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Artikel vom 27. 01. 2012

Modellstudiengang Medizin

Frühe Praxis macht Spaß

Katharina Kramer

An der Berliner Charité ist alles anders. Bei Katharina gibt es kein Physikum, im ersten Semester darf sie schon ran an den Patienten und ihre ersten benoteten Prüfungen sind erst im Februar. Erst im 3. und 4. Semester hat sie Präpkurs und lernt stattdessen schon jetzt, wie sie am besten mit Patienten redet. Katharina zieht ihr persönliches Fazit zum Modelstudiengang im 3. Jahr.

Übersicht


Verzahnung Vorklinik und KlinikNach oben hoch

Das wichtigste ist eigentlich die Verzahnung zwischen Klinik und Vorklinik. Wir haben keine einzelnen Fächer wie Physik, Biochemie und Anatomie, sondern wir haben einen Lehrpunkt und zu diesem Thema unterschiedliche Verantstaltungen verschiedener Fächer. So haben wir zu jedem Thema auch schon klinische Fallvorstellungen wie zum Beispiel beim Thema Proteine eine Fallvorstellung zur Sichelzellanämie oder bei Kohlenhydraten den Fall Laktoseintoleranz.


POLNach oben hoch

Doch unser eigentlich wichtigstes Format ist POL. POL steht für Problemorientieres Lernen. Sinn hinter POL ist, dass man sich in der Montagssitzung Lernziele setzt, die man auch wirklich erreichen will. Über die Woche lernen die Gruppen dann für das Thema und in der Freitagssitzung tragen wir die Ergebnisse zusammen und versuchen, gemeinsam das Thema zu verstehen. Probleme werden gegenseitig erklärt und wir entwickeln alternative Lernmethoden, indem wir beispielsweise Übersichten erstellen.

In der POL-Gruppe sind wir zu acht. Wir überlegen uns Fragen zu einem bestimmten POL-Fall, der mit dem Wochenthema in Einklang steht. Der Grundgedanke dabei ist, dass man es in der Vorlesung hört, im Seminar wiederholt und es sich in POL noch einmal gegenseitig erklärt, sodass wir dann am Ende der Woche die Informationen wirklich behalten.


KITNach oben hoch

Ein sehr interessantes, aber auch ungewöhnliche Unterrichts-Format ist KIT – Kommunikation, Interaktion und Teamarbeit. Dort haben wir in unserer Achtergruppe bei einem Soziologen oder Psychologen Unterricht, der uns erklärt, wie wir mit Patienten reden sollen. Der Dozent stellt dar, wie das perfekte Anamnesegespräch abläuft und in späteren Semstern erklärt man uns auch, wie wir schlechte Nachrichten übermitteln können. Leider fühlen sich einige der Studenten, als ob sie unfreiwillig zum Psychologen geschickt worden wären. Allerdings entstehen bei diesen Simulationen immer wieder interessante Diskussionen, und man beginnt, über verschiedene Aspeke näher nachzudenken.


U-KursNach oben hoch

Das wohl bei weitem beliebteste Format unter den Studenten ist der Untersuchungskurs. Dort bekommt jede POL-Gruppe einen praktizierenden Arzt in einen der Charité-Krankenhäuser zugeordnet, mit dem man alle zwei Wochen die Patienten auf Station "unruhig" macht. Wir lernen praktische Fertigkeiten wie Fieber und Blutdruck messen, und dürfen das dann direkt an Patienten üben. Auch das Anamnesegesräch wird immer wieder trainiert.


StundenplanNach oben hoch

Die POL-Gruppe ist essenziell, da wir alle Verantstaltungen zusammen mit dieser Gruppe haben. Man bekommt abhängig von seiner Gruppe einen Stundenplan zugeteilt, sodass wir ein ziemlich verschultes System mit strikter Anwesenheitskontrolle haben. Montags beginnt es mit POL, dann haben wir während der Woche drei Vorlesungen, drei Seminare und meist ein Paktikum.

Wöchentlich im Wechsel kommt dann KIT oder der U-Kurs dazu und am Ende der Woche ist die Freitagssitzung von POL. In der Vorlesung sind zu Beginn des Studiums allgemein alle 300 Studierenden des Semesters da, später werden es dann weniger, da es die einzigen Veranstaltungen ohne Anwesenheitskontrolle sind. In Seminaren sind normalerweise 20 Studierende, im Praktikum zwischen acht und 32 und in POL acht oder neun.


PrüfungenNach oben hoch

Wir haben zwei verschiedene Prüfungstermine: Zu Anfang des Semesters erfolgt der Progress-Test-Medicine, der nur über den Wissenzuwachs von Semester zu Semester informiert und der auf dem Niveau der Abschlussprüfung ist. Am Ende des Semesters haben wir dann Multiple-Choice-Prüfungen zu den einzelnen Modulen des Semesters, und die SmpP – die Strukturiert mündlich praktische Prüfung. Das Physikum gibt es bei uns nicht, dass 2. Staatexamen ist dann jedoch wieder dasselbe wie im Regelstudiengang.


FazitNach oben hoch

Wir haben ein neues System, alles ist gut durchdacht – aber noch nie richtig ausprobiert worden. Obwohl mittlerweile der 3. Jahrgang des Modellstudiengangs beginnt, wird vieles noch neu ausprobiert und umstrukturiert. Auch die Professoren stehen nicht alle geschlossen hinter dem neuen Studienmodell. Allerdings ist unser Studiengang im Vergleich zum Regelstudiengang deutlich praxisbezogener und auch aufgeschlossener für neue Medien und neue Formate. Wir haben jetzt schon Klinik – dafür aber auch in den hohen Semestern noch die vorklinische Biochemie.

Der Modellstudiengang ist also nicht für jeden das optimale Studium. Wer lieber auf Nummer sicher geht und auf die altbewährten Vorlesungsmodule vertraut, der ist beim Regelstudiengang sicher gut aufgehoben.

Wer allerdings Spaß daran hat, im Team zu lernen und gerne das Wagnis eingeht, auch mal etwas Neues auszuprobieren und wer Wert auf einen frühen Praxisbezug legt, der kann in einem neuem, gut durchdachten und spannenden Studiengang in einer der schönsten Städte der Welt lernen!

 

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