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Die Gehilfin

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    Martin Kluger
    Dumont Literatur und Kunst Verlag, 1. Auflage (März 2006),
    300 Seiten,
    ISBN 3832178457, EUR 19,90

Frohberg Buchhandlung für Medizin   mehr Infos zu diesem Buch

4 Punkte von Britta Heinsohn, Bochum


Inhalt

Henrietta Mahlow wird Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin geboren, ihre Mutter stirbt bei der Geburt. Ihr alkoholkranker Vater arbeitet als Krankenwärter in der Charité, dadurch verlebt Henrietta dort ihre Kindheit. Trotz ihrer Herkunft aus der ärmsten Schicht Berlins wird sie zum Maskottchen der großen Forscher wie Rudolf Virchow, Robert Koch, Paul Ehrlich und gelangt durch sie in die Welt der Mikroskope, Sektionen und Krankheitserreger. Sie erlebt den Kampf zwischen Virchows Theorie der Pathologie der Zellen und Robert Kochs Nachweis, dass die Tuberkulose durch Bakterien ausgelöst wird.

Henrietta saugt alles Wissen auf und bald ist ihr die Position der Gehilfin nicht mehr genug, da sie an den wichtigen wissenschaftlichen Diskussionen nicht teilnehmen darf. Sie möchte Medizin studieren, stößt mit diesem Wunsch als Frau jedoch auf strikte Ablehnung. Der Leser kann verfolgen, wie sie um jede Vorlesung und jede Minute Mikroskopierzeit kämpft. Ob sie ihren Traum, Ärztin zu werden, erfüllen kann, soll hier nicht verraten werden. Gleichzeitig erzählt Martin Kluger die Geschichte einer Freundschaft zwischen zwei Mädchen und eine Liebesgeschichte mit ungewöhnlichem Verlauf.


Aufbau

Dadurch, dass Kluger die fiktive Heldin Henrietta erschaffen hat, liest sich das Buch sehr angenehm. Man verfolgt die Geschichte dieser Frau und erfährt nebenbei sehr viel über die historischen Grundlagen unserer heutigen Medizin, ohne sich mit dem trockenen Ton eines Geschichtsbuches herumschlagen zu müssen. Allerdings stellt Kluger besonders zum Ende hin die Zeit sehr gerafft dar und durch die vielen Personen, die im Laufe des Romans auftauchen, hatte ich etwas Mühe den Faden nicht zu verlieren. Er ist also vielleicht eher zur Ferienlektüre als zur Bettlektüre geeignet, aber hinreißend geschrieben.


Zielgruppe

Man braucht kein Vorwissen, um den Roman zu lesen, obwohl es seinen eigenen Reiz hat, mit dem heutigen Wissen über die Mikrobiologie die damaligen Forschungen und Ergebnisse zu verfolgen. So hat Robert Koch zum Beispiel das Tuberkulin als Heilmittel gegen die Tuberkulose entwickelt und ist damit gescheitert. Seinen vernichtenden Kritikern möchte man entgegenhalten, dass das Mittel für die Diagnostik trotzdem seinen Nutzen hat.

Wenn man sich für die Geschichte der Medizin interessiert, ist dieses Buch sehr zu empfehlen. Es stellt sehr gut die Atmosphäre dar, die damals in Berlin und unter den Forscher herrschte. Damit macht es die historischen Tatsachen lebendiger. Mich als Medizinstudentin hat es auch wieder daran erinnert, das es vor nicht allzu langer Zeit nicht selbstverständlich war als Frau Medizin zu studieren. Wir verdanken es den historischen Vorbildern der Henriette Mahlow, dass dies heute möglich ist.


Preis

Der Preis von 19,90 € mag wohl für ein Hardcover-Buch normal sein, als Student kann man da nur auf eine Taschenbuchausgabe hoffen.


Fazit

Für jeden, den die Zeit des Kaiserreichs und der Weimarer Republik interessiert, ein spannender Roman. In die fesselnde Lebensgeschichte der Romanheldin Henrietta Mahlow verpackt begegnen dem Leser viele große Ärzte und Forscher. Ein sehr schönes Buch!


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