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Artikel vom 08. 04. 2010

Chemie in der Bonner Vorklinik

Aller Anfang ist schwer

Oleg Spektor

Ein schönes Bild vor den Toren der Bonner Anatomie, Mittelpunkt des pulsierenden Vorkliniklebens in Bonn: Zu Hunderten tummeln sich neugierige Erstis, um von kampferprobten und kompetenten Fachschaftlern in die Strukturen des Medizinstudiums eingeführt zu werden. Schnell wird klar, dass anspruchsvolle Fächer wie Biologie, Physik, Terminologie und Psychologie zu bewältigen sind, doch die besondere Herausforderung in Bonn ist offenbar das Fach Chemie.

Übersicht


In Vorlesung und Praktikum von der Anorganik zur OrganikNach oben hoch

Die Chemie findet in Bonn im ersten Semester statt. Sie besteht aus einer wöchentlichen Vorlesung und einem mehrstündigen Praktikum im Labor, das ebenfalls wöchentlich stattfinden. In einem Seminar wird das Praktikum jeweils vorbereitet. Im ersten Teil des Semesters beschäftigen sich die Medizinstudenten sowohl in der Vorlesung, als auch im Seminar und im Praktikum mit anorganischer und im zweiten Semester mit organischer Chemie.

Der fachliche Anspruch der Vorlesungen und insbesondere des Praktikums ist von Anfang an extrem hoch, sodass jemand, der Chemie nicht im Abitur hatte, sich anfangs möglicherweise etwas überfordert fühlt.


Nur nicht nervös machen lassenNach oben hoch

Nach den ersten Vorlesungen werden die Vorkliniker interessanterweise mit Nachhilfeangeboten überschüttet. Um die anspruchsvolle Chemie in Bonn haben sich zwei größere Nachhilfe-Unternehmen aufgebaut. Deren Mitarbeiter sprechen Erstis unmittelbar nach der ersten Vorlesungen an, was ich persönlich als Jagd auf unsichere Erstis bezeichnen würde.

Wenn der Student sich allerdings von der allgemeinen Hektik nicht nervös machen lässt, so findet er recht schnell einen intensiven und erfolgreichen Lernrhythmus.

Die Erstsemester in Bonn müssen eine Zwischenklausur in Anorganik und eine Abschlussklausur in Organik erfolgreich absolvieren. Hilfe finden die Vorkliniker bei den Tutoren, die die Seminare und Praktika leiten. Die Tutoren empfand ich als unterschiedlich kompetent und zugänglich. Welcher Student welchem Tutor zugeteilt wird, ist vom Zufall abhängig.


Von Titration bis Aspirin: Das PraktikumNach oben hoch

Im Praktikum gibt es mal mehr und mal minder interessante Tage: Das Spektrum reicht von Titration von Säuren und Basen, über Nachweisreaktionen spezieller Stoffgruppen, bis hin zur Herstellung von Aspirin.

Es ist unbedingt ratsam, vorbereitet in die einzelnen Praktikumsveranstaltungen hineinzugehen. Auf diese Weise nehmt Ihr viel mehr mit und könnt Euch dann auch relativ sicher fühlt, wenn Die Tutoren Wissensfragen stellen.

In der organischen Chemie, also im zweiten Teil des Semesters, ist erneut Bücherwälzen angesagt. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf organischen Verbindungen, bestimmten Eiweißen, Säuren, Fetten, um deren Benennung, Eigenschaften, Reaktionsverhalten und besonders ihre um ihre dreidimensionale Struktur im Raum.


Chemie-Schein als krönender AbschlussNach oben hoch

Den Chemie-Schein erhält, wer an allen Praktika und Seminaren teilgenommen - und die Zwischen- und Abschlussklausur bestanden hat. Vorsicht: Jeweils fast ein Drittel fällt durch die Prüfungen.

Die Nachhilfe-Kurse erweisen sich im Nachhinein oft als überschätzt und gar nicht so hilfreich. Davon abgesehen sollten Medizinstudenten sich das eigenständige Lernen schon früh aneignen.

Meiner Meinung nach ist das Fach zwar machbar, aber nur mit außerordentlich hohem Lernaufwand. Das Tempo in den Veranstaltungen und der Umfang des Stoffes sind so rasant, dass manch Medizinstudent vermutet, dass über Chemie gesiebt wird. Die Chemiker versichern jedoch, das dies nicht ihre Absicht ist.

Die Chemie ist die Bonner Feuertaufe des Medizinstudiums. Habt Ihr sie allerdings erst durchgestanden, könnt Ihr fast sicher sein, dass Ihr alle weiteren Hürden in den nächsten Semestern nehmen könnt.


Also: "Auf geht's und nicht verunsichern lassen!"


Oleg Spektor studiert Medizin in Bonn und ist Via medici online-Lokalredakteur.


 

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