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| Sichere Präsentation in der Prüfung |
Anders als bei Multiple-Choice-Fragen hängt bei einer mündlichen Prüfung viel davon ab, wie gut der Kandidat dem Prüfer zeigen kann, was er gelernt hat. Dabei spielen dessen persönliche Schwerpunkte natürlich eine Rolle. Mindestens genauso wichtig ist es aber, den Stoff sicher zu beherrschen und ihn vorteilhaft zu präsentieren. Für Physikum und Staatsexamen heißt es daher, rechtzeitig die rhetorischen Fähigkeiten zu trainieren. Wer etwa ein Semester vor dem Examen mit der Vorbereitung anfängt, hat in der Regel ausreichend Zeit, den Prüfungsstoff zu bewältigen. Zunächst sollte man sich einen realistischen Überblick über das ganze Gebiet verschaffen. Besondere Schwachstellen muss man bei der Planung genauso beachten wie Klausuren und Testate des aktuellen Semesters, wenn noch Scheine fehlen. Es kann sehr verlockend sein, auf Papier oder CD-ROM persönliche Ankreuzrekorde aufzustellen, doch damit verdient man sich auch bei Bestleistung höchstens zwei Drittel der Note. Das heißt, von Anfang an muss Zeit für die gezielte Vorbereitung des mündlichen Teils eingerechnet werden.
Dazu kann gehören, die Vorlesungsmitschrift noch einmal durchzuarbeiten (oder erst bei Kommilitonen zu besorgen!) und ein ausführliches Lehrbuch zu Rate zu ziehen. Wenn das Semester noch läuft, kann man die Gelegenheit nutzen und im Seminar oder nach der Vorlesung spezielle Fragen klären. In jedem Fall sollte so viel Zeit sein, Prüfungsrhetorik einzuüben, sei es in speziellen Kursen oder zu Hause vor dem Spiegel.
| Vorbereitung mit Freunden |

Viele Studenten bilden im Freundeskreis Lerngruppen, um sich im freien Vortragen zu üben. Die Rückfragen der Kommilitonen machen dabei sofort deutlich, was man nicht gut ausgedrückt oder vielleicht selbst nicht verstanden hat. Auf schwierige Fragen weiß oft wenigstens einer in der Gruppe Antwort - wenn nicht, ist zumindest die Auswahl an Nachschlagewerken größer, als wenn man alleine lernt.
Beliebt für diese Art der Prüfungsvorbereitung sind Bücher, in denen mögliche Fragen gesammelt sind. Natürlich sind die Antworten nicht so eindeutig wie in der "Schwarzen Reihe", aber man bekommt ein Gefühl dafür, welche Stichworte fallen sollten. Auch in der Diskussion um die vorgegebene Antwort wächst die eigenen Sicherheit im Stoffgebiet. "Diese Frage-Antwort-Bücher reichen aber allein nicht aus", meint Sascha Zimmermann, der im Herbst sein drittes Staatsexamen abgelegt hat. "Einer aus unserer Gruppe hat nur damit gelernt und ist auf die Nase gefallen!"
| Regeln für die Lerngruppe |
Wenn die Lerngruppe mehr sein soll als Gewissensberuhigung und gemeinsames Jammern, müssen einige Regeln beachtet werden. Dazu gehört nicht nur, die Themen zu Hause gründlich vorzubereiten: "Es bringt nichts, sich gegenseitig nur was zu erzählen", sagt Dr. Bringfried Müller, "denn dabei produzieren sich meist Einzelne auf Kosten der anderen." Der Arzt und Diplompsychologe ist Leiter von MEDI-LEARN, einem Institut zur professionellen Prüfungsvorbereitung in Marburg. "Die Arbeitsgruppe muss sich Regeln setzen und feste Redezeiten vereinbaren. Am effektivsten ist die Vorbereitung, wenn man Rollenspiele macht", rät Dr. Bringfried Müller. Ein Student spielt dabei den Prüfer, der andere ist Kandidat. Um es so realistisch wie möglich zu gestalten, geht der Prüfling zunächst vor die Tür, die Studenten siezen sich. "Das funktioniert wirklich, auch wenn es vielleicht albern erscheint", sagt Dr. Müller. "Am meisten profitiert vielleicht sogar der ,Prüfer‘, weil ihm klar wird, was hinter manchen Fragen steckt und was ein Prüfer hören will." "Prüfling" und "Prüfer" bekommen ein Gespür für die Situation und lernen, mit der Nervosität umzugehen.
| Auch als Einzelkämpfer trainieren! |
Nicht alle haben die Möglichkeit, sich mit Kommilitonen zusammenzutun: "Nach meinem PJ-Tertial in New York wohnte ich wieder bei meinen Eltern. Mit wem hätte ich da lernen sollen?", fragt Sascha Zimmermann, frisch gebackener AiPler. "Außerdem liegt mir das Lernen in der Gruppe nicht so, wenn’s schnell gehen soll", meint er. "Ich hatte nur fünf Wochen Zeit zur Vorbereitung."
Einzelkämpfer haben nicht unbedingt die schlechteren Karten: "Ich konnte bisher keinen Unterschied feststellen, ob jemand eine Lerngruppe hatte oder nicht", sagt Prof. Erik Schulte. Der Institutsleiter der makroskopischen Anatomie in Mainz prüft seit 1988 im Physikum. "Man kann sich sehr gut alleine vorbereiten", weiß Dr. Müller. "Es trainiert z.B., sich selbst kurze Referate auszudenken." Dazu leitet man Fragen aus den Überschriften im Lehrbuch her. "Wenn man die Niere als Thema gewählt hat, kann man zunächst über allgemeine Dinge sprechen, dann die Funktion erläutern und erst zum Schluss auf physiologische Details eingehen", rät er. "So lernt man, die Antworten zu strukturieren." Durch diese Art der Vorbereitung kann man später einen großen Teil der Prüfungszeit aktiv gestalten. Denn viele Prüfer beginnen mit einer offenen Frage, wie "Was wissen Sie über Kohlenhydrate?" Wer dazu viel erzählen kann, lässt wenig Gelegenheit für andere Fragen. "Oft beklagen sich die Professoren, dass die Studenten nur in Stichworten sprechen. Diese scheinen darauf zu warten, dass sie eine ganz spezielle Frage bekommen, am besten mit mehreren Antworten zur Auswahl", berichtet Dr. Bringfried Müller. "Wenn Prüfer sehen, dass jemand sich grundsätzlich in einem Thema auskennt und es flüssig darstellen kann, bewerten sie das hoch."
| Prüfer haben freie Hand |

Bei der Themenauswahl sind die Prüfer nicht eingeschränkt. Sie dürfen sogar Fragen außerhalb ihres Faches stellen. Ein Internist kann also chirurgisches Wissen prüfen und umgekehrt. Sie müssen sich aber an den Gegenstandskatalog halten. Altgediente Ordinarien sollen dabei schon mal den Unterschied zwischen dem zweiten und dritten Staatsexamen vergessen haben. Viele Prüfer halten das eigene Forschungsgebiet aus dem Examen heraus, weil sie dort kein Gespür mehr dafür haben, was ein Student wissen kann oder nicht. Andere fragen am liebsten ihr Vorlesungsthema ab: "Der Psychosomatik-Professor hatte seine Folien dabei", erzählt Desirée Sehrt. "Darauf sah er nach, ob wir die Definitionen vollständig aufsagten." In Fächern wie Innere oder Chirurgie muss häufig ein Patient untersucht und vorgestellt werden. Manche Dozenten sind dafür bekannt, dass sie gerne EKGs oder Röntgenbilder in der Prüfung befunden lassen. Die wichtigsten Labornormwerte sollte man im Kopf haben.
Dass Physikumskandidaten z.B. in der Biochemie am Tag vor der Prüfung einen Versuch durchführen und dokumentieren müssen, ist eher selten, aber laut Approbationsordnung durchaus möglich. In der Anatomie oder der Pathologie ist es dagegen üblich, einen praktischen Prüfungsteil an mikroskopischen Präparaten und oft auch an Leichen durchzuführen. "Als Prüfer achtet man darauf, dass die spezifischen Strukturen wirklich erkennbar sind", so Prof. Erik Schulte. "Die Studenten bekommen keine Normvarianten vorgelegt." Vor den Examina sind die Säle regelmäßig zum Eigenstudium geöffnet, manchmal sind zusätzlich Tutoren anwesend.
| Prüfungsprotokolle einsehen! |
Viele Fachschaften haben eine über Jahre aufgebaute Sammlung von Prüfungsprotokollen. Sobald Fach und Prüfer feststehen, kann man nachsehen, was in den letzten Examina gefragt wurde, und sich entsprechend vorbereiten. Es soll Professoren geben, die wirklich Jahr für Jahr dieselben Fragen stellen! Meistens sind auch ein paar Tipps in den Protokollen zu finden, ob der Professor beispielsweise Wert auf gepflegte Kleidung legt, wie die Atmosphäre war etc. "Unser Prüfer in Chirurgie ging davon aus, dass wir die Protokolle kannten", erzählt Desirée Sehrt. "Aber die hatten ein paar besonders schlaue Kommilitonen geklaut. Zum Glück lief es trotzdem ganz gut!" Um solchem Ärger vorzubeugen, findet man Protokolle inzwischen online. Beispielweise gelangt man hier zur bundesweiten Protokollsammlung von MEDI-LEARN:
| Vorgespräche beim Prüfer |
An vielen Instituten ist es üblich, sich dem Professor als Prüfungsgruppe kurz vor dem Termin vorzustellen. Dabei kann man klären, ob zum Beispiel eine Patientenuntersuchung vorgesehen ist. Manch ein Prüfer bemüht sich, das Lampenfieber der Kandidaten zu dämpfen, andere schränken das Stoffgebiet ein. "In der Prüfung lege ich den Schwerpunkt auf die Makroskopie, weil auch der Unterricht so angelegt ist", verrät Prof. Erik Schulte. "Außerdem grenze ich die Embryologie stark ein. Nur große Prinzipien, die für die Makroskopie wichtig sind, müssen die Studenten kennen, beispielsweise die Drehung des Magens."
"Unser Prof sagte, wir müssten natürlich alles wissen. Aber es war doch ganz beruhigend zu wissen, mit wem wir konfrontiert würden", meint Desirée Sehrt. Prof. Schulte veranstaltet jedes Semester eine gemeinsame Vorbesprechung für alle Prüfungsgruppen. In dieser Stunde bespricht er, wie die Prüfung ablaufen wird, und verrät, worauf er besonderen Wert legt. "Ich versuche, die Ängste zu nehmen, die jedesmal da sind", berichtet er. "Zum Beispiel fürchten viele, dass Fragen an den nächsten Kandidaten weitergegeben werden, wenn der vorige sie nicht beantworten konnte. Das mache ich aber grundsätzlich nicht, weil ich nicht will, dass sich einer auf Kosten des anderen profiliert. Es gibt in der Anatomie genug wichtige Fragen für alle - auf jedem Niveau."
| Das passende Outfit |
Mancher Student wird erst richtig nervös, wenn er in den Kleiderschrank schaut: Der Anzug passt nicht mehr, der Rock endet zu weit überm Knie. "Ich sage den Studenten immer, sie sollen bloß kein Geld für besondere Kleidung ausgeben, denn das ist die Sache nicht wert!", sagt Prof. Schulte. "Sauber und ordentlich sollten sie aber selbstverständlich erscheinen." Wer sich im Zweireiher fühlt wie auf dem Kostümball, strahlt wenig Souveränität aus. Andererseits kann etwas Eleganz für das eigene Selbstbewusstsein eine große Rolle spielen. "Ich finde, Jeans und Pulli wären der Sache nicht angemessen gewesen", meint Desirée Sehrt.
"Wir sind alle in Anzug oder Kostüm angetreten." Hat der Prüfer bekanntermaßen eine Abneigung gegen Männer mit Ohrringen oder Frauen in Hosen, muss man sich zwischen Stolz und Anpassung entscheiden.
| Hilfen gegen Prüfungsangst |
Ganz ohne Angst wird keine Prüfung ablaufen. In leichteren Fällen reicht manchmal schon etwas Zuspruch. "Die Erklärung: ,Ich schaff’ das nicht‘ ist formal kein Rücktrittsgrund", so Dr. Jürgen Faltin, Leiter des Landesprüfungsamtes Rheinland-Pfalz. "Bei manchen müssen wir regelrecht Therapiegespräche führen, damit sie den Prüfungstermin nicht absagen." Wenn man aus Angst einfach nicht erscheint, fällt man durch und muss grundsätzlich auch den schriftlichen Teil wiederholen.
Wer von sich weiß, dass er sich vor Nervosität selbst blockiert oder ernsthafte Symptome entwickelt, kann gezielt etwas gegen Prüfungsangst tun. Als Basis gehört dazu, sich stressfreies Lernen zu ermöglichen. Vielleicht ist ein Freisemester nötig. In jedem Fall muss aber frühzeitig ein ruhiger, ungestörter Ort für die Vorbereitung gefunden werden. Die Rollenspiele in der Lerngruppe oder in professionellen Vorbereitungskursen sind ebenfalls eine gute Hilfe, weil sie die Krisensituation trainieren. Manche Studenten haben gute Erfahrungen mit so genannten positiven Affirmationen gemacht: Man sagt sich regelmäßig laut Sätze vor wie "Ich bin ruhig, kompetent und erfolgreich" oder "Ich bin gut vorbereitet". In jedem Fall sollte man sich etwas Angenehmes für die Zeit nach der Prüfung vornehmen, vielleicht Urlaub oder einen Besuch bei Freunden. Damit wird klar, dass die Prüfung nicht das Ende aller Dinge ist, egal wie sie ausgeht. Im Examensstress fällt es manchmal schwer, die Bedeutung der Prüfung für das eigene Leben realistisch einzuschätzen. Wer tatsächlich vor dem letzten Versuch steht, kann vielleicht mit einem guten Freund besprechen, welche Alternativen er sich vorstellen kann. Gerade in solch einer Situation können professionelle Vorbereitungskurse die Chance zu bestehen deutlich verbessern.
Wenn ein grundsätzliches Problem bearbeitet werden muss, ist es mit gutem Zureden oder autogenem Training nicht getan. An jeder Universität gibt es psychologische Beratungsstellen, bei denen man sich kompetente Unterstützung suchen kann. Wer bereits für das Examen angemeldet ist, kann notfalls mit amtsärztlichem Attest zurücktreten und sich erst einmal in Ruhe um sich selbst kümmern. Das ist meist besser, als vor jeder Klausur in Panik zu geraten und vielleicht einige Semester zu wiederholen.
| Rhetorik umschifft Klippen |
Desirée Sehrt kann bisher zufrieden sein: "Ich hatte immer Glück mit den mündlichen Prüfungen", meint sie, "denn ich hatte faire Prüfer. Wenn es gerecht zugeht, ist das Mündliche sogar leichter, weil es längst nicht so sehr um Fußnotenwissen geht." Wer doch einmal auf dem falschen Fuß erwischt wird, muss nicht gleich alle Hoffnung aufgeben. Es gelingt zwar selten, das Thema ganz und gar zu wechseln, aber es gibt einige rhetorische Regeln, die man ausnutzen kann. "Der untrainierte Student redet einfach drauflos, bis er nicht mehr weiterweiß", so Dr. Müller. "Dadurch lenkt er die Aufmerksamkeit des Prüfers auf die Schwachstelle und fordert ihn geradezu auf nachzuhaken." Wer diese Gesprächssignale kennt, kann dort Pausen setzen, wo der Professor ruhig tiefer bohren darf. Gute Nerven braucht man in jedem Fall: "Manchmal fragen die Prüfer nach Dingen, die der Student gar nicht wissen kann", hat Dr. Bringfried Müller erfahren. "Dann erwarten sie, dass er sich die Antwort herleitet."
| Die meisten Prüfer sind fair |
An jeder Universität gibt es allgemein gefürchtete Prüfer - nicht immer zu Recht: "Es gibt Kollegen, die mit ganz harmlos gemeinten Bemerkungen den Prüfling ins Schleudern bringen", hat Professor Erik Schulte erlebt. "Als Mitprüfer kann man eventuell eingreifen und hoffen, dass der Kollege es auch tut, wenn man selbst prüft." Um Fairness geht es auch den Mitarbeitern der Landesprüfungsämter, die immer wieder an den Prüfungen teilnehmen. Besonders wenn ein Student schon schlechte Erfahrungen mit einem Prüfer gemacht hat, nutzt das LPA sein Besuchsrecht. "Bei den meisten Professoren geht aber alles korrekt zu", sagt Michael Krupp, leitender Beamter im LPA. "Wenn sich jemand tatsächlich in der Prüfung ungerecht behandelt fühlt", sagt Dr. Bringfried Müller, "soll er es direkt ansprechen - auch wenn das schwer fällt. Manchmal ist den Prüfern gar nicht bewusst, wie ihr Verhalten wirkt." Wenn es wirklich dazu kommt, dass das Prüfungsergebnis angefochten wird, kann es außerdem hilfreich sein, wenn eine entsprechende Anmerkung im Protokoll steht.
| Prüfungsprotokolle sind Pflicht |
Die Dauer der Prüfung und die Zahl der Prüfungsfächer sind in der Approbationsordnung vorgegeben. Die Zusammensetzung der Prüfungsgruppen lost das LPA aus. Einer der mindestens zwei Professoren muss den Verlauf protokollieren. "Wir haben in den letzten Jahren sehr deutlich gemacht, wie die Prüfungen abzulaufen haben", berichtet Dr. Jürgen Faltin, der das rheinland-pfälzische LPA leitet. "Aus den Protokollen muss der Ablauf nachvollziehbar sein", erklärt er. "Auch die Grundlagen für die Note müssen daraus hervorgehen, also was der Student gewusst oder nicht gewusst hat." Das Protokoll wird am Ende der Prüfung unterschrieben und ans LPA weitergegeben. Die Unterlagen gehen dann zum IMPP, das die Gesamtnote festlegt, und hinterher zum LPA zurück, wo sie 30 Jahre lang aufbewahrt werden müssen.
| Einspruch möglich |
Die Noten des schriftlichen Examens liegen zu Beginn der mündlichen Prüfung oft noch nicht vor. Die meisten Studenten vergleichen aber ihre Antworten mit inoffiziellen Ergebnissen und wissen ungefähr, wie sie stehen. Nicht jedoch die Prüfer: Sie bewerten unbeeinflusst vom schriftlichen Ergebnis. "Ich glaube nicht, dass es viel bringt, nach der Prüfung groß rumzudiskutieren oder gar in Tränen auszubrechen - wenn man die Note hat, hat man sie eben!", meint Desirée Sehrt. Doch einige Studenten sind bereit, um eine bessere Bewertung zu kämpfen. "Wenn ein Student Beschwerde einlegt, prüfen wir, ob z.B. die Rahmenstruktur des Prüfungsablaufs stimmt", so Dr. Faltin, "und erlassen einen Widerspruchsbescheid. Der Betroffene müsste dann vor dem Verwaltungsgericht klagen." In den letzten Jahren hat die Klagebereitschaft der jungen Mediziner etwas zugenommen, am häufigsten wird allerdings gegen das schriftliche Ergebnis Einspruch erhoben. "Wenn eine mündliche Prüfung gut dokumentiert ist, ist sie schwer anzufechten", so Michael Krupp. "Schließlich kann kein Gericht das Wissen eines Studenten prüfen, sondern nur bewerten, ob es sachlich und fair zugegangen ist."
"Wer etwas weiß, kann gar nicht durchfallen", beruhigt Prof. Schulte. "Die Aufgabe des Prüfers ist es nicht, nach Lücken zu suchen, sondern zu sondieren, ob genug festes Terrain da ist. Niemand fällt wegen eines kleinen Handmuskels durch, aber die Aorta sollte er schon von der Vena cava unterscheiden können." Nicht nur für Physikumskandidaten gilt sein Rat: "Gehen Sie abends vorher ins Kino oder Pizza essen, und kommen Sie dann mit freiem Kopf in die Prüfung!"
Elisabeth Bonn
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