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Artikel vom 13. 02. 2012

Promotion- Gespräch mit einem Enttäuschten

Düpiert statt promoviert

Das Gespräch führte A.Töpfer

Doktorarbeiten sind ein schwieriges Thema. So richtig Spaß machen sie selten. Akten wälzen, tagelang vor dem Computer sitzen, Tabellen erstellen und sich an Statistik versuchen. So haben viele ihre Dissertation in Erinnerung. Für den Titel "Dr. med." nimmt man all das stillschweigend in Kauf. Doch wenn die viele Arbeit dann auch noch umsonst ist, ist der Frust riesig. Dieses Schicksal ereilte auch Manuel Müller*. Er hat bereits während des zweiten Studienjahres mit einer Doktorarbeit begonnen. Vier Jahre und etliche investierte Stunden später, hat er die Übung abgebrochen. Wie es soweit kam, lest Ihr in folgendem Interview:

Via medici: Wie sind Sie damals zu Ihrer Doktorarbeit gekommen?

Manuel Müller: Das war Ende 2007. Ich habe mich in einem großen Herz-Zentrum vorgestellt und angefragt, ob ich eine Doktorarbeit dort machen könnte. Der damalige Chef sagte zu und es dauerte ein halbes Jahr bis der Betreuer festgelegt und das Thema grob umrissen war. Der Betreuer, erst Stationsarzt und im Verlauf Oberarzt, hat mir versprochen, die Arbeit würde schnell über die Bühne gehen.

Via medici: Was für Arbeiten mussten Sie genau machen?

Manuel Müller: Für die Doktorarbeit musste ich schon bestehende Daten erfassen und auswerten. Ich habe über Wochen Informationen aus dem Kellerarchiv gesucht, Laborwerte und sonstige Untersuchungsbefunde kopiert. All das habe ich in eine große Datei gefügt, aus der die Ergebnisse errechnet werden sollten. Mein Betreuer hat mir einen Statistiker versprochen, der mir die Daten hätte auswerten sollen. Es kam leider anders. Ich musste die Daten selbst auswerten, konnte dabei lediglich einen Statistiker bei Unklarheiten fragen. Oft wurden meine Fragen jedoch nicht beantwortet.

Via medici: Wann hat die Arbeit an der Dissertation zu harzen begonnen?

Manuel Müller: Am Anfang lief es relativ gut. Der E-Mail Kontakt mit meinem Betreuer war rege. Er sagte mir, meine Arbeit könne bei entsprechendem Engagement bis zum August 2009 fertig sein. Da habe ich mich natürlich reingehängt. Habe alle Daten gesammelt und schon einen Teil der schriftlichen Arbeit verfasst. All diese Unterlagen habe ich auf einen Stick geladen und meinem zuständigen Oberarzt gegeben. Sobald er die Daten hatte, war es ihm komischerweise sehr wichtig sofort alles zu speichern und in das Programm SPSS zu exportieren, von wo sie dann ausgewertet werden konnten. Ab diesem Zeitpunkt habe ich keine Rückmeldung zu meiner Arbeit mehr bekommen. Das fand ich schon eigenartig. Wenn ich neu anfragte, ob er meine Unterlagen durchsehen könne, hieß es nur: "Zu viel zu tun, aber bis Ende nächsten Monats lese ich die Dokumente bestimmt!" Das ging dann ganze zwölf Monate so!

Via medici: Was haben Sie unternommen?

Manuel Müller: Ich habe einfach immer wieder per E-Mail und telefonisch nachgefragt. Das Praktische Jahr kam langsam näher und ich wollte die Arbeit gerne vorher abschließen. Der Oberarzt meinte auch, das sei kein Problem und er würde alle Unterlagen durchsehen. Aber selbst dann passierte nichts. Ich habe im Krankenhaus zu arbeiten begonnen, ohne je eine Korrektur meiner bisherigen Arbeit bekommen zu haben. Das war frustrierend.

Via medici: Hat Ihr Betreuer Ihnen das mangelnde Interesse jemals erklärt? Können Sie es sich erklären?

Manuel Müller: Nein, er hat mir nie erläutert was los ist. Er hat mich nur immer auf den nächsten Monat vertröstet. Ich selbst kann es mir auch nicht wirklich erklären. Ich habe sogar noch einen Versuch gestartet die Arbeit fertig zu stellen und bin für zwei Wochen direkt auf die Abteilung gegangen. Mein Betreuer meinte, er sei anwesend und bereit mir zu helfen. Es stellte sich aber heraus, dass er 1000 andere Termine hatte. Unter anderem einen Vortrag in Barcelona, von wo er den Flug verpasste und auch noch später zurückkam. Das war etwas kurios. Von der groß angekündigten Zeit, war also nichts mehr übrig. Nicht einmal ein abschließendes Gespräch kam zustande. Da ist mir das Ganze zu bunt geworden. Ich habe beschlossen die Doktorarbeit abzubrechen - trotz etlicher investierter Wochen während insgesamt vier Jahren! Was ich mir vorstellen könnte, ist, dass der Betreuer einfach die Daten haben wollte.

Via medici: Sind die Daten für eine andere Publikation verwendet worden?

Manuel Müller: Bisher nicht, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass es noch passiert. Ich fand es einfach eigenartig, dass der Kontakt quasi direkt nachdem ich die Daten abgegeben hatte, abgebrochen wurde.

Via medici: Wie sind Sie vorgegangen, als Sie beschlossen hatten die Arbeit abzubrechen?

Manuel Müller: Ich habe eine E-Mail an meinen Betreuer geschrieben. Darin habe ich ausgeführt, dass ich durch die lange Wartezeit keinen Fortschritt meiner Doktorarbeit sehe und sie deshalb abbreche. Geschickt habe ich die Nachricht gleichzeitig auch an den Chefarzt der Abteilung, die Promotionsbeauftragte und den Dekan der Fakultät. Etwas anderes kann man nicht tun. Ich habe keine Anlauf- oder Hilfestelle gefunden, an die man sich bei Problemen wenden kann.

Via medici: Haben Sie schon von ähnlichen Fällen gehört?

Manuel Müller: Ja, eine Arbeitskollegin hat Ähnliches erfahren. Sie hatte ihre Doktorarbeit auch schon fast abgeschlossen, als sie aufs Abstellgleis bugsiert wurde. Mit Beharrlichkeit hat sie es schlussendlich doch geschafft, die Arbeit fertig zu stellen. Sie hat zum Beispiel einmal zwölf Stunden vor dem OP gewartet, um mit Ihrem Betreuer sprechen zu können. Nur weil sie so ausdauernd war, hat es geklappt. Da ihr Doktorvaters sich so wenig engagierte, wurde die Arbeit jedoch nicht gut bewertet. Auch von anderen Arbeitskollegen habe ich schon von Problemen gehört.

Via medici: Was empfehlen Sie künftigen Doktoranden? Worauf muss bei der Suche nach einer guten Doktorarbeit geachtet werden?

Manuel Müller: Ich rate ganz klar, die Promotion bei der Promotionsstelle anzumelden. Ab dem Zeitpunkt hat man für seine Doktorarbeit zwei Jahre Zeit. Dadurch steht man selbst etwas unter Druck. Gleichzeitig weiß auch der Betreuer, dass die Arbeit nicht ewig dauern kann. Das Thema der Arbeit sollte klar definiert sein. Die örtliche Nähe zum Betreuer finde ich auch enorm wichtig. Bei kurzen Fragen einfach vorbeizuschauen, ist sehr viel wert. Und nicht zuletzt, sollte ein angenehmes Verhältnis zwischen Doktorand und Doktorvater herrschen. Damit man als Student nicht in der Rolle des Bittstellers ist und um jeden Termin betteln muss. Das hat bei mir gefehlt.

Via medici: Wie geht es bei Ihnen weiter? Haben Sie eine neue Doktorarbeit begonnen?

Manuel Müller: Seit einem Jahr arbeite ich. Ich habe meinen jetzigen Chef wegen einer neuen Doktorarbeit angefragt. Er hat zugesagt, sodass ich wahrscheinlich bald mit einer neuen Dissertation beginnen kann. Da geht es auf jeden Fall weiter.

Der ungünstigste Ausgang eines Promotionsversuchs: Die Arbeit ist geplatzt, zudem fühlt man sich betrogen und ausgenutzt. Habt Ihr ähnlich negative Erfahrungen mit Eurer Doktorarbeit gemacht? Wie ist es bei Euch ausgegangen? Habt Ihr eine Anlauf- bzw. Hilfestelle gefunden? Welches sind Eure Tipps für die Auswahl einer guten Doktorarbeit?

Meldet Euch unter:

   E-Mail via.online@thieme.de

* Name von der Redaktion geändert

 
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