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Literaturrecherche - Wissensquelle oder Qual?

Effektive Suche in Pubmed spart Zeit und findet relevante Literatur - Einarbeitungszeit ist sinnvoll investiert

Wulf Breuel

"Sucht bitte mal jemand, was in der aktuellen Literatur über die Komplikationen der Narkose bei adipösen Frauen über 40 beschrieben wird? Vielleicht einer der jüngeren Kollegen?" fragte der Chefarzt bei der Besprechung und schon habt ihr eine Aufgabe mehr zu bearbeiten - natürlich völlig freiwillig. Bücher wälzen bringt zu speziellen Fragen, gerade was aktuelle Konzepte angeht, meist wenig erfreuliche Ergebnisse. Also müsst ihr euch auf die Suche durch die weltweit mehr als 1000 regelmässig erscheinenden medizinischen Zeitschriften und Veröffentlichungen machen. Nur wie und wo anfangen?

Übersicht

Die Frage nach dem Wo lässt sich schnell beantworten: In der Krankenhausbibliothek oder auch vom Arztzimmer aus. Einzige Voraussetzung ist ein Rechner, eventuell mit Netzzugang.

Schwieriger wird es bei dem Wie: Hat das Krankenhaus ein Abonnement beispielsweise des kostenpflichtigen Programms WinSpirs von Silverplatter, könnt ihr darauf - auch ohne Internetzugang - zurückgreifen. Das Programm bietet einige Vorteile in der Verknüpfung und Strukturierung von Suchanfragen, hat aber den Nachteil, dass die in der Medline gelisteten Veröffentlichungen erst mit einiger Verzögerung eingearbeitet sind.

Ein anderer Weg ist der Zugriff auf die Medline über PubMed, einem kostenlosen Angebot der National Library of Medicine (NLM), bei der Aktualisierungen oft mehrfach täglich online gestellt.


Was ist eigentlich die Medline?Nach oben hoch

Die Medline ist eine von der NLM betreute Datenbank für medizinische Veröffentlichungen. Die Suchergebnisse verweisen auf Publikationen in den verschiedensten Zeitschriften weltweit, allerdings wird nicht der gesamte Artikel, sondern immer nur der Titel, der Autor, die Zeitschrift und einige weitere bibliographische Daten angezeigt. Oft wird auch noch ein Abstract, eine Art Zusammenfassung des Artikel, angezeigt. Ist der Artikel für euch von Interesse, müsst ihr euch die entsprechende Ausgabe der Zeitschrift besorgen um ihn vollständig lesen zu können. Teilweise führen auch Links direkt zum Verlag der jeweiligen Fachzeitschrift, wo ihr dann den (leider meist kostenpflichtigen) Zugriff auf den gesamten Artikel habt.

In die Medline aufgenommen werden neben englischen Veröffentlichungen auch solche in Französich, Deutsch, Russisch und Spanisch, sowie einer ganzen Reihe für wissenschaftliche Publikationen weniger wichtigen (sorry, aber es ist nun mal so) Sprachen. Erscheint die Arbeit nicht in Englisch, wird der Titel übersetzt und die Arbeit dann in die Medline aufgenommen; Abstracts werden hingegen nicht übersetzt. Ist also kein englischsprachiges Abstract zusammen mit der Arbeit veröffentlicht worden, wird über die Medline später auch keines verfügbar sein.


Intelligent suchenNach oben hoch

Auf der Startseite von PubMed könnt ihr ein Schlagwort eingeben, auf "Go" klicken und erhaltet entweder unzählige oder fast überhaupt keine Verweise auf Veröffentlichungen in der Literatur. Woran liegt das? Vielleicht habt ihr das englische Suchwort falsch geschrieben. Oder ihr habt auf einen Schlag nach mehreren verknüpften Wörtern gesucht, die vielleicht den Sachverhalt in dieser Kombination nicht beschreiben. Erscheinen als Ergebnis jedoch hunderttausende Literaturstellen, habt ihr den Suchbegriff zu allgemein gewählt. Ein Beispiel dafür ist "proteine".

Startseite zur Suche in PubMed
Startseite zur Suche in PubMed

Suchanfragen limitieren

Durch die Eingabe eines Begriffes und den Klick auf Go, startet ihr eine Suche in allen Datenfeldern der Medline. Die Website der PubMed ist also eigentlich nur eine Oberfläche von der aus die Anfragen an die riesige Datenbank gestartet werden. Ob der Begriff "proteine" nun im Titel steht, als Schlagwort vergeben wurde oder ob vielleicht der Autor Andrew Proteine heisst, ist dabei egal. Es lässt sich leicht nachvollziehen, dass so auf viele wenig bis überhaupt nicht relevante Veröffentlichungen verwiesen wird.

Die Suche lässt sich jedoch limitieren. Dazu klickt ihr auf "limits" unterhalb des Feldes für den Suchbegriff und es erscheint eine Seite mit verschiedenen Pull-Down-Menüs. Unter

  All Fields könnt ihr die Suche auf bestimmte Datenbankfelder beschränken. Gut geeignet ist hier beispielsweise "Title" oder auch "Title/Abstract". So findet ihr Arbeiten, die euren Suchbegriff im Titel haben, sich also aller Wahrscheinlichkeit wirklich mit der euch interessierenden Fragestellung beschäftigen.
 Publication Type beschränkt ihr die Suche auf klinische Studien, Guidelines oder auch auf Übersichtsarbeiten, sogenannte Reviews.
  Ages könnt ihr die Anfrage auf eine bestimmte Altersgruppe beschränken, vom Neugeborenen und Kleinkind über Jugendliche, Erwachsene bis hin zu Senioren ist die Auswahl möglich.
 Languages ist eine Auswahl der Publikationssprache möglich. Eine Limitierung ist hier weniger sinnvoll, wenn überhaupt solltet ihr Englisch als Sprache wählen.
  Gender könnt ihr die Suche wie für das Eingangs erwähnte Beispiel auf Veröffentlichungen über Frauen beschränken.

Limitierungen für die Suche
Limitierungen für die Suche

Weiterhin wichtig sind der Publikationszeitraum oder auch die Aufnahme in die Medline, um beispielsweise nur die allerneusten Datensätzte zu finden. Für diese beiden Punkte lassen sich die Limitierungen unter Publication Date bzw. unter Entrez Date auswählen.

Jetzt genügt ein Klick auf "Go" und die Suche erfolgt erneut, allerdings unter Beachtung der von euch ausgewählten Limitierungen. Der ursprünglich eingegebene Suchbegriff sollte noch im Search-Feld stehen, wenn nicht gebt ihn vor dem Klick auf Go nochmals ein.

Einzelne Begriffe suchen

Natürlich könnt ihr von Anfang an mehrere Suchbegriffe in die Anfrage aufnehmen und diese über AND, OR oder NOT verknüpfen. Die Schreibung der Verknüpfung in Großbuchstaben ist nur in bestimmten Fällen unbedingt nötig. Für den durchschnittlichen Medizinerkopf (wie der Autor einen besitzt) ist es in aller Regel jedoch einfacher, diese wenig aufwendige Vorschrift immer zu beachten, als sich die wirklich nötigen Fälle einzuprägen.

Schlauer als eine von Anfang an verknüpfte Suche ist es, nach einzelnen Begriffen zu suchen und eine Verknüpfung erst anschliessend einzubauen. So könnt ihr zu einem späteren Zeitpunkt einzelne Begriffe mit anderen als in eurer ersten Anfrage verknüpfen. Die Verknüpfung von Suchbegriffen geht so:

 Suchbegriff A eingeben und "Go" anklicken - Schluck, es wird auf 378.282 Veröffentlichungen in der Literatur hingewiesen. Davon lasst ihr euch nicht erschrecken, sondern löscht A aus dem Suchefeld in dem ihr es markiert und entfernt oder auch auf "Clear" klickt.
 Suchbegriff B eingeben und wiederum "Go" anklicken, auch hier erhaltet ihr 23.591 Verweise. Keine Panik, gleich wird es etwas übersichtlicher.
 Ein Klick auf "History", direkt unterhalb des Feldes für den Suchbegriff und es öffnet sich eine neue Seite, auf der eure bisherigen Anfragen (mit den eventuell gewählten Limitierungen) in Kurzform beschrieben sind.

Ausschnitt aus der History-Seite der Suchanfragen
Ausschnitt aus der History-Seite der Suchanfragen

 Jetzt lassen sich die beiden Suchen miteinander verknüpfen, in dem ihr in das Suchefeld #1 AND #2 eingebt und wiederum auf "Go" klickt.

Schon ist die Anzahl der Veröffentlichungen die diese beiden Begriffe enthalten auf 315 gesunken. Leider ist aber auch das noch eine etwas zu grosse Zahl an Quellen. Eine Möglichkeit ist jetzt, eine neue Suche nach einem dritten Begriff zu starten. Also das Suchefeld leeren, neuen Begriff C eingeben und suchen lassen. In der "history" seht ihr mittlerweile vier verschiedene Suchen, die nach dem Begriff A (#1), nach B (#2), die Verknüpfung von A und B (bzw. #1 und #2) in der Suche #3 und die eben neu hinzugekommene Suche nach C (#4). Um euch die Ergebnisse der verknüpften Suche anzeigen zu lassen, müsst ihr auf die angezeigte Trefferzahl klicken und schon erhaltet ihr die ersten zwanzig aufgelistet.

Ihr ahnt es schon, die nächste Abfrage ist eine Verknüpfung von Suche #3 mit Suche #4. Warum nun aber so umständlich und nicht doch lieber gleich zu Anfang in das Suchefeld A AND B AND C eingeben? Der Vorteil der einzelnen Abfragen ist die anschliessende Kombinierbarkeit in den unterschiedlichsten Varianten. So könnt ihr jetzt auch gezielt nach Quellen suchen, die nur A und C enthalten. Dazu müsst ihr nicht wieder lange Begriffe eintippen (mit der Gefahr eines Schreibfehlers), sondern defniert eure jetzt bereits sechste Abfrage als #1 AND #4.


Quellen anzeigenNach oben hoch

Die Abfrage erbringt eine Anzeige der passenden Veröffentlichungen mit den wichtigsten bibliographischen Daten. Es gibt jetzt die Möglichkeit, den interessierenden Verweis einfach anzuklicken, um weitere Informationen und - sofern vorhanden - ein Abstract anzusehen. Über den Button Zurück in eurem Browser gelangt ihr wieder in die Übersicht der gefundenen Artikel.

Ist die Anzahl der Quellen überschaubar, könnt ihr auch gleich alle Quellen ausführlicher anzeigen lassen. Dazu klickt ihr in das Pulldown-Menü neben Display und wählt beispielsweise Abstract aus. Jetzt genügt ein weiterer Klick auf den Button "Display" und die Literaturverweise erscheinen mit dem Abstract.

Related Articles

Neben der Darstellung der Treffer findet ihr fast immer noch einen Link "Related Articles", der euch zu sehr ähnlichen Artikeln leitet. Das bietet sich vor allem dann an, wenn einer eurer Treffer sprichwötlich wie die Faust aufs Auge passt und ihr gerade auf der Suche nach traumatischen Netzhautablösungen seid. Die hier verlinkten Treffer behandeln für unser Beispiel alle das Thema traumatologische Verletzungen des Auges.

Auswahl treffen

Logischerweise sind auch nach der ausführlichen Limitierung noch nicht alle angezeigten Quellen von Interesse; oft merkt man das schon beim Lesen des Titels oder auch beim Ansehen des Abstracts. Habt ihr jedoch Verweise gefunden, die ihr für wirklich relevant haltet und von denen ihr also den Volltext lesen möchtet, könnt ihr euch diese in einer Liste ausdrucken. Das geht so:

Klickt mit der Maus einfach in das kleine Kästchen vor den Autoren und der Artikel erhält ein Häkchen. Wenn ihr alle in Frage kommenden Artikel dieser und eventuell weiterer Seiten markiert habt, genügt es auf den Button "Text" zu klicken und die ausgewählten Artikel erscheinen als einfache Textseite, die sich zum Ausdruck eignet. Natürlich könnt ihr auch direkt die Website ausdrucken, nur dauert das aufgrund der Randleiste und Grafiken deutlich länger; abgesehen von Tinte oder Toner, die ihr bei der Textseite sparen könnt

Clipboard nutzen

Unterhalb des Suchefeldes befindet sich der Begriff "Clipboard". Wollt ihr eure bisher gefundenen Quellen ersteinmal noch nicht ausdrucken, sondern nach weiteren Begriffen suchen, könnt ihr Einträge im Clipboard ablegen und später wieder aufrufen. Dazu markiert ihr die relevanten Ergebnisse mit dem Häkchen vor dem Autorennamen und klickt anschliessend auf den Button "Clip Add". Habt ihr die Suche endgültig abgeschlossen (hoffentlich nicht aufgegeben), ruft ihr durch einen Klick auf das Clipboard alle eure dort abgelegten Einträge wieder auf, könnt diese erneut bearbeiten, gegebenenfalls auch Einträge wieder entfernen und erst dann den Ausdruck starten - auch hier ist es sinnvoll, vor dem Drucken noch schnell auf "Text" zu klicken.

MeSH-Browser starten

MeSH steht für Medical Subject Heading und ist eine Art Schlagwortkatalog der Medline. Beim Aufnehmen der Artikel in die Datenbank wird vom Bearbeiter aus dem Schlagwortkatalog eine Reihe zutreffender Begriffe ausgewählt und dem Artikel als MeSH zugeordnet. Unterschieden wird dabei noch zwischen besonders relevanten und weniger wichtigen Schlagworten.

Diesen Schlagwortkatalog könnt ihr nutzen, wenn ihr euch ersteinmal eine Übersicht über die verschiedenen Subkategorien eines grösseren Gebietes verschaffen wollt oder auch, wenn euer Suchbegriff partou keine vernünftigen Quellenverweise erbringt. Vereinfacht dargestellt handelt es sich beim MeSH-Browser um eine Suchmaschine für den richtigen Suchbegriff.

Der MeSH Browser findet die Medline-Schlagworte
Der MeSH Browser findet die Medline-Schlagworte

Den MeSH-Browser findet ihr in der linkenRandleiste. In dem erscheinenden Suchefeld könnt ihr den euch interessierenden Begriff eingeben und auf "Go" klicken - jetzt läuft die Suche nach dem passenden Schlagwort der Medline ab. Das gefundene Schlagwort könnt ihr dann für die weitere Suche verwenden.

Journals Database

Auch die gezielte Suche innerhalb einer bestimmten Zeitschrift ist über PubMed möglich. In der linken Randleiste gibt es die Journals Database, über die ihr zu einem Suchefeld für die betreffende Zeitschrift kommt. Habt ihr diese gefunden, könnt ihr nach der Auswahl PubMed aus dem Pulldownmenü oben rechts nur innerhalb dieser Zeitschrift suchen lassen.

Trunkierung ist möglich

Mit dem schönen Wort Trunkierung ist meist das berühmte Sternchen * am Ende eines Suchbegriffes gemeint. Seid ihr euch über die Schreibung des Begriffes nicht sicher oder wollt die Suche auf alle Begriffe mit diesem Wortstamm ausdehnen, könnt ihr am Ende ein * anhängen. Sucht ihr z.B. nach Cry*, werden Arbeiten zum Cat Cry Syndrome genauso wie zur Cryotherapy gefunden. Die Trunkierung ist übrigens nicht am Wortanfang möglich. Wollt ihr beispielsweise einen Präfix ausschliessen, müsst ihr erst nach dem Wortstamm* und dann nach dem Präfix* suchen. Anschliessend verknüpft ihr die beiden Suchanfragen in der History mit dem Begriff NOT und es werden alle Treffer mit dem Wortstamm und gleichzeitig dem auszuschliessenden Präfix nicht mehr angezeigt.

Ähnlich ist es auch innerhalb eines Wortes möglich, allerdings müsst ihr hier das "?" verwenden. Der Suchbegriff kann also z.B. hydrox?cholecalciferol sein. Diese Trunkierung bietet sich an, wenn die Schreibweise regional unterschiedlich ist oder ihr nicht wisst, ob der Begriff wie in dem Beispiel mit "i" oder "y" geschrieben wird. Auch bei Suchbegriffen, die im britischen Englisch mit "ou" und im amerikanischen Englisch nur mit "o" geschrieben werden, ist diese Möglichkeit sehr vorteilhaft. Ein (nicht medizinisches) Beispiel ist "succo?r", das zum einen succour, aber auch succor finden soll.


Weitere DatenbankenNach oben hoch

Über die Seite der National Library of Medicine könnt ihr auch noch in anderen speziellen Datenbanken suchen. Diese lassen sich aus dem Pulldownmenü links oben auswählen.


Link zu PubmedNach oben hoch

Den Zugriff auf die Medline findet ihr hier:

   Externer Link http://www.ncbi.nlm.nih.gov/PubMed/

Hier findet ihr den Link zur Homepage der Bibliothek der Charité

   Externer Link http://www.charite.de/ch/bib/

 

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