Dieser prüft die Qualität der Arbeit und bestimmt Gutachter (Reviewer). Die Gutachter bewerten die Forschungsarbeit kritisch (Peer-Review) und schicken ihre Anmerkungen zurück zum Editor. Dieser entscheidet dann letzten Endes, ob das Journal das Skript publizieren will oder nicht.
Nicht alles wird veröffentlicht
Jeder Wissenschaftler möchte so gut und so viel wie möglich publizieren. Bekannte Journals veröffentlichen aber nur einen Bruchteil der eingereichten Arbeiten.
Das kann daran liegen, dass die Arbeit thematischen und qualitativen Ansprüchen nicht entspricht oder aber die Anzahl der Anfragen an das Journal einfach zu hoch ist. Neue Forschungsthemen werden es ebenso schwer haben wie unbekannte Forscher. Gute Kontakte zu Editoren oder Reviewern können da einiges erleichtern.
Auch der Editor ist möglicherweise daran interessiert, Forschungsergebnisse zu blockieren oder zu veröffentlichen. Aus vielen Arbeitsgruppen hört man, dass Arbeiten nicht publiziert werden, weil sie Forschungsprojekte des Editors berühren, bzw. dessen Arbeiten widerlegen. Dass die eigenen Arbeit aus persönlichen Interessen des Reviewers oder Editors abgelehnt wurde, lässt sich allerdings schwer beweisen.
"Man sollte nicht zu viele Feinde haben, wenn man schnell und gut publizieren will", so ein Dozent der Heidelberger Universität.
Korrekturwünsche der Journals
Es ist nicht selten, dass das Skript mit Korrekturwünschen des Journals zurückgeschickt wird: Ergebnisse müssen überarbeitet, Auswertungen und Versuche ergänzt werden. Das kann für den Doktoranden unangenehme Folgen haben: Monate nachdem er seine Arbeit eingereicht hat, muss er neue Versuche durchführen. Bis zur Publikation der Daten können schon mal 6-12 Monate vergehen.
Dieser Prozess kann nicht beschleunigt werden. Es ist nicht möglich, ein Skript mehreren Journals gleichzeitig anzubieten! Erst wenn ein Journal das Manuskript abgelehnt hat, kann man seine Arbeit beim nächsten Journal einreichen.
| Journal ist nicht gleich Journal |
Es gibt eine große Anzahl wissenschaftlicher Journals. Allein das Institute for Scientific Information (ISI) wertet in seiner Datenbank über 16.000 internationale Journals aus.
Um wissenschaftliche Zeitschriften miteinander vergleichen und bewerten zu können, werden verschiedene Kennwerte berechnet, einer der gebräuchlichsten ist der Impact Factor. Dieser Faktor beschreibt die Frequenz, mit der eine Zeitschrift in den letzten zwei Jahren zitiert wurde. Das Institute for Scientific Information (ISI) berechnet und veröffentlicht Impact Factor und ähnliche Bewertungskriterien.
Die Berechungsmethode hat Schwächen. Die vom ISI ausgewählten Zeitschriften (Source Journals) können sich selbst zitieren und erhöhen dadurch ihren Impact Factor. Alle anderen Journals (Cited only-Journals) sind auf "fremde" Zitate angewiesen, denn nur die Zitate der Source Journals fließen in den Impact Factor ein.
Das ISI wertet fast nur englischsprachige Zeitschriften aus. Kleine Fachrichtungen oder neue Forschungszweige werden nicht oft zitiert und haben daher einen geringen Impact Factor.
Trotz aller Schwächen spielt der Impact Factor an deutschen Universitäten eine große Rolle. An der Uni Kiel wird beispielsweise aus dem Impact Factor ein "persönlicher kumulativer Impact Factor" errechnet. Dieser ergibt sich aus der Summe aller Impact Factors dividiert durch die Anzahl der Publikationen. Wer in Kiel habilitieren will, sollte viel und mit hohem Impact Factor publizieren.
| Von Publikationen hängt viel ab |
Veröffentlichungen in renommierten Zeitungen dienen nicht nur dem Doktoranden. Auch der Doktorvater profitiert davon, dass sein Name in einer Publikation erscheint.
Vom Impact Factor hängen unter Umständen die Verteilung von Forschungsgeldern, Drittmitteln und Berufungen an eine Uni ab. Wie oft und in welchem Journal ein Name erscheint, kann über die wissenschaftliche Zukunft eines Forschers entscheiden.
An der Uni Homburg/Saar muss ein Habilitand beispielsweise mindestens 10 wissenschaftliche Publikationen einreichen. Bei allen Artikeln muss der Autor an bevorzugter Stelle stehen (erster, zweiter oder letzter Stelle), bei mindestens 5 Publikationen als Erstautor erscheinen. Das kann unter Umständen zu Problemen zwischen Doktorvater und Doktorand führen, wenn es darum geht, wessen Name an erster Stelle steht.
| Wer ist Erstautor? |
Wer soll auf der Publikation an erster Stelle stehen? Der, der die Versuche durchgeführt hat oder der Verfasser des Manuskriptes oder doch der Doktorvater? Die Frage der Erstautorenschaft führt immer wieder zu Streit.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft äußert sich zu diesem Thema wie folgt:
| "Autorinnen und Autoren wissenschaftlicher Veröffentlichungen tragen die Verantwortung für deren Inhalt stets gemeinsam. Eine sogenannte "Ehrenautorschaft" ist ausgeschlossen. [...] |
| Als Autoren einer wissenschaftlichen Originalveröffentlichung sollen alle diejenigen, aber auch nur diejenigen, firmieren, die zur Konzeption der Studien oder Experimente, zur Erarbeitung, Analyse und Interpretation der Daten und zur Formulierung des Manuskripts selbst wesentlich beigetragen und seiner Veröffentlichung zugestimmt haben, d.h. sie verantwortlich mittragen." |
["Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" (Januar 1998)]
Eine einheitliche Rechtsnorm gibt es nicht. Urheberrecht, Persönlichkeitsrechte und das Hochschulrecht wirken hier zusammen.
Um dieses Problem zu lösen, gibt es zum Beispiel an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) die "Grundsätze der Medizinischen Hochschule Hannover zur Sicherung guter Wissenschaftlicher Praxis", die sich an oben genannte Richtlinie der DFG orientiert. Wissenschaftliche Mitarbeiter, die im Bereich Forschung und Lehre arbeiten, müssen diese Grundsätze mit ihrer Unterschrift bestätigen.
Auch die Autorenreihenfolge ist in einer Leitlinie der MHH geregelt: Doktoranden haben dann einen Anspruch auf Erstautorenschaft, wenn sie das Manuskript der Publikation weitgehend selbst verfasst haben. Sollte die Doktorarbeit Teil eines größeren Projektes sein, fällt die Erstautorenschaft denjenigen Wissenschaftlern zu, die das Manuskript erstellt haben.
Die Erstautorenschaft offen ansprechen
Um Missverständnissen und Problemen vorzubeugen, sollten Doktorand und Doktorvater die Frage der Autorenschaft zu Beginn der Promotion besprechen und klären. Am besten besorgt sich der Doktorand die Bestimmungen seiner Uni. Auch andere Hochschulen neben den MHH bieten verbindliche Richtlinien zum wissenschaftlichen Arbeiten an.
| Publizieren um jeden Preis? |
Publizieren um jeden Preis! Diese Maxime scheint für viele Wissenschaftler zu gelten. Natürlich kann eine Publikation die Promotionsnote verbessern, die wissenschaftliche Karriere fördern und das Bewerbungsschreiben aufwerten.
Aber lohnt sich die Mühe? Wer nur am Titel interessiert ist, sollte sich das gut überlegen. Es vergeht in der Regel eine Menge Zeit und Frust, bevor die eigene Promotion publiziert wird. Wer allerdings später in der Forschung arbeiten will, dem bleibt keine Wahl. Um Peer-Review, Impact Factor und Journals kommt er nicht herum!
| Ob publizieren oder nicht: Wer eine Entscheidung trifft, sollte dies in voller Kenntnis der Vor- und Nachteile tun! |
| Links zum Thema |
Leitlinie der DFG:
Weiterführende Links zu Impact Factor und Peer-Review-System:
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Literaturtipp aus dem Georg Thieme Verlag |
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