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Artikel vom 21. 09. 2007

Eignungstest für das Medizinstudium in der Schweiz

Wie ich den EMS erfolgreich hinter mich brachte

Stephanie Neumann

Vor kurzem noch schien die erste Hürde, der Eignungstest für das Medizinstudium (EMS), unüberwindbar. Jetzt liegt er hinter mir, fühlt sich nur noch klein und mickrig an und vor mir erhebt sich ein neuer Berg, der motiviert in Angriff genommen werden will: das Medizinstudium!

Übersicht


Eine zu hohe Hürde für zwei Drittel der BewerberNach oben hoch

Die Hürde hinter mir war mit "EMS" beschriftet, dem Eignungstest für das Medizinstudium in der Schweiz. Da die Anzahl der Bewerber regelmässig die der Studienplätze übersteigt, wurde der Numerus Clausus für die deutschsprachigen Unis der Schweiz eingeführt. Die Alternative wäre, an einer französisch-sprachigen Uni Medizin zu studieren. Diese Möglichkeit habe ich nicht in Betracht gezogen, da ich mich äußerst mühsam nur durch 7 ½ Jahre Französischunterricht gequält habe und s'asseoir immer noch nicht richtig konjugieren kann - die Tatsache, dass ich gerade nachschauen musste, wie man die Grundform richtig schreibt, mag die vorherige Aussage unterstreichen.

Auf die schlussendlich von der CRUS (Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten) vergebenen 635 Studienplätze haben sich im Februar etwa 2170 hoffnungsvolle junge Menschen vorangemeldet. Die Anzahl der Studienplätze bezieht sich hier nur auf die EMS-betroffenen Unis Basel, Bern, Zürich und Freiburg. Trotz einer Rückzugsquote von 34.8% bis zum eigentlichen EMS bedeutet es, dass zwei Dritteln die Aufnahme in den erlauchten Kreis der Medizinstudenten wenigstens für dieses Jahr verwehrt bleibt.


Meine Vorbereitung zum EMSNach oben hoch

Ein Hürdenlauf lässt sich besser mit Training und ordentlich aufgewärmten Muskeln bewältigen. Um mir also die Chancen auf einen Studienplatz nicht gleich von Anfang zu vermasseln, habe ich mit der Vorbereitung schon früh angefangen und mich in die einzelnen Untertests hineingearbeitet.

Doch an erster Stelle satnd die Planung der Vorbereitung, denn so ließ sich das lästige Lernen nochmals aufschieben. Trotzdem, bei meinen Vorbereitungen zeichneten sich Schwächen erschreckend schnell ab - ich habe ein nur rudimentär vorhandenes räumliches Vorstellungsvermögen!

Zusätzlich zu meinen individuellen, wenn auch nicht allzu intensiven, Vorbereitungen zu Hause habe ich noch einen Vorbereitungskurs besucht. Bei der kurzen Vorstellungsrunde zu Beginn des Kurses, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass es Menschen gab, die durch den Test gefallen waren und dass ich diese Möglichkeit wohl oder übel auch in Betracht ziehen musste. Wahrscheinlich sind meine Vorbereitungen nur durch diese Erfahrung alleine nach Ende des Kurses deutlich intensiver geworden. Der Kurs selbst war zwar anstrengend, doch anschließend wusste ich genau, bei welchen Untertests ich noch Arbeit investieren musste und auch welche Untertests mir sehr lagen. Für letztere habe ich auch nachher nicht mehr geübt.


Mein EMSNach oben hoch

Trotz aller Kritik an solchen kommerziellen Veranstaltungen muss ich sagen, dass sich für mich der Vorbereitungskurs gelohnt hat und ich das Geld gut angelegt habe. Sonst hätte ich wahrscheinlich nicht so gut abgeschnitten. Von den möglichen 198 Punkten habe ich 154 geholt, was einen Prozentrang von 98.2 entspricht. Das bedeutet, nur 1.8% der Testteilnehmer haben besser abgeschnitten als ich. Bei allen Übungsversionen, die ich durchgearbeitet habe, kam ich im Vorfeld immer auf ein etwa gleiches Ergebnis, so dass ich sagen muss, dass der Test im Vergleich zu meinem Übungsmaterial gleichwertig war und ich so wusste was auf mich zukommt.

Der Test selber war sehr sehr anstrengend und nichts für Leute mit einer schwachen Blase. Ausser einer langen Mittagspause gab es keine Unterbrechungen und Untertest reihte sich an Untertest. Im Vorfeld habe ich mich mit lebensnotwendigen Dingen wie Kaffee, Energieriegeln, Brötchen und Aufputschgetränken eingedeckt. Am Ende des Tages war von diesem Vorrat nur wenig verbraucht. Im Test selber aus Zeitnot und in der Pause aus Anspannung habe ich nur äußerst wenig gegessen und musste mich richtig zwingen wenigstens vor dem Konzentrationstest noch etwas Traubenzucker einzuwerfen.

Die reine Testdauer betrug etwa 5 Stunden, doch man musste immer früher da sein, damit man rechtzeitig durch die Einlasskontrolle kam und seinen Platz suchen konnte. Der Platz selber verdient noch eine besondere Würdigung: Während ich zu Hause immer an meinem schönen grossen Schreibtisch geübt habe, stand einem am eigentlichen Test nur so ein winziges Tischchen zur Verfügen, denn der Test fand in einem Vorlesungssaal der Uni statt. Es war schon eine Herausforderung das Testheft, den Antwortbogen und das Notizpapier irgendwie so hinzulegen, dass man alles im Blick hatte.


Die Zeit nach meinem EMSNach oben hoch

Dieser Test liegt nun schon eine Weile zurück, doch die Freude über das Ergebnis mischt sich mit der Vorfreude auf das Uni-Leben und so ist der Abstand zwischen den ersten beiden Hürden bis jetzt ein einziges Freudental. Aber jetzt schiebe ich Schlauchfiguren, Muster zuordnen, Konzentrationstest und allfällige anderen Studienrichtungen und -orte zur Seite und widme mich den wirklich wichtigen Dingen: Meinem Umzug!

Ich wohne zwar ganz in der Nähe von Basel, habe mich aber nach langen Überlegungen und dem Konsultieren des ZEIT Uni-Rankings dafür entschieden mich für die Uni Bern anzumelden, sodass ich nun bald in meine erste eigene Wohnung ziehen werde! Durch die großzügige Unterstützung meiner Eltern und der Tatsache, dass ich 6 Monate Praktikantin bei einer Versicherung war, liegt die erste eigene Wohnung auch finanziell drin. Denn da in der Schweiz der "Kantönligeischt" herrscht, habe ich meine Matur bereits im Dezember abgelegt (die meisten Kantone haben die Prüfungen im Sommer) und hatte deshalb mehr als ein halbes Jahr bis zum Studienbeginn im September frei. In dieser Zeit habe ich wertvolle Erfahrungen mit EDV, Mobbing und verschieden Spezies machen können - besonders erwähnen möchte ich die Archivare und die Helpdesk-Mitarbeiter.


Ein Studentenleben ohne ChefsNach oben hoch

Die Freude auf ein Studentenleben ohne Chefs, Computerprobleme und Weckergeklingeln noch vor 6 Uhr wächst beständig. Auch weiss ich jetzt, dass ein Bürojob mir für ein Leben lang viel zu langweilig wäre.

Ich kann also topmotiviert auch die zweite Hürde in Angriff nehmen und versuche zu vergessen, dass dahinter kein Hürden-Sprint, sondern ein Hürden-Marathon auf mich wartet. Doch direkt hinter der ersten grossen Hürde wartet bereits ein Zwischenziel auf mich - es leuchtet blau und die Sonne scheint genau auf diesen Fleck: die Semesterferien!

 

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