Medizinstudium
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Arzt im Beruf
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| Christian Hain 2. klinisches Semester |
Wie erhält man die Chance zu einem Auswahlgespräch?
Jeder, der sich bei Hochschulstart um einen Studienplatz der Medizin bewirbt und nicht sofort einen Studienplatz erhält, gelangt in ein Losverfahren. In einem Brief von Hochschulstart bekommt man mitgeteilt, dass man für das Auswahlgespräch ausgelost worden sei. Darauf folgend kommt der Brief von der Universität mit der Einladung.
Wo fand das Gespräch statt?
Das war in einem Raum des Bettenhochhauses der Charité.
Wie viele Personen bildeten das Komitee?
Leider weiß ich das nicht mehr so genau, 5 oder 6 waren es wohl. Davon sollten 2 Personen aus der Klinik, 2 aus der Forschung und einer ein studentischer Vertreter sein. In meinem Falle schien mir ein Oberarzt der Gesprächsleiter zu sein, da er die meisten Fragen stellte. Alle anderen hielten sich eher im Hintergrund.
Wie läuft so ein Auswahlgespräch im Groben ab?
Also mir kam es strukturiert vor. Zuerst erfolgte die normale Begrüßung und dann durfte jeder aus der Kommission Fragen an mich stellen. Dabei sitzt ein Bewerber der Prüfungskommission gegenüber. Meine eigenen Fragen fanden dann am Ende des Gesprächs Platz.
Welche Fragen wurden gestellt und was hast du geantwortet?
Zuerst wurden allgemeine Fragen gestellt wie:
| Lesen Sie Zeitung, und falls ja, welche? |
Dahingehend antwortete ich dann, ich würde nicht regelmäßig Zeitung lesen, sondern eher sporadisch und habe ein paar genannt. Ich würde eigentlich dann eher fachliche Dinge lesen.
Dort knüpfte die Kommission an und fragte weiter:
| Was haben Sie zuletzt gelesen? |
Da ich mich damals aufgrund meines Zivildienstes besonders für die Traumatologie interessierte, hatte ich mich über Osteosyntheseverfahren im Pschyrembel informiert und konnte darüber berichten. Des weiteren konnte ich dann noch über einige Artikel zum Thema "Rätsel Gehirn" aus Spektrum der Wissenschaft berichten, die ich mir mal zwischendurch gekauft hatte.
Die Kommission nahm die Frage nach der Zeitung bei mir dann als Aufhänger, um weiter zu fragen:
| Was wissen sie über die aktuelle Berufspolitik - was konnten Sie in letzter Zeit über ein bestimmtes Krankenhaus lesen? |
Da wollten sie dann auf das Klinikum Benjamin Franklin hinaus und dessen drohende Schließung im Zusammenhang mit den hohen Kosten. Da ich darüber gut Bescheid wusste, hatte ich nicht den Eindruck, dass die Kommission es als besonders negativ bewertete, dass ich wenig Zeitung las. Denn ich war ja aktuell informiert.
Darauf aufbauend folgte die Frage:
| Wie entstehen Kosten im Krankenhaus und womit verbringt ein Medizinstudent seinen Tag? |
Unter anderem zählte ich als Kostenfaktor die Intensivmedizin auf und erklärte das Missverhältnis zwischen tatsächlichen Kosten eines Intensivpatienten und der Kostenerstattung durch die Krankenkassen (dazu hatte ich glücklicherweise mal einen Fernsehbericht gesehen, der auch die DRGs erwähnte). Die Komission ergänzte dann noch die Lehre als Kostenfaktor. Es ging auch nicht darum, alles perfekt zu wissen - schließlich ist man ja auch sehr aufgeregt - sondern zu zeigen, dass man ein Grundverständnis hat.
Bei der Frage nach dem Tag eines Medizinstudenten musste man dann erst einmal darauf kommen, dass ein Student am meisten lernt. Ich antwortete mit Anamnese etc., doch die wollten nur auf das Lernen, auf die unbedingte Bereitschaft zu 8-stündigem Lernen täglich, hinaus.
Dann wurden die Fragen fachspezifischer:
| Was sind Stammzellen und welche therapeutischen Möglichkeiten bieten diese? |
Darauf antwortete ich mit dem Beispiel Stammzelltherapie bei Myocardinfarkt.
Im selben Atemzug wurde ich gefragt:
| Und was wird in Afrika gemacht? |
Daraufhin antwortete ich, dass dort mangels der finanziellen Mittel keine Stammzelltherapie zur Verfügung stünde.
Eine seltsame Frage war:
| Was haben sie zuletzt im Kino gesehen? |
Das wurde sicherlich gefragt, um einen persönlichen Eindruck von mir zu bekommen. Ich hatte zuletzt "Harry Potter" gesehen, allerdings nur, weil eine Freundin von mir Freikarten gewonnen hatte und nicht allein gehen wollte.
Und natürlich die Standardfrage:
| Warum wollen Sie Medizin studieren? |
Ich antwortete, dass ich schon seit meinem 12. Lebensjahr an Medizin interessiert sei, da meine Mutter damals schwer verunfallt war und oft operiert werden musste. Das weckte mein Interesse an Medizin. Ich wollte herausstellen, dass das keine spontane Idee war, sondern innerhalb von Jahren gewachsen ist. Zwischendurch habe ich mich auch immer wieder dagegen entschieden, weil ich weiß, dass ein Medizinstudium lange dauert und die Frage der Finanzierung auch vorhanden sei. Ausserdem sei ich mir auch der Nachteile bewusst, die die Praxis mit sich bringt, wie aktuell zu sehen sei. Ich wollte verdeutlichen, dass ich mich rundum informiert hätte, ob eine Alternative für mein Leben in Frage käme. Doch ich sei eben immer wieder auf die Medizin zurückgekommen, welche ich als Berufung und nicht als Beruf sähe.
Ist es möglich, das Gespräch ein wenig selbst zu lenken?
Besonders wenn man sich schon für eine Fachrichtung speziell interessiert, kann man das Gespräch selbst lenken. So merkte ich beispielsweise an, dass ich gern in Richtung Chirurgie gehen würde.
Daraufhin wurde ich gefragt:
| Was macht ihrer Meinung nach einen guten Chirurgen aus? |
Ich antwortete mit: Fachlich und sozial kompetent sollte ein Chirurg sein.
Da die Kommission nicht auf meine Tätigkeit im OP einging, schnitt ich das Thema im Rahmen meiner Fragen am Schluss an. Mir wurde zwar gesagt, dass sie sich zwar vorstellen könnten, was ich dort gemacht hätte, doch ich könne gern darüber erzählen. Da die meisten Zivildienstleistenden mehr für Springertätigkeiten zuständig sind, erklärte ich, dass ich von Lagerung über Springertätigkeit bis zur Zuständigkeit für das Sterilgut alle Seiten kennengelernt hätte. Doch darauf wollten sie nicht näher eingehen.
Hast du während des Gespräches Feedback erhalten?
Anfangs hielten sie es eher neutral und haben ihren Fragenkatalog abgearbeitet. Dann sind sie speziell auf mich und meine Antworten eingegangen und entwickelten daraus weitere Fragen. Da hatte ich dann das Gefühl, Feedback bekommen zu haben - im Sinne non-verbaler Kommunikation. Zwischenzeitlich kam auch eine lockerere Stimmung auf, beispielsweise bei der Kostenfrage in Afrika oder bei der Kinofrage.
Wie hast du dann das Ergebnis erfahren?
Das Ergebnis kam einen Monat später mittels eines formalen Briefes. Darin wurde mir mitgeteilt, dass das Gespräch erfolgreich verlaufen wäre und ich mich nun einschreiben könne. Später erfuhr ich noch, dass es wohl verschiedene Kategorien gibt, in die die Bewerber eingeteilt wurden:
| 1. Bewerber sollte unbedingt genommen werden. |
| 2. Bewerber könnte genommen werden. |
| 3. Bewerber sollte nicht genommen werden. |
Auch nach dem Gespräch wurde alles neutral gehalten und sich nicht darüber geäußert, ob das Gespräch positiv oder negativ verlaufen wäre. Von einem Mitbewerber erfuhr ich später, dass er zum Thema Antigen-Antikörper-Komplex gefragt worden wäre und die Kommission wohl andeutete, er sei nicht genügend informiert zu diesem Thema.
Hattest du das Gefühl, dass die Kommission gut vorbereitet war und Interesse an dir bestand?
Das ist schwer einzuschätzen. Der Oberarzt schien sehr engagiert und gut vorbereitet, während andere sich eher nicht vorbereitet hatten. Die meisten schienen mir unvorbereitet und agierten eher spontan.
Inwiefern kann man sich auf das Gespräch vorbereiten?
Man sollte sich genau überlegen, warum man Medizin studieren möchte und wohin das führen soll. Ich glaube nicht, dass man sich noch schnell Fachwissen anlesen sollte, nur um die Komission eventuell zu beeindrucken. Im Endeffekt sollte man möglichst autentisch sein, denn das spüren die Menschen. Auf jeden Fall ist es ratsam, sich im Vorfeld zu überlegen, welche Fragen gestellt werden könnten und sich diese selbst beantworten. Die Frage nach den Eigenschaften eines guten Chirurgen hatte ich mir beispielsweise bereits mit einem Kumpel vorher beantwortet, da ich mit dieser Frage rechnete. Natürlich sollte man sich eine Antwort auf die Standardfrage suchen: Warum wollen Sie Medizin studieren?
Welcher Bewerbertyp hat gute Chancen, das Auswahlgespräch erfolgreich zu absolvieren?
Chancen haben die, die auch hinter dem Beruf stehen. Und dies nicht, weil ihre Eltern gesagt haben, sie müssten, sondern weil sie es wirklich wollen. Jene, die sich eventuell schon früher darüber belesen haben, was in der Medizin an der Tagesordnung steht. Jene, die sich schon in der Materie befinden und nicht nur außen vor stehen. Besonders gut ist es, wenn man versucht, das Gespräch selbst zu lenken, also nicht nur passiv die gestellten Fragen beantwortet. Man sollte überzeugt von seinem Weg sein, denn die Kommission ist an der Persönlichkeit des Bewerbers interessiert. Sie wollen herausfinden, ob der Student wirklich motiviert ist, viel zu lernen um dieses Studium erfolgreich zu absolvieren.
Wie bewertest du die Möglichkeit des Auswahlgespräches?
Als absolut gute Variante jungen Menschen mit weniger gutem Abitur, die aber sicherlich gute Mediziner werden können, eine Chance zu geben. Denn es geht dabei nicht nur um den Abiturschnitt, sondern insbesondere um die Persönlichkeit, um die Hintergründe eines Menschen.
Vielen Dank für das Gespräch.
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