Du willst Chirurg werden? - Nur Mut!
Der Berufsverband der Deutschen Chirurgen macht sich auf Nachwuchssuche
Anna Boecker
In Deutschland wird der Mangel an Chirurgen immer deutlicher und so tourt der Berufsverband der Deutschen Chirurgen - kurz BDC - seit einiger Zeit mit einer Informationsveranstaltung durch deutsche Unis, um neugierig zu machen, zu informieren und nicht zuletzt auch für das Fach zu werben. Am Mittwoch, den 12.11, hieß es in Bonn: "Nur Mut".
Übersicht

Das Logo der "Nur Mut!" Initiative Bild: BDC
| Chirurgen-Mangel | hoch |
Jährliche gibt es in Deutschland etwa 9.000 Absolventen der Medizin. Diese Zahl würde gut reichen den Bedarf an Ärzten in Deutschland zu decken. Nur ist es so, dass gerade einmal 60 Prozent dieser Absolventen in die klinische Tätigkeit gehen. Der Rest verschwindet zum Beispiel ins Ausland oder geht in die Industrie. Daraus resultiert ein eklatanter Mangel, der immer deutlicher wird. Fast jede Klinik - gerade im ländlichen Bereich - hat offene Stellen und Schwierigkeiten diese zu besetzen.
Auch der BDC hat diesen Mangel erkannt. Er hat sich etwas einfallen lassen, um Nachwuchs für die Chirurgie zu gewinnen und für das Fach zu werben. Denn gerade dieses zentrale und große Fach hat Nachwuchssorgen: Wer sich heute für eine Stelle in der Chirurgie bewirbt, kann sich das Haus fast aussuchen.

Mit peppigen Postkartenmotiven wie diesem wollen die Organisatoren Interesse wecken und potentielle Nachwuchs-Chirurgen ansprechen. Foto: BDC
| Nur Mut! - Kein Durchschnittsjob: ChirurgIn | hoch |
"Nur Mut" ist eine Initiative des BDC, deren Ziel es ist, potentielle Nachwuchs-Chirurgen für das Fach zu begeistern, ihnen bei der Berufsentscheidung zu helfen sie über das Fach, den Berufsweg und die Weiterbildung zu informieren. Bei der Informationsveranstaltung am 12.11 im großen Hörsaal Chirurgie in Bonn wurden interessante Informationen in zwei Kurzvorträgen gegeben. Anschließend beantworteten anwesende Chirurgen und Ärzte in der Weiterbildung zahlreiche Fragen.
| Der chirurgische Alltag und die Weiterbildung | hoch |
Im ersten Kurzvortrag sprach PD Dr. Wolfgang Schröder von der Uniklinik Köln über die Weiterbildungsordnung. Bei allen chirurgischen Fachrichtungen steht am Anfang der "Common Trunk". Das sind 2 Jahre, in denen die chirurgischen Grundlagen im Mittelpunkt stehen. Dazu gehört nicht in erster Linie die operative Tätigkeit, sondern vielmehr Stationsarbeit, post-OP Management, Ambulanz und Intensivstation. Nach diesen 2 Jahren muss man sich für eine von acht chirurgischen Säulen entscheiden, wobei ein Jahr in einer "assoziierten Disziplin" abgeleistet werden kann. Nach frühestens 6 Jahren in der Weiterbildung kann man sich dann zur mündlichen Facharztprüfung anmelden.
Dr. Schröder sprach auch ganz offen über die hohe Arbeitsbelastung: Die Chirurgie ist mit durchschnittlich 60-70 Wochenstunden eines der arbeitsintensivsten Fächer in der Medizin. Und auch die Nachtarbeit und Wochenenddienste darf man nicht scheuen, wenn man sich entschließt in die Chirurgie zu gehen.
Das durchschnittliche Gehalt im ersten Weiterbildungsjahr bezifferte Dr. Schröder auf etwa 3.705 € zuzüglich Diensten und Überstundenvergütung. Im letzten Assistenzarztjahr liegt das Brutto-Einkommen bei etwa 4.635 €.
| Die Chance, Forderungen zu stellen | hoch |
Der Mangel an Chirurgen gibt Bewerbern die Gelegenheit, bei Bewerbungsgesprächen angemessene Forderungen zu stellen und sich genau nach den Bedingungen im jeweiligen Haus zu erkundigen. So sollte man auf jeden Fall nach einem Weiterbildungsplan fragen und ob es ein Rotationssystem für Assistenzärzte gibt, das es ermöglicht, die nötigen Abteilungen zu durchlaufen. Vor allem das halbe Jahr Intensivstation ist ein Nadelöhr, das ruhig im Vorstellungsgespräch angesprochen werden sollte.
Genauso können alternative Arbeitsmodelle für Mütter und die Frage nach einer Kinderbetreuung Inhalt des Vorstellungsgesprächs sein. Es muss umgedacht werden und gerade der momentane Mangel an Bewerbern gibt Gelegenheit, einen Wandel zu bewirken.
| Fazit und weitere Informationen | hoch |
Der Abend bot zahlreiche Informationen. Er machte Lust und Mut für eine Karriere in der Chirurgie. Natürlich stellt die Chirurgie hohe Anforderungen und die Veranstalter machten keinen Hehl daraus. Doch war die Begeisterung für ihr Fach ansteckend und ermutigend.
Wer mehr wissen möchte, kann sich auf der Homepage umsehen. Dort gibt es weitere Informationen und auch die Termine für kommende Veranstaltungen der "Nur-Mut"- Initiative:
www.chirurg-werden.de
Außerdem bietet der BDC ein Patenschaftsprogramm für Nachwuchschirugen an. Bei Interesse kann man sich an den BDC wenden:
www.bdc.de
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