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Kostenloses Mittagessen für PJ-Studenten?

PJ-Ausbildung in Deutschland in der Krise

Ulrike Rostan

Die öffentliche Hand hat kein Geld, die Hochschulen damit auch nicht. Aber ist es wirklich das Mittagessen um das es den Studenten geht? Ein kostenloses Mittagessen pro Tag wäre eine Möglichkeit, die Arbeit der PJ-Studenten in dem Jahr ihrer praktischen Ausbildung symbolisch anzuerkennen.

Übersicht

Laut Approbationsordnung gehört das praktische Jahr zum Studium und kann damit nicht bezahlt werden. Jeder Medizinstudent weiß das schon zu Beginn seines Studiums und muss sich in irgendeiner Form darauf einrichten. Bafög oder elterliche Unterstützung sind die Hauptsäulen, auf die sich das Einkommen der meisten Studenten stützt. Problematisch wird es in diesem 6. Jahr für die Selbstverdiener. Es bleiben nur die Nächte und die Wochenenden, um bezahlter Arbeit nachzugehen. So gibt es einige PJ-Studenten, die mit Nachtdiensten und Wochenenddiensten ihren Lebensunterhalt verdienen, wohlgemerkt neben der regulären unbezahlten Arbeit als PJler. Diese Gruppe dürfte aber die Minderheit sein, da eine 60 bis 80-Stundenwoche auf Dauer sich nachteilig auf die Lernfähigkeit auswirken dürfte. Immerhin steht am Ende des PJ das 3. Staatsexamen, auf das es sich vorzubereiten gilt. Aktuelle Umfragen zu Nebenjobs im PJ gibt es allerdings nicht.

Das heißt, in der Regel sind Studenten im Praktischen Jahr noch weniger mit Geld gesegnet als zuvor. Während der theoretischen Ausbildung in den ersten 5 Studienjahren lässt sich mancher Monat in den Semesterferien und mancher Tag in der Semesterwoche noch für einen Nebenjob abzwacken. Aus dieser Sicht ist also ein kostenloses Mittagessen durchaus mehr als ein symbolischer Akt für die PJ-Studenten. Lebensnotwendig ist es für sie nicht.


Die Kliniken sind gefordertNach oben hoch

Es könnte sich allerdings als lebensnotwendig für die Kliniken erweisen, die in Zukunft ihre Arbeitsplätze für PJler attraktiver gestalten müssen.

In den letzten 15 Jahren ist das Praktische Jahr in Verruf geraten, weil es unter den ausbildenden Stationen in Unikliniken und Lehrkrankenhäusern viele schwarze Schafe gegeben hat. PJ-Studenten gab es in Hülle und Fülle. Ebenso AiPler. Der Stationsnachwuchs war gesichert, es war also nicht nötig, sich durch eine besonders gute Ausbildung hervorzutun. Fortbildungen fanden nicht statt oder wurden nur halbherzig abgehalten. Fragen von Seiten der Studenten waren nicht erwünscht bzw. waren für den Chefarzt ein Beweis, wie schlecht es um das Wissen der Jungärzte bestellt war. PJ-Studenten sollten Blut abnehmen, Aufnahmen machen und im Op assistieren. Ansonsten durften sie mitlaufen und selber schauen, wo es etwas zu lernen gab. Eine aktive Ausbildung von Seiten der Ärzte war nicht selbstverständlich und richtete sich schon gar nicht nach der Devise "see one, do one, teach one"!


Ärzteschwemme blieb ausNach oben hoch

Wen kümmerten vor 15 Jahren die Studenten, die zum PJ nach England gingen, um dort angeblich eine bessere Ausbildung und ein angenehmeres Arbeitsklima zu genießen. Wen kümmerten die AiPler und Assistenzärzte, die für ihre weitere Ausbildung das nachbarliche Ausland vorzogen. Keinen, denn alle verließen sich auf die Prognose von 50 000 arbeitslosen Medizinern Ende der 90er-Jahre. Die Prognose hat sich nicht erfüllt, neue alternative Arbeitsgebiete für Mediziner und das europäische Ausland nahmen den Bauch der deutschen Ärzteschwemme auf.


Neue LehrkulturNach oben hoch

Das ist alles Schnee von gestern - trotzdem tun sich Lehrkrankenhäuser und Unikliniken schwer, zu einer neuen Lehrkultur zu finden. Wer gut ausbildet, schafft zufriedene Studenten, die sich ernstgenommen fühlen. Die merken, dass sie auf ihre zukünftigen fachlichen Anforderungen vorbereitet werden.

"Ich habe immer mehr den Eindruck gewonnen, dass wir die unzureichende klinische Ausbildung an den Universitäten in den Akademischen Lehrkrankenhäusern ergänzen bzw. nachholen müssen", zitiert der Medizinstudent Daniel Handzel Professor Töllner, den ehemaligen Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Fulda, in einem Artikel bei Via medici online. "Ich bin der Meinung, dass die Jugend gefördert aber auch gefordert werden muss und ich sehe, dass sie gefordert und belastet werden will." Mit der Jugend meinte er wohl die Medizinstudenten. Töllner ließ seinen Worten Taten folgen und initiierte eine Famulatur in der Kinderheilkunde für Interessierte, die dort gut betreut werden, den überdurchschnittlichen Arbeitseinsatz nicht scheuen und am Ende nach einer bestandenen Prüfung den Schein für Kinderheilkunde in der Hand halten können. Mittlerweile ist Töllner in den Ruhestand gegangen, seine Initiative wird jedoch in der Klinik fortgeführt.

Es gibt viele Krankenhäuser und viele Lehrverantwortliche, die schon seit Jahren ihre Ausbildungsbedingungen verbessern und im Dialog mit ihren PJ-Studenten stehen. Auch die persönlichen Eigenschaften von Chef- und Oberärzten der Abteilungen spielen eine Rolle. Wenn sie gerne unterrichten und den ärztlichen Nachwuchs an ihrem Fachwissen teilhaben lassen wollen, dann entsteht eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Studenten und ärztlichem Personal. Dann ist es auch fast egal, ob das Mittagessen 2,50 Euro kostet oder nicht.


Feste Ausbildungsziele vereinbarenNach oben hoch

Jedoch schon allein mit einfachen Rahmenbedingungen ließe sich viel erreichen. Dazu gehört:

 Ein verbindlicher Ausbildungkatalog für alle Lehrkrankenhäuser einer Uni mit detaillierten Kann- und Muss-Leistungen des Krankenhauses bzw. des Studenten und organisatorischen Rahmenbedingungen (siehe PJ-Richtlinien des Hartmannbundes)
 Sowohl das ausbildende Krankenhaus als auch jeder PJ-Studenten sollte diesen Katalog erhalten
 Der PJ-Beauftragte jedes Krankenhauses sollte tatsächlich Ansprechpartner sein für die PJ-Studenten und für ihre Anliegen ein offenes Ohr haben

Die neue Approbationsordnung legt in punkto PJ-Ausbildung inhaltlich nichts mehr fest. Was im PJ im Einzelnen gelernt wird, überlässt das Bundesgesundheitsministerium den Universitäten. Damit haben diese noch mehr Verantwortung als bisher und letztendlich auch die Freiheit, ihre PJler-Ausbildung selbst zu definieren.


Ruf verbessernNach oben hoch

Im Praktischen Jahr sollen die Studenten ihre theoretisch erworbenen Kenntnisse anwenden lernen. Diese fachkundige Anleitung müssen sowohl die Unikliniken als auch die akademischen Lehrkrankenhäuser bieten. Denn mit einem Sprung ins kalte Wasser nach einem unzureichenden praktischen Jahr ist keinem gedient, weder dem Studenten, noch dem Arbeitgeber und am allerwenigsten dem Patienten. Allerdings müssen gerade die Unikliniken ihren Ruf bei den Studenten verbessern, da die PJ-Studenten in periphere Krankenhäuser und in das Ausland abwandern, wo ihnen bessere Bedingungen geboten werden.

Hier könnte ein kostenloses Mittagessen ein symbolischer Schritt sein, finden in Ulm nicht nur die Studenten, sondern auch der chirurgische Vorstand und Verantwortliche der Inneren Medizin der Uniklinik. "Essen ist eine Sachleistung. Diese unentgeltlich an Studenten abzugeben ist unmöglich, da dies einer Steuerhinterziehung und Hinterziehung von Sachleistungen gleichkommt," hält Verwaltungsdirektor Schira in einem Interview dem entgegen.

Für das Problem der schwindenden und unzufriedenen PJ-Studenten ließen sich Lösungen finden, wenn sich alle Verantwortlichen an einen Tisch setzen und die PJ-Ausbildung zu einem Haupthema machen würden. Vielleicht würde sich dann auch herausstellen, dass es entweder noch weitere Töpfe gibt, aus denen ein kostenloses Mittagessen finanziert werden kann oder dass es weitere Möglichkeiten gibt, attraktive Ausbildungsbedingungen zu bieten.


LeserkommentareNach oben hoch

Reaktionen von Lesern auf diesen Artikel und auf die Ulmer Initiative:

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LinkArtikel zur Ulmer Aktion "Kostenloses Mittagessen für PJler

Presse-EchoNach oben hoch
   Externer Link Artikel in der Südwestpresse zu dieser Aktion

 
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